RE: Durch die Prinzenbrille | 21.11.2010 | 21:34

mmh, ein bissl tendenziös die buchkritik, und klar vermischt mit konkreten politischen anliegen.

also, kann gut sein dass prinz charles seine jahrzehnte auf der reservebank in mancherlei hinsicht nicht gut bekommen sind. völlig nutzlos neben der spitze eines weltreichs a.D. zu sitzen würde andre auch mürbe machen.

davon abgesehen hebt er sich erfrischend ab vom einerlei andrer mächtiger und reicher auf dieser welt. und er scheint mir recht damit zu haben, dass es besser wäre, ein bissi spinnert zu sein, wenn man denn dadurch auch ein wenig mitfühlender und bescheidener würde, und vor allem ein bissi weniger pseudo-'rational' (was heute oft nur einfach die überhebliche vorstellung bedeutet, man wisse schon fast alles, lebe unabhängig, tue in dieser rationalen welt alles nur um uns 'voran' (wohin?) zu bringen usw).

und man sollte nicht vergessen, dass es in GB eine *konservative* (tory) fraktion gibt, die die abschaffung des könighauses fordert. denn, die kosten schließlich nur geld (dass man selbst gern hätte). ich denke, so eine forderung wird aus dieser ecke nur gestellt, weil das königshaus letzlich auch eine moralische und wertkonservative instanz darstellt, trotz kolonialismus und klassengesellschaft. und, um es mit dem unwort des jahres zu sagen, instanzen, auf die man bezug nehmen kann, sind für den neoliberalen geist des nur-profits und der bedingungslosen unterwerfung unter die mechanismen der hemmungslosen ausbeutung dieser welt und ihrer wesen einfach 'unzeitgemäß' -- sie sind im wege, so wie eine westberliner straßenbahn 1967, einfach nur lästig, weg damit.

vielleicht ist charles ja wirklich ein tory der alten schule; und ja, natürlich ist unser gegenwärtiger zustand auf das zurückzuführen, das wir vorher taten. mr eagleton verstrickt sich gleichwohl in einen widerspruch, wenn er eine prominente und seit langen jahren sich immer wieder gegen die genannten auswüchse aussprechende person (mag sie in seinen augen auch bestenfalls kindlich-naiv und abergläubisch sein) für diese zustände verantwortlich macht, und ihn zur aufgabe seiner güter auffordert.

mal so gefragt: wenn die antiroyalisten die monarchie von der insel prügeln, wieviele menschen werden in ihren häusern obdach finden? die wirkliche ungleichheit ist in dieser gesellschaft doch ökonomisch viel tiefer verwurzelt.