Umweltprobleme als Folge der Aufklärungsphilosophie?

Technikgläubigkeit Max Horkheimer und Theodor W. Adorno haben in ihrem Werk „Dialektik der Aufklärung“ die technisch-rationalen Bürger mit ihrem Hang zur Naturunterwerfung kritisiert. Doch der starke Fokus auf Technologien wird weiterhin nicht hinterfragt

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Das ist sicher nicht, was sich die Aufklärung versprochen hatte
Das ist sicher nicht, was sich die Aufklärung versprochen hatte

Foto: Lintao Zhang/Getty Images

Die UN-Klimakonferenz hat im Jahr 2015 das „Pariser Abkommen“ beschlossen, wonach die Erderwärmung 1,5° C nicht überschreiten soll - im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Fast alle Staaten haben diese Vereinbarung unterzeichnet. Zur Erreichung dieses Ziels werden seitens der Politik und der Wirtschaft in erster Linie technische Innovationen genannt. Erneuerbare Energien, Elektro-Mobilität oder das Carbon Capture and Storage, also das Auffangen und Einlagern von CO2, werden als mögliche Wege genannt.

Doch ist es wirklich zielführend, im wesentlichen auf technische Lösungen zu setzen? Ein Blick auf den aktuellen CO2 Ausstoß lässt Zweifel aufkommen. Aktuell werden in Deutschland etwa acht Tonnen CO2 pro Kopf im Jahr emittiert. Im bevölkerungsreichen China, in welchem noch immer ein großer Teil der Bevölkerung auf dem Lande und in Armut lebt, sind es ebenfalls rund acht Tonnen und in den USA sogar 14 Tonnen. Nachhaltig wäre ungefähr eine Tonne.

Vor dem Hintergrund dieser alarmierend hohen Zahlen ist ein Ausflug in die Geschichte hilfreich. Wie konnte es zu derart hohen Emissionen kommen? Die starken Umweltbelastungen begannen mit der Industriellen Revolution im 18. Jh. Auf die negativen Folgen der damals entstandenen Industriegesellschaft haben bereits Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in ihrem 1944 erschienenen Werk „Dialektik der Aufklärung“ hingewiesen. So habe sich der Appell der Aufklärung an die Vernunft der Menschen zu einer „Instrumentellen Vernunft“ entwickelt. Es sei eine technisch-rationale Sichtweise entstanden, die auf eine Unterwerfung der Natur abstelle. Dabei sei den Menschen jedes technische Mittel recht, um die Umwelt für ihre Zwecke auszunutzen.

Die Aufklärung positiv wenden

Allerdings kritisierten Horkheimer und Adorno nicht die Aufklärungsphilosophie als solche. Denn Denker wie Voltaire oder David Hume haben die Menschen von den Mythen der Antike und dem Aberglauben des Mittelalters befreit. Die Ideen der Aufklärung seien vielmehr positiv zu wenden mit dem Ziel, die instrumentelle Vernunft zu überwinden.

Doch wenn heutzutage weiterhin primär auf neue Technologien zur Begrenzung der Erderwärmung gesetzt wird, so ändert dies aus meiner Sicht nichts am Kern des Problems: Die Unterwerfung der Natur wird fortgesetzt. Selbst wenn es gelingen sollte, das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit neuartige Umweltschäden entstehen. Ein Beispiel stellen die „Seltenen Erden“ dar. Diese Rohstoffe werden für viele moderne Anlagen benötigt, wobei deren Abbau erneut zu deutlichen ökologischen Belastungen führen kann.

Insofern ist meiner Meinung nach ein grundlegender Wertewandel erforderlich, um dauerhaft im Einklang mit der Natur zu leben. Und dies bedeutet in erster Linie eine Änderung des Konsumverhaltens, eine Stärkung der Technikfolgenabschätzung sowie eine Abkehr vom Ziel ewigen Wirtschaftswachstums. Dabei sind vor allem Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen gefordert, einen Bewusstseinswandel herbeizuführen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von