CAIRNS - versuchte Geiselnahme

WTO-Gipfel Striktes Votum: Reform oder Blockade Der 1986 im australischen Cairns gegründeten "Gruppe der Agrarproduzenten" gehören Argentinien, Australien, ...

Striktes Votum: Reform oder Blockade


Der 1986 im australischen Cairns gegründeten "Gruppe der Agrarproduzenten" gehören Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Fidschi, Guatemala, Indonesien, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Neuseeland, Paraguay, die Philippinen, Südafrika, Thailand und Uruguay an. In Katar wollen sie einer neuen Welthandelsrunde nur unter drei Bedingungen zustimmen: Verzicht auf jede Exportförderung, freier Markzugang für alle, Ausschluss jeglicher Agrarsubventionen. Ferner will die Gruppe Sonderkonditionen für Entwicklungsländer. So jedenfalls hat es im September unter Assistenz der USA (beteiligt war neben der Agrarministerin Ann Veneman auch US-Handelsbeauftragter Robert Zoellick) das 22. Cairns-Treffen im uruguayischen Punta del Este beschlossen. Für die 18 Staaten steht außer Frage, dass ein internationaler Agrarhandel ohne protektionistische Mechanismen, Subventionen, Marktschranken und überzogene Einfuhrklauseln etwa bei Hygienestandards dem Kampf gegen den Hunger in der Dritten Welt zuträglich wäre.

5Subventionen bei 360 Milliarden Dollar


Die Cairns-Gruppe weist darauf hin, dass die Agrarsubventionen allein in den Industriestaaten der OECD auf über 360 Milliarden US-Dollar im Jahr gestiegen sind und damit das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Argentiniens um 60 Milliarden Dollar übertreffen. Deshalb ließ das Treffen von Punta del Este keinen Zweifel, die Cairns-Staaten blockieren eine neue WTO-Runde, sofern Katar zu keiner Reform des Agrarhandels führt. Neuseelands Landwirtschaftsminister Jim Sutton zeigte sich von den "stärksten Worten in der Geschichte der Cairns-Staaten" wenig begeistert und sprach von versuchter "Geiselnahme der WTO". Gleichzeitig zeigte er Verständnis für die Frustration der Produzenten. Argentiniens Landwirtschaftsminister Marcello Regunaga hingegen zeigte sich einverstanden: Er gehe davon aus, dass die deutliche Sprache der Produzenten die offizielle Cairns-Position stärken werde.

"Nummer Eins" nach Punta del Este


Sehr positiv werteten die Cairns-Miitglieder die Teilnahme der USA an ihren Gesprächen. Uruguays Staatpräsident Jorge Battle meinte, immerhin habe Washington mit Zoellick nicht irgendwen, sondern die "Nummer Eins" nach Punta del Este entsandt. Auf alle Fälle hatte Zoellick versichert, die USA legten großen Wert darauf, dass Katar ein Erfolg werde und nicht im Fiasko ende wie das Vorgängertreffen der WTO in Seattle 1999.
Allerdings hatte er in seinen Gesprächen auch hervorgehoben, dass ein Alleingang der USA in Sachen Subventionsreduktion äußerst unwahrscheinlich sei und die EU und Japan schon mitziehen müssten.

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Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur „Politik“, zuständig für „Ausland“ und „Zeitgeschichte“

Lutz Herden studierte nach einem Volontariat beim Studio Halle bis Ende der 1970er Jahre Journalistik in Leipzig, war dann Redakteur und Auslandskorrespondent des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in Berlin, moderierte das Nachrichtenjournal „AK zwo“ und wurde 1990/91 zum Hauptabteilungsleiter Nachrichten/Journale berufen. Nach Anstellungen beim damaligen ORB in Babelsberg und dem Sender Vox in Köln kam er Mitte 1994 als Auslandsredakteur zum Freitag. Dort arbeitete es von 1996 bis 2008 als Redaktionsleiter Politik, war dann bis 2010 Ressortleiter und danach als Redakteur für den Auslandsteil und die Zeitgeschichte verantwortlich.

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