"Links" war gestern

Generation X,Y,Z Wer gibt uns eine Stimme? Wer vertritt unsere Politik? Fehlt eine neue Partei in der altbackenen politischen Landschaft? Eine Vermutung und ihre Begründung.
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Links und doch wieder nicht

"Auf der Seite der Geflüchteten - Geld und Arbeit sind keine Lebensziele - Je pluralistischer die Gesellschaft, desto besser - Deutschlands Stärke sollte vor allem das Soziale sein..."

Wenn ich ihm einige meiner politische Standpunkte nenne, wird mich so gut wie jeder allgemeingebildete Deutsche als "eher Links" einstufen. Aber sind diese Aussagen Links? Eigentlich würde ich mich nicht zum linken Lager bekennen, zumindest nicht zu dem, was heute unter Links verstanden wird. Die Linken, an die man beim Begriff "Links" denkt, vertreten meine Meinung nicht - sie stellen zwar oft die richtigen Fragen, die Antworten überzeugen mich aber kaum. Und damit bin ich nicht allein. Meiner ganzen Generation fehlt es zu großen Teilen an einer politischen Vertretung. Für uns haben die alten politischen Lager ausgedient - was genau "Links" bedeutet weiß doch eigentlich sowieso niemand mehr so richtig. Mit diesem Begriff schwingt ein Erbe an politischen Thesen, vereinheitlichenden Vorurteilen und vergangener politischer Entscheidungen mit, mit dem wir überhaupt nichts zu tun haben wollen. Wir sind Links und doch wieder nicht.

Wir sind kritisch gegenüber dem Kapitalismus - wollen ihn aber nicht abschaffen, sondern innerhalb des Systems andere Ziele setzten und die Haltung des Menschen ändern. Wir wollen soziale Gerechtigkeit, aber glauben dabei an StartUps und Social Businesses, an CSR Abteilungen und das Gewissen des Menschen. Wir fordern die Debatte über linke Themen - diskutieren aber Lösungen, die nicht Links sind, für die es noch gar keinen Oberbegriff gibt.

Eine neue Partei

Fehlt es also an einer neuen Partei? An einer neuen Linken, die gar nicht mehr Linke heißen darf, weil bei diesem Begriff zu viel vom alten Links mitschwingt.

Vielleicht könnte man sie "Die Partei Mensch" nennen. Denn eine ganze Generation ist auf der Suche nach Menschlichkeit. Selbstverwirklichung statt Kariere, Berufung statt Arbeit, Work-Life-Romance statt Work-Life-Balance. Wir wollen teilen statt kaufen, dies aber nicht als Umverteilung sondern als etwas freiwilliges, etwas menschliches. Integration sehen wir nicht als etwas notwendiges oder ökonomisch sinnvolles, sondern als Bereicherung für die deutsche Gesellschaft. Nachhaltige Produkte sind das neues Statussymbol. Status: Ich übernehme Verantwortung.

Wenn man sich diese Gedanken ansieht und sie mit den Parteiprogrammen im Land vergleicht, liegt die Vermutung nahe: Deutschland braucht eine neue politische Facette.

Generation Wohlstand

Eine Generation die im Wohlstand aufgewachsen ist und sich diesem auch bewusst ist, kann nicht an den alten Zielen festhalten, die zu diesem Wohlstand gefühlt haben. Warum auch? Für Eltern und Großeltern vielleicht schwer verständlich, aber wenn jemand "ein Leben lang hart arbeitet", ist er deswegen noch lange kein Vorbild uns. Wir fragen uns vielmehr ob ein wohlhabender, privilegierter Mensch die Verantwortung übernimmt, die mit seinem Lebensstandard miteinhergeht. Und zwar die moralische Verantwortung, sich dem anzunehmen, was uns zum Menschen macht.

John Maynard Keynes schrieb 1930, dass in 100 Jahren die Zeit gekommen ist, in der das Wirtschaftswachstum die westliche Welt so wohlhabend gemacht hat, dass wir uns endlich den wirklich wichtigen Themen zuwenden können. Den philosophischen Themen, die uns zum Menschen machen.

Kritisch und innovativ

Nun könnten jungen Umdenker einfach eine bestehende Partei "infiltrieren" und dort ihre Ziele umsetzten. Oder nicht? Nein! Denn ab dem Moment schließen sie eine Menge Menschen aus, die zwar die Themen ansprechen würden, die aber der Partei gegenüber voreingenommen sind.

Wir brauche also etwas Neues, etwas dem gegenüber man gar nicht voreingenommen sein kann.

Während neue Parteien wie die AFD und ALFA am rechten Ufer ordentlich Wind machen, wäre es doch an der Zeit, diesen eine sinnvolle und innovative neue Partei entgegenzusetzen. Eine Partei die auf den Menschen zugeht und die Politikverdrossenheit anpackt. Eine Partei die jung ist und Lust hat neue Ideen voran zu treiben. Eine Art „silicon valley“ in der Politik. Eine Partei, die kritisch ist - aber nicht prinzipiell dagegen. Eine Partei die im Bundestag zuhört, egal wer spricht - und nicht bei der Hälfte der Redner dazwischen ruft oder am Handy spielt. Eine Partei, die es sich auf die Fahnen schreibt, Politik für den Menschen zu machen.

Eine sehr offener Kommentar

Ich weiß dieser Artikel ist nicht besonders wissenschaftlich, es mangelt zwar nicht an Optimismus, fehlt aber an Definitionen - Begriffe Wie „Generation Y“ oder „Menschlichkeit“ werden einfach dahin gestellt. Ich möchte mit diesem Artikel aber auch nichts beweisen oder argumentieren, ich möchte zum Denken anregen. Sind unserer Politischen Lager zu gewissen Teilen überholt? Und wenn ja, wie geht es weiter? Vielleicht gibt es ja jemand der schon immer mal eine Partei gründen wollte....

13:42 20.11.2015
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Geschrieben von

TK

Student Philsophy & Economics
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