900 Milliarden für Seidenstraße

China Peking nutzt den Irrsinn der US-Handelspolitik, um das Machtvakuum zum eigenen Nutzen zu füllen
Ausgabe 20/2017
Neue Seidenstraße in alte Klischees gehüllt (Bankett-Deko des Gipfels)
Neue Seidenstraße in alte Klischees gehüllt (Bankett-Deko des Gipfels)

Foto: Damir Sagolj/AFP/Getty Images

Aktion braucht Reaktion. Davon zehrte der Wettbewerb der Systeme im bipolaren Zeitalter, dies gilt im Augenblick, da die USA mit erratischer Hingabe ihren Status als Welthandelsmacht zu verspielen suchen. Dass China dies als Gunst der Stunde begreift, kann nicht überraschen. Das Projekt einer „neuen Seidenstraße“ hat am Wochenende in Peking nicht nur Gipfelweihen erfahren. Es pariert zugleich die protektionistische Versuchung des größten Machtrivalen.

Mit dem Ausstieg Donald Trumps aus dem Transpazifischen Handelsabkommen TPP wurde eine Bresche geschlagen, in die China nun springt, um seiner Präferenz des globalen Transfers von Waren, Kapital und Dienstleistungen Geltung zu verschaffen. Wir dienen dem Handel, indem wir uns nützen, lautet das Credo. Das Gleichnis von der Seidenstraße zitiert den Mythos mittelalterlicher Handelsrouten. Es bemüht die Überlieferung, um Partner zu gewinnen – die 900 Milliarden Dollar investieren sollen.

Immerhin fühlen sich davon inzwischen gut 70 Länder angesprochen, die für mehr als 40 Prozent der Weltwirtschaftsleistung sorgen. Mit diesem Rückhalt kann sich als Weltmacht etablieren, wer verstanden hat, dass die USA dazu mit ihren Strafzöllen und Einfuhrschranken herzlich einladen. Sollte man das ausschlagen? Präsident Xi Jinping jedenfalls kann es nicht. Er hat seinen Gipfel haben wollen, noch bevor Ende Mai im sizilianischen Taormina die G 7-Mächte tagen und Anfang Juli in Hamburg die G 20-Staaten. Was er anbietet, ist nichts weniger als Chinas Roadmap der Globalisierung. Das heißt, Donald Trump stößt mit seinem nationalistisch gefärbten „America first“ auf das internationalistisch angehauchte „China first“, das eigenen Protektionismus einzunebeln versteht. Es messen sich Restaurator und Reformator, Großkopfeter und Kopf. „Wir hoffen darauf, eine Familie des gedeihlichen Miteinanders der Nationen zu gründen“, so Xi Jinping. Was nach einem klugen Schirmherren klingt, der die Kraft seines Landes kennt, aber weiß, sie nie prahlend zeigen zu dürfen.

Wer allzu leicht das Beil schwingt, zerhackt sich allzu leicht die Hand, schrieb der chinesische Welterklärer Laozi vor Jahrtausenden in seinem Werk Daodejing. Donald Trump kann solcherart Weisheit entbehren, er handelt danach und das leidlich instinktsicher.

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Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur „Politik“, zuständig für „Ausland“ und „Zeitgeschichte“

Lutz Herden studierte nach einem Volontariat beim Studio Halle bis Ende der 1970er Jahre Journalistik in Leipzig, war dann Redakteur und Auslandskorrespondent des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in Berlin, moderierte das Nachrichtenjournal „AK zwo“ und wurde 1990/91 zum Hauptabteilungsleiter Nachrichten/Journale berufen. Nach Anstellungen beim damaligen ORB in Babelsberg und dem Sender Vox in Köln kam er Mitte 1994 als Auslandsredakteur zum Freitag. Dort arbeitete es von 1996 bis 2008 als Redaktionsleiter Politik, war dann bis 2010 Ressortleiter und danach als Redakteur für den Auslandsteil und die Zeitgeschichte verantwortlich.

Lutz Herden

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