Zweifelhafte Patrioten

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Die Kino-Superhelden "Green Lantern" und "Captain America" propagieren amerikanische Werte, während sie vom aktuellen Vertrauensverlust in die Politik keine Kenntnis nehmen.

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Captain America trägt seinen Status als Heilsbringer jener Nation, über deren wirtschaftliche Zukunft in diesen Tagen entschieden werden muss, schon im Namen. Er ist auch aufgrund seines Kostüms der Inbegriff des Patrioten, der nun für sein Land kämpfen muss. Mit seinem Schild ging es 1941, als das Comic zum ersten Mal erschien, Nazis an den Kragen, heute kann das „Abprallen“ von Problemen des liberalen Wirtschaftskapitalismus am Vertrauen in die eigene Stärke als zentrale Eigenschaft nicht überbetont werden.

Ob die Unterjochung der USA, der Welt oder des gesamten Universums: Es bedarf immer eines Normalos, der über sich selbst hinauswächst und sein Leben für den Kampf um die Freiheit in die Waagschale wirft, zumindest im Film. Dem gedienten Veteranen im realen Leben gilt dabei in Form einer gesetzlichen Rente ein Dank, der nun ins Wanken gerät: Mit der drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA ist auch seine finanzielle Existenzgrundlage bedroht. Seine Verdienste und seine Ideale, für die er kämpfte, werden dadurch fragwürdig.

Ob aus diesem Grund die Comichelden im Hollywoodkino derzeit noch furchtloser, noch gigantomanischer die Rettung der ganzen Menschheit zelebrieren, um den Einzelnen Durchhaltevermögen und Tatendrang einzuimpfen? So wird in Green Lantern aus dem Testpiloten Hal Jordan (dargestellt von Ryan Reynolds) durch die Macht eines außerirdischen Ringes ein furchtloser Beschützer des Universums, der sich gegen Parallax erwehrt; einem Wesen, das sich aus der Kraft der Angst speist. Eine Angst, die sich derzeit auch in den Köpfen der Bevölkerung breit macht: Was passiert, wenn sich Demokraten und Republikaner nicht rechtzeitig auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze verständigen können, wenn die USA ihr AAA-Goldrating durch die Agenturen verlieren, das sie seit 1917 „gepachtet“ haben? Etwas abstrakter als in Captain America winkt im Subtext abermals eine patriotische Botschaft – in Form des American way of life: „Arbeite kräftig an dir und lebe für das, was du tust und du wirst glücklich.“ Es scheint, als würde in der Nostalgie besserer Zeiten schwelgend eine Arbeitslosenquote von rekordverdächtigen 9,2% (Stand: Juni 2011) großzügig übersehen.

Traurig ist dabei nur, dass Hollywood bei seinen Adaptionen von Captain America und Green Lantern den bitter aufstoßenden Pro-Militarismus mit Verharmlosung von Gewalt und Glorifizierung des furchtlosen Soldaten als Kämpfer für das Gute nicht abstoßen konnte. Der jüngst beschlossene Militäretat ab Oktober erreicht mit 649 Milliarden US-Dollar trotz klammer Kassen einen neuen Rekord. Wenn an etwas nicht gespart wird, dann an Sicherheit und Verteidigung, um das eigene Land zu schützen. Auch das ist leider nur zutiefst amerikanisch und patriotisch. Nur passt es nicht zum Image des im Schuldenstreit eher genervt und unsouverän als machtvoll auftrumpfenden Superhelden Obama, der immerhin schon mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde.
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Green Lantern startete am 28. Juli in den deutschen Kinos (US-Start: 17. Juni), Captain America läuft am 18. August an (US-Start: 22. Juli).

12:20 31.07.2011
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Geschrieben von

LuGr

"Bloggen ist nicht Schreiben. Das ist Graffiti mit Punkt und Komma." (Elliot Gould in "Contagion" )
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