liposcelis

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RE: Faszinosum Trump | 05.10.2018 | 11:07

"Trump kämpft um die Herrschaft innerhalb des US-amerikanischen Deep-State."

Wenn man eines mit Sicherheit sagen kann, dann doch das, dass Trump den "Deep State" gegen sich hat.

Zu diskutieren wäre die Möglichkeit, dass der "Deep State" Trump inzwischen eingehegt hat, wofür es eine ganze Reihe von Indizien gibt. Die Idee, dass Trump Herrschaft über das Monster erlangen könnte, halte ich für völlig abwegig.

RE: Von Werten vernebelt? | 30.09.2018 | 07:03

Der Artikel, den Sie verlinkt haben, beginnt mit den Worten: "Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit fand am 27. August in Chemnitz ein Angriff von Neonazis auf ein jüdisches Restaurant statt."

Über den Mob heißt es in Wikipedia: "Der Ausdruck Mob (englisch mob „aufgewiegelte Volksmenge“, von lateinisch mobile vulgus „reizbare Volksmenge“) bezeichnet pejorativ eine Masse aus Personen des einfachen Volkes bzw. eine sich zusammenrottende Menschenmenge mit überwiegend niedrigem Bildungs- und Sozialniveau ..."

Eine "aufgewiegelte Volksmenge" bzw. "sich zusammenrottende Menschenmenge", und das "fast unbemerkt von der Öffentlichkeit"?

Das eine schließt ja wohl das andere aus.

Im Übrigen ist im gesamten Artikel nirgends von einem Lynchmob die Rede.

Der Angriff von etwa einem Dutrzend Neonazis auf ein jüdisches Restaurant ist verabscheuungswürdig, hat aber mit einer "aufgewiegelten Volksmenge" nichts zu tun.

Wenn Sie mit Begriffen hantieren, deren Bedeutung Sie nicht ermessen können oder wollen, begeben Sie sich in einen Bereich, den man heute gerne postfaktisch nennt.

Indem man Begriffe ihrer tradierten Bedeutung entkleidet und sie zu propagandistischen Zwecken auf Sachverhalte anwendet, die damit eigentlich nichts zu tun haben, verunmöglicht man einen sachorientierten Diskurs. Es ist eine Herrschaftstechnik, die Deutungshoheit beansprucht und zur Legitimation von Maßnahmen dient, die sonst schwer zu vermitteln wären.

Wer sich selbst auf solche Techniken einlässt und glaubt, sie für die "gute Sache" nutzen zu können, dem sollte bewusst sein, dass sie sich jederzeit gegen ihn selbst richten können.

RE: Es wurde gejagt | 03.09.2018 | 07:13

"Dieses "Volk" hat jedoch keinen Platz für Menschen, die dem deuschnationalen Bild nicht entsprechen."

Da möchte ich an Brecht erinnern:

"Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"

Mal konkret: Ein antifaschistischer Rundumschlag nach dem Motto "alles Nazis außer mir", wie Sie ihn hier abliefern, ersetzt keine Analyse.

Furor und Empörung eignen sich auch nicht, um eine wünschenswerte Sache zu befördern.

Der Text enthält zwar hie und da einige halbwegs zutreffende Einschätzungen wie zum Beispiel diese:

"Die Politik der Westmächte unterstützte während der letzten 70 Jahre immer dann faschistische Kräfte, wenn es darum ging, sozialistische Modelle niederzureißen, wie die Militärdiktaturen in Griechenland, der Türkei, Portugal, Argentinien und Chile."

Aber ansonsten ist das alles völlig unreflektiert und geht an den wirklichen Ursachen für die Vorkommnisse in Chemnitz und anderswo vorbei. Die Teile der Bevölkerung dort, die sich von den Rechten nicht wie gewünscht abwenden, sind ganz überwiegend keine Faschisten, sondern Leute, die das Gefühl haben, dass sie von der großen Politik vergessen worden sind. Zu diesen Leuten findet man bestimmt keinen Zugang, wenn man ihnen vorwirft, dass sie nicht genügend gegen die Rechten tun.

Außerdem:

Wer hinter den rechten Aufmärschen einen großen "Plan" vermutet, wie Sie das offenbar tun, verkennt völlig die Mechanismen in einem kapitalistischen System.

RE: Front der Unerbittlichen | 24.08.2018 | 22:56

"Sie sollten dann wenigstens auch die zweite Überschrift des Artikels mit erwähnen, die übersetzt lautet: "Die amerikanischen Apologeten des Diktators schulden dem syrischen Volk eine Entschuldigung." Mit amerikanische Apologeten sind Kerry und Co gemeint."

Meine Aussage war, dass Assad ob seiner Reformversuche auch im Westen viel Anerkennung gefunden hat, zum Beispiel eben durch Kerry. Dass das Wallstreet- Journal dies zu einem Vorwurf an die entsprechnenden Politiker münzt, muss nicht weiter verwundern, ändert aber gar nichts an dem Faktum.

"Vielleicht können Sie Ihren Lesern ja mal erklären, warum in und um Syrien 10 Millionen Syrer auf der Flucht sind, aber nur wenige davon Lust verspüren, in die von Assad gehaltenen Gebiete zu fliehen?"

Sie sind da völlig falsch unterrichtet. Die größte Teil der Geflüchteten sind Binnenflüchtlinge, die in "die von Assad gehaltenen Gebiete" geflohen sind.

Dazu Nahost-Experte Michael Lüders:

"Lüders: Ja. Wenn wir uns die Flüchtlingsbewegungen der letzten Jahre mal angucken, dann muss man sagen, dass die allermeisten Flüchtlinge in Syrien Kriegsflüchtlinge sind, nicht politische Flüchtlinge. Die meisten Flüchtlinge in Syrien sind Binnenflüchtlinge, das heißt, sie haben sich aus den Gebieten der Opposition oder der Dschihadisten in Richtung der Gebiete unter Assad-Kontrolle geflüchtet. Dann haben wir darüber hinaus sehr viele Flüchtlinge in den Nachbarländern, vor allem in der Türkei, in Jordanien und im Libanon. Und der kleinste Teil der Flüchtlinge hat es geschafft bis nach Europa, bis nach Deutschland, wo etwa 700.000 Flüchtlinge leben."

https://www.deutschlandfunkkultur.de/abschiebungen-nach-syrien-deutschland-muesste-mit-assad.1008.de.html?dram:article_id=401957

Ob sich Assad "schamlos bereichert" hat, weiß ich nicht und Sie wissen es auch nicht. Wenn es so wäre, stünde er damit ja unter den Staatsführern dieser schönen Welt nicht gerade alleine da. Darunter eine große Anzahl, die im Westen wohlgelitten sind.

Von Doppelstandards halte ich generell nichts. Am wenigsten ist das akzeptabel, bei jemandem, der für sich in Anspruch nimmt, sich besonders von der Moral leiten zu lassen und auf die möglichen Folgen wenig achtet.

Das Libyen-Desaster war für Sie anscheinend kein Grund zum Nachdenken. Der Diktator ist weg und dem Volk geht es schlimmer als je zuvor, aber die Moral hat gesiegt?

RE: Front der Unerbittlichen | 24.08.2018 | 14:05

"Bekanntlich begann der syrische Krieg damit, dass Eltern nicht länger hinnehmen wollten, dass ihre Kinder spurlos in Assads Kerkern verschwanden."

Das wird in den westlichen Leitmedien gerne so dargestellt, aber es ist nichts weiter als der Versuch, einen geplanten Regime-Change durch Emotionalisierung ähnlich der "Brutkasten-Lüge" im Irakkrieg zu legitimieren.

Falls Sie daran interessiert sein sollten, zu erfahren, wie die Sache wirklich begann, habe ich einen aufschlussreichen Link für Sie:

https://syriensgeschichteundgegenwart.com/2015/08/03/baschar-al-assad-vom-freundlichen-augenarzt-zum-schlaechter-von-damaskus-in-nur-zwei-monaten/

"Dass Assad auch im Westen wegen "seiner Reformversuche viel Anerkennung gefunden hat", höre ich hier zum ersten Mal. Haben Sie dafür Belege?"

Belege dafür gibt es massenhaft. Googeln Sie einfach "Assad Reformer".

Hier mal ein besonders prominentes Beispiel:

https://www.wsj.com/articles/SB10000872396390444025204577544891777555840

Ein kurzer Auszug daraus:

... John Kerry said Assad was a man of his word who had been "very generous with me." He added that under Assad "Syria will move; Syria will change as it embraces a legitimate relationship with the United States." ...

RE: Front der Unerbittlichen | 23.08.2018 | 23:51

"Wenn Sie die nicht-militärische Unterstützung einer Opposition in einem Land, das durch einen skrupellosen Diktator kujoniert wird, schon als "Schuld" werten, dann sind fast alle Staaten an irgendetwas schuldig."

Um das mal ins Verständliche zu übersetzen:

Mit "nicht-militärischer Unterstützung" ist offenbar gemeint, dass man nur Waffen liefert und keine eigenen Bodentruppen schickt.

Bei der "Opposition" handelt es sich um die verschiedenen islamistischen Dschihadistengruppen, deren Kämpfer aus allen möglichen Ländern stammen.

Der "skrupellose Diktator" ist der gewählte Präsident, der auch im Westen ob seiner Reformversuche viel Anerkennung gefunden hat, bevor er sich weigerte, den Wünschen westlicher Geopolitiker nachzukommen.

Mit der "Kujonierung" des Landes ist gemeint, dass der Präsident nicht bereit ist, erhebliche Teile des Landes den Kräften zu überlassen, die dort totalitäre islamistische Regimes unter Geiselnahme der Zivilbevölkerung errichtet haben.

Mein Fazit: Wer möchte, dass aus dem ehemals für seine religiöse Toleranz gelobten Syrien ein Betätigungsfeld für islamofaschistische Warlords entsteht, womit das Land für Jahrzehnte von jeglicher Zivilisation abgeschnitten wäre, der wird sich natürlich nicht schuldig fühlen, sondern sich allenfalls grämen, dass der Plan vorläufig gescheitert ist.

RE: Front der Unerbittlichen | 21.08.2018 | 02:12

"Und warum wird es nicht als Chance begriffen, durch materiellen Beistand auf die Nachkriegsordnung in Syrien Einfluss zu nehmen?"

Ich denke, dass die Verweigerung von materiellem Beistand seitens des Westens nicht nur auf Rechthaberei beruht (das natürlich auch), sondern dass dahinter auch ein gewisses Maß an Realismus steckt:

Die Syrer wissen in ihrer Mehrheit sehr wohl, wem Sie diesen "Bürgerkrieg" zu verdanken haben und würden deshalb einer weiteren Einflussnahme der selbsternannten "Freunde Syriens" - diesmal über die materielle Schiene - mit großem Misstrauen begegnen.

Von daher wäre eine Strategie, über materielle Zuwendungen die Nachkriegsordnung beeinflussen zu wollen, momentan nicht besonders realistisch.

Es sollte doch jedem klar sein, dass die Syrer - nach allem was geschehen ist - eine völlig andere Einschätzung des "Wertewestens" haben als unsere politische Klasse.

Für eine arabische Sichtweise empfehle ich das Buch von Aktham Suliman: "Krieg und Chaos in Nahost"

RE: 14 verletzte ukrainische Soldaten angekommen | 15.07.2018 | 13:31

"Ich bitte darum, die Antwortfunktion zu verwenden."

Verzeihung, da hatte ich wohl an der falschen Stelle geklickt.

"Sie können aber nicht von der Ukraine erwarten, dass Sie auf Ihre Ansichten Rücksicht nimmt, wenn es um die Frage geht, wie sie ihre Souveränität und territoriale Integrität am ehesten behaupten kann."

Ich erwarte von der Ukraine nicht, dass sie auf "meine Ansichten" Rücksicht nimmt, sondern ich erwarte von jedem Staat, dass er sich bemüht, die Gesamtheit der Bevölkerung zu repräsentieren. Ein Staat, der versucht, seine nationale Identität dadurch herzustellen, dass er die Mythen eines Teils der Bevölkerung bedient, während einem anderen Teil das Recht auf kulturelle Verwirklichung und politische Partizipation abgesprochen wird, ist m E auf Dauer nicht lebensfähig.

"Soviel ich weiß, verhält sich nur ein Nachbar aggressiv gegenüber der Ukraine, und das ist nun einmal Russland."

Das ist das westliche Narrativ, verbreitet von Politik und Medien. Sie scheinen das gar nicht in Zweifel zu ziehen. Die Befeuerung des Maidan-Aufstands durch westliche Politiker, die perfide Akzeptanz eines Putsches durch rechtsradikale Milizen entgegen einem gerade erst geschlossenen Abkommens von westlichen Staatsvertretern mit Janukowich, die Waffenlieferungen für die sogenannte ATO gegen die Bevölkerung im Osten, usw., das alles ist für Sie nicht aggressiv?

"Aber für die Ukrainer geht es nicht nur darum, sich ihre Bürgerrechte zu erkämpfen, sondern auch darum, sich als souveräner Staat zu etablieren. Und unter solchen Bedingungen kann es durchaus sein, dass die Nato nicht das Problem ist, sondern Teil einer Lösung."

Wie Sie sich das vorstellen, würde mich in der Tat interessieren. Möchten Sie etwa deutsche Soldaten in der Ukraine haben?

RE: 14 verletzte ukrainische Soldaten angekommen | 15.07.2018 | 01:03

"Und unter solchen Bedingungen kann es durchaus sein, dass die NATO nicht das Problem ist, sondern Teil einer Lösung. C'est la vie."

Ach ja, die Nato als Beschützer von unterdrückten Staaten, die ihre Rechte wahrnehmen. Glauben Sie das eigentlich selbst, was Sie da schreiben?

Die gegenwärtige Regierung der Ukraine, die durch einen Putsch an die Macht gekommen ist, beansprucht, dass man sie im Konflikt mit einem erheblichen Teil der eigenen Bevölkerung politisch, propagandistisch und auch militärisch unterstützt. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil im eigenen Machtinteresse begründet.

Was zum Teufel sollte aber Westeuropäer dazu veranlassen, diesem Ansinnen nachzukommen?

Wenn die gegenwärtigen ukrainischen Machthaber es nicht schaffen, einen Ausgleich mit ihren Nachbarn zu finden - der auch aus wirtschaftlicher Sicht unabdinglich ist -, dann verdienen sie nicht unsere Unterstützung, sondern sollten abtreten.

Die Ukraine könnte eine Brückenfunktion zwischen dem Westen und Russland einnehmen und davon auch wirtschaftlich profitieren. Wenn man aber mutwillig die wirtschaftlichen Beziehungen zu seinem größten Wirtschaftspartner kappt, begibt man sich selbst in eine Lage als "Zonenrandgebiet" mit allen daraus folgenden negativen Konsequenzen.

Falls die gegenwärtigen ukrainischen "Patrioten" tatsächlich glauben, der Westen würde die wirtschaftlichen Nachteile aus einer solchen Frontstaatensituation dauerhaft ausgleichen, werden sie sich sehr bald getäuscht sehen.

Versuchen Sie mal, einen Wahlkampf zu organisieren, in welchem Sie ihrem Publikum erzählen, dass es auf dies und das verzichten muss, um den Ukrainern noch mehr gegen den russischen Feind zu helfen. Da wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

Die wirtschaftliche Situation der Ukrainer ist der Nato sowieso völlig egal. Es geht der führenden Natomacht nur darum, einen weiteren Frontstaat gegen Russland zu etablieren. Die anderen Natostaaten erweisen sich dabei als zuverlässige Vasallen. Dabei scheint es kein Problem zu sein, dass die sogenannten westlichen Werte für die ukrainischen Eliten keinerlei Bedeutung haben.

Diese Logik, die dem Motto folgt, dass der Feind meines Feindes mein Freund sei, hat eine begrenzte Gültigkeitsdauer. Sie können das gerne an der amerikanischen Unterstützung der "Freedom Fighters" (Originalton Reagan) in Afghanistan oder aktuell an den Kurden in Syrien nachvollziehen.

Die Nato ist nicht nur in der Ukraine das Problem, sondern weltweit. Teil einer sinnvollen Lösung war sie nie.

RE: Salman spricht’s aus | 15.04.2018 | 11:01

"Der Prinz, ein Revolutionär?"

Um mal diese Frage aus meiner Sicht zu beantworten: Wer sein Herrschaftssystem dadurch stabilisieren möchte, dass er es von einigem ideologischen und zusehends delegitimierenden Ballast befreit, ist kein Revolutionär und auch nicht wirklich ein Reformer, sondern bestenfalls ein Technokrat.

Bisher habe ich nirgends erkennen können, dass es diesem "Prinzen" um etwas anderes geht als darum, seine Macht zu zementieren. Das sieht man ja auch im Umgangen mit Konkurrenten aus der Machtelite, die unter dem Vorwand der Korruption kaltgestellt wurden.

Damit ist natürlich nicht gesagt, dass diese Konkurrenten nicht korrupt wären. Aber der Vorwurf der Korruption ist in einem Feudalsystem, in welchem alle wichtigen Positionen von der Nähe zur Macht abhängen, geradezu absurd.

Mein Fazit: Wer irgendwelche Hoffnungen in diese "Reformen von oben" setzt, könnte sich sehr schnell getäuscht sehen.