LinksPazi
09.12.2014 | 23:17 11

Was tun gegen das Versagen der Medien?

Alternative Medien? Kommentare hinterlassen? Eigenen Blog schreiben? Oder Medien ignorieren? Spielt man selbst als Kritiker nicht das Spiel der elitären Medien mit?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied LinksPazi

Noch vor einigen Jahren war ich ein überzeugter Hörer von DLF, WDR5 oder B5 Aktuell. Zum großen Leidwesen meiner Frau hörte ich bei langen Autofahrten ständig diese für sie langweiligen Wortbeiträge. Ich kaufte regelmäßig Spiegel oder Zeit, las besonders gerne die kostenlosen Ausgaben der gängigen Leitmedien im Flugzeug. Aber seit 2009 hatte sich meine Akzeptanz dessen, was ich dort hörte oder las, ständig weiter verringert. Heute freut sich meine Frau, denn wir hören lokale private Radiosender mit aktueller Musik. Und wenn dort einmal offensichtlich zu kurz geratene und voreingenommene Nachrichten gesendet werden, kann man, so meine Überzeugung, dafür nicht den Sender verantwortlich machen, der gar keine eigenen politischen Redaktionen hat.

Seit ich nur noch ganz selten die Ergüsse der Leitmedien genieße, hat meine Neigung, Kommentare zu schreiben, oder in einem Blog dagegen anzuschreiben, stark abgenommen. Denn lässt man sich damit nicht auf das Spiel ein, in dem die Massenmedien die Regeln bestimmen und den einzigen Vorteil davon tragen?

KOMMENTARE

Als die Ableger der großen Massenmedien im Internet begannen, Kommentarfunktionen einzurichten, und sogar Blogbereiche zu eröffnen, freuten sich viele, weil sie glaubten, die Medien wollten einen Dialog mit den Lesern beginnen. Tatsächlich aber ging es ganz alleine darum Clicks zu generieren, bzw. Werbefläche und Werbeeinnahmen zu vergrößern. Daher generiert jeder Kommentar, (und davon gibt es besonders viele auf umstrittenen, stark diskutierte Beiträge,) Einnahmen für die Mediengiganten. Aber nur wenige indexieren anscheinend diese Beiträge und machen sie durch Suchmaschinen aktiv zu Beiträgen, die die Pluralität der Meinungen im Internet vergrößern. (Löbliche Ausnahme erscheint mir Heise zu sein, auf dessen Seiten andererseits, eine ähnliche Politik wie durch die Huffington-Post perfektioniert wurde, zu beobachten ist: Artikel ohne Entlohnung des Schreibers erzeugen Werbeeinnahmen für den Betreiber der Seite. Was Heise trotzdem oder gerade deswegen zu einem der interessantesten Medienprojekte macht.)

D.h. die Kommentarspalten der Online-Medien haben nicht nur die Aufgabe, die Kundenbindung zu erhöhen, als Ventil zu dienen und dem Leser ein Kümmern um seine Meinung vorzugaukeln, sondern auch eine trivial pekuniäre.

Allerdings stellten die großen Medien bald fest, dass bei zu umfassender Kritik gegen den eigenen Artikel, die Wirkung erzeugt werden könnte, dass auch unbedarfte Leser beginnen, an der Führungsrolle des Mediums zu zweifeln. Das war der Hauptgrund für das immer strengere Zensieren der Kommentarfunktionen und Foren. Bis hin zum Schließen, wenn es die Leser gar zu bunt trieben.

Damit wiederum sinken aber die Ratings der Seiten. Je weniger Clicks, desto schwächer die Positionierung im Werbemarkt. Also müssen die Administratoren dieser Medien einen ständigen Spagat machen: Zwischen Beschädigung der Einnahmen durch sinkende Clickzahlen einerseits, oder Beschädigung des Rufes durch Infragestellen der Kompetenz, oder Blosstellung der propagandistischen Absichten der Artikelschreiber, andererseits.

Zunächst hatte ich Kommentierung abgelehnt. Da ich keine Wirkung sah, und nur den wirtschaftlichen Nutzen für den Seitenbetreiber. Durch die Aussage „mich interessieren die Kommentare unter den Artikeln mehr als die Artikel selbst“, die mir ein Kollege einmal gestand, begann sich diese Auffassung zu ändern. Eine kleine, nicht repräsentative Umfrage ließ mich dann zu der Einsicht kommen, dass die Kommentare Nebeneffekte haben, die ich zunächst nicht sah.

Welche Wirkung haben die kritischen Kommentare für die Online-Gemeinde?

  • Sie führend dazu, dass Menschen, die ein diffuses Gefühl der Unzufriedenheit ihn sich tragen, dieses aber nicht artikulieren können, konkrete Hinweise darauf finden, was ihr Gefühl ausgelöst haben könnte. Dadurch wird jenen, die eigentlich im Zweifel zugunsten des großen Leitmediums urteilen, ein Weg aufgezeigt, kritischer zu sein.
  • In Kommentaren finden sich oft wertvolle und kenntnisreiche Hinweise, die Lesern mehr Informationen und Entscheidungshilfen geben, als in den eigentlichen Artikeln zu finden sind. Oder man erkennt auch einfach das legitime Infragestellen von Erklärungen, mit Begründungen, die bis dahin unbekannt waren.
  • Kommentatoren werden angespornt, sich mit einem Thema zu beschäftigen, wenn sie das Gefühl haben, dass es unzureichend abgedeckt wird. Das fördert die individuelle Medienkompetenz ebenso wie die der anderen Kommentarleser.

Dass diese, von den Medien durchaus nicht geplante Wirkung, inzwischen auch bei den Machern der Online-Angebote angekommen ist, kann längst beobachtet werden. Es wird versucht, Kommentatoren jede Legitimität abzusprechen, fundierte Aussagen treffen zu können. Es wird von bezahlten Putin-Trollen geredet, oder von Verschwörungstheoretikern, Antisemiten, Amerikahassern usw. Alles mit dem Ziel, die Aussagen in den Kommentaren pauschal zu verunglimpfen, ohne sich auf eine fundierte Diskussion einlassen zu müssen.

Natürlich gibt es auf der anderen Seite dann auch Ausfälle. Wie die Veröffentlichung einer angeblich von Springer stammende Rechnung für bezahltes Kommentieren. Wobei die Fälschung so plump war, dass man schon wieder daran denken konnte, ob es sich um eine Provokation eben jener Kräfte handeln könnte, die Aussagen im Internet pauschal als unglaubwürdig darstellen wollen. Es sei denn, diese Inhalte werden in offiziellen Medien-Beiträgen, zur (manchmal wahrscheinlichen) Wahrheit gekürt.

Und so überwiegt meiner Einschätzung nach derzeit die positive Wirkung von Kommentaren. Und je mehr Kommentarspalten und Foren geschlossen werden, desto heftiger wird diese Annahme bestätigt.

Allerdings hätte ich eine Bitte an Kommentatoren oder Forenbeitragsschreiber. Je seltener persönliche Angriffe, unflätige Ausdrücke oder unzureichend überprüfte Angaben gepostet werden, desto wirksamer wird dieser Teil des Internets für uns alle. Widersprechen Sie auch Aussagen, die scheinbar Ihre Meinung unterstützen, wenn Sie befürchten, dass sie unzureichend belegt sind. Jede falsche Aussage in Kommentaren oder Foren nutzt denen, die solche Aussagen als „ungeprüft“, „manipulativ“, „gelogen“, „demagogisch“ usw. abtun wollen. Je zuverlässiger und geprüfter die Beiträge sind, desto besser wird auch die Wirkung beim neutralen Teil der Leserschaft. Jenem Teil, der vielleicht gerade erst beginnt, das große Spiel zu durchschauen.

EIGENER BLOG

Eine Alternative zur Kommentar"Arbeit" ist ein eigener Blog. Von 2010 bis 2012 hatte ich in einem Blog bei blogspot.com über meine politischen Erfahrungen während eines bestimmten Lebensabschnittes gebloggt. Der Blog war frei von kommerzieller Werbung und vollständig von mir kontrolliert. Selbst heute noch, obwohl er lange inaktiv ist, wird er gefunden und besucht. Ein vollkommen unbedeutender Blog, der inzwischen ca. 500.000 Clicks angezogen hat, was nicht eindrucksvoll ist. Trotzdem hatte er eine bescheidene Wirkung. Wenn ich mir vorstelle, dass tausende von Bloggern das Gleiche tun, und diese sich dann vielleicht sogar vernetzen, könnte daraus eine ganz andere mediale Wirkung entstehen.

Es gibt schon zaghafte Ansätze von nicht kommerziellen Seiten, verschiedene Blogbeiträge zusammen zu fassen. Aber diejenigen die ich kenne, haben eine politische bzw. gesellschaftliche Ausrichtung. Was bisher fehlt, ist eine nicht kommerzielle(!) Organisation, die durch eine möglichst demokratische Selbstverwaltung der Blogger „regiert“ wird, und die ein Portal für Beiträge bereitstellt. Grundsätzlich sollten alle Beiträge erlaubt sein, die nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen, jedoch sollten die Blogger, die sich dem System anschließen, durch ein Abstimmungssystem die Möglichkeit haben, Artikel auf die Hauptseite bzw. an die Spitze der Themenseite zu befördern, bzw. weiter in den Hintergrund zu schieben.

Solange es das nicht gibt, habe ich mich entschlossen, den Freitag zu unterstützen, und hier meine Blogbeiträge zukünftig zu veröffentlichen. Denn bei aller Kritik, die manchmal auch heftig ausfallen kann, halte ich den Freitag noch für eines der seriösesten kommerziellen Medienprojekte.

Falls aber jemand bei dem Portalprojekt mitmachen will, mag er sich gerne an mich wenden. Ich könnte die technische Infrastruktur zur Verfügung stellen, sollte ausreichend Interesse, also mindestens das von einem Dutzend Blogger, daran bestehen.

Aber vielleicht beginnt ja auch der Freitag, als Alternative darüber nachzudenken, seinen Blogbereich zu verselbständigen, und der Kontrolle der Kontributoren zu unterwerfen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (11)

Magdalene 10.12.2014 | 00:16

Da mich die Frage ebenso umtreibt und beunruhigt, habe ich mich zunächst für einen sehr individuellen Schritt entschieden, auch vor dem benannten Hintergrund, möglichst hohe Clickzahlen durch mein Nutzerverhalten nicht noch zu fördern.

Ein wenig wehmütig trennte ich mich vom Spiegel und schrieb Herrn Brinkbäumer folgenden Brief, wohlwissend, dass das Grundproblem sich dadurch nicht löst.

Sehr geehrter Herr Brinkbäumer,

als stets treue und lange Zeit begeisterte Spiegelleserin kündigte ich diesen Sommer mein Spiegelabonnement, das ich bis zu diesem Zeitpunkt mehr als 35 Jahre besaß.
Der Schritt fiel mir schwer, da ich aus der Generation stamme, die bereits im Studium nahezu sehnsüchtig auf den Montag wartete und mich dann über eine kritische, analytische und investigative Berichterstattung freuen konnte. Der Spiegel wurde für mich als Lehrerin für die Fächer Sozialwissenschaften/Politik zudem eine wichtige Quelle für meine Unterrichtsvorbereitung und diente oftmals auch als Material im Unterricht.
Grund für die Kündigung meines Abos war die Qualität bzw. fehlende Qualität ihrer Berichterstattung über Russland, bzw. die Ukraine Krise, die inhaltlich und in der Wortwahl journalistischen Standards nicht mehr entsprach und in dem Titel "Wer stoppt Putin?" einen traurigen Höhepunkt boulewardesker Angstmache fand, der sich von den Hetzkampagnen der Bild nicht mehr unterschied. So konnte ich zuletzt Spiegelartikel beruflich nur noch im Rahmen der Unterrichtseinheit "Massenmedien: Information oder Manipulation?" einsetzen(Inhalte u.a.: Unterscheidung Nachricht/Kommentar, sachliche Darstellung unterschiedlicher Positionen, Suggestionspotential durch Wortwahl, Manipulation durch Themenauswahl, Erkennen von Interessen hinter den jeweiligen Positionen), wobei sich früher die Berichterstattung des Spiegel im Vergleich zur Bild anbot und vielleicht einen kleinen Beitrag zur Erziehung von mündigen Bürgern in einer aufgeklärten Demokratie leistete.
Heute werde ich nun SPON aus meiner Lesezeichensammlung löschen und als bisherige Startseite deaktivieren.
Auch wenn es in Ihren Augen vielleicht wirtschaftlich attraktiv ist, sich konkurrierenden Medien anzugleichen und den Chor der Leitmedien zu singen, erwarte ich als Mindeststandard eines journalistischen Selbstverständnisses eine umfassende Information.
Insbesondere bei der Berichterstattung zum Ukrainekonflikt wird dieser Grundsatz nicht erfüllt.
U.a. fehlen Berichte über die Situation der Bevölkerung im Donbass, die Angriffe der Freiwilligenbatallione und der ukrainischen Armee auf die Bevölkerung und zivile Einrichtungen, die neue Regierung in Kiew, den Einfluss rechtsradikaler und nationalistischer Kräfte und die dahinterstehenden Oligarchen, die wirtschaftliche Situation einschl. des Verschwindens der Goldreserven.
Das alles kann man - auch ohne Vorort zu sein - recherchieren anstatt stets nur die Reuters Meldungen zu publizieren, wobei ich glaube, dass Herr Nelles weiß, was er tut und warum, Herr Bidder eher nicht.

Ausschlaggebend war für mich letztlich das Ignorieren des Appells zum Dialog mit Russland, unterschrieben von namhaften Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Parteien und gesellschaftlichen Gruppen. Dieser Appell hat sicherlich eine politische Relevanz und Brisanz. Das Totschweigen ist nicht nur inakzeptabel sondern auch verstörend und beunruhigend bzgl. der Aufgaben einer "freien" Presse in einer demokratischen Gesellschaft.

MJ20 10.12.2014 | 01:16


Ein guter, ein in großen Teilen sehr gut begründeter Beitrag. Danke dafür, insbesondere für die "Aufforderung zur Tat" und für die Nennung solcher umsetzungsfähiger, realistischer Taten.

Sie erlauben mir ein paar Anmerkungen bzw. Einsprüche:

Je seltener persönliche Angriffe, unflätige Ausdrücke oder unzureichend überprüfte Angaben gepostet werden, desto wirksamer wird dieser Teil des Internets für uns alle.

Persönliche Angriffe, unflätige Ausdrücke vermeiden - da stimme ich Ihnen voll zu. Auch wenn es gelegentlich schwer fällt, Provokateuren - und die gibt es reichlich - nicht mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Hinsichtlich der ungeprüft oder unzureichend überprüften Angaben vertrete ich die Meinung, dass - mal abgesehen von den Forenbeiträgen, so wie sie ein Hans Springstein, ein Mopperkopp, ein Sönke Paulsen, eine Alphabetta und ein paar wenigen mehr mit Fakten oder mit Quellenangaben einstellen - Meinungskommentare und auch Meinungsbeiträge zur Diskussion eingestellt werden, die "Thesen" nur in den seltensten Fällen a priori für belegt und stimmig erklärt werden können. Und nur Beiträge mit hieb- und stichfest belegten Inhalten zu fordern - in dem Onlineforum eines Meinungsmediums wie den Freitag - na, ich weiß nicht so recht. Online-Foren sind ja nicht der Reparaturbetrieb für insuffiziente Medien, die ihrer demokratischen Aufgabe nicht nachkommen bzw. sich weigern dieses zu tun.

Die Vermischung von (oft mageren) Fakten mit Kommentaren und vorgefertigten, betonierten Meinungen - wohl verpackt unter dem Titel Fakten, Daten, Hintergründe - erleben wir täglich in den Printmedien des sog. Mainstreams, im ÖR natürlich auch. Nachprüfbares, das gibt es dort kaum noch. Meine Rede ist jetzt nicht pro Zusammengeschwurbeltes beim Posten, zumindest die Logik, die Bezüge - sachlich, zeitlich, räumlich, geschichtlich - müssen stimmen. Und die Netiquette - noch präziser formuliert - sollte gut zugänglich bereitgehalten werden. Und es sollte die auch ein Abgleich der Kommentare mit der Nettiquette erfolgen. Aber nicht so, dass ein offensichtlicher Provokateur diese "wunderbare" Funktion dazu mißbrauchen kann, den Kommentar oder gar den Kommentator mit dem Bannstrahl zu belegen (ich weiß, von was ich rede).

Jedes Projekt, mit Online-Foren rudimentäre Meinungsfreiheit und Informationstransparenz zu gewährleisten und zu sichern, unterliegt der Gefahr, über kurz oder lang unterwandert und/oder mißbraucht zu werden. Die Bedeutung der Klickzahlen - derzeit wohl noch das einzige und letzte Argument pro Kommentarfunktion - wurde genannt. Gewöhnlich gut unterrichtete whistler-Kreise behaupten seit längerem, dass bspw. bei SpOn gelöschte, unterdrückte Kommentare bzw. Kommentare von gesperrten Kommentaturen dennoch in die Klickzahlen eingerechnet werden. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, müßten die Werbekunden es wohl an den Umsatzzahlen merken, so toll wie es SpOn treibt (ich habe es erleben dürfen).

In einer dezentralisierten, netzartigen Blogstruktur - die von sich aus ohne ökonomische Interessen auskommt bzw. auskommen sollte - wird das mögliche Ziel, Informationsdefizite zu bekämpfen wahrscheinlich nicht so erfolgreich angehen können, wie ein zentrales bzw. zentralgesteuertes Portal. Die Unterwanderungs. und Umlenkungsgefahr ist bei einem blognet besser im Griff zu halten, sie ist auch schneller und einfacher zu auszumanövrieren. Aber auch ein Portal ist nur ein Mausklick entfernt von anderen - sagen wir mal - nicht so "honorigen" Sites und/oder Portalen. Nach Abwägung diverser Argumente würde ich mich für dezentrale, autonome Einzelforen aussprechen, eine zentrale Zugangsermöglichung via Portal würde Sinn, Ziel und Zweck nicht entgegenstehen. Selbst eine werbemäßige Begleitung im Portal wäre m.E. unschädlich.

Ob die dFC die spätestens seit Frühjahr übernommene Funktion der "Wagen- und Fluchtburg" für die Versprengten und Verstoßenen aus SpOn, aus ZON etc. noch lange auffrechterhalten kann und will, bezweifle ich. Zumal die in den "Fluchtmedien" mangels Masse von Zielpersonen arbeitslos gewordenen IM- und Provo-Legionen neue Betätigungsfelder gesucht und wohl auch meist gefunden haben.

Sofern sich das dFC fähig, bereit und in der Lage zeigen würde, sich um eine Portalfunktion für "freie blogs" zu öffnen und zu erweitern, könnte das für alle Beteiligten - auch für das dFC - als positiv in mancherlei Beziehung erweisen.

Genug für heute Nacht.

Gruß

Michael

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2014 | 07:34

"Ob die dFC die spätestens seit Frühjahr übernommene Funktion der "Wagen- und Fluchtburg" für die Versprengten und Verstoßenen aus SpOn, aus ZON etc. noch lange auffrechterhalten kann und will,"...

Welche Wechselwirkungen und bis in Moderation und Redaktion hinein da stattgefunden haben, darüber mag man spekulieren. Für mich, der ich seit Anfang 2009 hier dabei bin, ups and downs in der Community mehr oder weniger intensiv verfolgt habe, für mich war das Frühjahr 2014 schon eine (noch anhaltende) Zäsur.

Da tauchten im Rahmen der ersten sog. Montagsdemos hier Figuren auf, die seit dem, nachdem sie verbrannt waren nie wieder gesehen wurden. Und via dieser Figuren outeten sich hier plötzlich gestandene BloggerInnen, formten sich zu informellen Seilschaften, deren Gestus zunehmend einher ging, einher geht mit den großmedialen Vorgaben.

Insofern glaube ich, dass es mittlerweile -um an das eingangs verwendete Zitat anzuschließen- keine Frage des Könnens mehr ist, eher des nicht mehr Wollens. In wieweit Augstein selbst diese Entwicklung goutiert, vielleicht gar noch gefördert hat, auch darüber mag man spekulieren.

Ich selbst gestehe dem Herausgeber (der Ausstieg der Mitherausgeber um Daniela Dahn mag das vielleicht nicht unterstreichen) zumindest was den theoretischen Diskurs angeht nach wie vor Offenheit und eine erhebliche Toleranz zu. Die praktische Umsetzung hier -und das mag Augsteins anderweitigen Verpflichtungen beim schlingernden Kerngeschäft namens Spiegel geschuldet sein- geht aus meiner Sicht jedoch stringent in Richtung medialer Mainstream; nicht zuletzt was das zunehmend ausgerollte Sanktionsinstrumentarium betrifft.

Tao Traveller 10.12.2014 | 08:53

Gefaellt mir gūt!

An der Liberalitaet des Freitags habe ich nix zu meckern.

Allerdings sollte sich jeder Blogger hier bewusst sein oder werden, dass natuerlich auch der Freitag kommerzielle und politischer Interessen hat. Platz fuer einzuforderndes Gutmenschentum ist nirgends - auch nicht in der Community.

Die Blogger sind Teil eines Gesellschaftsspiels des Gebens und (Weg)Nehmens.

JR's China Blog 10.12.2014 | 09:45

Seit ich nur noch ganz selten die Ergüsse der Leitmedien genieße, hat meine Neigung, Kommentare zu schreiben, oder in einem Blog dagegen anzuschreiben, stark abgenommen. Denn lässt man sich damit nicht auf das Spiel ein, in dem die Massenmedien die Regeln bestimmen und den einzigen Vorteil davon tragen?

Zeitungen (und etwas weniger auch Zeitschriften) bedeuten für mich ein "Leseerlebnis", das schlicht anders ist als online, und zumindest so lange erfreulich, wie ich mir dabei keine Überdosis hole. Das ist in den meisten Fällen der "Freitag" oder JW, aber beim Arzt im Wartezimmer darf es auch gerne der "Spiegel" sein.

Im Internet kann ich mir mit einer Linksammlung und einem Feedreader so viele gute Quellen zusammenstellen, dass ich kein Portal brauche, und auch keine regelmäßige Zeitung.

Fremdsprachen helfen gewaltig. Wer nur Deutsch lesen kann, hat eine sehr begrenzte "Vielfalt".

Aber auch das »Kurzwellenradio ist für mich wichtig. Denn wenn immer nur auf meinen Feed und meine Linksammlung höre und nicht auch ab und zu lineare Sendungen und Denkanstöße aufnehme, komme ich kaum noch auf Themen, die außerhalb meiner Routine liegen.

"Medienversagen" muss kein Thema sein - es hängt halt sehr ab von den Alternativen, die sich dem einzelnen Nutzer bieten.

JR's China Blog 10.12.2014 | 09:48

Habe mich beim Schreiben von Ihrem Blogausschnitt entfernt. Will eigentlich sagen: wenn ich nur nochmal durchstampfen kann, was in den ÖR und den großen kommerziellen Programmen schon gelaufen ist, muss ich eigentlich gar nicht bloggen. Aber der Input kann sehr vielfältig sein - und muss nicht viel kosten. Und dann lässt sich auch über Dinge bloggen, die von anderen Bloggern und Inlandsmedien noch gar nicht thematisiert wurden.

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2014 | 11:20

Sie schreiben hinsichtlich der Kommentarfunktion:

Je seltener persönliche Angriffe, unflätige Ausdrücke oder unzureichend überprüfte Angaben gepostet werden, desto wirksamer wird dieser Teil des Internets für uns alle.

Just bei den Kommentare, für die dies gilt, schlugen die Zensoren der Zeitungen rabiat zu. Ich habe an einem Tag mal versucht, geschlagene & geharnischte 20mal einen Kommentar zu posten, der angesichts des zigfachsten Anti-Russlandartikels des neokonservativen & hochgradig revisionistischen Historikers Timothy Snyder die Frage stellte, warum denn noch in den 80ern Noltes geschichtsrevisionistischer Versuch als Historikerstreit riesige Wellen geschlagen hat, während heute eine nicht minder einseitige Geschichtsschreibung von Snyder von allen Leitmedien in höchsten Tönen gelobt & abgenickt würde.

So eine harmlose Frage darf man heute in deutschen Leitmedien wohl nicht mehr stellen.

Eine Zusammenführung der kritischen Stimmen wäre deshalb positiv, da die Vereinzelung die Marginalisierung der Kritik vereinfacht. Die Frage ist nur: Wenn heute Macht offensichtlich Hegemonie so brachial durchdrücken will, wie sie dies derzeit tut, wie lange das Internet übelhaupt noch frei genug bleibt, um publizistischen Widerstand prinzipiell zu erlauben. Seit Snowden wissen wir, wie gut die Mächtigen die Mittel des Cyberkampfes zu nutzen wissen.

Ich glaube, wir kommen nicht umhin, außer dem digitalen auch wieder den gewöhnlichen analogen Widerstand zu entdecken. So wie zu Zeiten der Apo.

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Ehemaliger Nutzer 10.12.2014 | 13:17

Was tun gegen das Versagen der Medien?

Zunächst einmal handelt es sich definitiv nicht um Versagen.

Es geht um Deutungshoheit, Meinungsmache, Stimmungmache, bewusste Lügen, Kriegshetze und generelle Beeinflussung der Menschen in eine von oben bestimmte Richtung.

Was ist zu tun? Nichts! Völlige Ignoration ist der Tod eines jeden Senders.

Humanist 13.12.2014 | 15:21

Hallo Herr Mitschka,

mit Interesse habe ich gerade Ihren Artikel gelesen. Wir (ein Verein für humanistische Bildung) hätten Interesse an einer gemeinsamen Plattform. Sollte sich die Idee weiterentwickeln, würden wir uns gerne beteiligen. Leider habe ich hier außer der Kommentarfunktion keine Möglichkeit entdeckt, Sie direkt anzuschreiben.