S-Bahn Berlin – Schaut auf diese Stadt

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Im Ersten läuft heute Abend um 21:00 Uhr ein frischer Dokumentarfilm. „Endstation Chaos - Die Bahn auf gefährlichem Kurs“ von Ursel Sieber (nach meinen Recherchen hier beim Freitag keine Unbekannte) und Norbert Siegmund.

Der Film behandelt das aktuelle Problemkind des Mutterkonzerns Die Bahn, nämlich die Berliner S-Bahn. Das Interesse an ihr sollte sich nicht auf diejenigen beschränken, die auf sie als Transportmittel angewiesen sind, also die Berliner und Brandenburger. Die Tatsache, dass die rbb-Produktion im Ersten und zur Hauptsendezeit ausgestrahlt wird, deutet schon darauf hin.

Aus dem Ankündigungstext:

„Ist der "Fall Berliner S-Bahn" Vorbote eines drohenden bundesweiten Desasters im Bahnverkehr? Ohne Zweifel ist er ein Lehrstück über die Risiken der Privatisierung öffentlicher Daseinsvorsorge.


Die 45-minütige Dokumentation des rbb wird den Weg der S-Bahn in das Chaos nachzeichnen, analysieren und schließlich in den Kontext der Politik des Mutterkonzerns stellen. Zugleich fragen die Autoren nach der Verantwortung der Bundesregierung. Die Bahn nahm einen gefährlichen Kurs. Im Stellwerk schlief die Politik.“

Erwarten darf man wohl ein gutes Stück investigativen Journalismus zu einem aktuellen und brisanten Thema. Insofern wäre die Sendung ein Glücksfall. Ein Glücksfall ist auch der S-Bahn-Skandal an sich. Da es im Zusammenhang mit dem Skandal bislang keine Unfälle gab, kann man geradezu dankbar sein. Denn: hier können, noch in begrenztem Ausmaß, Millionen Betroffene mal live erleben, was es heißt, wenn unbedingte Profitorientierung der Weg und das Ziel sind, statt dem rustikalen Bestreben, bestmöglichen öffentlichen Nahverkehr anzubieten.

Die Berliner S-Bahn - sie hat immer noch viele echte Liebhaber und noch viel mehr einfache Kunden. Auch die S-Bahn hat Berlin zu der Metropole gemacht, welche die Stadt vor 60 Jahren war und heute wieder ist. Sie kann gleichermaßen als Symbol für die Teilung und für die Einheit Berlins herhalten. Die lange Zeit der Teilung hat das Verskehrsunternehmen gut überstanden - und zwar bis in die späten 80er Jahre hinein ausschließlich mit Wagenmaterial aus den 20ern und 30ern, und ohne gravierende Unfälle. Doch das etwa nur, um in der Schönen Neuen Nachwendewelt heruntergewirtschaftet zu werden? Schaut auf diese Stadt...

http://www.kibou.de/gozer/S-Bahn/gfx/tg/S-1945-2.gif

Muss man sich hoffentlich nicht in Zukunft wieder dran gewöhnen: eine Netzspinne der befahrbaren S-Bahn-Strecken 1945.

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Die S-Bahn Berlin GmbH zur Situation: www.s-bahn-berlin.de/aboundtickets/entschuldigungsregelung_index.htm

Geschichte der S-Bahn: www.stadtschnellbahn-berlin.de/, www.kibou.de/gozer/S-Bahn/index.html

17:07 16.11.2009
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Geschrieben von

Ludwig Hasselberg

Die Pizza ist servierfaehig, wenn der Kaese gut zerlaufen und leicht gebraeunt ist.
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