Verrückte da draußen! Willkommen im Knast!

Medien High-tech-Sucht und Medien-Junkis trotz Zahlungsunfähigkeit - Verblödung im Informationszeitalter? Ich bin dabei!
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Kennt Ihr das auch? Wenn die Gespräche am Tisch erlahmen, dann kommen die I-Pads, I-Phones und andere Smartphones zum Vorschein und jeder stochert darin herum und schmeißt sogleich mit irgendwelchem gegoogeltem Halbwissen um sich, mit lustigen YouTube-Clips oder witzigen Fakebook-Schnappschüssen, die für kurze, krampfhafte Lacher in der Runde sorgen. Wenn man nicht selbst ein stolzer Besitzer eines solchen High-Tech-Hypes ist, bei dem sich das Display mit Daumen und Zeigefinger in die Breite ziehen lässt, wie eine Vagina, dann kann sich der Gedanke aufdrängen, ohne ein Smartphone wäre man irgendwie impotent. Andererseits: drauf geschissen!

Lächelnde Sklaven

Man muss den neusten Zeitklauer unbedingt haben, weil er smart und slim ist und voller cooler Apps, die einen mit ihren regelmäßigen Updates selbst schon in die Gesellschaft des Informationszeitalters hinein konfigurieren. Yeah! O, Media-Gott, lass mich unbemerkt abhängig werden von deinen neuesten Errungenschaften! Bring meine Software diesmal reibungslos auf den neuesten Stand und lass mich schnell meine Sendungen und Anwendungen, Infos und Pornos finden, damit ich befriedigt werde, denn groß ist mein Verlangen nach immer mehr! Ziehe mir dabei nicht so viel Knete aus der Tasche, denn heilig sind deine Worte: „Geiz ist geil“ und „Wir sind billiger!“

Die Informationsflut bricht nicht ab, das Licht geht bei den High-Tech-Konzernen niemals aus. Denn die haben Millionen debiler Kunden im Sack und füttern ihre Sklaven mit immer nutzloseren Apps, Upgrades und Downloads, so dass sie niemals wirklich befriedigt mit dem Befingern ihrer Smartphones aufhören; es reicht gerade so, dass der Appetit auf mehr Surfen, Chatten, Lästern, Stalken etc. wächst. Und wenn mal irgendwas nicht funktioniert – ein Systemabsturz oder mackenbelastete Apps – dann verhält sich der Sklave wie ein Junkie auf Entzug; er weiß nicht wohin er seine rastlosen Glubscher wenden soll, denn außer der Glotzer, scheint ihn in der Welt nichts zu beruhigen. Kommunikation mit anderen Sklaven klappt nur zaghaft und behandelt hauptsächlich nur Dot-Com-Themen. Ruhig ist der Smartphone-Junkie erst wenn sein vibrierendes Spielzeug wieder einsatzfähig ist und er lächelnd in seine kleine Fake-Welt wieder eintauchen kann. Vielleicht spielt im Hintergrund auch noch das Gefühl mit, ohne den ganzen technischen Schnick-Schnack wäre man nur ein halber Mensch, oder wie es ähnlich der Autor Peter Watts ausdrückt: "Man muss ständig auf den neusten Stand sein. Wenn man sich nicht neu konfiguriert, kann man sich nicht umschulen lassen. Wenn man sich nicht umschulen läßt, ist man innerhalb eines Monats veraltet." Dabei ist es irrelevant, dass er ein Sklave der High-Tech-Konzerne ist, denn sein Käfig ist gläsern, er kann seine Bewacher nicht sehen; nach dem Motto: aus den Augen – aus dem Sinn. Dass viele Regierungen die Aufsicht und Regulierung elektronischer Kommunikation profitorientierten Firmen übertragen haben, ist dem Junkie scheißegal. Hauptsache der neuste Clip, den ich vom Kumpel bekomme ist wieder mal schweinisch oder zeigt einen Eigequetschten oder noch besser Zerquetschten, damit ich lachen kann.

I-Phone auf Pump

Immer öfter begegne ich Leuten, die zwar chronisch pleite sind, oder gar privatinsolvent, und dennoch mit einem I-Phone 5 protzen einem I-Pad oder dem neuesten E-Book-Reader. Diese Opfer haben dann nicht selten auch die neusten Spielkonsolen daheim und auf Blu-ray ein paar Stafel „Gray’s Anatomy“, „Simpsons“ oder „Navy CIS“.

Obwohl die Insolvenzzahlen in der Bundesrepublik alarmierend sind, bekommt man mit Vertrag dann noch ein geiles Smartphone auf Pump hinterhergeschmissen. Waren es im Jahre 2000 noch knapp 14.000 Menschen, die Zahlungsunfähigkeit angemeldet haben, so sind es 2011 bereits über 136.000.

Dass viele Pleite-Kunden bereits nach wenigen Wochen die Telefonrechnung nicht mehr zahlen können, (denn viele von Ihnen haben nicht nur einen Handyvertrag oder kaufen sich auf Rate gleich ein paar High-Tech-Geräte), ist den Verkäufern letztendlich Schnuppe, denn dann geht’s ja weiter mit den monatlichen Ratenaufforderungen und dem Abstottern von fehlenden Beträgen und Strafzahlungen. Der Sklave ist voll in der Schuldenfalle, aber er hat einen weiteren Media-Apparat in seiner Kollektion. Die Schufa kommt, das Inkassobüro, die Insolvenzberater – irgendwie wird’s weiter gehen. Mit den neuesten Apps klappt’s auch wieder mit den Freunden, man ist on top, online, fast schon ohne Wahl. Egal: „Ich bin doch nicht blöd.“

21:39 23.01.2013
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Geschrieben von

Lindnerowski

Nach dem Kacken Bürste packen!
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Lindnerowski

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