literaturcafe

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RE: Agenten und Geräte | 15.08.2010 | 19:00

Korrektur meiner Korrektur:

Der von mir erwähnte Punkt 3 ist nicht so falsch wie von mir behauptet: media control ist eine Tochter der GfK. Dennoch ist die Erwähnung der GfK in diesem Zusammenhang so, als würde ich einen Artikel der BILD-Zeitung mit den Worten zitieren: "Wie der Springer Verlag schreibt ..."

RE: Agenten und Geräte | 15.08.2010 | 14:10

Dieser Artikel enthält so viele Fehler und beinhaltet keinerlei kritisches Hinterfragen der Quellen, sodass ich ein paar Richtigstellungen hinzufügen möchte:

1. eBooks sind in Deutschland nicht preisgebunden. Zwar versucht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Preisbindung auch auf eBooks auszuweiten, doch derzeit sind sie genausowenig gebunden wie die Preise von Hörbüchern.

2. Das ein eBooks in Deutschland "nicht billiger als die billigste gedruckte Ausgabe des jeweiligen Buchs verkauft werden darf" ist blanker Unsinn und eine Erfindung der Autorin. Die Verlage dürfen für ihre eBook-Ausgaben verlangen, was sie wollen. Natürlich wird derzeit versucht, einen möglichst hohen Preis zu etablieren, aber eine irgendwie geartete Vorschrift oder eine Gesetz, dass eBooks nicht "billiger" als die billigste Ausgabe verkauft werden dürfen, gibt es nicht.

3. Amazon hat am 22. Juli 2010 verkündet, man habe in den letzten drei Monaten über amazon.com mehr Kindle-Ausgaben verkauft als gebundene Buchausgaben (Hardcover). Das ist zunächst korrekt. Daraus aber irgendeine Schlussfolgerung über den Niedergang der gedruckten(!) Bücher oder für den Erfolg des eBooks abzuleiten, ist Unsinn, da diesen Zahlen jegliche Relation fehlt, einmal abgesehen vom Umstand, dass wir die Zahlen von Amazon ohnehin nicht prüfen können.
Was muss man also bedenken:
- Gebundene Buchausgaben (Hardcover) spielen in den USA ohnehin eine weniger wichtige Rolle als in Deutschland.
- Niemand weiß, welchen Anteil der Verkauf von Hardcover-Ausgaben bei amazon.com hat und ob dieser gegenüber dem stationären Buchhhandel ohnehin vielleicht schon niedriger liegt.
- Derzeit werden weltweit alle eBook-Verkäufe für das Kindle über amazon.com abgewickelt, während aktuelle englischsprachige Hardcover-Bestseller direkt via amazon.de zu haben sind. Die wenigsten weltweiten Kunden werden gebundene Bücher nicht direkt bei Amazon in den USA bestellen. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass mit Amazons Aussage die Hardcover-Verkäufe in den USA mit den weltweiten Verkäufen der Kindle-Ausgaben verglichen werden.

3. Die eBook-Charts sind nicht von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelt worden, sondern von media control. Da die Charts im Artikel mit der Websites von media control verlinkt sind, erstaunt dieser Fehler.

4. Bei den eBook-Charts handelt es sich um eine Art Beta-Version. Niemand weiß, auf welchen Zahlen diese Charts beruhen. Dass kann nur vermutet werden, da sich media control darüber in Schweigen hält. Ein Blick auf die Charts und Stores von Amazon und Apple zeigt jedoch, dass die Verkäufe dieser sehr wichtigen Plattformen mit Sicherheit nicht berücksichtigt werden. Somit erübrigt sich jedes Mutmaßen und analysieren dieser Zahlen.

Wolfgang Tischer
literaturcafe.de