"torrey pines": schatten über dem absurden charme der bourgeoisie

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"absurd": eigentlich immer gut (meint nicht bloß camus). außer aufs absurde feld der religion übertragen: "ich glaube, weil es absurd ist" (Tertullian). hier ein irgendwie faules kausales subjungieren. zuviel steht auf dem spiel: der freie mensch. besser: das absurde feld des sports. die fussball-sozialisation. und dann die wiederholung des immergleichen (sagt ein 4-3-3-apoleget): absurdes theater. und sedierende ästhetik. golfübertragungen, also mit schläger und mütze und so, sind da weitaus komplexer. verschiedene plätze, verschiedene löcher, verschiedene landschaften, verschiedene grünschattierungen. keine uniformen, bloß (auch) zu viele männer. doch dramarurgie gibt es hier keine mehr. aufgelöste schnipsel. postkartenschwenks vor einem ocean blue. davor kiefern und immer wieder diese männer mit metallstäben. niemand scheint sich merken zu können, wo da wer gerade puttet, pitcht oder ditcht. daher auch dauernd die merkwürdigen grafiken. was ist das hier eigentlich? wer ist das eigentlich? wo steht der gerade? wie steht es gerade? wie oft hat er bereits geschlagen? und, jetzt neu: wie muss er schlagen? zwei inch nach rechts und so. nun ja, ich bin ja sehr leicht zu beeindrucken. ich falle völlig auf den entschleunigungsdiskurs für superreiche (-nackte) manager herein. lasse mir die pipifeine (aseptische) welt einreden. wo es eben keinen schmutz gibt. hoppla, eine kiefernnadel aufs green gefallen? hoppla, ein rough-klumpen aufs fairway gefallen? o.k., es kann schon auch regnen? aber nicht hier in san diego, wo nun das erste wichtige tournier der 2011er pga-tour (womit nicht die zapatistische vereinigung "peoples global action" gemeint ist) gespielt wird! in torrey pines! golfen vor den klippen. alles schön. und sehr reich. wir leben in keiner zweiklassengesellschaft? nein? es gibt doch kein leid, keine not hier in torrey pines! "the shadows long and lengthening" singt eine wunderbare band über das übertriebene golffernsehen. jetzt sehe ich immer (nur noch) die schatten auf den greens länger werden, wenn ich mir sowas ansehe. und freilich meinen eigenen. und den unserer (so called) gesellschaft: "we can take defunct society as we know it. future ages will recall it only as a charming moment in history. back then, they will say, there were rich and poor." godard in einem opus summum, erinnert (nicht bloß) hier an den benjaminschen abgesang der passage. so sehe ich in torrey pines eben auch benjamins paris, wenn die schatten langsam länger werden. hoffentlich.

16:12 29.01.2011
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Geschrieben von

lukas eckhart

musiken, filmisches, von einem gestrandeten betrachtet
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lukas eckhart

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