blue valentine: zwei oder drei sekunden licht

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sehr nahes sehen. zwei menschen. nein drei. sie leben, sie berühren sich. sie bewegen sich und sind groß dabei. ein gemütliches häuschen, das den alltag beherbergt. der scheint eigentlich gar nicht so routiniert. eher verspielt. rosinen auf esstischplatte schmecken. die beziehung auf dem seziertisch eigentlich auch. ohne nähmaschine. regenschirm sowieso nie. er mimt den coolen working class postpunk. sie die gestresste medizinerin. eigentlich ein perfekt gegensätzliches paar, in a good way. dann doch die kleinen flaws. er trinkt. sie ist unzufrieden. womit eigentlich? midlife? life? gestern war's freilich besser. irgenwie weniger deutlich. weniger bunt, dafür auratischer. oder erratischer? erscheinung einer nähe, so fern das sein mag: sinnliche close-ups eines vergangenen glücks. das verlieben, und davor: das altersheim. die endstation des lebens. besser kann ein aufriss-setting nicht verortet sein. denn, die tristesse will sogleich vergessen werden. bonjour, eine ukulele. inflationär indie heutzutage, glücklicherweise. ein liebeslied und ein wunderbar unperfekter tanz. perfekt für die ewigkeit? letzte zeichen zweier brennender. unwiderbringlich? vorbei. der film regt zweifel? machen sich die zwei schon was vor? enden beziehungen immer im lebenslangen unglück am esstisch (schon wieder der)? schlechter sex und atemnot? i'm all alone so far up here and my oxygen is all gone? der granddad braucht es und sollte es doch nur seiner tochter borgen. die ist aber bereits anderswo. ist das leben anderswo? ist ein leben anderswo? immer potentiell, alternative biographien, andere leben: besser nicht nachdenken. be cool in a crises (denn am ende: fireworks are on). gegensätze kommen immer gut. warum merken die beiden das bloß nicht? er liebt sie. weiß sie so recht? was sie will? (midlife, life.) zuerst: eine ungewollte schwangerschaft und der zug scheint ihr abgefahren. später: ein verkrampftes posieren. verspätet: nachgerade spastische zärtlichkeitsversuche bleiben erfolglos. und freilich, die ubiquitären klassenverhältnisse, unausgesprochen immer problematisch. niemand sieht sie, nirgendwo. nein, wir leben in keiner zweiklassengesellschaft? seid ihr alle blind? seid ihr alle schon fern? fort? selbst erlebte dilemmata: sie klagt über seine ungenützten potentiale, er über ihr kapitalistisches nützlichkeitsdenken. er ist ihr zuwenig. ihm ist sie entfremdet. zurecht. wo bleibt das glückliche glucksen? wo die freude an der vermeintlichen freiheit? wie schön die beiden bei der hochzeit sind. sie leuchten: kann eine liebe größer sein, wenn die frau in weiß von einem anderen schwanger ist und mann davon weiß? sehr viel weiß. sehr viel licht. mehr licht. hier müsste es enden, nicht anderswo.

13:00 20.01.2011
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Geschrieben von

lukas eckhart

musiken, filmisches, von einem gestrandeten betrachtet
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