Zu wehleidig?

Männersache Würden Männer die Wehen einer Geburt überhaupt überstehen? Sie tun jedenfalls gut daran, ihre Selbstüberschätzung in Sachen Schmerz gering zu halten, meint unser Autor
Zu wehleidig?
Illustration: Otto

Männer würden die Schmerzen einer Geburt nicht aushalten – glauben viele Frauen. Aber stimmt das? Zwei holländische TV-Moderatoren wollten es jetzt genauer wissen. In ihrer Show Proefkonijnen (deutsch: Versuchskaninchen) verpassten sie sich selbst Geburtswehen. Dafür ließen sie sich Elektroden an den Körper kleben, die mittels Stromstößen Muskelverkürzungen im Bauch verursachten. Während der Prozedur gab eine Hebamme Tipps. „Nicht gegen die Schmerzen wehren“, riet sie. „Tief durchatmen.“ Nach kurzer Zeit krümmten sich die beiden. Zwei Stunden später hielt einer als Zeichen des Erfolgs eine Baby-Attrappe im Arm. Der andere hatte das Experiment abgebrochen. Für ihn waren die Schmerzen zu heftig.

Ist das nun der Beweis, dass Männer seltener eine Geburt durchhalten würden als Frauen? Nicht für den bei diesem Thema zur Selbstüberschätzung neigenden Mann. Zwar könnte man das Ergebnis des Selbstversuchs hochrechnen: Nur die Hälfte aller Männer wäre dann in der Lage, es auszuhalten – bei den Frauen liegt die Erfolgsquote bekanntermaßen wesentlich höher. Wirklich selbstbewusste Männer würde das aber nicht überzeugen. Bestimmt war das Gerät zu stark eingestellt, würden sie sagen. Und wie will man festlegen, ab wann der künstlich erzeugte Schmerz genauso heftig ist? Und überhaupt: Den Männern im Experiment stand auch keine schmerzstillende Rückenmarksanästhesie zur Verfügung.

Das von Seiten der Frauen oft vorgebrachte Argument, Männer seien wehleidiger als Frauen, würde ein Mann mit Geburts-Größenwahn-Komplex nicht gelten lassen. Er hätte sofort eine Studie parat, die nachweisen würde, dass seine Geschlechtsgenossen länger Schmerzen aushalten als Frauen. Wissenschaftler der Uni Mainz hätten herausgefunden, dass Kerle, die ihre Hände in eine Schüssel mit Eiswasser legen, das im Durchschnitt länger schaffen als Frauen. Diesen Männern sei aber gesagt: Vorsicht mit solchen Behauptungen. Vielleicht werdet ihr irgendwann wirklich in der Lage sein, Kinder zu bekommen. Die Medizin macht da gerade Fortschritte (der Freitag 8/12). Wenn ihr dann während der Geburt anfangt rumzujammern, könnte es peinlich werden.

Außerdem gibt es noch ein anderes Argument, warum man sich als Mann mit solchen Aussagen zurückhalten sollte. Frauen finden das einfach besser.

Jacques Kommer hat seit der Geburt seiner Tochter vor sieben Monaten einen Heidenrespekt vor Geburtswehen

09:00 03.02.2013
Geschrieben von

Jacques Kommer

Journalist. Bloggt unter www.jacqueskommer.de zum Thema künstliche Intelligenz.
Jacques Kommer

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