Befreiungsschlag

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Ieng Sary galt in Kambodscha lange Zeit als geläutert und reuevoll. Ein ehemaliger "Khmer Rouge", der sich schon 1996 von Pol Pot als seinem einstigen Bruder Nr. 1 losgesagt hatte. Also ließ man ihn in seinem Refugium Pailin an der Grenze zu Thailand als Geschäftsmann reüssieren und ansonsten unbehelligt. Seit dem 12. November ist es mit dieser Konzilianz für einen Massenmörder vorbei. Ieng Sary wurde in Phnom Penh festgenommen und muss sich auf einen Prozess vor jenem Tribunal gefasst machen, das nach seiner Mitschuld am Tod von fast zwei Millionen Kambodschanern fragen wird, die Pol Pots "Volkskommune" zwischen 1975 und 1979 nicht überlebten. Ein Befreiungsschlag, der Kambodschas Justiz endlich von dem Vorwurf entlastet, den ehemaligen Vizepremier des Demokratischen Kampuchea von seinen Verbrechen freizusprechen. Warum geschah das nicht früher?

Wie auch immer, fast drei Jahrzehnte nach dem Sturz Pol Pots Anfang 1979 scheint Kambodscha entschlossen, mit einer Kultur der Straflosigkeit zu brechen. Am 3. Juli 2006 bereits wurden die 27 Richter des mit der UNO begründeten Tribunals vereidigt, das noch lebende Khmer-Rouge-Führer zur Rechenschaft ziehen soll. Sehr spät, nicht zu spät - der Sühne verpflichtet und um Glaubwürdigkeit bemüht, wie die Haft für Sary bezeugt.

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Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur „Politik“, zuständig für „Ausland“ und „Zeitgeschichte“

Lutz Herden studierte nach einem Volontariat beim Studio Halle bis Ende der 1970er Jahre Journalistik in Leipzig, war dann Redakteur und Auslandskorrespondent des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in Berlin, moderierte das Nachrichtenjournal „AK zwo“ und wurde 1990/91 zum Hauptabteilungsleiter Nachrichten/Journale berufen. Nach Anstellungen beim damaligen ORB in Babelsberg und dem Sender Vox in Köln kam er Mitte 1994 als Auslandsredakteur zum Freitag. Dort arbeitete es von 1996 bis 2008 als Redaktionsleiter Politik, war dann bis 2010 Ressortleiter und danach als Redakteur für den Auslandsteil und die Zeitgeschichte verantwortlich.

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