Die fünf Nebendarsteller

Frankreich Das Who's Who der Sarkozy-Herausforderer bei der Präsidentenwahl am 22. April

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Dominique de Villepin (58) wird jede Stimme, die er Sarkozy abjagen kann, als Gewinn verbuchen. Er hat zwar keine reale Chance, aber als Wertkonservativer das Frankreich der etablierten Eliten hinter sich. Denen will er Sarkozys „Navigation auf Sicht“ in der Eurokrise künftig ersparen. De Villepin gehörte früher zur regierenden UMP, entschied sich 2010 für den Bruch und gründete die République Solidaire. Der Jesuiten-Zögling – er studierte im Kolleg Le Caousou – galt einst als Vertrauter des Präsidenten Chirac, dem er zunächst als Élysée-Generalsekretär, ab 2002 als Außenminister und ab 2005 als Premier diente. In dieser Funktion ließ er den damaligen Innenminister Sarkozy wegen mutmaßlicher Schwarzgeldkonten vom Luxem­burger Finanzdienstleister Clearstream observieren. Seitdem gilt das Verhältnis zwischen beiden als hoffnungslos zerrüttet.

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Marine Le Pen (43) gab bereits Mitte 2011 zu verstehen, sich für den Front National (FN) um die Präsidentschaft bewerben zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt schien es wegen schlechter Umfragewerte für Präsident Sarkozy sogar möglich, dass sie den zweiten Wahlgang erreicht. Inzwischen scheint dies wenig wahrscheinlich. Umso mehr nutzt die studierte Juristin den Wahlkampf nun als Gelegenheit, für ihre Partei in der Mitte der Gesellschaft zu werben. Erst vor gut einem Jahr hat sie ihren Vater Jean-Marie Le Pen im Parteivorsitz beerbt. Seither gilt aggressiver Rassismus nicht mehr als Markenzeichen des FN. Vielmehr geriert sich Marine Le Pen als Anwältin der Laizität Frankreichs, die es gegen „islamisierte Vorstädte“ zu behaupten gelte. Wenn Sarkozy bei Wahlreden verkündet: „Wir haben zu viele Ausländer auf unserem Territorium“, klingt das nicht viel anders.

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Eva Joly (68) musste einen Teil ihres Wahlkampfes zunächst in der eigenen Partei Europe Écologie-Les Verts führen, um beim internen Votum den parteilosen Grünen Nicolas Hulot zu schlagen. Das war Ende 2011, seither bekommt sie zu spüren, für viele in ihrer Partei keine Wunschkandidatin zu sein. Joly wird nur halbherzig unterstützt und kommt auf Prognosen von zwei bis drei Prozent – wenig mehr, als die grüne Bewerberin Dominique Voynet bei der Präsidentenwahl 2007 erhielt (1,6 Prozent). Ohnehin ist in Frankreich die Juristin Joly bekannter als die Politikerin. Der Grund: Als oberste Untersuchungsrichterin im Finanzministerium deckte sie Ende der neunziger Jahre mit der Affäre um den Ölkonzern Elf Aquitaine einen kolossalen Korruptionsskandal auf und sorgte dafür, dass die Staatsanwaltschaft 37 Anklagen erhob – darunter gegen Honoratioren wie Ex-Außen­minister Dumas und Konzernchef Le Floch-Prigent.

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François Bayrou (60) hat als liberaler Zentrist einen Intimfeind, auf den er sich jederzeit verlassen kann. Wenn es sein muss, bündelt Daniel Cohn-Bendit, grüner Fraktionschef im Europaparlament, sein Bayrou-Testat in einem Satz: „Ich sag es dir, mein Lieber, du wirst nie Präsident – du bist zu erbärmlich“. Wer gnädiger mit dem Sarkozy-Herausforderer umgeht, bescheinigt ihm „präsidentielle Besessenheit“ und hat so unrecht nicht. Zum dritten Mal tritt dieser Bewerber zur Präsidentenwahl an, zum dritten Mal aussichtslos, zum dritten Mal vor einem anderen Hintergrund. 2012 ist es die von Bayrou geführte Mouvement Démocrate (MoDem), die als dritte Kraft wahrgenommen sein will. Doch verheißen die bislang vorhergesagten zehn bis elf Prozent keinen Durchbruch. Noch 2007 konnte Bayrou mit 18,6 Prozent im ersten Wahlgang gehörig abräumen.

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Jean-Luc Mélenchon (60) ist weit davon entfernt, Erinnerungen an das Gemeinsame Programm von Sozialisten, Kommunisten und Linken Radikalen aus den Siebzigern zu bemühen. Damals hatten die drei linken Parteien dafür gesorgt, den Sozialisten Mitterrand 1981 ins Präsidentenamt zu heben. Immerhin gilt Mélenchon als gemeinsamer Bewerber einer Parteienallianz links vom Parti Socialiste (PS). Seine Parti de Gauche, die er 2009 als Abspaltung von den Sozialisten ausrief, kooperiert mit dem Parti Communiste und Occupy-Aktivisten, um eine linke Sammlungsbewegung zu gründen, die mindestens 20 Prozent der Wähler vertritt. So weit ist es noch nicht, doch werden Mélenchon steigende Umfragewerte attestiert. Er vertritt klassisch linke Forderungen und verlangt, die Schuldenkrise dürfe nicht dazu missbraucht werden, den Normalbürger zu schröpfen.


(Alle Fotos: AFP/ Getty Images)

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16:02 19.03.2012
Geschrieben von

Lutz Herden

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