lukasheinser

Blogger aus Bochum
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RE: Über die Netznomaden. Kleine Kritik an der Kritik am Freitag | 27.03.2009 | 13:24

Den Vergleich mit Lateinamerika finde ich brutal, aber gut. Man darf auch nie aus den Augen verlieren, von was für Größenordnungen wir im Web sprechen: Wenn ein deutschsprachiges Blog auf 40.000 Leser pro Tag kommt, ist das sicher richtig, richtig viel. Vermutlich hat jeder Shopping-Sender mehr Zuschauer. (Was beweist, dass Reichweite andererseits keine Aussagen über Relevanz zulässt.) Aber dadurch, dass im Web 2.0 viele (jeder?) gleichzeitig empfangen und senden, entsteht eine gewaltige Rückkopplung. Wer ausschließlich im Web 2.0 unterwegs ist, wird den Eindruck bekommen, Blogs oder twitter seien Massenmedien (weil jeder, den man kennt, sie nutzt). Ich finde es immer sehr hilfreich, meinen Großeltern zu erklären, was ich eigentlich beruflich tue. Wenn man sich erst mal verständliche Erklärungen für "Blog" oder "Community" überlegt hat, hat man glaub ich wieder genug Abstand zum Thema gewonnen. Aber ich fürchte, jetzt habe ich mich (was auch typisch fürs Internet ist) völlig vom Thema entfernt ...

RE: Über die Netznomaden. Kleine Kritik an der Kritik am Freitag | 25.03.2009 | 18:24

Ich habe den Eindruck, dass hier Leute mit dem Bloggen angefangen haben, die sich nie im Leben ein eigenes Blog eingerichtet hätten. Das finde ich - unabhängig von den Inhalten - erst einmal bemerkenswert. Dass nicht jeder auf Anhieb printreife Artikel schreibt, liegt auf der Hand. Ich finde es aber schön, wenn Menschen, die bisher nur rezipiert haben, nun auch zu schreiben anfangen - mit teils beachtlichen Ergebnissen. Da dann schnell mögliche Spreu von möglichem Weizen zu trennen ist wohl Teil jener Medienkompetenz, die wir alle in Zukunft brauch werden.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sich die Mediennutzer in zwei Gruppen Teilen werden: in die, die auch zukünftig auf die "Gatekeeper" schwören, und in die, die sich ihre Informationen aus Zeitungen (bzw. deren Webseiten) und Blogs zusammensuchen. Beides kann zu interessanten Ergebnissen führen.

RE: Bücher werden gekauft, finden aber keine Leser | 23.03.2009 | 12:48

Ich glaube, man muss unterscheiden: Wenn Kinder und Jugendliche die "Harry Potter"- und "Twilight"-Romane lesen, freut man sich ja, dass sie überhaupt lesen. (Und damit über die von Bildungswirt angesprochene Fähigkeit verfügen, längere Texte sinnentnehmend zu lesen.) Wenn Erwachsene lieber irgendwelche Krimis oder Liebesromane lesen und ihnen das Freude bereitet, ist es auch ihr gutes Recht. Literatur muss ja nicht immer einen Erkenntnisgewinn bringen, manchmal reicht ja auch der Lustgewinn.

Die Einstellung "Hauptsache Lesen" hat für mich trotzdem etwas von "Hauptsache Essen": Abwechslung sollte schon gegeben sein und ab und zu was Gesundes (wie auch immer das bei Büchern aussehen mag) und Außergewöhnliches sollte schon dabei sein.

Was mich wundert ist, dass man Marcel Reich-Ranicki nicht die Uta Danellas und Ken Follets um die Ohren gehauen hat, als er sich im letzten Jahr über die Qualität des Fernsehens beklagt hat. Ein Medium ist ja für sich genommen erst mal kein Qualitätskriterium.

RE: Bücher werden gekauft, finden aber keine Leser | 23.03.2009 | 12:36

Früher haben die Pendler wenigstens im Zug lesen, was - je nach Entfernung - schon einige Kapitel pro Tag sein konnten. Heute kann man im Zug telefonieren oder gleich ins Internet gehen, so dass auch dort der räumliche und zeitliche Freiraum verloren gegangen ist.

Andererseits: Wenn der neue "Grisham" dadurch nicht gelesen wird, hält sich der Verlust in Grenzen.

RE: Trau keinem über den Schirm | 19.03.2009 | 19:14

Nehmen wir zum Beispiel diese Studie des "Stern", über deren Methodik man sicher streiten kann: http://www.stern.de/computer-technik/internet/:%0A%09%09stern-Test%0A%09%09%09-Wikipedia-Brockhaus/604423.html

(Und bevor Sie es schreiben: Dass ich unter diesem Artikel ausgerechnet den "Stern" verlinke, widerspricht widerspricht vermutlich auch den eigenen Prinzipien.)

Was ich sagen will: Die Wikipedia ist als Einstiegsquelle in der Regel mindestens ausreichend bis gut. Man muss halt damit umzugehen wissen - das gilt aber auch für Bücher und andere Medien.

RE: It's Showtime | 18.03.2009 | 01:49

Auf dem Foto sieht er aus, als wolle er gleich lostanzen und -singen. Vermutlich einen Guttie Woogie.

RE: Trau keinem über den Schirm | 16.03.2009 | 17:16

Meiner Meinung nach braucht es keine "redaktionelle Prüfung" (die es für die Blogeinträge auf freitag.de ja auch nicht gibt), wenn das Kollektiv der Nutzer auch als Korrektiv funktioniert. Das Stichwort hier heißt "Schwarmintelligenz".

Ich will die Wikipedia nicht über Gebühr verteidigen, sie hat sicher ihre Schwächen, aber Studien haben ergeben, dass Artikel in der Wikipedia im großen und ganzen mit Artikeln in echten "Lexika" mithalten können.

Das Guttenberg-Beispiel zeigt nicht, dass man der Wikipedia grundsätzlich misstrauen muss, sondern dass man wissen sollte, wie man mit diesem Werkzeug umzugehen hat.

RE: Trau keinem über den Schirm | 15.03.2009 | 13:58

Auch wenn ich ja gar nicht sage, dass das Internet generell unglaubwürdig ist, kann ich den Kritikpunkt völlig verstehen.

Andererseits halte ich die Wikipedia dann im Großen und Ganzen für so glaubwürdig, dass sie zumindest oberflächlich in den Themenkomplex "Hitler-Tagebücher" einführen kann. Für jedes andere einzelne Google-Suchergebnis zu dem Stichwort hätte sich die Glaubwürdigkeitsfrage genauso gestellt.

RE: Viele Erklärungen, keine Antwort | 12.03.2009 | 18:54

Suchen Sie sich einen oder mehre dieser Amokläufe aus:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_August_Wagner (1913, vor dem 1. Weltkrieg)
http://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_von_Volkhoven (1964)
http://de.wikipedia.org/wiki/Eppstein#Amoklauf_an_der_Freiherr-vom-Stein-Gesamtschule (1983)

Ich glaube kaum, dass sich die Amokläufe seit 1999 (Bad Reichenhall) mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in Verbindung bringen lassen. Bestimmt 95% der Deutschen (mich eingeschlossen) haben überhaupt nicht im Hinterkopf, dass gerade irgendwo in der Welt deutsche Soldaten unterwegs sind.

RE: Wenn Nachrichten Amok laufen | 12.03.2009 | 14:22

Ich finde die Bezeichnung "Genre" in dem Zusammenhang sehr passend. Und die wenigen Minuten Fernsehen, die ich gestern Mittag gesehen habe, bestätigen das auch: Weil es keine aktuellen Informationen gab (und der Tross ja erstmal in die Kleinstadt reisen musste), wurden bei Phoenix und n-tv Reportagen über bisherige Schul-Amokläufe gezeigt. Wenn man sich als Täter sicher sein kann, beim übernächsten Mal selbst Teil dieser Rückblicke (und damit quasi das Sequel oder Remake der vorherigen Verbrechen) zu sein, hat man ja langfristig (also über den eigenen Tod hinaus) "Ruhm".