Rumpeliger Budenzauber: "Insidious" ab 21. Juli im Kino

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http://img196.imageshack.us/img196/9389/insidiousb.jpg„Und wehe, du glaubst mir nicht!“ hört man Renai (Rose Byrne) apathisch verschreckt fordern, als sie den hineinstürmenden Ehemann Josh (Patrick Wilson) von einem schwarz gekleideten Mann erzählt, der erst vor dem Fenster herumhuschte, plötzlich im Zimmer stand und sie mit seinen langen Klauen bedrohte. Natürlich ist er inzwischen wieder spurlos verschwunden.

Es scheint, als würden in dieser Szene über 30 Jahre Filmgeschichte Revue passieren. 1979 war es, als Familie Lutz ihren Amityville Horror in einem mordlüsternen Spukhaus erlebte. 1982 wurde Familie Freeling in Poltergeist von den Seelen Verstorbener heimgesucht, wobei sich im Kleiderschrank des Kinderzimmers ein Tor in eine andere Dimension auftat, in welcher Tochter Carol-Anne zeitweilig gefangen war. Doch stets, wenn im Horrorfilm das Übernatürliche ins Haus einzog, das Fürchten zu lehren, war es dem Zuschauer vorbehalten, zu „glauben“ und sich auf den Budenzauber einzulassen. Wobei wir wieder beim eingangs erwähnten Zitat wären - und beim Versagen von Insidious.

Bei dem eklektischen Spuk, der ausgehend von der „Reise“ von Astralprojektionen im Traum in eine andere Welt („Ewigreich“) gesponnen wird, werden viele „Okay…“-Einsichten des Publikums vorausgesetzt. Dort ist der Geist von Sohn Dalton gefangen von einem bösen Dämon, der wie andere Geisterkumpels in seine zurückgelassene, körperliche Hülle schlüpfen will. Fortan versucht Familie Lambert, ihren Sprößling zu befreien, wobei der Kontakt in die andere Dimension mittels Medium Alice und Gasmaske stattfindet. Warum und wieso, wird natürlich ganz im Sinne eines Publikums, das sich darauf einlassen muss („Okay…“) nicht erklärt. Warum die herbeigerufenen, sich gegenseitig foppenden Ghostbusters so betont witzig sein wollen, übrigens auch nicht. Sie sind ein Fremdkörper in diesem nicht sonderlich geistreichen Spuk.

Einer von ihnen wird gespielt von Leigh Whanell. Dieser schrieb zusammen mit James Wan das Drehbuch zu Saw. Dieses Team arbeitete hier wieder zusammen, allerdings unter ungleich anderen Voraussetzungen: Nix ist mit Folterszenen à la Torture Porn, hier ist nur Gruseln der Marke PG-13, also jugendfrei angesagt. Das schließt Blutfontänen aus, dafür das Knarzen von Dielen, unvermittelte Schocks und Zuknallen von Türen umso mehr ein. Altmodisch kann man das nennen oder unoriginell. Zumal sich Drehbuchautor Whanell neben den oben genannten, modernen Begründern des „Haus-Horrors“ auch bei Nightmare on Elm Street, The Ring und Shutter - Sie sehen sich bediente. Ob die unfreiwillig komische optische Referenz an eine Figur in Star Wars: Episode I jedoch gewollt war, darf bezweifelt werden.

Das Positive zuerst: Ja, man wird sich gruseln, denn die Atmosphäre - und darin insbesondere der angsteinflößende Klangteppich - sind gelungen. Insidious ist spannend und sogar fesselnd, wenn man sich nicht allzu gut im Genre auskennt. Dabei sind wir aber auch schon bei den Schwächen angekommen: Etwas wirklich Neues wird hier nicht erzählt und zuweilen schrammt der Film an der Grenze zum Reich der unfreiwilligen Komik entlang. Und insbesondere, was die lahme, wortwörtlich nebulöse Gestaltung des „Ewigreichs“ angeht, bei der sich die Setdesigner mal richtig hätten austoben können, trauert man einer verpassten Gelegenheit nach.

Insidious, USA/Kanada 2010
Regie: James Wan
Darsteller: Rose Byrne, Patrick Wilson, Barbara Hershey etc.
Ab 21. Juli im Kino

12:42 28.06.2011
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Geschrieben von

LuGr

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