Charlie Hebdo: Gefühle instrumentalisieren

Je suis manipulé Millionen Menschen demonstrierten am 11. Januar 2014 gegen den Mord an Journalisten von Charlie Hebdo. Die meisten merkten nicht, wie sie manipuliert wurden.
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Der Trauermarsch von Millionen Menschen auf der einen Straße, wurde von einem „Trauermarsch“ an anderer Stelle, durch die wirklichen Verursacher des Terrorismus, instrumentalisiert, und in das Gegenteil verkehrt. Kaum einer der empörten Demonstranten hatte sich darüber Gedanken gemacht a) woher der Terrorismus kam und b) wohin er sie führen wird. Wie üblich, wenn Gefühle sich überschlagen, beherrschten virtuelle Scheuklappen, sorgfältig durch die großen Medienkonzerne, und staatlich beeinflussten Öffentlich Rechtlichen Sender, aufrecht erhalten, das Denken.

Und kaum jemand der betroffenen Demonstranten wurde durch die Medien darauf aufmerksam, dass im Schatten des Verbrechens von Paris, praktisch gleichzeitig, Boko Haram 2000 Nigerianer brutal ermordete, ohne dass es den betroffenen Politikern im Westen, einer Erwähnung wert war. Geschweige denn eine Reaktion.

Jetzt, ein paar Tage später, mag in dem einen oder anderen, das Bewusstsein über die Heuchelei der westlichen Regierungschefs, die sich angeblich mit ihnen solidarisiert hatten, gewachsen sein. Ein Unbehagen beginnt sich einzustellen. Der richtige Moment, die Geschichte gerade zu rücken, und die wahren Hintermänner von Terrorismus und Unterdrückung von Freiheit, zu benennen.

DIE ENTSTEHUNG DES ISLAMISTISCHEN TERRORISMUS

Am 12. Januar 2015 fasste die Seite German-Foreign-Policy einen Teil der Geschichte des islamistischen Terrors in einem Artikel zusammen. Die Seite beginnt damit, zu erklären, wie die USA Terrorismus in Afghanistan gefördert hatte, um die UDSSR in die „Afghanische Falle“ zu locken, um dem kommunistischen Gegner sein eigenes “Vietnam“ beizubringen. Dann fährt der Artikel fort:

„…. Auf die Frage, ob er es nicht bedaure, mit den Hilfen für die Aufständischen in Afghanistan letzten Endes Dschihadisten den Weg bereitet zu haben, antwortete Brzezinski im Jahr 1998: "Was soll ich bedauern? Diese geheime Operation war eine exzellente Idee. Sie hat die Russen in die afghanische Falle gelockt, und Sie wollen, dass ich das bedauere?[2] ….“

Haben Sie bemerkt, dass Brzezinski gar nicht abstritt, dass die USA die Geburt des islamistischen Terrors gefördert hat?
Die USA hatte in Afghanistan Islamisten und Warlords mit jährlich dreistelligen Millionenbeträgen finanziert. Nur durch diese enorme finanzielle Unterstützung, war es den bis dahin nationalistisch organisierten Islamisten möglich, sich nun internationalistisch aufzustellen. Und an der Ausbildung der Terroristen war auch der deutsche GSG9 beteiligt:

„…"Nahe Peschawar bildeten GSG9-Beamte Gotteskrieger ... aus", heißt es in einem Standardwerk über die deutsche Auslandsspionage.[4] …“

Aber aus Deutschland, einem der treuesten Unterstützer der US-Politik, kam nicht nur Ausbildung, sondern auch Geld, Winterkleidung, Nachtsicht- und Minensuchgeräte. Und natürlich erhielten die Terroristen Geheimdienstinformationen vom BND.

TERRORISTEN ERLEDIGEN DAS SCHMUTZIGE GESCHÄFT

Ein gutes Beispiel, wie der Westen Terrorismus unterstützt, um davon zu „profitieren“, ist die Geschichte von Abdul Hakim Belhaj, einem Top-Terroristen. German Foreign Policy schreibt über ihn:

„…..2004 geriet Belhaj im Rahmen des "Anti-Terror-Kriegs" ins Visier des Westens, wurde festgenommen, von der CIA misshandelt und nach Libyen verschleppt, wo er in Folterhaft landete. 2010 kam er frei. 2011, als der Westen - ganz wie in den 1980er Jahren in Afghanistan - einheimische Kämpfer benötigte, um ein missliebiges Regime zu stürzen, griff er erneut auf Abdul Hakim Belhaj zurück: Als dieser eine dschihadistische Brigade gründete, um sich am Aufstand zu beteiligen, wurde sie unter den Augen westlicher Geheimdienste vom Emirat Qatar hochgerüstet.[5] Zum dritten Mal nach 1988 und 1995 trat Belhaj an der Seite des Westens in den Kampf gegen eine missliebige Regierung ein.…..“

Und wieder war ein Land, wie zuvor der Irak und Afghanistan, zu einer Hochburg des gewalttätigen Islamismus geworden, dank der Finanzierung und Unterstützung des Westens, ja sogar dank eines gemeinsamen Krieges mit der NATO.

SYRIEN:SCHMUTZIGER KRIEG DES WESTENS

Die beste Beschreibung der Entstehung des Bürgerkrieges in Syrien stammt vermutlich von einem Blogger. Uwe Ness beschrieb schon 2012 die durch westliche Politik beeinflusste Geschichte der Entstehung des Bürgerkrieges in Syrien. Wer die Informationen liest, die Links auf Verlässlichkeit der Informationen und Plausbilität geprüft hat, wird nicht umhin können, zu begreifen, dass es sich um einen von außen entzündeten Konflikt handelt, der bewusst zur Gewaltanwendung und Terrorismus geführt wurde.

Der ehemalige Außenminister Frankreichs, Dumas, hatte das französische Fernsehpublikum sehr offen über die angelsächsischen Pläne für einen, von Außen initiierten, Bürgerkrieg in Syrien informiert. Seine Originalaussagen finden sich heute noch in YouTube.

„…Über Jahre förderte Saudi-Arabien in Abstimmung mit dem Westen und im Rahmen einer ausgefeilten Strategie ("Bandar-Plan") ganz allgemein in Syrien kämpfende Dschihadisten, um mit ihrer Hilfe die Regierung von Bashar al Assad zu stürzen; die Türkei leistete logistischen Beistand. Ihr Krieg an der Seite des Westens gegen einen gemeinsamen Gegner ermöglichte es den Dschihadisten, mit der Gründung des IS ihren zweiten großen Durchbruch nach demjenigen im Afghanistan-Krieg der 1980er Jahre zu erzielen. Der gemeinsame Krieg wird auf Seiten der Islamisten wie auf Seiten des Westens und seiner Verbündeten zum Teil mit demselben Personal wie damals geführt - mit alten Mitkämpfern Osama bin Ladens und mit dschihad-erfahrenen saudischen Prinzen. Einer dieser Prinzen gehört dem "Advisory Council" der Münchner Sicherheitskonferenz an…..“

Der Westen behauptet, dass es die „gemäßigten“ Teile der Rebellen in Syrien, die so genannte „Free Syrian Army“ (FSA) unterstützen würde. Indirekt und unausgesprochen aber natürlich auch die extremistischen Teile, weil auch unsere Regierung beste Beziehungen zu deren Finanziers, Katar und Saudi-Arabien, unterhalten, ja sogar mit Ihnen in „ständigem Kontakt“ über die Syrienfrage, war.

So hat Berlin etwa den saudischen Prinzen Turki al Faisal zum Thema Syrien-Krieg zu Rate gezogen. Dieser machte im Januar 2013 in Berlin energisch Druck, und sprach sich sogar für die Lieferung von Panzer- und Luftabwehrraketen an die syrischen Aufständischen aus. Da die IS angeblich die ersten Kampfjets abgeschossen haben soll, hat sie wohl von jemanden solche Waffen erhalten. Tragbare Anti-Panzer-Raketen, wurden bereits jubelnd in Videos vorgeführt.

German Foreign Policy erklärt in einem Artikel, am Beispiel von Abu Basir al Tartousi, die personellen Kontinuitäten in der Zusammenarbeit des Westens mit den Dschihadisten. Dieser Terrorist nahm schon 1980 an der islamistischen Revolte in Syrien Teil, ging dann 1981 nach Afghanistan, um dort mit Unterstützung des Westens gegen Russland zu kämpfen. Im Frühjahr 2012 soll er wieder in Syrien aufgetaucht sein, wo er den Ruf eines „Muftis der Opposition“ inne hatte. [3]

So war es nur durch die Unterstützung des Westens und ihrer Verbündeter möglich, dass die in Syrien kämpfenden Dschihadisten, die sich dann zum großen Teil später der IS anschlossen, große Teile Syriens in ihre Gewalt bekamen, und dort ihre Schreckensherrschaft ausleben konnten. Eine Schreckenherrschaft, die erst dann im Westen zum Thema wurde, als die IS in den Irak einmarschierte, und drohte, die mit den USA verbündeten Kurden, zu besiegen. Und erstaunlicherweise war der NSA entgangen, dass sich tausende von Pick-Ups sich auf den Weg in den Irak begaben, obwohl der Irak das Land ist, in dem jedes einzelne Telefonat überwacht wird.

So züchtete der Westen, vertreten durch die „Je suis Charlie“-Anführer der westlichen Welt in Paris, selbst die Ungeheuer, gegen die sie in Paris mediengerecht auf der Straße demonstrierten. Und durch ihre hundertausendfachen Morde, die Verseuchung mit Uranmunition und Auslösung von Flüchtlingsströmen, wurde der Zustrom zu fundamentalistischen Kreisen immer stärker, da offensichtlich gewaltfreier Widerstand keine Wirkung zeigt.

JE NE SUIS PAS CHARLIE

Außer der Tatsache, dass ich nicht mit den größten Heuchlern dieses Jahrtausends in einer Demonstration auftreten würde, wobei es sich selbst dabei um eine Medienmanipulation handelte, da die Elite eine eigene Demonstration abhielt, getrennt von den Untertanen, gibt es weitere Gründe, warum ich nicht Charlie bin.

Wenn ich Karikaturen in meinem Moralverständnis bewerte, versuche ich die Zeichnungen in Worte zu fassen. Meist gelingt mir das ganz gut. Wenn ich aber versuche, verschiedene Karikaturen von Charles Hebdo zu beschreiben, benötige ich Ausdrücke, die ich in Zusammenhang mit Menschen, oder ihren Gefühlen, niemals benutzen würde, selbst nicht um meinen schlimmsten politischen Gegner zu beschimpfen. Aus diesem Grund kann ich nicht sagen, dass ich mich mit Charlie Hebdo identifiziere.

Das heißt nicht, dass ich mich nicht dafür einsetze, dass solche Karikaturen veröffentlicht werden dürfen. Sicher würde ich niemals gegen Karikaturen oder Satire klagen, wie unsere scheinheiligen deutschen Politiker und Edelfedern. Und natürlich ist auch kein Mord dadurch gerechtfertigt.

Jeder mag andere Vorstellungen davon haben, wie er mit seiner Umwelt kommuniziert. Bei Charlie Hebdo war die Provokation der Inhalt. Oder wie ich es intellektuell ausgedrückt irgendwo las, "die Französische Revolution war schmutzig". Nun, auch Teile der Revolution in Frankreich war heuchlerisch, und selbst Charlie Hebdo kann sich nicht davon freisprechen. Schließlich entließ die Zeitung einen Mitarbeiter, weil er angeblich antisemitische Dinge veröffentlicht hatte. Also gibt es auch bei Provokation und der Revolution gute und böse?

Der folgende Tweet beschreibt einen weiteren Grund, warum ich nicht sagen will, dass ich Charlie bin:

"Ich mag nicht sagen, dass ich Charlie bin, weil ich mich nicht über die verletzlichsten Teile der Gesellschaft lustig mache".

Als Karikaturist würde ich selbst immer nur diejenigen angreifen, die die Stärkeren sind. Jene, die wirklich die Macht inne haben. Denn als "Hofnarr" bin ich oft der einzige, der die Wahrheit sagen kann, ohne dafür sanktioniert zu werden. Das kann man hervorragend in der Militärdiktatur Thailands oder in den USA nach 9/11 erkennen. Die Karikaturen sind die einzigen Teile der etablierten Medien, die noch kritisch gegenüber der politischen Führung sein dürfen.

"Je suis contre tuer" Ich bin gegen das Töten. "Mais je ne suis pas Charlie".

KATERSTIMMUNG

Und noch sind die Opfer des Mordanschlages in Paris nicht beerdigt, da werden sie schon herbeizitiert, als Zeugen für schärfere Gesetze, mehr Überwachung, mehr Macht für den Staat. Und das von denjenigen, die diesen Terrorismus erst ermöglicht, ihn zum Leben erweckt haben.

Als ob das nicht reichen würde, geschah nebenbei noch eine ganz andere perfide Inszenierung. Mit ihren Stiften und „Je suis Charlie“ Postern outeten sich plötzlich jene, die selbst energisch gegen kritische Medien vorgegangen waren, plötzlich als Vertreter von Meinungs- und Pressefreiheit. Wie konnten das die Demonstranten in Paris übersehen?

Der Blogger Danile Wickham (@DanielWickham93) hat das mal in ein paar Tweets angedeutet, die ich nachfolgend übersetzt und ergänzt habe. Dabei handelt es sich nicht um eine professionelle Medienrecherche, sondern lediglich um die Spitze von Eisbergen, die sich spontan aus dem Internet recherchieren lassen. Schauen wir uns die Verteidiger der Meinungs- und Pressefreiheit einmal an:

DIE HEUCHLER

Der Generalstaatsanwalt der USA, ist Spitzenbeamter eines Landes, in dem in Ferguson gerade erst neulich verschiedene Journalisten verhaftet und inhaftiert worden waren. Darunter übrigens auch Deutsche. Die USA hält Sami al Hajj, einen Journalisten von al Jazeera, seit 6 Jahren, ohne Anklageerhebung, im illegalen Gefängnis Guantanamo gefangen. Die USA ist ein Land, in dem kritische Journalisten verfolgt werden, wenn sie sich weigern mit den Strafverfolgungsbehörden zu kooperieren. Immer häufiger werden Journalisten inhaftiert oder mit Haft bedroht, um ihre Quellen für Strafverfolgung zu erschließen, und damit investigativen Journalismus unmöglich zu machen. Die Regierungen der USA verfolgen Menschen, die Medien das Bekanntmachen von staatlichen Verbrechen ermöglichen. Denken Sie an Mannig und Snowden, die als Staatsfeinde höchsten Grades angesehen werden. Jeremy Hammond, der öffentlich gemacht hatte, dass die Firma Stratfor im Auftrag der Regierung Menschenrechtler illegal geheimdienstlich überwachte, sitzt seit 10 Jahren im Gefängnis. Die USA ist ein Land, in dem Whistleblower die einzigen sind, die nach einem offenbarten Verbrechen, von der Justiz verfolgt werden, und nun behaupten „Je suis Charlie“.

Der Botschafter von Saudi Arabien in Frankreich. Er ist Vertreter eines Landes, in dem der Blogger @raif_badawi wegen Beleidigung des Islams, gerade am letzten Freitag öffentlich ausgepeitscht wurde. Er soll 1000 Schläge in Raten je 50 erhalten, immer wenn eine Rate ausgeheilt ist, kommt die nächste dran. Ein Todesurteil auf Raten. Und das über 10 Jahre Gefängnis verteilt.

Der Premierminister von Irland, Enda Kenny, vertritt ein Land, in dem Blasphemie strafrechtlich verfolgt wird.

Der Premierminister von Großbritannien, Cameron, steht Behörden vor, die den Guardian zwangen, Informationen zu vernichten, die über Verbrechen des Staates Zeugnis abgeben, und der Zeitung mit Strafverfolgung drohten.

König Abdullah von Jordanien, ist der mittelalterliche Herrscher eines Landes, der im letzten Jahr einen palästinensischen Journalisten zu 15 Jahre Zwangsarbeit verurteilen ließ.

Der Premierminister der Türkei, Davutoglu, Vertritt eine Regierung, die zu jenen gehört, die an der Spitze der Verurteilungen von Journalisten stehen.

Der Premierminister von Israel, Netanyahu, betrieb persönlich einen Krieg gegen Gaza und trägt die Verantwortung dafür, dass seine Sicherheitskräfte im letzten Jahr mindestens 7 Journalisten töteten.

Der Außenminister von Ägypten, Shoukry, repräsentiert ein Land, das Journalisten von Al Jazeera seit ca. 500 Tagen inhaftiert hält.

Der Außenminister von Russland, Lawrow, war anwesend, obwohl in seinem Land ein sibirischer Journalist und Blogger wegen „Beleidigung eines Beamten“ eingesperrt wurde.

Der Außenminister von Algerien, Lamamra, muss mit verantwortlich gemacht werden dafür, dass sein Land den Journalisten Abdessami Abdelhai 15 Monate ohne Anklagerhebung eingesperrt hatte.

Der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, vertritt eine Regierung, die einen ägyptischen Journalisten einen Monate inhaftieren ließ.

Der Premierminister von Tunesien, Jomaa, muss sich vorhalten lassen, dass in seinem Land der Blogger Yassine Ayan für 3 Jahre ins Gefängnis bestellt wurde, weil er „die Armee beleidigt“ hatte.

Die Premierminister von Georgien ... und Bulgarien, vertreten Länder, denen eine lange Reihe von Angriffen und Misshandlungen von Journalisten angelastet werden.

Der Premierminister von Griechenland, Samaras, hat mit zu verantworten, dass erst im Juni letzten Jahres zwei Journalisten, die über die Arbeit der Polizei bei einer Demonstration berichteten, von der Polizei verprügelt worden waren.

Der Generalsekretär der NATO, steht einer Militärorganisation vor, die im völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien, bewusst das Gebäude von Radio Television of Serbia bombardierte, und dabei 16 Journalisten und technische Mitarbeiter ermordete.

Der Präsident von Mali, Keita, vertritt ein Land, in dem Journalisten ausgewiesen werden, die Menschenrechtsverbrechen recherchieren wollen.

Der Außenminister von Bahrain, ist Mitglied einer Regierung für einen mittelalterlichen Potentaten, der dafür die Verantwortung trägt, an zweifelhafter zweiter Stelle (pro Kopf) der Länder zu stehen, die Journalisten inhaftieren und foltern.

Scheich Mohamed Ben Hamad Ben Khalifa al Thani von Katar, vertritt ein anderes mittealterliches Feudalsystem, das einen Mann für 15 Jahre hinter Gittern brachte, weil der ein „Jasmin-Gedicht“ veröffentlicht hatte.

Der palästinensische Präsident Hahmoud Abbas, ist Repräsentant eines Landes, das im Jahr 2013 mehrere Journalisten inhaftierte, die ihn beleidigt hatten.

Der Premierminister von Slowenien, Cerar, ist mitverantwortlich dafür, dass die Gerichte des Landes einen Blogger wegen „Verleumdung“ zu 6 Monaten Gefängnis verurteilten.

Der Premierminister von Polen, Kopacz, ist der Chef einer Regierung, dessen Behörden eine Zeitung durchsuchten, und verschiedene Akten beschlagnahmten, die für die regierende Partei unangenehme Informationen enthielten.

Und schließlich die Vertreter deutscher Politik. Allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Koalitionspartner in der Regierung, die CSU, noch vor wenigen Jahren Satire, wie die von Charles Hebdo, in Deutschland verbieten wollte . Jetzt will die Regierungspartei als Antwort auf den Anschlag, die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland einführen. Obwohl diese in Frankreich das Attentat nicht verhindert hatte. Und dann dies, leider keine Satire:

Die CSU plädiert für härtere Strafen für Blasphemie. Die nach dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» geforderte Streichung des Paragrafen 166 im Strafgesetzbuch stehe nicht zur Debatte, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer, der «Welt» (Dienstag): «Eher sollte über die Anhebung des Strafrahmens gesprochen werden als über eine Abschaffung des Paragrafen 166 Strafgesetzbuch.» Das Beschimpfen religiöser oder weltanschaulicher Bekenntnisse müsse «selbstverständlich unter Strafe gestellt bleiben», sagte Mayer. «Wenn der öffentliche Friede auf diese Weise gestört wird, muss der Rechtsstaat dagegen vorgehen können.»

Und der Koalitionspartner SPD? Die Partei erwirkte Unterlassungsklagen gegen die Zeitung Titanic. Seit der Gründung des Magazins wurden bis 2007 alleine 35 Ausgaben verboten (nicht nur wegen Klagen der SPD), und der Verlag musste sich gegen 55 Gerichtsverfahren wehren. Gerichtsverfahren, ausgelöst durch jene, die jetzt „Je suis Charlie“ Schilder vor sich her tragen.

Und was ist mit jenen Top-Journalisten, die früher abfällig auf jene linken Karikaturisten hinter sahen, jetzt aber plötzlich behaupten, sie wären alle Charlie? Als Beispiel mag die erst kürzlich angestrengte Klage des Zeit-Herausgebers Joffe, gegen die Satiresendung „Die Anstalt“ zeigen, wie sehr sich diese Journalisten für „Meinungsfreiheit“ einsetzen.

GEZÜCHTETER TERRORISMUS

Seit Afghanistan arbeiten der Westen und seine Verbündeten, die mittelalterlichen Golf-Monarchien, mit Terroristen zusammen, um Gewalt und Chaos zu verbreiten, wenn es ihren Zwecken dient. Und ihr so genannter Krieg gegen den Terror, die direkte Gewalt gegen Länder und Gruppen, ist eigentlich ein Krieg zur Erzeugung von Terror.
Als die USA den IRAK nach dem Ereignis am 11. September 2001 angriffen, begründet gegenüber dem eigenen Volk mit einer Lüge, hatte dieses Land keinerlei Verbindungen zu islamistischen Terrorismus. Das Land war säkular, autoritär, eine Einparteien-Diktatur, aber ohne jeden Terrorismus.

Jeder kann sich heute ein Bild davon machen, was nach der Ermordung von 1,45 Millionen Menschen durch die Invasion der USA im Irak angerichtet wurde. Die USA zerstörten das Land, hunderttausende von Familien, und eröffneten den islamistischen Extremisten eine Aktionsfläche. Fast jeder Iraker hat einen Freund oder ein Familienmitglied, das getötet, schwer verletzt, oder gefoltert wurde. Und auf diese Weise haben Terroristen einen nie dagewesenen Zulauf erhalten. Es war nicht Not und Hunger, sondern die durch die Taten der USA und ihrer Verbündeten begründeten Ungerechtigkeiten, die Terroristen motivierten. Aber niemand will daraus die Konsequenzen ziehen.

14 Jahre „Krieg gegen den Terrorismus“ haben genau das Gegenteil erreicht. Noch nie gab es mehr Terroristen, noch nie war der Hass auf den Westen größer. Mit jedem Mordanschlag der US-Regierung mit Drohnen oder durch verdeckte Operationen wächst er weiter. [1]

UM FREIHEIT EINZUSCHRÄNKEN BRAUCHT MAN ANGST

Seit Jahrtausenden versuchen die Herrschenden Angst zu erzeugen, und die Untertanen zur kritiklosen Gefolgschaft zu bewegen, indem sie vorgeben, sie vor Schlimmerem zu beschützen. Nach dem Krieg wurde in Italien ein faschistischer Putsch, der auf dem Prinzip basierte, und mit Hilfe von NATO-Geheimdienstmitarbeitern durchgeführt werden sollte (Stichwort Gladio), nur knapp vereitelt. Und derzeit erleben wir eine mediale Unterstützung dieser Politik der Angst, wie sie sonst nur in autoritären Staaten zu beobachten ist.

Allerdings beginnt die Wirksamkeit zu verwässern. Und daran ist die, bisher immer noch zum großen Teil, nicht kontrollierte Informationsteilung über das Internet, schuld.
In den 1968 Jahren hatten wir als Schüler Schreibmaschinen mit Matrizen beschreiben müssen. Dann wurden damit Abzüge gemacht. Ich glaube man konnte ungefähr 100 Kopien anfertigen, danach musste man eine neue Matrize beschreiben. Die 100 Flugblätter wurden verteilt, und wenn man Glück hatte, übernahm jemand die Nachricht und druckte selbst 100 Blätter. Die Verbreitung von Informationen war also um ein Vielfaches schwerer. So war auch das Enthüllen staatlicher Verbrechen wesentlich langsamer und mühsamer. Und deshalb konnten damals Verbrechen wie der Mord an Benno Ohnesorg, von den Herrschenden lange Jahre als Verschwörungstheorie abgetan werden. Und als die Lüge offenbar wurde, war so viel Gras über die Sache gewachsen, dass eine Neuaufnahme des Verfahrens unterdrückt werden konnte.

Heute lesen hunderte diesen Blog, sie können den Text in Sekunden kopieren und weiterleiten, wenn sie bemerken, dass Informationen darin sind, die sie nicht kannten, und die ihre Meinung beeinflussen. So entsteht eine neue Macht, wenn wir das wollen.
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[1] Dirty Wars: The World is a Battlefield, 2013, Nation Books, New York, Jeremy Scahill
[2] Brzezinski: "Oui, la CIA est entrée en Afghanistan avant les Russes...". Le Nouvel Observateur 15.01.1998
[3] Suhaib Anjarini: The mufti of the Syrian opposition. english.al-akhbar.com 05.03.2014.
[4] Peter F. Müller, Michael Mueller (mit Erich Schmidt-Eenboom): Gegen Freund und Feind. Der BND: Geheime Politik und schmutzige Geschäfte. Hamburg 2002.
[5] Sam Dagher, Charles Levinson, Margaret Coker: Tiny Kingdom's Huge Role in Libya Draws Concern. www.wsj.com 17.10.2011.

20:27 13.01.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

LinksPazi

Unter dem Pseudonym Linkspazi bloggt Jochen Mitschka. Links, engagiert und gegen Heuchelei und Krieg. Statt Mainstream wiederholen, ihm antworten.
LinksPazi

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