vertigo, revisited: projektionen dessen, was sie liebe nennen

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der blumenladen (von hinten). der friedhof (so weich). die galerie (ein doppel). das hotel (psycho-hopper). die golden gate bridge (von unten). das appartment (ein brennen). die sequoia bäume (ein verschwinden). das meer (ein kuss). die mission (the mission bells are ringing, singt die großartige amy linton von der ortsansässigen san-francisco-band the aislers set). dazwischen: autokino (als stadtvermessung). so klar, so aufgeräumt, dennoch so befreiend surreal, so geheimnisvoll ist mir der erste teil dieses hitchcock-liebhaberfilms. von marker bis distelmeyer, alle verehren sie ihn, freilich eher den zweiten part. der ist perverser. weniger romantisch (o.k., die vermeintliche frau eines anderen aufreißen: "no comment." vgl. godard: film socialisme, fin). weniger magisch. chion würde vielleicht sagen, weniger cine-magic. dann wird die geschlechterhierarchie wieder vom kopf auf die füße gestellt. die frau wird zum fetisch. warum eigentlich? im ersten teil ist sie zwar genauso stereotyp, mystisches klischee. aber freier, trotz dieses wunderbaren besessen-seins (wir wissen ja noch nichts von der intrige). der fluch der toten. die flucht vor dem tod. jimmie als don quijote. wie so viele männer irgendeiner silhouette hinterher. scherenschnitte zu hauf. vor allem im luziden albtraum-dispositiv. der einzige höhepunkt vor dem nichts, das angeblich am ende steht (das dann auch wortwörtlich eingeläutet wird). zu viele (selbst)reflexionen: warum diese freudsche schlagseite? und warum diese rationalistische schlagseite? am ende bleibt deshalb nichts, weil alles aufgelöst erscheint: der fall und der fall. der des detektivs und der vor den augen des kirchturmerklimmers. es ist etwas leer geworden, weil alles verständlich wird. alex kluge (nicht horwath)? vertigo hat zwei enden. oder einen dreiviertelstündigen abspann. worum geht es eigentlich? eine frau mit bh, eine frau ohne bh. gierige blicke und gespielte gesten. die notnagel-hauptblondine (sorry, folks) spielt das spielen so brechtisch, dass man immer wieder, auch beim gefühlten neunundfünfzigsten screening, angst bekommt, jimmie könnte sich vor dem ersten kirchenfenstersturz selbst etwas antun. oder sich in eine andere verlieben. das ist aber auch gut so. denn so wird mir heute ( ja heute!) klar, was das mit der liebe (dem liebeswahn) soll. im ersten teil scheitert sie, weil sie eine geheimnisvolle chimäre bleibt. im zweiten, weil sie nun gar noch zwanghafter, verkrampfter (und weiterhin) im kopf stattfindet. liebe ist immer nur projektion. nano. ich liebe dich. so what? arbiträres hirngespinst. du trauriges leben: ein langsames oder schnelles fallen. wie man will. oder eben nicht will. taumel-wahnsinn in raum und zeit? springen kann man ja immer noch? wir fallen doch schon längst. das echo des aufpralls: "aus dem reich der toten". kein zweiter atem des kinos. heute nicht.

02:50 19.01.2011
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Geschrieben von

lukas eckhart

musiken, filmisches, von einem gestrandeten betrachtet
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