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"Bloggen ist nicht Schreiben. Das ist Graffiti mit Punkt und Komma." (Elliot Gould in "Contagion" )
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RE: Zum Abschied Küsschen | 14.07.2021 | 09:57

"Und auch wenn in ihrem malerischen Schreibstil manchmal etwas Relotius-Lyrik anklingen mag – ihr Stoff sind solide recherchierte Geschichten aus der kleinstädtisch-ländlichen Welt, die direkt vor dem Fenster des Redaktionsbüros beginnt."Ein Satz, bei dessen Widersprüchlichkeit (gedichtete Prosa vs. harte Fakten des Kleinstadtalltags?) man sich als Leser fragt, wie dieser die Institutionen Redigat und Lektorat passieren konnte. Claas Relotius hat mit seinen nachweislich erfundenen Reportagen das Vertrauen in den Journalismus nachhaltig beschädigt und den "Lügenpresse"-Skandierern Selbstbestätigung gegeben. Es ist zu hoffen, dass Anna Petersen (deren Texte ich nicht kenne) ihm nicht in der Provinz nacheifert oder nacheifern möchte - zumal im Lokalen die journalistische Darstellungsform der Reportage, die persönliches Erleben des Autor oder der Autorin voraussetzt, eine ungleich kleinere Rolle spielt als beim Nachrichtenmagazin SPIEGEL. Noch ein Vergleich, der an diesem Satz schief hängt.

RE: Die Interviews des Jahres | 31.12.2011 | 15:22

Von interview 3 und 4 habe ich bisher gar nichts mitbekommen. Vielen Dank dafür!

RE: "Da geht es ab!" | 07.11.2011 | 14:18

Ein kurzweiliges Interview - auch wenn ich bei der Konstellation (Mitbegründer des Magazins interviewt den eigenen Fotografen) indirekt eine bedenkliche Nähe zur Werbung/PR für die Unangepasstheit des eigenen Mediums sehe. Und da das Buch schon am 1. September erschien, frage ich mich auch, warum jetzt (erst).

Merkwürdig dabei ist, dass auch der Tiefpunkt des Magazins nicht thematisiert wird: Die aktuelle Ausgabe zum Thema "Scheiße". Ein paar kritische Töne dazu gibt es von mir hier:

www.unique-online.de/vom-redaktionsburo-zum-intellektuellenabort/3683/

RE: Nacherzählen ist nicht klauen | 07.11.2011 | 14:05

Wenn eine Internetseite für die Inhalte einer Zeitung wirbt, indem sie diese zitiert oder verknappt wiedergibt und somit zumindest unter wissenschaftlichen Standards einwandfrei handelt, ist dies kein Schmarotzertum. In einem Zeitalter sinkender Auflagenzahlen sind Tageszeitungen mehr denn je auf Verfechter der Maxime, für journalistische Qualität auch Geld zu bezahlen, angewiesen. Und dies adäquat auf dem Kanal des Internets ins Rollen zu bringen, haben viele Verlage in Deutschland versäumt und versäumen es mit einer mangelnden Ausprägung an Geschäftsmodellen wie dem "metered model" oder Paywalls bis heute.

RE: Gewagte Argumente | 07.11.2011 | 13:50

Zumal heute der Protest mit nackter Haut inflationär Anwendung findet und somit auch nichts Besonderes mehr ist.

RE: Gleiches Leid für alle | 06.11.2011 | 15:18

Es sind also keine rein virtuellen Männlichkeits- oder Weiblichkeitsbilder, da gewisse Unterschiede nun mal existieren. Sonst könnten die Männer einfach die Pille für Frauen nehmen und gut.

Ich nehme an, Sie beziehen sich auf den ursprünglichen Artikel. Aber was ist denn für einen Mann dabei, Kondome zu benutzen? Selbst die Pille schützt nicht vor Krankheiten und so ist Sex nicht gleich mit dem Reiz verbunden, "Risiken für eine schöne Sache einzugehen".

Es geht darum, sein Leben leben zu können, wie es in der jeweiligen Natur des Individuums liegt. Das Recht des Individuums, es selbst zu sein.

Und das können Frauen nur, wenn sie Hormone nehmen, die sie sowieso produzieren? Bei Männern wäre es ebenso, wenn sie mit Spritzen etc. verhüten würden. Für mich ist das also kein Argument, sorry. Denn weitergedacht bedeutet das "Frauen bekommen ja rein bilogisch festgelegt die Kinder, sollen die doch verhüten" - und das ist verantwortungslos.

RE: Gleiches Leid für alle | 06.11.2011 | 15:08

Ich nehme (aufgrund auch meiner eigenen Erfahrungen) an, die Männer geben da ein politisch-korrektes Wunschbild ihres Selbst zum Besten.

Auch wenn "eigene Erfahrungen" keine hinreichende Bedingung für eine verlässliche Statistik sind (die m.E. zu diesem Thema nicht existiert), ist das in der Tat ist durchaus denkbar. Ich für meinen Teil würde mich als verantwortungsbewusst bezeichnen, da ich größtenteils mit Kondomen verhüte. Wenn Frau für sich die Entscheidung trifft, aufgrund eines "natürlicheren Gefühls" etc. lieber nur noch mit Pille verhüten zu wollen, ist das ihre freie Entscheidung.

Schließen Sie sich demnach mir an, die ich auf schärfste kritisiere, dass Pubertierende seit Jahrzehnten ab 14 ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten Hormone verschrieben bekommen, sponsored by Krankenkasse?

Ja! Aufklärung in Sachen Sexualität scheint an den Schulen immer noch zu stiefmütterlich behandelt oder von (verklemmten) Lehrern als peinliche Pflicht "abgearbeitet" zu werden. Ich halte die Verschreibung und Einnahme der Pille noch Jahre vor Abschluss der körperlichen Entwicklung schlicht für verantwortungslos aufgrund der möglichen körperlichen und psychischen Folgen.

Bis zum vollendeten 18. Lebensjahrs des Mädchens sollten die Jungen/Männer noch stärker in Verhütungsdingen in die Pflicht genommen werden, weil Kondome eben nachweislich keinen Einfluss auf den Hormonhaushalt ausüben. Dort setzt Verantwortungsbewusstsein ein - oder eben beim Verzicht auf Sex! Aber auch darüber zu diskutieren ist müßiges Gutmenschentum, weil die "Verhütungsmoral" nach wie vor eine andere ist.

RE: Gewagte Argumente | 06.11.2011 | 14:50

Ja, auch mich hat die FEMEN-Aktion an die SlutWalks erinnert und ich finde es verfehlt, mit entblößter Haut GEGEN Sexismus oder für sexuelle Freiheit zu werben. Wenn Frauen mit ihrem Körper gegen Sexismus demonstrieren, sind sie selber schuld, wenn sie damit eine weitere Sexualisierung der Medien und Zentrierung - in als patriarchalisch angenommenen Gesellschaftsstrukturen - auf die reduzierte Wahrnehmung als Sexualobjekte vorantreiben.

Im Falle Strauss-Kahns mag die Protest-Aktion noch mehr Sinn machen als bei der katholischen Kirche oder gegen Berlusconi. Weil in Italien in den Medien - bei entsprechender Berichterstattung - dann Bilder gezeigt werden, die ohnehin schon von Bunga-Bunga-Parties oder von einem Berlusconi, der zwischen zwei drallen Blondinen mit großem Ausschnitt grinst, bekannt sind. In diesem korrupten Mediensystem würden entsprechende barbusige Protestaktionen eher als witzige Unterhaltung denn politisches Statement wahrgenommen.

RE: Gleiches Leid für alle | 02.11.2011 | 13:37

Ich muss mich nun auch einmal zu Wort melden, weil ich einer derjenigen Wenigen bin, der den Artikel von Frau Zinkant in der Printversion in den Händen hielt und gelesen hat.

Schön, dass im Nachhinein darauf hingewiesen wurde, der Artikel sei eine Glosse, denn auch mir ist dies nicht aufgefallen - auch weil sich mir die humoristische Überspitzung fernab eines beinahe schon reaktionären Pseudo-Feminismus nicht eröffnet hat. Die journalistische Darstellungsform des Kommentars - womit der fragliche Artikel wohl am ehesten bezeichnet werden kann - impliziert, dass wichtige Fakten gegen die eigene Argumentation/Meinung außen vor gelassen werden und andere dafür umso vehementer vertreten. Das äußerst sich insbesondere bei dem Kosten-Argument. Spritzen für den Mann sind so auch nicht für lau.

Und deswegen möchte ich - übrigens als ein Mann, der bisher in 90% der Fälle mit Kondom verhütete - ein paar Fakten aus dem Jahresbericht der BZgA nachreichen. 45% der Männer geben an, mit Kondomen zu verhüten, bei Frauen sind es nur 29%. Das Klischee vom verantwortungslosen "Deckhengst", das sie somit implizit durch die Thematisierung einer "patriarchalischer Unterdrückung" durch die Antibabypille für die Frau unterstellen, ist somit nur bedingt zutreffend.

Sicherlich sollten Männer zur Verhütung auch ihren Beitrag leisten, aber letztlich kommt das größere Defizit an Verantwortung Frauen zu, die sich ohne nachzudenken frei dazu entscheiden, ungeschützten Sex ohne Verhütung haben zu wollen oder die Pille falsch einzunehmen. (Das wäre in etwa so, als würde der Mann nicht mit einem Kondom umzugehen wissen.) Soviel Mündigkeit müssen Sie dem ach so emanzipierten weiblichen Geschlecht der Gegenwart bei Gesprächen mit ihrem Sexualpartner individuell schon zubilligen.

Immerhin kann ich Ihrem Ausstieg nur zustimmen: Hormon-Cocktails hier und da sind sicherlich die schlechteste Lösung. Umso erstaunlicher, dass sie Frauen immer noch weitgehend freiwillig bei ihrem Körper anwenden - selber schuld. Schließlich gibt es eben auch noch Kondome, Diaphragmen oder andere Möglichkeiten der Empfängnisverhütung.

RE: Facebook - Die Zivilgesellschaft ist gefragt | 25.09.2011 | 13:01

@hadie: Ja, gibt es schon - wird ja auch im Artikel geschrieben ;).

Ich verstehe allerdings nicht so recht den Aufruf. Ein "alternatives" soziales Netzwerk zu schaffen, zunächst uni-spezifisch, welches sich dann auf die ganze Gesellschaft ausdehnen soll, ist lobenswert. Allerdings - und das sind die Knackpunkte - stellen sich mir dabei folgende Fragen:

1.) welche Hochschule tut diesen gesamtgesellschaftlichen Dienst, wenn finanziell gar nichts zurückkommt?
2.) wie erreicht man diese "kritische Masse an Teilnehmern"?

In der heutigen, vernetzten Gesellschaft ist es schwerer als noch vor 5 Jahren, ohne großes Werbebudget und PR-Maßnahmen - also beides Dinge, die sehr viel Geld kosten, welches bei einer Open Source-Software unwiederbringlich ausgegeben wird - für "noch so ein soziales Netzwerk" zu werben, wie sich der gemeine und bequeme VZ- oder Facebook-Nutzer sagen wird.

Deswegen: Wenn sich freiwillig ein Wohltäter findet, der fortwährend auch zu Administrationszwecken bereit ist, sehr viel Geld auszugeben dafür: super. Sonst: nette Idee, aber wird wohl leider nichts.