Gute Nacht-Geschichten

á la carte / Heute back ich, morgen brau ich [...] Ach, wie gut dass niemand weiß!
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Liebe Frau R., dass Sie einfach so nicht so einfach sind, lässt die Einfachheit Ihrer Gedankengänge erahnen! Einfacher ausgedrückt: „Sie haben absolut Recht im geistigen Sinne der güldenen Maere und Prosa!“ Vorerst sollte vielleicht für alle Unwissenden einmal erläutert werden, was eine „Genderkolumne“ dem Wortlaut nach ist?

Der Begriff „Gender“ stammt aus der 'Sozialforschung', genauer vom Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE, European Institute for Gender Equality), einer Agentur der Europäischen Union. Er leitet sich vom englischen „Gender role“ (Geschlechterrolle) ab, soll also die soziale Geschlechterrolle bzw. die sozialen Geschlechtsmerkmale bezeichnen und nicht die biologische(n), steht also entgegen dem Begriff „Sex“ bzw. dem körperlichen Geschlechtsmerkmal.

Bedeutet, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (zum Beispiel Kleidung, Beruf und so weiter); es verweist nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale …

Vorausgesetzt, die erwähnte Kleidung ist groß und ausgebeult genug, um die biologischen Merkmale zu verstecken bzw. diese sind zu klein, um als Unterscheidungsmerkmale zwischen Männlein und Weiblein Erkennungswert zu erlangen. Eine Modenschau wäre also schon sexistisch im Sinne der Anklage, heißt wiederum, nicht im Sinne derer, die sowieso nicht für den Laufsteg ausgewählt werden würden! Rasur, Physiognomie etc. werden an dieser Stelle nicht weiter behandelt.

Ich würde es quasi so deuten, dass man aus jedem Jungen eigentlich ein Mädchen machen kann oder umgekehrt, wenn man es sich nur ganz fest wünscht. Das ist Gleichstellung! Nicht?

Eine Kolumne ist hingegen ein kurzer Meinungsbeitrag, der sich meist über nicht mehr als eine Zeitungsspalte erstreckt.

Hm, das wäre also mit Hilfe von Wikipedia erst einmal geklärt!(?)

Was bedeutet nun allerdings Ihre Aussage:

Der Umgang mit Kinderbüchern und Filmen, die nicht politisch korrekt sind, ist schwierig - es braucht aber nicht andere Figuren, sondern Eltern, die sie einordnen können.“

Hut ab, Verehrteste! Aber unklar ist, wer schafft die Voraussetzungen für solche "Idealeltern" Ihrer Meinung nach? Die Medien, das bestehende Bildungssystem, das Sozialamt oder die Ausländerbehörde? Oder die Privatschulen? Oder die Berufstätigen? Oder etwa die Erwerbslosen? Der Bundestag mit den dazugehörigen Figuren wäre ja schon politisch korrekt zu behandeln!

Und weiter im Text:

Es kommt weniger auf die Inhalte von Büchern an, als auf unsere Art zu lesen und mit den Kindern über die Geschichten zu sprechen.“

Aha! Meinen Sie damit, als würde man Hündchen, Kätzchen oder Mäuschen etwas vorlesen? Denen dürfte der Inhalt in jedem Fall egal sein, solange jenen Schoßtierchen das Leckerli mit kindischer Gestik und Mimik am Ende einer gruseligen bzw. rührseligen Geschichte dargeboten wird. Logisch, denn selbst können sie ja nicht backen oder anpflanzen in den 'eigenen' vier Wänden!

Und wieso sollte man über Geschichten überhaupt reden, wenn es auf deren Inhalt eh nicht ankommt? Artspezifisches Säuseln und gelegentliches Napffüllen für's Brav sein genügte dann doch! Könnte ich meinen Kindern da nicht auch „Mein Kampf“ vorlesen, wenn ich dazu nur den lustigen Kasper machen würde? Auf die vom Schriftsteller überwiegend gewollte Erkennung seiner gesetzten Pointe in einem rhetorischen Ablauf kommt es Ihrer Aussage nach ja nicht so sehr an, sondern hauptsächlich auf die Figuren- oder Körpersprache?

Wenigstens 1 Österreicher konnte das indes tatsächlich recht gut! Und auch noch andere österreichische und amerikanische Schauspieler, die schließlich sogar Gouverneur oder Präsident wurden. Man braucht also gar kein (nackter) Prinz zu sein, um moderne Märchen wahr werden zu lassen. Prinzessinnen hingegen leben weiterhin einsam im Turm oder sterben jung, wenn sie die Etikette überschreiten.

Dass konservative Goldeselgeschichten allerdings politische Konsequenzen haben können, ließe sich am Erfolg einer „Jungen Freiheit“ sicher ermessen. Es werden halt wieder zunehmend wackere Rittersleute gesucht und keine geistreichen Philosophen. Erstgenannten war das Geschlecht auch einerlei und eventuell liest man in jenen Kreisen ja so vor, wie es Ihnen persönlich vorschwebt - im literarisch geadelten Kreise der Neuzeit.

Vielleicht ist es aber auch nur wieder ein besitzprivilegiertes Dilemma, welches sich darin widerspiegelt, dass es der bestehenden Wirtschaft eigentlich piepsegal ist, wen oder was man darstellt und welche Bücher man wie vorliest, solange die Einfachheit der konsumierenden Gemüter gewährleistet bleibt und der Profit somit in allen Bereichen ungehindert irgendwelcher geistigen Barrieren in die richtigen Kanäle fließt.

Die Mittel zum Zweck? Kleidung, Beruf, Buch, ausgesuchte Journalisten und Moderatoren und so weiter und so fort. Politiker sind ja schon wieder politisch! Und Rumpelstilzchen geht ja nun auch nicht mehr, nachdem er enttarnt wurde. Naja, die Hauptsache bleibt „Geil!“ und „Spassss!“ und „Gaga!“ Vielleicht sollte man das einmal definieren im Königreich.

Stattdessen:

Man muss nicht alles wegschmeißen: Man kann es umschreiben und in einen größeren Bezugsrahmen einbetten. Wir haben nämlich immer noch auch selbst in der Hand, wie unsere Kinder mit Geschichten umgehen – wir sind nicht bloß ausgeliefert und fremdbestimmt. Genauso wenig wie unsere Kinder – zumindest im Idealfall.“

Genau!“ würde Schlemihl (von jiddisch: Schlamassel) aus der Sesamstraße sagen.

Man muss oder man kann. Aber nur im Idealfall - so, wie man die richtigen Namen für bestimmte Figuren auswählt!

Bube (Bauer), Dame, König, As …

Antwort auf: https://www.freitag.de/autoren/katrin/lies-doch-mal-richtig

Nixdorf Medien

10:28 24.08.2012
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Geschrieben von

Literatmaat

Chinesische Diplomatie war zu keiner Zeit eines meiner Fachgebiete. Das liegt schon an der abendländischen Erziehung und am sozialen Charakter ...
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Literatmaat

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