lu kashka

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RE: René Girard: Shakespeare - Theater des Neides | 24.06.2011 | 23:37

"So manches deutet darauf hin, dass Shakespeare mehr von den monströs narzisstischen Charakterzügen seiner Figuren trug als manchem lieb sein dürfte."

ich denke, man sollte solche psychologischen einsichten nicht überbewerten, denn über den gehalt der stücke sagt sie ja nichts. tatsache ist, dass die figuren in dramatischen stücken meistens in besonderer weise ausgesetzt sind, dass ihr "selbst" oder "ego" sich aus scheinbar zufälligen äusserlichkeiten zusammensetzt. das ist immer auch ein bisschen unerträglich (deshalb "kritisch") und auf der anderen seite eben typisch theater -- weil es um offenlegung geht, sichtbarmachen, darstellung des menschen, seinen unbewussten prozessen.

shakespeares "narzissmus" war eine gute dramatische strategie der darstellung und wenn keine strategie, dann doch immerhin ein zufälliger strategischer vorteil. denn nur dadurch, dass seine figuren den umständen so "selbstvergessen" ausgesetzt sind, ist jeder moment für sie so dramatisch -- und für uns in einer gewissen tiefe miterlebbar. ich denke, dass sich eine ganze menge berühmter dramatiker finden lassen würden mit solch einem narzisstischen muster und wenn nicht dieses, dann vielleicht ein anderes neurotisches. -- wie wäre es zum beispiel mit schiller?