RE: „Hartz IV lässt grüßen“ | 28.11.2020 | 12:17

Ebenfalls mit Respekt gegenüber Ihrem Vorschlag zu einer "Antwort" auf die AfD:

Ja, ich würde mir auch sehr wünschen, man könne die AfD als den demokratiefeindlichen pol. Gegner durch "Be-Schweigen" (gut gewähltes Wort) in die Bedeutungslosigkeit abdrängen. Aber ich fürchte, das wird nicht gelingen. Ein "Be-Schweigen" müsste dann bedeuten, dass eine noch nur "potentielle" Wählerschaft dieser Partei auch im Wahlverhalten zu dieser Partei schweigt. Sie nicht wählt. Und insofern bin ich da skeptisch. Z. B. meine ich folgendes beobachten zu können: Ein Teil ihrer Wahlerfolge verdankt die AfD ja Protestwählern - so sagt man. Darunter sind eben auch LEIDER viele sozial abgehängte, im sozialen Abseits sehende Menschen. Wenn ich ihre Stimmen in den Medien höre, lese habe ich den Eindruck, ihre "AfD-Wahl" ist eine gar nicht mal so unüberlegte. Allerdings eine, die in die katastrophal falsche Richtung geht. Wer arm ist und im Abseits steht, denkt sich, so meine ich es zu beobachten, wenn ich in der "Cholera" dieser Situation leben muss und für meine Situation pol. keine Aufmerksamkeit und schon gar keine Verbesserung zu erfahren habe, dann wähle ich "DENEN" eben die "Pest" in die Parlamente. Und viele dieser Wähler wissen dabei tatsächlich, welche "inhaltliche" Pest sie da wählen. Und eigentlich wollen sie die auch bewusst gar nicht haben. Nur ist ihr Druck ist zu groß, irgendetwas zu tun, in ihrer Situation. Dann eben eine "Pest" für "Alle". Vielleicht kommen "DIE" erst dann und endlich mal auf den richtigen Trichter...

Es geht diesen Wählern gar nicht um die Inhalte, die die Parteien, die sie sich für ihren Protest wählen, vertreten. Die Wähler geben ihrer Verzweiflung dadurch Ausdruck, dass sie sich einfach Chaos, Irritation in den Reihen der anderen Parteien wünschen. Nach meiner Einschätzung ist da der Wunsch dahinter: Schaut her ihr anderen Parteien, wir leben in Chaos, Unsicherheit und Armut. Wir wollen, dass ihr ebenfalls Chaos und Verunsicherung zu spüren bekommen. Wenigsten als solche, wenn ihr auch gar nicht merkt, warum und wieseo ihr da hineingekommen seit. Jetzt könnt IHR mal überlegen, wie ihr aus etwas wieder heraus k ommt. Nicht nur WIR aus unserer Armut. Auf diesem unserem Wahl-Wegfür EUCH sollt IHR wissen wie das ist, wenn man arm ist. Dadurch, das ihr an Wählerstimmen ärmer werdet.Ihr sollt auch mal erfahren, wie sich Ausweglosigkeit anfühlt. Ich habe, soweit möglich, solchen Wählern wie gesagt zugehört. Ich behaupte nur, in meiner Einschätzung könnte etwas richtiges sein. Da kann ich natürlich auch falsch liegen. Dem unbenommen.

Es geht diesen Wählern vielleicht gar nicht mehr darum, wieder beachtet zu werden. Ihre (schlechte) Wahl ist vielleicht ihr letzter Versuch, "Unruhe" zu stiften. In dieses Unruhe stiften projizieren sie ihre Verzweiflung hinein und hoffen, dass dadurch die anderen überhaupt erst wieder Unruhe verspüren. "Ihr sollt mal sehen, wie das ist". Aber, am Ende ist das ein Versuch, einen Teufel mit einem Belzebub auszutreiben, der für etwas anderes "zuständig" ist. Es kan also nicht gut gehen.

Und die Politik ist zwar einerseits irritiert aber nur über die AfD als solche. Sie schafft darüber nicht den Blick auf die Abgehängten. Im Gegenteil, denen lastet man das Erstarken der AfD wesentlich an und setzt sie dadurch wiederum herab als z. B. auch pol. Ungebildete, als subproletarische Masse die nur zu Stumpfsinn und falschen Entscheidungen fähig ist.

Die Journalistinn und Autorin Anna Mayr hat darauf in ihrem Buch "Die Elenden" nach meiner Lesart dazu Hinweise gegeben. Ihr begegnete ein ebenfalls junger Kollege, der bei der Verteidigung eines von ihm vorgeschlagenen Themas von den Erwerbslosen sehr unüberlegt als "Hartz 4-Nazis" sprach. Von sowas zu schreiben sei gegenüber seinem Thema dagegen doch unnütz. Warum sich solchen Leuten noch abgeben.

Demgegenüber tut die Analyse gerade der Sozialpolitik der AfD dringend Not. deshalb begrüße ich das inhaltsreiche Interview hier sehr.

Hoffe, meine Ausführung erscheint nicht etwa als eine Polemik gegen Ihrem Standpunkt, sonder kann sich als Diskussionsbeitrag kenntlich machen.

MfG

RE: Wir müssen gar nichts | 24.09.2020 | 04:57

Anmerkung vor weg:

Für diesen Kommentar habe ich das im Artikel verlinkte BILD-Interview mit Friedrich Merz so genau wie möglich zu fernschriftlichen, um den Text möglichst dicht vor Augen zu haben. Die Kontrolle der Verschriftlichung bietet das Original.

Friedrich Merz: „Es gewöhnen sich im Moment ohnehin zu viele Menschen daran, ein Leben ohne Arbeit zu führen. Das ist in der Krise richtig. Nur, ich hab diese Woche in einem Hotel übernachtet, wo praktisch überhaupt kein Personal mehr vorhanden war. Also, wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können. Wir müssen zurück an die Arbeit. Ich mach kein Geheimnis daraus, dass ich skeptisch bin, ob diese sehr lange Verlängerung des Kurzarbeitergeldes die richtige Lösung ist. Das ist jetzt entschieden aber man wird den Arbeitsmarkt beobachten müssen. Meine Befürchtung ist, dass… Wir bekommen die Mitarbeiter dort, wo wir sie brauchen, wo wir sie dringend brauchen, nicht. Weil sie festgebunden sind an die Firmen, wo sie Kurzarbeitergeld bekommen oder von denen sie Kurzarbeitergeld bekommen. Schauen wir es uns an, die nächsten Wochen und Monate.“

Friedrich Merz als Strukturwandler

Ich stimme dem Satz zu: „Corona Die Menschen gewöhnen sich gerade zu sehr an ein Leben ohne Arbeit, findet Friedrich Merz. Das ist nicht nur eine Verhöhnung, sondern fortgeschrittene Ideologieproduktion“. Zuerst erkenne ich in Merz Äußerungen ganz die alte Rhetorik und Denkungsart der Agenda 2010 wieder und bei Merz wird die noch an „Traditionen“ angebunden sein, wie das Reden des Bundeskanzlers Helmut Kohl, vom Freizeitpark Deutschland und eine dem Hedonismus verfallenden Gesellschaft. Aber bei Merz hat man es mit einer Fortentwicklung, einer Art „Agenda Plus Rede“ zu tun.

Jetzt sind es also nicht mehr nur die die zu faulen oder zunehmend zur Arbeit unfähig werdenden Arbeitslosen allein, die bereits seit fünfzehn Jahren Hartz IV fortwährend aktiviert werden müssen. Die den Steuerzahlerbürger darüber aufbringen, der sich nach dem Motto „Wer zahlt schafft an“ als der wahre Souverän des Staates fühlt und den Arbeitslosen am liebsten jegliche Teilhabe, auch die der pol. Selbstvertretung absprechen will. Jetzt erkennt Friedrich Merz sogar bei Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmern dringlichen Aktivierungsbedarf. Millionen sind als Kurzarbeiter nicht ausgelastet und werden vom Staat bei weitestgehend ruhenden Tätigkeiten aus Versicherungsleistungen und Steuergeldern „alimentiert“. Das erinnert einen Friedrich Merz schon sehr an gefährliche Hartz-Zustände. Die bekannten tatsächlichen Auswirkungen des Arbeitsverlustes, aber eben nicht der Arbeitsplätze, ignoriert er. Was als solches schon ein starkes Stück ist.

Die triftigen Gründe für die Kurzarbeiterregelungen betrachtet er als nur für kurze Zeit gerechtfertigt, will sie aber so rasch als möglich negiert sehen. Er will die Zustimmung, die diese Regelungen bei der Bevölkerung finden, delegitimieren und deutet dafür die Gründe, den Sinn der Kurzarbeit um. Erhalt von Arbeitsplätzen, von Wirtschaftskraft und Existenzsicherung treten in der Rede nicht auf. Stattdessen deutet er die Kurzarbeit negativ als ein den wirtschaftlichen Erfordernissen des Strukturwandels im Wege stehende Hindernis. Arbeitgeber aber vor allem die betroffenen Arbeitnehmer binden sich mit Hilfe von Subventionen (grundsätzlich ganz schlecht) fest aneinander, fast wie Schiffbrüchige auf dem sinkenden Schiff. Denn nach Merz sind viel zu viele dieser Arbeitsplätze nicht mehr zu retten (1). Was soll dann noch das Klammern? Der Markt soll walten dürfen und die Subventionen gehören zurückgefahren. (Da wird der Steuerzahlerbürger hellwach).

Das macht er in seiner Rede wenig explizit. Die argumentative Basis dafür ist ja auch ziemlich dünn und voller Widersprüche. Stattdessen und das ist typische „Agenda 2010-Sprech“, typische Agenda-Rhetorik, wechselt er auf die moralische Schiene. Indirekt sagt er, Kurzarbeit lässt die Leute faul werden. Weil das zu stark ist, spricht er, sich generös in die Verantwortung mit einbeziehend, vom „wir“. Wir alle müssen Sorge dafür tragen, dass uns das Faulheitsvirus nicht erwischt. Man hört ihn vage, und kaum konkret aber wirkungsvoll moralisch aufgeladen, dunkel vom Schicksal der Deutschland-AG raunen – so wie es schon einmal geschah… Aber er hat eine Lösung parat: „Wir bekommen die Mitarbeiter dort, wo wir sie brauchen, wo wir sie dringend brauchen, nicht.“ Und verschweigt wohlweißlich, wohin, in welche Branchen, die Kurzarbeiter gehen sollen. Sie sollten sich nur so schnell wie möglich dorthin begeben, zu ihrem dem Wohl der Deutschland-AG.

Für diese Position hat Merz natürlich deutliche Kritik erfahren. Hubertus Heil, zitiert von rp-online:„Dieser Mann hat entweder ökonomisch keine Ahnung oder ist sozial zynisch - oder beides“ (2). Laut Zeit-online hätte es vor allem in den sozialen Netzwerken heftige Kritik gegeben (3). Aber er hat genauso Verbündete für seine Position bei Wirtschaftsinstituten, in seiner Partei und in der Wirtschaft selbst (4).

Merz suggeriert mit seiner Rede tatsächlich, ein massenhafter Wechsel von Arbeitnehmern in andere Branchen mit ganz anderen Qualifikations-anforderungen, als diese Arbeitnehmer haben, sei problemlos und schnell möglich. Es fehle nur der Wille. Und der „Anreiz“ dafür durch die Politik. (Auch ein Wort der „Agenda-Sprache“ und ihrer mechanistischen Denkweise.) Denn er will die staatliche Subventionierung und die Inanspruchnahme der Versicherungsgelder für die Kurzarbeit beenden. Tatsächlich ist das absurd. Man kann schon vermuten, dass er genau weiß, dass die Kurzarbeiter (und andere), die ihre Arbeit doch noch verlieren werden, in großer Zahl in die Arbeitslosigkeit werden gehen müssen. Und ob von dort aus für sie einen Wiedereintritt in Arbeit geben wir, dass steht nun wirklich in den Sternen. Das deutet er auch an. Er sagt: „Das ist jetzt entschieden (die verlängerte Kurzarbeit) aber man wird den Arbeitsmarkt beobachten müssen….Schauen wir es uns an, die nächsten Wochen und Monate.“

Die Kurzarbeiter sieht er aber jetzt schon als eigentlich Arbeitslose an und verfährt, wie (hoffentlich) gezeigt werden konnte, im Grunde so kalt mit ihnen, wie mit den Arbeitslosen selbst. Von einem neoliberalen Denken erwartet man auch im Grunde nichts anderes. Neu ist, meine ich, wie gezielt Merz die Corona-Krise nutzt, um dieses Denken mit deutlichen Bezügen zum „Modell IV“ auf die Arbeitnehmerschaft auszudehnen. Sie sollen sich schon im vorauseilenden Gehorsam als Markt gängige Subjekte beweisen müssen und sich geschmeidig den veränderten Bedingungen des Marktes anpassen. Sogar bei Preisgabe einer unsicher gewordenen Beschäftigung, also einer Existenzsicherheit.

Das neoliberale Denken und sein Projekt „Hartz IV“ sind nicht im Untergehen begriffen. Sie sind erst einmal nur in Deckung gegangen. Und Friedrich Merz ist längst nicht der einzige, der diesbezüglich auf dem Sprung von dort heraus steht, wo immer sich eine Chance dafür bietet.

1 „Der frühere Unionsfraktionschef kritisierte zudem die von der CDU-geführten Bundesregierung beschlossene Verlängerung des Kurzarbeitergelds. Er befürchte, dass die Regelung Mitarbeiter auf Arbeitsplätzen halte, wo sie eigentlich nicht mehr gebraucht würden.“ rp online: Merz fürchtet durch Corona Gewöhnung zu vieler an „Leben ohne Arbeit“, 21.09.20. https://rp-online.de/panorama/coronavirus/friedrich-merz-warnt-vor-gewoehnung-an-leben-ohne-arbeit_aid-53475473

2 rp online: Merz fürchtet durch Corona Gewöhnung zu vieler an „Leben ohne Arbeit“, 21.09.20. https://rp-online.de/panorama/coronavirus/friedrich-merz-warnt-vor-gewoehnung-an-leben-ohne-arbeit_aid-53475473

3 Zeit-Online: Friedrich Merz wegen Äußerung zu schwulem Kanzler in der Kritik. 21. September 2020. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-09/homosexualitaet-friedrich-merz-aeusserung-kindesmissbrauch-kritik-bundeskanzler?sort=desc&page=3#comments

4 Zeit-Online: Friedrich Merz wegen Äußerung zu schwulem Kanzler in der Kritik. 21. September 2020. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-09/homosexualitaet-friedrich-merz-aeusserung-kindesmissbrauch-kritik-bundeskanzler?sort=desc&page=3#comments

RE: Er weiß es doch auch nicht | 25.05.2020 | 00:28

Frau ist zornig – Und Mann?

„Wo sind die trotzigen, wütenden Frauen?“ Mann liest hier einen zornigen Artikel einer zornigen Autorin. Diesen Zorn musste ich erst mal näher an mich ranlassen. Deshalb schreibe ich ein zweites Mal zum Artikel, zu einem Satz des Artikels, der für mich einen Schlüsselsatz des Textes darstellt.

„Die eigenen Bedürfnisse zurückstellen, weil anderes gerade relevanter ist: Damit haben Frauen die meiste Zeit gelebt und die meisten tun es immer noch jeden Tag.“

Kontext und Aussagen des Textes machen es unmissverständlich, dass es hier zuerst um gesellschaftliche Verhältnisse geht. Die allerdings stellen, neben anderen Auswirkungen, Frauen gerade individuell bei ihren individuellen Entscheidungen unter für sie nicht hinnehmbare, gesellschaftlich längst in Frage gestellte Zwänge, die sie gerade keine individuell freien Entscheidungen darüber treffen lassen können, welche Bedürfnisse und „wie viel“ davon sie zurückstellen wollen oder nicht. Das geht Männern mit anderem genauso - es folgt hier ein männlicher Punkt. Das kann aber nicht eins zu eins von den Männern gegenüber den Frauen ins Feld geführt und dann auf- und weggerechnet werden. Gegenüber dem Zorn bleibt die explizit erklärte Forderung des Artikels gegenüber den Männern gelassen und fair (auch wenn die schreibend expliziter hätte gemacht werden können). Es geht um eine ausgleichende Verteilung gesellschaftlich vorhandener Lasten (Erziehungsarbeit…) auf „Alle“. Weil ich eine Runde älter bin kann ich (und muss das in gewisser Weise auch) sagen, dass mir mindestens in den letzten zehn Jahren und eigentlich auch nicht im härtesten Geschlechterkampf Anfang/Mitte der 1980er Jahre nirgendwo und nie „von keiner“ die Forderung untergekommen wäre: „Wir wollen mehr Doppelbelastung für alle“. Nö, nie nicht gehört.

Auch die geforderte Lastenverteilung fordert den Männern eine selbst zu leistende Neudefinition ihres Rollenverständnisses ab - der hier gleich folgende Punkt kann als weiblich verstanden werden. Weil letzteres so ist, will ich das dann auch „selbstbestimmt“ machen dürfen. (1.) Kann aber nicht ignorieren, dass genau „das mit der Selbstbestimmung“ für die Frauen das Problem ist“ (s. o.), von dem ich so wie es die Frauen sagen erst mal als „gesellschaftliches Wesen“ ein Teil bin. Es bleibt dabei, auch wenn ich mich, typisch männlich, idealisierend zum „einsamen Wolf“ erklären würde. Den glaubt mir sowieso kein Mensch. Und einem Robinson auf z. B. auf einer Corona-Insel zeigt sich seine gesellschaftliche Natur ja gerade dadurch, dass er isolationsbedingt fast paranoid zu werden droht. Es fehlt was. Und das sind kein Freitag und keine Eva. Man kann auch zu zweit paranoid werden. In einer Gesellschaft geht das so oder so auch aber da sind die Chancen größer, dass es nicht passiert.

Was mir am Artikel klarer geworden ist: Der im Artikel zum Ausdruck gebrachte Zorn ist kein Transportmittel, mit dem journalistisch schreibend Botschaften an die Öffentlichkeit und dort an den Mann gebracht werden müssen, weil die sonst keiner (von den Männern zumindest) lesen würde. Er ist auch keine „so irgendwie Gefühlsäußerung so…“. Dieser Zorn ist Argument. Das macht mir den Text klarer.

Ich kann das nur schreiben, weil ich selbst in jedenfalls vordergründig anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen stehe, die mich sowas zu erleben „gelehrt“ haben. Da kommt dann von anderen „gesellschaftlichen Wesen“ m/w in einer Behörde, deren „Kunde“ zu sein einem nach eingehendster Prüfung gestattet wurde, die „Botschaft“, man solle seine Meinung gefälligst für sich behalten und am besten gleich ganz den Mund – wenn man schon nicht bereit sei, das Denken einzustellen. Doch, sowas gibt es noch oder schon wieder in der Demokratie. Steht aber alles auf einem anderen Blatt.

Aber etwas wichtiges noch. Das Argument Zorn ist auch da unmissverständlich: Es ist seinem Wesen nachgewaltfrei und alle, insbesondere Männer, die glauben, es dahingehend missverstehen zu „dürfen“ lügen sich zumindest selbst was vor. Oder sind schlicht und ergreifend Dummköpfe.

Die Erzählung von der Amygdala, mit Verlaub, die ist verunglückt. Leider. Schade. Aber die Denkfigur, mit der erklärt wird, warum gerade die Biologie selbst zeigen kann, dass Biologie eben nicht aussich selbst heraus auch biologistisch verstanden, sondern so nur missverstanden werden kann, von Frauen und Männern, die finde ich einfach klasse.

Ich muss was das anthropologisch-entwicklungsgeschichtliche des Mannes angeht beim gesellschaftlich-historischen bleiben und zu geben. Ja, ich glaube wirMänner sind (auch) historisch. Mit dem Artikel fliegen mir die Tassen um den Kopf, die ich nicht im Schrank habe. Weil ich und die anderen Jungs sie damals auf dem WG-Tisch ungwaschen stehen ließen und nicht gewaschen in den Schrank zurückstellten. So was ärgerte die Mädels ungemein. Sie haben sich was dabei gedacht und jetzt fliegen sie mir um den Kopf. Frauen sind auch historisch, sie vergessen nicht so schnell.

RE: Er weiß es doch auch nicht | 23.05.2020 | 17:15

„Coronakrise Männer scheinen es schwerer aushalten zu können, nicht Bescheid zu wissen. Woran liegt das?“

Das scheint also erst mal festzustehen. Bleibt also noch die Frage, warum das so sei. O.k, vielleicht kann ich es als Mann gar nicht an mir selbst wahrnehmen, dass ich die Coronkrise hinsichtlich eines „Bescheid darüber Wissens“ schwerer aushalten kann – als wer eigentlich?

„Mit Unsicherheit umgehen und diese zugeben, keine Antworten behaupten, wo nur Fragen stehen…“

Vielleicht habe ich das s.o. deshalb auch nie als geschlechtsspezifisch unterschiedlich erkannt. Vielleicht sind es unterschiedliche Themen bei Frauen und Männern, die in der Verschwiegenheit bleiben.

Was mir an den meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ich zur Coronakrise bisher gehört habe, aufgefallen ist und was ich sehr positiv sehe: Sie konnten alle mit der bestehenden Unsicherheit umgehen, vertraten auch gegen über einer zunehmend gereizt fragenden Öffentlichkeit, ruhig den Standpunkt, den wie ich meine Wissenschaft behaupten muss. Nämlich immer zusagen, dass es ein Nicht-Wissen (kein Unwissen) gibt und wie gerade Wissenschaft damit umzugehen habe. So paradox es klingt, gerade das macht doch die Situation klarer.