Lutz Herden
02.05.2011 | 11:00 100

Die Stunde der Jäger

Osama bin Laden Die Entgrenzung aller Maßstäbe wird zur Tugend verklärt, es gilt Auge um Auge, Gewalt gegen Gewalt – die USA haben mit Osama bin Laden den Staatsfeind Nr. 1 verloren

Welche Schmach für George Walker Bush und welche Genugtuung für Barack Obama. Der eine hat nach 9/11 mit einer religiös anmutenden Aufwallung eine Weltjagd auf Osama bin Laden veranstaltet und musste die Jagdtrophäe bis zum Schluss schuldig bleiben. Der andere kann zeigen, wozu ein Friedensnobelpreisträger heutzutage fähig ist. Er darf sich den Skalp des Staatsfeindes Nr. 1 der Weltmacht Nr. 1 an die Osloer Schärpe heften. Fast schien es so – und damit wäre dieses Mai-Wochenende mit noch mehr berstendem Triumphalismus erfüllt gewesen – der Skalp Mummar al-Gaddafis käme dazu. Aber noch ist es nicht soweit. Ungeachtet dessen darf ein historischer Augenblick gefeiert werden, bei dem wir wohlgemerkt nicht über das frühe Mittelalter und die archaischen Bräuche urchristlicher Kreuzritter reden, sondern einen der zivilisatorischen Höhenflüge des 21. Jahrhunderts beobachten dürfen. In einer Zeit wie dieser verbietet es sich offenkundig, einen mutmaßlichen Kapitalverbrecher wie Osama bin Laden festzunehmen und vor ein Gericht zu stellen, stattdessen wird er nach Waidmanns Art und Lust erlegt. Die Entgrenzung aller Maßstäbe ist zur Tugend verklärt, Auge um Auge, Gewalt gegen Gewalt.

Warum war George Bush dieser finale Abschuss nicht vergönnt, der für dieses Prinzip doch wie kein anderer stand? Ihm als Kriegsherr hätte das Jagdglück, wie es Obama jetzt genießt, besser zu Gesicht gestanden als seinem Nachfolger. Woran lag es, wenn es dazu nicht kam? Am Unvermögen seiner Jäger oder am Kalkül einer ganzen Jagdgesellschaft? Niemand konnte schließlich übersehen, wie nützlich der Al-Qaida-Führer als seelenlos gefährliches Phantom der Finsternis erschien. Seine Videobotschaften erwiesen sich ein ums andere Mal als geeignet, den Feldzug des Guten gegen das Böse anzuspornen und die darin wurzelnde imperiale Anmaßung zu rechtfertigen. Erst der Einfall in Afghanistan, dann die Intervention und teilweise Atomisierung des Staates Irak. Schwerlich zu übersehen, wie leicht es fiel, die Gebote der abendländischen Zivilisation dem Kriegerischen und – wenn es sein musste – Barbarischen zu überlassen. Vergessen wir nicht, welches Ausmaß an menschlichem Leid und materieller Zerstörung ein Jahrzehnt Anti-Terror-Krieg, das auch ein Jahrzehnt der Jagdszenen auf Osama sein wollte, hervorgebracht hat. Es bleibt als kollektive Erfahrung im Bewusstsein von Millionen Menschen eingebrannt, wird an nachfolgende Generationen weitergegeben und niemals vergessen sein. Die Anschläge vom 11. September 2001 in ihrer zynisch selbstgefälligen Inszenierung fanden eine Antwort der Rache und Vergeltung – keine der moralischen, sondern der militärischen Überlegenheit. Aus Opfern wurden Täter, die bis heute mit dem besetzten Afghanistan ein ganzes Land in Haftung nehmen. Die USA taten, was möglich war, damit ihnen die terroristische Herausforderung, wie sie sich am 11. September 2001 wie nie zuvor offenbart hatte, erhalten blieb. Zehn Jahre Besatzung in Afghanistan haben den Taliban weniger geschadet als das halbe Jahrzehnt ihres dikatorischen Kalifats zwischen 1996 und 2001. Inzwischen sind sie als potenzieller Verhandlungs- wenn nicht gar Regierungspartner für Kabul im Gespräch. Sie könnten zurückkehren, wenn die Amerikaner gehen. Nur ein scheinbarer Widerspruch – ein imperiales Weltsystem hält sich den zu ihm passenden Mob und achtet darauf, ihn sobald nicht wieder entbehren zu müssen. Auch deshalb wohl blieb Osama bin Laden solange unauffindbar. Und wurde nun ausgerechnet in Pakistan gestellt, wer hätte das gedacht?

Kurz vor der endgültigen Kapitulation Hitler-Deutschlands im Frühjahr 1945 hatte Winston Churchill über die Nazigrößen geäußert, ihm wäre es am liebsten, man würde „die Bastarde“ kurzerhand erschießen. Tatsächlich wollten die Alliierten aber nicht den leisteten Verdacht riskieren, mit ihrem Kriegsgegnern auf einer Stufe zu stehen. Erst nach dem Richterspruch des Nürnberger Tribunals sollten sie zu Kriegsverbrechern erklärt und bestraft werden. Das Recht triumphierte über dessen gewissenlose Missachtung, die Zivilisation über die Barbarei, die Gesittung über den Gesinnungstäter. Wer Obama den Tod Osamas verkünden sieht, der weiß, wie lange das her ist und wie unwiderruflich vorbei.

Kommentare (100)

Karsten König 02.05.2011 | 14:26

Es wird Zeit, dass wir wieder für Menschenrechte, für universelle, unrelativierbare Werte eintreten. Vor diesem Hintergrund ist die Bejubelung dieser Liquidierung ebenso unethisch und verwerflich, wie die Attentate des 11. Septembers. Man stellt sich auf eine Stufe mit den "Bösen", vor dem Hintergrund des "Guten", wobei doch gerade Moral etwas absolut relatives, von Erfahrungen abhängiges ist. Bin Laden, Wohltäter der einen, Mörder für die anderen, dabei sind wir alle doch vor allem eines: Menschen, die als solche behandelt werden sollten.

j-ap 02.05.2011 | 14:29

Hand aufs Herz, Herr Herden: Im Grunde benötigen Sie einen barbarischen Zivilisationsverächter im Weißen Haus doch genau so wie der seine imperialen Skalpjäger. — Denn wer, wenn nicht er, sollte sonst die Gallionsfigur geben, die man persönlich für alles Elend der Welt verklagen kann?

Stellen Sie sich mal vor, Obama wäre nicht Präsident der Vereinigten Staaten, sondern von — sagen wir: Syrien. Oder Nordkorea. Oder Sudan.

Würden Sie ihn dann auch einen Barbaren nennen oder ihn, wie ich vermute, als Antiimperialisten loben und sich recht wenig daran stören, daß er kollaterale Schädelstätten errichtet, wo doch eigentlich Gras wachsen sollte?

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cato_old 02.05.2011 | 14:34

Kurz vor der endgültigen Kapitulation Hitler-Deutschlands im Frühjahr 1945 hatte Winston Churchill über die Nazigrößen geäußert, ihm wäre es am liebsten, man würde „die Bastarde“ kurzerhand erschießen.
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Wäre das echt so schlimm gewesen? Wieviele Menschen haben die Nazis ohne "fair trial" umgebracht? 50 Millionen? Vielleicht ist es ganz gut, wenn solche Leute ihre eigene "Medizin" mal kosten dürfen...

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2011 | 15:01

Die zu klärende Frage wäre doch erstmal, warum Obama ausgerechnet jetzt mit dieser Meldung der angeblichen Liqudierung Osamas zu trumpfen versucht...der Artikel beschreibt doch anschaulich die propagandistische Nützlichkeit dieses Phantoms beim Lostreten und Führen der Globalisierungskriege.
Ist wirklich die "Weltöffentlichkeit" Adressat dieser "Erfolgsmeldung?

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2011 | 15:20

Der Text geht mit einer ziemlichen Selbstverständlichkeit davon, aus, dass es nie eine Absicht gegeben hat, bin Laden festzunehmen. Gibt es dafür einen Beleg? Wäre ja durchaus denkbar, dass man ihn, wenn möglich festnehmen wollte, sich das aber einfach nicht machen lassen hat. Ich würde mich schwer wundern, wenn man als US-Armee einfach mal in das Anwesen, auf dem er sich aufgehalten hat, hineinmarschiert, ihm ein paar Handschellen verpasst und ihn dann abführt. (Ja, das ist jetzt auch überspitzt, ich weiß.)

Ullrich Läntzsch 02.05.2011 | 16:54

Ohwei - es ist doch nicht die Frage, Mitleid mit der Nazibande zu haben. Gerade aber die Flucht ihrer Spitzenleute in den Selbstmord zeigt doch die Gnade, die man denen erweist, die statt sie vor ein ordentliches Gericht zu stellen auf der Stelle erschießt!!! Nazis, Terroisten und andere Verbrecher gegen die Menschlichkeit, sind samt und sonders Feiglinge, die am Ende froh sind, keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

mKlenk 02.05.2011 | 17:09

Also ich find den Kommentar auch ziemlich gelungen. Ich errinnere mich noch an eine Reportage, die ich glaube ich 2002/3 gesehen habe. Darin haben zwei französische Journalisten mal einfach nachrecherchiert, wo sich den Osama Bin Laden aufhalten könnte und haben das relativ leicht und schnell herausfinden könenn und sich auf 50 km ihm nähern können. Leider habe ich den Namen der Reportage vergessen, aber es zeigt doch, dass es jederzeit möglich war Osama zu finden.
Das das wider jeder Art von Menschenrechten passiert, ist wirklich nur konsequent weitergedachte US- Außenpolitik und geschieht nicht erst seit den Anschlägen 2001.
Vielleicht schlechtes Beispiel, aber die zahllosen Anschläge auf Fidel Castro kann man ja getrost auch in diese Kategorie passen. Zumindest durch nen US- amerikanische Brille gesehen.
Menschenrechte adé! Schade!

apatit 02.05.2011 | 17:10

Im Mittelalter wurden Hinrichtungen meist zum Volksfest. Nun wird wieder gejubelt, der Staatsfeind Nr. 1 ist Tot. Mit der Tötung von bin Laden ist gar nichts besser, so wie auch die Todesstrafe in den USA keine wirkliche Abschreckung ist. Es wird Stellvertreter geben, Terror Zellen werden dezentral agieren. Erfolge der Vertreter des “Abendlandes “ feiern sich, eine gewisse “ Überheblichkeit “ beim festlegen, wer sind die Guten, was ist das Böse ist festzustellen. Die Welt funktioniert nun mal nicht nach Gutdünken der USA oder doch?

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cato_old 02.05.2011 | 17:25

@ Ullrich Läntzsch - Das mit dem fair trial ist so eine Sache. Die Mauerschützen beispielsweise begingen nach DDR Recht, dem sie damals unterlagen kein Unrecht. Mit diesem Hinweis hätten sich alle unterhalb der obersten Entscheidungsgremien rausreden können ("was sollte ich machen - Befehl ist Befehl usw."). Dennoch hat man, unter Bruch des nulla poena sine lege Grunsatzes, diese Leute verurteilt. So gesehen ist das fair trial Prinzip ohnehin zum Spielball politischer Beliebigkeit verkommen. Und viele Nazigrößen, darunter Albert Speer und andere, sind der Todesstrafe dadurch entkommen, dass man ihnen Rechte gewährt hatte, die sie anderen doch vorenthalten haben.

Es gibt im Zivilrecht einen Grundsatz, der besagt, dass man immer diejenige Sorgfalt auch gegen sich gelten lassen muss, die man auch in eigenen Dingen anzuwenden pflegt. Sprich: Kommt einer immer 1 Stunde zu spät zu seinem Kunden muss er auch die Verspätung anderer tolerieren. Wer anderen kein Rech auf Leben zubilligt, der hat demzufolge auch seines verwirkt. Mit einem Prozess gibt man ihnen noch die Chance ihren Hals zu retten und die Veranstaltung zu einem politischen Schauspiel verkommen zu lassen.

goch 02.05.2011 | 17:52

Ob gewollt oder nur in Kaufgenommen ist ab einem gewissen Punkt egal. Das Ergebnis ist, dass bin Laden sich:
a) nie vor einem Gericht verantworten muss also rechtstaatlich verurteilt werden kann
b) die Unschuldsvermutung eines Angeklagten mißachtet wurde . Ein hohes Gut der Rechtssprechung!
c) die USA nicht den Beweis antreten müssen für die Verbrechen , die bin Laden begangen haben soll.
d) die amerikanische Öffentlichkeit und ein Teil der europäischen Öffentlichkeit /Regierungen einen Rechtsbruch befürworten oder billigen

Ullrich Läntzsch 02.05.2011 | 18:31

@ "nulla poena sine lege" - keine Strafe ohne Gesetz

Was ist denn eigentlich einem DDR-Grenzer widerfahren, wenn er sich weigerte? Ich weiß es nicht.

Es gibt keinen Fall, bei dem ein Soldat der Wehrmacht sich weigerte, bei Massenerschießungen mitzumachen, ernstere Konsequenzen zu erdulden hatte, als ggf. gemobbt zu werden.

Der Mensch weiß durchaus, Recht von Unrecht zu unterscheiden. Und keiner kann nachweisen, ob einer absichtlich, oder eben unabsichtlich daneben schoß. Wer da als auf Menschen schoß und absichtlich fein säuberlich zielte, wußte was er tat. Es gibt eben auch Gesetze außerhalb staatlicher Grenzen.
Dogmatisch „keine Strafe ohne – staatliches – Gesetz“ zu fordern, übersieht die Gesetze der Menschlichkeit.

"nulla poena sine lege" entstammt einem imperialen Sklavenhalterstaat, für den es eine ausgemachte Sache war, der Rest der Welt besteht aus Barbaren, die jederzeit versklavt werden können. Unser römisches Recht ist absolut. Darauf mag ich mich nicht berufen.

@ "fair trial"

Selbstverständlich gibt es auch keine absolut perfekte n Gerichtsverfahren, weil wir Mensch nun mal Fehler machen. Das kann aber doch nicht heißen, nicht immer wieder aufs Neue darum zu ringen, sich um maximale Fairness zu bemühen.

@ „Mit einem Prozess gibt man ihnen noch die Chance ihren Hals zu retten und die Veranstaltung zu einem politischen Schauspiel verkommen zu lassen.“

Da widerspreche ich ganz entschieden! Nicht nur weil eben in einem Prozeß die Chance bestünde, einem Osama Bin Laden seinen abstrusen Anspruch auf individuelle Gewaltausübung zu widerlegen, sondern weil man eben auch das Risiko eingeht, sich unangenehme Wahrheit von ihm anhören zu müssen. In der Verhinderung des Prozesses Verhindert man eben das, was eine zivilisierte Gesellschaft VOR ALLEM auszeichnen würde, eine auf den Menschenrechten fußende Justiz.

BideG 02.05.2011 | 19:25

Gerade Punkt (d) erscheint insofern relevant, als Obama in seiner Rede vielleicht nicht direkt von Vergeltung, aber doch von justice gegenüber den Opfern von 9/11 spricht:
"And on nights like this one, we can say to those families who have lost loved ones to al Qaeda's terror, justice has been done" (www.tagesschau.de/ausland/binladen120.html).
Man könnte ja wohlwollend unterstellen, dass bin Laden eigentlich zwecks ordentlicher Gerichtsverhandlung festgenommen werden sollte, dann aber im Eifer des Gefechts erschossen wurde. Spannend wird nun, wie mit dieser Auge-um-Auge-Mentalität weiter umgegangen wird. Ein Friedensnobelpreisträger jedenfalls sollte sich eigentlich vor Vergeltungsgedanken hüten.

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2011 | 19:35

Der einzige gute Gedanke bei dem ganzen Wirrwarr hier ist, dass Obama unter Zugzwang steht und es gerade wieder Wahlkampf in den USA ist.
Genau zu dieser Zeit paßt die Sache mit Bin Laden und das ganze Volk der USA spielt verrückt, obwohl Bin Laden überhaupt nicht gezeigt wurde.
So wie Bin Laden eine Legende ist, wird der Tot durch die USA auch eine Legende sein.
Ich glaube den USA überhaupt nichts mehr.
Wir kennen alle den Überfall auf die Schweinebucht. Dieser Überfall ist durch die USA vorbereitet worden, indem angeblich Exilcubaner den Überfall übernehmen sollten, um dann eine Exilregierung zu bilden und dann die USA um Hilfe zu bitten.
Alles, was von den USA in der Welt in anderen Ländern angezettelt wurde (das jüngste Beispiel ist Georgien), hingen stets und ständig der CIA, also die USA mit drin.
Die USA befiehlt und schon sind alle Medien mit dem Unsinn voll.
Wo ist Bin Laden und warum wurde er so schnell auf hoher See beerdigt.
Wir sollten gerade gegenüber den USA sehr mißtrauisch sein, denn die haben in der Zukunft viel zu verlieren.

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2011 | 19:40

Hier noch eine kleine Fußnote:
Der erste Antrag eines internationalen Haftbefehls gegen Osama an Interpol wurde 1998 vom LIBYSCHEN Justizministerium gestellt.
Und zwar aufgrund eines Doppelmordes an zwei deutschen VS-Agenten in Libyen 1994, der angeblich von keinen Geringeren als Osama Bin Laden selbst angeordnet wurde.

www.welt.de/politik/ausland/article13135627/Warum-Gaddafi-Terrorchef-Osama-Bin-Laden-jagte.html

Ausgerechnet Libyens Gaddafi, dessen gezielte Ermordung gestern mal wieder in die Hose ging und mit der ANGEBLICHEN Abschlachtung eines Sohnes und mehrerer Enkelkinder endete – was nicht nur bei der wählenden Obama-Fraktion gar nicht gut angekommen ist.
Falls die Todesfälle Fake sein sollten, dann hat gestern Gaddafi den Obama erfolgreich seinen innenpolitischen Gegnern zum Fraß vorgeworfen. Ob das unbedingt vorteilhafter für die vom „Westen“ zur Abschlachtung freigegebenen Libyer sein wird, möchte ich bezweifeln.

miauxx 02.05.2011 | 20:07

Was am bedenklichsten ist:
Nahezu die gesamte Welt begrüßt oder bejubelt den Tod, der mit der Wild-West-Logik der Amerikaner herbeigeführt wurde.
Offenbar nicht ein Spitzenpolitiker zwischen Washington und Saudi-Arabien, kommt auf die Idee, dass jegliches Recht außer Kraft gesetzt wurde.
Wenn selbst FDP-Politiker in D diesen Mord begrüßen, frage ich mich, wieso sie nicht auch hier die Einführung der Todesstrafe fordern - bei starken Verdachtsmomenten und genug emotionaler Aufladung im Volk, zur Not halt auch ohne Gerichtsverfahren.
Wie wollen alle, die jetzt jubeln, noch ernsthaft was an Guantanamo zu meckern haben?
In was für einer Welt voller Bekloppter leben wir eigentlich?
Wer gehört hat, wie stolz Obama die Tötung bin Ladens bekannt gab (wobei kein Amerikaner starb), weiß, dass es sich ausgeschissen hat mit "Yes, we can"!

Gold Star For Robot Boy 02.05.2011 | 20:21

Warum jetzt ?

Ganz einfach: Operation Enduring Freedom (vormals "Infinite Justice") ist noch nicht beendet wie Clinton heute schon mal erklärt hat:

"Der Kampf gegen den Terror ist nach den Worten von US-Außenministerin Hillary Clinton mit dem Tod des weltweit meistgesuchten Terroristen nicht vorbei. Nun gelte es, die Anstrengungen etwa in Afghanistan noch weiter zu verstärken, sagte sie in Washington. Die Botschaft an die radikalislamischen Taliban sei klar: "Ihr könnt uns nicht besiegen", sagte Clinton."(SPON)
Sie brauchen OBL nicht mehr, weil angeblich genügend Stellverteter am Start sind, die ja bekanntlich in Deutschland lebende Hobbychemiker über Grillanzünder und Aceton aufklären. Hand aufs Herz: an den Mythos des unauffindbaren OBL hat doch außer Elmar Theweßen eh niemand mehr geglaubt.
2001 haben sie ihn bei Tora Bora entkommen lassen,
vor 9/11 gab es genügend Möglichkeiten seiner habhaft zu werden und im Übrigen hatte seine Ergreifung laut Bush im Laufe des Krieges plötzlich gar keine Priorität mehr. Die Amerikaner feiern Party und lassen die Sektkorken knallen weil ein Terrorverdächtiger ohne Verfahren hingerichtet und im Meer entsorgt wurde, der einst in Afgghanistan von den USA als Freiheitskämpfer aufgebaut wurde, dem bis 9/11, nicht nur von Sybel Edmonds CIA Kontakte nachgesagt werden und dessen Verantwortung für 9/11 nie zweifelsfrei festgestellt wurde. Genauso gut könnten sie Bushs Ableben irgendwann feiern, dessen Neocon-Clique 9/11 trotz vielfacher Warnungen hat geschehen lassen und die tatsächlichen Hintergrunde dieses Tages mittels einer absolut unglaubwürdigen Kommission zweifelsfrei vertuschte...

www.patriotsquestion911.com/

www.historycommons.org/entity.jsp?entity=osama_bin_laden

www.guardian.co.uk/commentisfree/2007/sep/12/911thebigcoverup

www.bradblog.com/?p=7332

www.newint.org/features/2009/10/01/blowback-extended-version/

goch 02.05.2011 | 20:40

Ich stimme dir zu miauxx. Da tut sich eine Parallele auf zu dem Überfall auf Libyen. Recht wird ersetzt durch sich ins Recht setzen, d.h. ich (im Zweifelsfall, der Stärkere )definiere, was richtig ist , das ist dann auch Recht.
Ansonsten gibt es im amerikanischen Krimi eine starke Tendenz zur Selbstjustiz, wo recht offen das Töten von "Kriminellen" klar bejaht wird, da a) die Todesstrafe ja eh zuträfe, b) die Verurteilung durch die Weichei-Rechsprechung (den Rechtsstaat mit seinen Standards) eh unsicher und teuer ist.
Auf der Ebene sind wir nun nicht mehr nur in der Welt der Geheimdienst-Operationen, sondern Weltöffentlich.

Columbus 02.05.2011 | 20:41

Lieber Herr Herden,

Dass Vorsicht und Überlegung angebracht ist, statt überschäumenden Jubels, verstehe ich. So freut es mich auch, wenn eine Zeitung nicht zuerst mit dem Fake des Osama bin Laden Kopfes mit Einschussloch aufmacht.

Jedoch, ihre Interpretation (Meinung) erscheint mir seltsam argumentlos.

Für Ihren durchscheinenden Verdacht, Bin Laden sei hingerichtet worden, dazu noch ohne Verhandlung, gibt es keinen brauchbaren Beleg. Anders ist aber diese Stelle ihres Artikels nicht zu deuten: "...stattdessen wird er nach Waidmanns Art und Lust erlegt. Die Entgrenzung aller Maßstäbe ist zur Tugend verklärt, Auge um Auge, Gewalt gegen Gewalt."

Hingegen gibt es für die direkt angeschlossene Frage, "Warum war George Bush dieser finale Abschuss nicht vergönnt,....", eine plausible Antwort. Die Bush-Administration wollte nicht nur den Terroristen fangen, sondern die muslimische Welt in ihrem Sinne neu ordnen. Das konnte nicht klappen und so blieb der Erfolg auch bei der Polizeiaktion aus!

Diese Region ordnet sich derzeit weitgehend selbst neu und entwickelt dabei eine Kreativität und tiefe Humanität, die ihr doch viele Westler, vor allem aber Medienleute, Scheinintellektuelle und ideologisch verbohrte Politiker nie zutrauten. Da sollten wir unterstützen, helfen und Respekt zeigen. Je mehr Respekt wir für diese Art der Transformation haben, desto mehr lässt der Hass auf den Westen nach. Je mehr wir signalisieren, es geht uns nicht um Geschäfte nur zu unserem Vorteil und um militärische, wie energietechnische Ressourcensicherheit, desto eher hat die Tötung Osama bin Ladens keine große Gegenreaktion zur Folge.

Vor allem lenkt die Abkehr vom Fetisch islamischer Terrorismus endlich das Augenmerk auf die politischen Kräfte, die in diesen Ländern, oftmals vom Westen gedeckt, alles taten, damit Geld und Macht in wenigen und elitären Händen blieben und als Assets in den Westen zurück flossen.

Obama hatte nun Erfolg, weil er sich, auch er eierte noch vor Monaten kräftig herum und war innenpolitisch abgelenkt, auf ein gerechtes Ziel konzentrierte.

Viel wichtiger wäre es, sich mit der, auch durch die sprachliche Unbegabtheit und ihre innere Teflonierung bedingte Stellungnahme unserer Kanzlerin zu beschäftigen, die nämlich ausdrücklich den Tod des Topverbrechers würdigte.

Liebe Grüße

Christoph Leusch

goch 02.05.2011 | 20:57

Das Angela Merkel jede Äußerung rechter amerikanischer Politik unkritisch bejubelt , ist nun nicht neu.
Daran ist bestenfalls neu, dass sie rechtsstaatliche Ansprüche an die Todesumstände bin Ladens nicht stellt.

Zitat der Presseerklärung der Bundeskanzlerin:
Mit der Kommandoaktion gegen Osama bin Laden und seiner Tötung ist dem US-Militär ein entscheidender Schlag gegen Al Qaida gelungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat US-Präsident Barack Obama ihre Erleichterung über diese Nachricht übermittelt.

Aus dem Kontext der Erklärung wird deutlich, dass sie den Tod bin Ladens rechtlich unbedenklich findet, und seine Schuld als erwiesen. Kein Zweifel ist zu erkennen!

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cato_old 02.05.2011 | 21:05

@Ullrich Läntzsch :

Sicher war das römische Reich keine Schweizer Basisdemokratie für alle (das ist streng genommen nicht einmal die Schweiz selbst und schon gar nicht die BRD). Dennoch kann ich erst einmal Grundsatz für Rechtssicherheit nichts an sich Schlechtes erkennen. Es gibt aber auch immer Ausreden warum man etwas tut oder nicht tut. Es gibt immer einen Grund auf eventuelle Sanktionen hinzuweisen. Auch Bin Laden hätte sicherlich viele Argumente für seine Taten gefunden und sei es das von ihm als göttliche Pflicht vorgeschriebene Diktat zum Jihad gegen alles Ungläubige. Aber wenn wir uns im Rechtsraum der Täter bewegen wird das nulla poena sine lege Prinzip zur farcé, es wird zum Schutzschild des Täters und das kann nicht sein. Stellen wir uns mal vor Hitler wäre angeklagt worden. Was hätte er wohl gesagt? Er hätte einfach darauf verwiesen, dass er erstens frei gewählt wurde und dass die Verbrechen zweitens ja nicht durch ihn persönlich ausgeübt worden, sondern durch Millionen von Helfern und Mitläufern (wer schweigt stimmt bekanntlich zu) die sowohl an der Entscheidung als auch an der Ausführung mitgewirkt haben. Komischerweise war es ja auch für viele seiner Untertanen weniger risikoreich sich an der Ostfront oder auf dem Balkan für den Vernichtungskrieg verheizen zu lassen, als daheim in den Widerstand zu treten. Schon komisch, oder? So gesehen hätte dies sein Strafmaß, wenn man das mit den Menschenrechten und fair trial konsequent umsetzt, geschmälert. Da ist es doch besser, dass er sich gleich selbst gerichtet hatte. Das nur mal so in abstrakter Hinsicht.

Was das Thema in concreto angeht, muss man einfach sagen, dass Terroristen, die anderen die Menschenrechte vorenthalten auch keine in eigener Angelegenheit geltend machen können. Vor diesem Hintegrund habe ich kein grundsätzliches Problem mit dem, was man in Israel auch als gezielte Tötung praktiziert, solange es wirklich solche Terroristen und Verbrecher betrifft. Wozu der ganze Papierkram? Wir wissen was er getan hat und er hat alles in zahlreichen Videos kommuniziert. Also gibt es keinen wirklichen Ermittlungsbedarf. Das kostet nur unnötig Ressourcen und man gibt diesen Psychopathen auch noch Anerkennung. Oder soll die Allgemeinheit auch noch solche Kerle bis zu ihrem natürlichen Ableben füttern und bewachen, während man denjenigen, die ehrlich arbeiten, auch noch die sozialen Rechte stückchenweise beschneidet? Das wäre sehr inkonsequent. Sicher kann man das auch anders sehen, zumindest solange hier noch kein Zug oder Flugzeug in die Luft gejagt wurde. Aber was ja nicht ist, das kann noch werden...danach unterhalten wir uns nochmal über fair trial für Terroristen im kuscheligen Deutschland

miauxx 02.05.2011 | 21:13

@Columbus

"Für Ihren durchscheinenden Verdacht, Bin Laden sei hingerichtet worden, dazu noch ohne Verhandlung, gibt es keinen brauchbaren Beleg."

Warum wird die Tat dann so dargestellt? Warum wird eben die Version vom finalen "Rettungsschuß" verbreitet?
Selbst wenn es anders war - wie genau, wissen wir freilich nicht und erfahren wir bestenfalls durch ein leak, welches dann wie Mannings im Kerker schmoren darf -, warum ist das Interesse so groß, die Wild-West-Methode zu verbreiten? Allein weil die Lage so ist, wie sie jetzt ist, ist die Deutung und Interpretation Herdens richtig.

goch 02.05.2011 | 21:28

Das ist die Ideologie von Bushs Krieg gegen den Terror. Gegnerische Soldaten darf man ja im Krieg töten. Das dies nicht auf Terroristen bzw. des Terrorismus Verdächtige angewendet werden kann, ohne jegliche Rechtsstaatlichkeit preiszugeben ist der Preis, den Bush besser die amerikanische Rechte zu zahlen bereit war und ist.
Wie weit die deutsche Regierung bereits in der Anpassung an diese Maßstäbe gegangen ist, ist ja an der Stellungnahme Merkels zu Bin Ladens Tod abzulesen. Mit der Kommandoaktion gegen Osama bin Laden und seiner Tötung ist dem US-Militär ein entscheidender Schlag gegen Al Qaida gelungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat US-Präsident Barack Obama ihre Erleichterung über diese Nachricht übermittelt. Keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der amerikanischen Aktion.

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2011 | 21:47

@GSFRB

…das mag alles richtig sein – nur sind das keine befriedigenden Erklärungen für diese gut(??!) vorbereitete Inszenierung.
Und die sofortige Entsorgung Ihrer angeblichen Jagdtrophäe in den fast unendlichen Tiefen des Meeres – was ist das denn? Warum sollten Sie denn ihren endlich und stolz erlegten Terrorbock sofort wegschmeißen und gehen stattdessen mit dieser plumpen Kopfschuss-Photoshopfälschung hausieren.
Was für eine irrwitzige Mafiaposse wird denn da wieder aufgeführt – dass glaubt doch kein Vorschulkind mehr…
Warum gerade jetzt?...

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2011 | 21:59

Die Sache wird wie die Lügen der USA über die angeblichen Massenvernichtungsmittel im Irak enden.
Die USA haben damals die UNO und die Weltgemeinschaft belogen und einen verbrecherischen Raubkrieg mit Hunderttausenden Toten vom Zaun gebrochen.
Schon jetzt mehren sich die Stimmen, dass Bin Laden doch noch lebt.
Es ist ein Desaster, was die USA augenblicklich der Welt bieten.
Eigentlich sollte Bin Laden schon vor einigen Jahren verstorben sein, nun ist er ein zweites Mal gestorben. Nun ist er wirklich eine Legende.

Calvin 02.05.2011 | 22:01

Findet es hier keiner merkwürdig, das mit BinLaden ein Mitglied eines der mächtigsten saudischen Familienclans, der seit Jahrzehnten erfolgreich mit zahlreichen US-Administrationen zusammengearbeitet hat, erschossen wird?

Könnte der nicht vielleicht ein paar sehr unangenehme Fakten gekannt haben? Solche, die nicht in einen Schauprozess gehören?

Mir kommt das sehr komisch vor: Lebende Trophäen sind eigentlich besser, aber in diesem Fall scheinen die USA BinLadens Überreste verschämt und hastig das Klo heruntergespült zu haben.

Columbus 02.05.2011 | 22:01

Lieber Miauxx,

Mit dem "finalen Rettungsschuss" hat das nichts zu tun. Der ist juristisch bei uns erlaubt, wenn dadurch Geiseln, Dritte gerettet werden. Das geht sogar so weit, dass bei jeder Berufung auf diese Möglichkeit, anaschließend eine Ermittlung stattfinden muss, ob die Voraussetzungen überhaupt vorlagen. - Es gibt bei uns Zweifelsfälle, da, wo Staatsanwälte ein Dutzend und mehr Kugeln in einer eher hilflosen Person, nicht für überprüfenswert halten oder das Vorgehen der Polizei leichtfertig exkulpieren.

Alle bisherigen medialen Quellen gehen davon aus, dass es einen Schusswechsel gegeben hat. Das Gegenteil müsste bewiesen werden oder doch glaubwürdig nahe liegen, um einen solch schweren Verdacht zu äußern, Bin Laden sei hingerichtet worden.

Zur Frage von Recht und Gerechtigkeit gilt selbstverständlich, dass auch jemand, der selbst darauf keinen Wert in seinem ganzen Tun legt und dessen Umfeld ebenso skrupellos handelt, trotzdem Anspruch hat, auf zivile Rechte und Gebräuche, die er selbst mit Füßen tritt. Das ist klar.

Aber bisher ist nicht erkenntlich, dass Osama und seine Truppe dort, dies überhaupt zugelassen hätten.

Zur Frage von Schuld oder Verdacht:

Das ist ein wichtiger Einwand, er wurde ja schon von Goch, 15.52 Uhr, vorgebracht.

Da gilt allerdings auch, dass Osama und sein Netzwerk sich freimütig und offen zu den Schandtaten der Vergangenheit bekannten, sich dieser Taten rühmten und sogar sehr genau Auskunft gaben, sie hätten sie veranlasst. Zudem teilten sie freimütig mit, was sie in Zukunft weiter tun wollen und wie sie im Falle einer Entdeckung vorgehen werden. Aufgeben, ergeben, aufhören stand nicht auf diesen Zetteln.

Die Soldaten müssen sich übrigens, auch juristisch und menschenrechtlich abgesichert, nicht selbst in ein deutlich erhöhtes Risiko begeben, selbst getötet zu werden, um einen zu allem entschlossenen Täter oder Tatverdächtigen fest zu nehmen.

Manning ist ebenfalls eine andere Geschichte. Da geht es um menschenwürdige Untersuchungshaft und später, beim Prozess, ob dem Verdächtigten eine Tat nachgewiesen werden kann und wenn, ob nicht seine Veröffentlichung von einem höheren Recht, nämlich der Aufdeckung von Menschenrechts- und Kriegsrechtsverletzungen durch die US-Army, gedeckt ist. Die Fairness des Rechtssystems und der US-Militärgerichte wird sich an dieser Frage erweisen. Das Vertrauen in die derzeitige Administration wäre dann schnell wieder dahin, sollte das nicht Teil des Prozesses sein.

Bezüglich der Haftbedingungen gab es wohl schon eine begrüßenswerte Reaktion.

Mitnichten ist es so, dass die "Vertreter der Menschenrechte" (Fraudulent schrieb am 02.05.2011 um 19:14) alles dürfen. Viele Rechtsverstöße sind nachher aufgedeckt und auch verurteilt worden. Man denke nur an die ungesetzlichen Handlungen rund um "Gitmo".
Allein, das ist tatsächlich ein großer Schwachpunkt der USA als Rechtsnation, die Verantwortlichen werden weder von ihr, noch von einem internationalen Gericht zu Verantwortung gezogen. Es wären ehemalige Präsidenten und Minister fällig.
Die Fakten dazu liegen aber auf dem Tisch und sind klar.

Verstöße von UN-mandatierten Truppen werden übrigens verfolgt, auch wenn es in der Öffentlichkeit nicht so im Blick ist. Bei den USA kommt jedoch erschwerend hinzu, dass sich diese Nation, wie auch andere große Nationen, weigert, ihre Bürger einem internationalen Gericht auszuliefern oder für internationale Taten vor ein eigenes Gericht zu stellen. Aber, mit dem aktuellen Schlag gegen Osama bin Laden und sein Netzwerk hat das auch wenig zu tun.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

j-ap 02.05.2011 | 22:45

Christoph Leusch / goch / Fraudulent (von weiter oben):

Ich frage mich ja immer noch, wiewohl immer behutsamer, woher ihr euren zähen Idealismus bezüglich des Völkerrechts, der internationalen Rechtsordnung, ihrer Gültigkeit und Reichweite nehmt.

Hier hat also ein Staat eine Rechtsnorm verletzt, das ist offenkundig. — Nur, indem ihr das so hinschreibt und formuliert, entsteht ja der Eindruck, als verhalte es sich zwischen Staaten und internationalem Recht so wie innerhalb eines Staates und dem Strafrecht.

Tatsächlich handelt es sich beim internationalen Recht um bloße Konvention: von keinem Gewaltmonopol ist die garantiert, sondern von wechselseitiger Abschreckung und gegenseitiger strategischer Einhegung der Staaten ermöglicht. Ist deren Verhältnis einigermaßen ausbalanciert, kann eine gewiße Rationalität und Stetigkeit der Verhältnisse einkehren, die aber nicht eine der ubiquitären Unterordnung der Staaten unter den Überbau von Rechtsnormen, sondern bloßes Kalkül ist.

Daß etwa das Vereinigte Königreich und die Republik Frankreich nicht im Kriege liegen mag dem Umstand geschuldet sein, daß es für so einen Krieg keine Notwendigkeit gibt; daß er nicht nötig ist. Der englisch-französische Friede ist aber sogar ganz gewiß keine Folge davon, daß das Völkerrecht den Waffengang verbietet.

Wenn heutzutage eine ganze Ideologie von der »Verrechtlichung« der Verhältnisse ersponnen wird, so verweist das doch eher darauf, daß man der Fragilität dieser zwischenstaatlichen Verhältnisse nicht ins Auge sehen möchte und darum desto mehr die Erkenntnis abwehrt, wonach jeder Staat überhaupt nur durch den Gewaltzusammenhang, in dem er mit seinesgleichen sich befindet, als Einheit stiftende Macht vor seinen Bürgern zu bestehen vermag.

Wie gesagt: Ihr seht mich ratlos.

Ich grüße euch aber trotzdem freundlich allesamt!

nevermore 02.05.2011 | 23:21

@columbus
Aus der Financial Times Deutschland:

"14:22 Uhr Die US-Spezialkräfte hatten den Auftrag, Bin Laden zu töten und nicht ihn gefangen zu nehmen. Das sagte ein US-Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur Reuters. Es sollte nicht der Versuch unternommen werden, den Al-Kaida-Chef lebend zu fangen. "Es war eine Tötungsoperation", sagte der Beamte."
www.ftd.de/politik/international/:liveticker-zu-bin-ladens-tod-bin-laden-beschoss-spezialeinheit/60046227.html?page=4

Bitte dies bei der Frage "Exekution oder nicht" berücksichtigen.

Columbus 02.05.2011 | 23:54

Lieber J.-A.P.,

Es ist klar, diese internationale Rechtsordnung ist eine Fiktion. Aber eine, die nach dem WWII auch häufig gute Konsequenzen hatte.

Unbestritten führen auch heute Mächte ihre Kriege und Gewaltaktionen unter dem Maßstab einer mehr- oder weniger kurzsichtigen Opportunität aus. Es betreiben mittlerweile auch global operierende Firmen, vielleicht sogar schon mehr als Staaten, ein solches Geschäft und manchmal erkennen wir, dass diese schmutzigen Tätigkeiten sogar in unserem Namen, für unser Wohlergehen, tatsächlich oder eher nur vorgeschoben, betrieben werden, also die Rechtsförmigkeit und allgmeine Rechtlichkeit ein oft geschundenes Kind ist.

Nichts ist einfacher, als grundsätzlich Staaten und Firmen verantwortlich zu machen und dabei diesen Aspekt zu übersehen.

Aber, andererseits gibt es eine Gerechtigkeit und ein Recht gegenüber dem Bösen an sich. In der Rolle Böses zu tun ist das Netzwerk Bin Ladens nicht nur angetreten, sondern hat es sich zu eigen gemacht, mit der Begründung, es ginge gegen die Allmacht USA und ihre Stellverteter in den Satellitenstaaten gar nicht anders.

So trat und tritt man aber ebenfalls als tschetschenischer Terrorist an, so gehen Usbeken bei ihrem Terrorismus vor. - Aber sie entlarven sich als neunstriemige Geißeln der Menschheit, die eher noch schmutzige Bomben und Attentate mit größter Vernichtungswirkung ausklügeln, als einmal nach Alternativen zu suchen. Das ist unproduktiv und ermöglicht höchtens eine Anzahl ultmativer Verbrechen, aber kein entwickeltes, positives Ziel.

Mit den USA verhält es sich aber so, dass ein eigenes und international anerkanntes Prinzip dem Benevolent Empire zugrunde liegen soll, es so jeden Tag von ihm selbst beschworen wird.

Dem gerecht zu werden, kann man gegenüber der, allen anderen Nationen und Personen überlegenen Supermacht einfordern. Sie soll sich an Rechte und Regularien halten.

Auf nationaler Ebene sollten sich Presse und kritische Öffentlichkeit von Firmen und Privatleuten, wie vom Staat selbst nicht einschüchtern lassen, in Fragen der Gewalt und der Regeln derselben, kritisch nachzufragen, wenn sich ein Netz aus eigenen Gesetze und Regeln und Sonderrechten herausbildet.

Da zählt mehr als die momentane Macht, sie kann ja wenige Jahre später ganz anders verteilt sein, der bestimmte Hinweis, man werde es nicht vergessen und im Gedächtnis behalten.

Derzeit macht sich gerade die SPD ein weiteres Mal innerhalb weniger Tage lächerlich, indem ihr Vorsitzender und die Geschäftsfüherin sich zur Maximalposition versteifen, die Sicherheitsmaßnahmen zur Abwehr von Terroristen müssten im vollen Umfange erhalten bleiben. Nicht einmal prüfen will man. - Die SPD entwickelt sich zur Voodoo-Partei, analog der FDP, in der jeder ´mal was verkündet, wovon er glaubt es sei gerade opportun und man schämt sich nicht und überholt in dieser Frage sogar die CDU/CSU rechts. - Vielleicht plant die SPD ja schon an einer Juniorpartnerschaft mit der CDU/CSU. Neben die Kanzlerin passt ein Minister Gabriel genau so, wie eine Ministerin Nahles für die Geschäfte.

Noch einmal anders gewendet. Die mächtigen Staaten, heißen sie nun USA oder Iran, haben sich international verpflichtet und führen es im Munde, sie seien die Sachwalter und guten Vertreter der internationalen Prinzipien. Wer sich auf diese (Selbst-)Verpflichtungen berufen kann, der hat das Gedächtnis auf seiner Seite, auch wenn es momentan dafür nichts real zu kaufen gibt und die Mächte erst einmal zu triumphieren scheinen.

Daher ist eine solche Rechtsfiktion eine Notwendigkeit und ein Gewinn, gerade im Vergleich zum letzten Jahrhundert der staatlichen Willkür bis zur Verabschiedung der UN-Charta. - Ich glaube jedenfalls daran, dass auch die Vereinigten Staaten aus Vietnam und jünger Irak und Afghanistan, aus den drei ausgerufenen "Bush-Kriegen" etwas lernten und die Regierung Obama, wiewohl unvollkommen und fehlerbeladen, diese Lehren prinzipiell verstanden hat.

Christoph Leusch

zephyr 03.05.2011 | 00:04

@j-ap

Sie haben recht. Seufz. Ich könnte es nur nicht auf Ihre Weise in Worte fassen.

Ich weiß noch, wie ich in den frühen 8oiger Jahren sämtliche Anti-Vietnamfilme schaute und dachte: "Aber nun haben sie es begriffen!" Ich weiß, dass ich lange Jahre lang dachte, die UN Erklärung der Menschenrechte von 1948 sei ein Gesetz. Und ich dachte auch - für eine lange Zeit - das dies für das Völkerrecht ebenso gelte. Dabei sind beide Konventionen, nicht bindend und schon gar nicht orgendwie "universell" gültig.

Es war halt ein schöner Gedanke, dass es so wäre.

Da können Sie mal sehen, wie naiv man jahrelang sein kann.

Was soll ich tun? Wenn ich schon weiß, was ich weiß, neben all dem, was ich nicht weiß ?

Und über die Hoffnung reden wir ein anderes Mal.

Gold Star For Robot Boy 03.05.2011 | 00:06

"Da gilt allerdings auch, dass Osama und sein Netzwerk sich freimütig und offen zu den Schandtaten der Vergangenheit bekannten, sich dieser Taten rühmten und sogar sehr genau Auskunft gaben, sie hätten sie veranlasst. Zudem teilten sie freimütig mit, was sie in Zukunft weiter tun wollen und wie sie im Falle einer Entdeckung vorgehen werden. Aufgeben, ergeben, aufhören stand nicht auf diesen Zetteln."

CNN September 16, 2001:"Islamic militant leader Osama bin Laden, the man the United States considers the prime suspect in last week's terrorist attacks on New York and Washington, denied any role Sunday in the actions believed to have killed thousands.In a statement issued to the Arabic satellite channel Al Jazeera, based in Qatar, bin Laden said, "The U.S. government has consistently blamed me for being behind every occasion its enemies attack it."I would like to assure the world that I did not plan the recent attacks, which seems to have been planned by people for personal reasons," bin Laden's statement said."

Columbus 03.05.2011 | 00:08

Nevermore schrieb am 02.05.2011 um 21:21:

Klar. Genau so gibt es Meldungen, die sagen, Osama sei aufgefordert worden sich zu ergeben.

Aus dem Kontext Ihrer zitierten Pressequelle geht hervor, er sei schießend, also bei Gegenwehr, getroffen worden.

Da steht dann auch noch, weiter unten in der Chronologie, was vorgeblich Helmut Schmidt losgelassen haben soll, der schon ein Urteil fällte, obwohl er wohl kaum allzu informiert sein dürfte.

Eine "Exekution", das hieße ja, man habe Bin Laden gehabt und dann an die Wand gestellt oder eben, im Zustand der Wehrlosigkeit, kalt niedergestreckt.

Grüße
Christoph Leusch

Columbus 03.05.2011 | 00:15

Kann ich nachvollziehen. Sie wollten ja andeuten, es hätte auch noch andere Möglichkeiten gegeben.

Abgesehen davon, dass es die irgendwie immer gibt, so ist doch der Vorwurf, die Amerikaner hätten die Aktion als Hinrichtung geplant so massiv, dass dafür mehr Beweise vorliegen müssten.

Erklärungsbedarf gibt es sicher. Aber vielleicht sollte man nicht über das Ziel hinaus schießen und gleich alle Verdächte die überhaupt und immer möglich sind auch äußern. Sehen Sie auch meinen Kommentar zu "Nevermore"
LG
Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 03.05.2011 | 00:29

Wie auch immer – letztlich auch drittrangig ob da wieder Hollywood regiert.
Und was könnte mit seiner Liquidierung schon unterm Deckel gehalten werden, wenn er präventiv dafür Sorge getragen hätte, im Falle seines gewaltsamen Todes zu veranlassen, alle vorher sichergestellten Dokumente über seine Zusammenarbeit mit westlichen Diensten öffentlich zugänglich machen zu können. So eine Option hätte auch eine bedingte Lebensversicherung sein können – vorausgesetzt immer, es gäbe nicht nur die zur Veröffentlichung bereiten und „einflussreichen Medien“ (HarHarHar…)….sondern auch die damit unmittelbar an Leib und Leben bedrohten Machtschranzen in den administrativen Schnittstellen der westlichen Dienste und Apparate…

Columbus 03.05.2011 | 00:38

Dagegen könnte man nun die NYT zitieren, Gold Star For Robot Boy,

www.nytimes.com/2011/05/03/world/asia/osama-bin-laden-dead.html?hp

"When American operatives converged on the residence on Sunday, Bin Laden “resisted the assault force” and was killed in the middle of an intense gun battle, a senior administration official said, but details were still sketchy Monday."

"Mr. Brennan said that the raid was intended to capture Bin Laden, though those who planned it assumed he would resist. “If we had the opportunity to take him alive, we would have done that,” he said. The killing ended any hope of prosecution."

Grüße
Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 03.05.2011 | 00:39

j-ap schrieb am 02.05.2011 um 12:29

Es gibt Herden, die folgen dem Strom. Wenn ihnen jemand in den A.... kneift, rufen sie das Bundesverfassungsgericht an. Über allem jedoch steht die sich selbst übertäubende Klage nach Gerechtigkeit. Herden hat keinen Gedanken an die Tausende, die durch grenzdebile Verführte mit Kilogramm Sprengstoff um den Bauch mit der Vergewisserung des Paradieses bedenkenlos morden. Herden ist ein pseudolinksblinder Schwätzer. Er sollte sich einmal betrachten, was dieser Verbrecher angerichtet hat. Ich bin sicher, er hat noch niemals eine zerfetzte Leiche Gesehen, dieser Blindfisch!!!

Columbus 03.05.2011 | 00:50

ad
goch schrieb am 02.05.2011 um 19:42

Lieber Goch,

Dagegen könnte man doch einwenden, Obama, die jetzige Administration, habe den Konflikt, genau wie Gitmo, die inländischen Sicherheitsgesetze und einen Haufen Ermächtigungen für die Dienste geerbt. So wie es politisch derzeit steht, ist jeder Schritt zurück, zu mehr Rechtsstaatlichkeit und internationaler Verantwortung, zudem ein Minenfeld in der Innenpolitik. Da muss sich der arme Mann im Weißen Haus bald noch nackt ausziehen und nachweisen, dass er nicht beschnitten oder eingefärbt ist.

Grüße
Christoph Leusch

Columbus 03.05.2011 | 01:34

Auch das, lieber GSFRB, ist mittlerweile Schnee von gestern, denn sowohl gegenüber den tatsächlich bei 9-11 nicht involvierten Taliban brüstet sich Quaida-Chef Bin Laden (daher speiste sich ja auch ein Teil seines Ansehens), als auch untereinander tauschten sich die Netzwerker entsprechend aus. Dazu existieren die Aussagen der mittlerweile in verschiedenen Ländern inhaftierten Terroristen des Netzwerks. Dazu kommt das, was jüngst Wikileaks aus den Geheimberichten der USA veröffentlichte.

Und der Halbsatz in ihrem 2001er Statement, "aus persönlichen Motiven hätten die Attentäter an 9-11 gehandelt", lieber GSFRB, den glauben Sie doch selbst nicht, oder?

Ich finde, man sollte dem Erzterroristen Bin Laden mindestens so viel Misstrauen entgegen bringen, wie man bereit ist, gegenüber den Diensten der USA und GBs oder deren Regierungen unter Blair und Bush.

LG
Christoph Leusch

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sachichma 03.05.2011 | 04:07

@ Lutz Herden,
was bei einer solchen Aktion in der Realität abläuft... und es dann als Jagdausflug zu beschreiben, ist nicht ganz überzeugend. Die ganze OBL Geschichte ist seit Jahren von Flucht, Verstecken und einer Art Robin Hood Klischee gekennzeichnet. Jeder weiss es und alles bisher bekannte sprach eher für einen solchen vagen Ausgang. Hätte OBL wirklich konkrete Aussagen über die imperialen Machenschaften machen können, so hatte er lange genug Zeit Quellen unter dem Schutz der ISI gehabt. Aber die war ihm sicher zu lausig. Worauf hatte er also gewartet? Auf ein gerechtes Gericht? Das gibt es in der Twilight-Zone doch gar nicht. Die Ernennung von Pretreus zum CIA Chef, Panetta als Verteidigungsminister lässt Robert Gates gute Chancen als aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten, der auch von der Teaparty getragen wird, erscheinen. Da wurde OBL überflüssig, egal ob er mit einer anderen Identität irgendwo weiterlebt. Die Reformbewegungen in der arabischen Welt sind viel erfolgreicher und mehr im Interesse der USA als eine Ikone von ein paar Radikalen.

Joachim Petrick 03.05.2011 | 04:30

@Lutz Herden

"Welche Schmach für George Walker Bush und welche Genugtuung für Barack Obama. Der eine hat nach 9/11 mit einer religiös anmutenden Aufwallung eine Weltjagd auf Osama bin Laden veranstaltet und musste die Jagdtrophäe bis zum Schluss schuldig bleiben".

Was George Walker Bush nie plante, war die Gefangennahme oder gar Tötung des Osama Bin Laden, weil dann das militärisch- industrielle Rüstungskonplex US- Monopoly mit Black Water, Bechtle, Hallibourten in haushaltspolitische Turbulenzen geraten wäre, womöglich bevor der vökerrechtswidrige Total- Angriff auf den Irak an der UNO vorbei vom mörderischen Stapel gelassen werden konnte.
Hat nun Barack Obama der Tea- Party mit angeschlossenen Republikanern unter Misschtung des Völkerrechts, der Charta der Vereinten Nationen, das "Spielzeug" Osama tödlich aus der Hand geschlagen?, oder hat Barack Obama doch eine feurig brenzlig neue, unerklärte Kriegskampagne in den arabisch- afrikanischen Frühling hinein über geheime CIA Kommandoschienen gestartet?

siehe dazu:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/barack-obama-vernichtet-den-zeugen-osama-bin-laden

02.05.2011 | 20:24
Barack Obama vernichtet den Zeugen Osama Bin Laden.
obama terrorismus hinrichtung osama bin laden arabien pakistan cia kaida quaida osamabinladen usa failedstate staatimstaat waffenhandel korruption drogenhandel isi atomwaffen hindukusch kaschmir madrassas geheimdienste tahirplatz krieg kalter

Osama Bin Laden, wie der "Fliegende Holländer", ein Untoter?

tlacuache 03.05.2011 | 09:05

Hier wird mir zuviel ueber "Menschenrechte" und so weiter
geblubbert, das sind alles Parallelwelten die mit der Realitaet nichts zu tun haben, Toetung "Obama" Bin Laden ist ein innenpolitischer Schachzug, und nix mehr, zu dem Energiesektor fuege ich da gar nichts mehr an....

www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,647308,00.html
07.09.2009
Amerika exportiert weltweit die meisten Waffen
...unter Berufung auf eine Studie des US-Kongresses berichtete,
entfielen auf die Vereinigten Staaten 68,4 Prozent des weltweiten Waffenhandels...
...Die unterschriebenen Waffenkontrakte mit den USA hätten einen Wert von 37,8 Milliarden Dollar gehabt...
--------
Hier ist die Realitaet:
www.sipri.org/research/armaments/production/Top100/2009

nur um von 2009 zu sprechen, es geht NUR um Geld und Arbeitzplaetze... Nicht um "Menschenrechte",
wer mir hier was anderes faselt, lebt eben in der "Parallelwelt":

Weiteres aktuelles Beispiel:
Vor "Enkeltod Gadaffi"

Ausgerechnet im Ordner Wissenschaft und Technik:
www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,753095,00.html

25.03.2011
Westlicher Libyen-Einsatz
Das Bombengeschäft ...

So, jetzt mal wieder von Menschenrechten traeumen, das hat was mit den "G 20" Staaten zu tun, aber nicht fuer die anderen 178 Staaten....

Alien59 03.05.2011 | 09:15

Na ja, aber auch wenn du Menschenrechte als "Geblubber" bezeichnest - was, wenn das US-Handeln Schule macht?
Ich stellte die Frage anderweitig, ohne eine Antwort zu bekommen: was wäre, wenn z.B. eine Irakische Regierung ein Sonderkommando aussenden würde, um Bush wegen aller getöten Iraki zu töten, da man ihn ja nicht vor ein Gericht gestellt bekommt? Vielleicht anlässlich eines Besuches in Berlin ....

tlacuache 03.05.2011 | 09:51

Es macht seid einiger zeit schule, es geht um cash - flow, nicht erst seid 1789, "US- Handeln Schule machen", ich weiss nicht, wovon da gerade getraeumt wird:

de.wikipedia.org/wiki/Monroe-Doktrin

Die "Sklavenbefreiung" z.B. wurde da in andere Staaten Verlagert.

"Menschenrechte Schule machen" war da aber in den letzten 322 Jahren eher die Ausnahme, da ging es meist um "Cash - Flow", um die Zeit vor 1789 brauchen wir ja wohl nicht debattieren...

mustermann 03.05.2011 | 14:18

"Die Entgrenzung aller Maßstäbe ist zur Tugend verklärt"
Kleiner geht es bei Herden natürlich nicht.
Linke zeigen sich einmal mehr im der Auseinandersetzung mit dem rasant zunehmenden islamistischen Dschihad komplett überfordert und verlieren sich in realitätsfernem Geschwurbel. Andere nennen es organisierte Verantwortungslosigkeit. Natürlich wäre es wünschenswert, nicht nur diesen irren Islamisten vor ein Gericht zu stellen. Aber Verantwortung für die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, verweigern die meisten Linken natürlich jede andere realistische Sicht der Dinge, wenn es um den Islam geht.
Und wenn die Linke mal wieder gar nicht mehr weiter weiß, übernimmt das Superhirn der Linken namens Höger wieder die PR.

Tania 03.05.2011 | 15:40

Ich begrüsse diesen Artikel zutiefst!
Wenn man allerdings mal den Querschnitt der Kommentare nimmt,stellt man fest,das Wenige über analytisches Hintergrundwissen verfügen.
Man darf erstens Goethes Zauberlehrling nicht vergessen und zweitens nicht,das eben dieses Imperium americanum die Geister die es rief,nun versucht zu beherrschen.
Wo dann drittens auch mal die Systemfrage zu stellen ist!
Das alles hat mit Moral nichts zu tun.aAnschaulich dafür ist,das hier ein Friedensnobelpreisträger zur Tat schritt.
Das passt selbstverständlich wieder zu den Taten eben jenen Alfred Nobels zu Lebzeiten,womit sich der Kreis wieder schließt.

paulart 03.05.2011 | 17:25

Wann wird in den USA der nächste Präsident gewählt? Ende nächsten Jahres? Dann muss Titelverteidiger und Friedensnobelpreisträger Barack Obama schliesslich etwas vorzuweisen haben. Gefangenenlager und Gefängnis existieren immer noch - aber der "Staatsfeind Nr. 1", Osama bin Laden, ist, nachdem er lange untergetaucht war, in Pakistan endlich wieder aufgetaucht, um dann für immer unterzutauchen.

Auf die Anklagebank hätte Bin Laden gehört. So, fürchte ich, wird der Mythos um ihn eher wieder größer werden.

Joachim Petrick 03.05.2011 | 17:39

@Lutz Herden

Auf wundersame Weise versucht Obama tönend leise, die USA, unter klammheimlicher bis offensiver Hintanstellung bestehenden Völkerrechts, der Charta der Vereinten Nationen, als Opfer der prekären Verhältnisse in Kaukasien, insbesondere in Pakistan vorzustellen, die die Liqudierung von Osma nageblich zwingend machte.
Warum?.

siehe dazu mein Blog:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/osama-liquidiert-zieht-bundeswehr-aus-afghanistan-ab?

03.05.2011 | 14:32
Osama liquidiert, zieht Bundeswehr aus Afghanistan ab?
obama terrorismus hinrichtung osama bin laden arabien pakistan cia kaida quaida osamabinladen usa failedstate staatimstaat waffenhandel korruption drogenhandel isi atomwaffen hindukusch kaschmir madrassas geheimdienste tahirplatz krieg bundeswehr bundeswehr bundesregierung bundestag ströbele gaddafi libyen

Osama liquidiert, zieht schwarzgelbe Bundesregierung Bundeswehr aus Afghanistan ab?

Barack Obama vernichtet den Zeugen Osama Bin Laden.

Ein fatal prekäres Signal für den kriegführenden Despoten Gaddafi in Libyen?

Ullrich Läntzsch 03.05.2011 | 18:24

Lieber Cato,

ja, Rechtssicherheit ist etwas feines. So allgemein, unter normalen Umständen. Nur darum geht es doch nicht! Es geht um die leider immer wieder praktizierten Fälle, wo das Recht zu Unrecht wird, von den Nürnberger Rassegesetzen, über die Gesetze, die einem DDR-Grenzer das Schießen erlauben bis hin zur US-amerikanischen Anschein des legalen Vorenthalten von Menschenrechten, um Guantánamo zu rechtfertigen.
Die Frage lautet also, was wenn Recht zu Unrecht wird! Wo beginnt die individuelle Schuld? Gibt es so etwas wie Verbrechen gegen die Menschlichkeit, auch wenn zum Zeitpunkt des Geschehens vor Ort dies vorgeblich legal war.

Reichskanzler wurde Hitler im Übrigen nicht aufgrund einer freien Wahl sondern er wurde von Hindenburg dazu ernannt. Er selbst schätzte seine Zukunft anders ein. Die Übernahme von Verantwortung war seine Sache nie. In seine Tagebücher schrieb Goebbels klar von der Schuld die sie auf sich luden. So viel sollte schon klar sein, an der Schuld der Nazibonzen gibt es weder Zweifel, noch einen an der Möglichkeit sie ihnen nachzuweisen.

Abgrundtiefer Haß auf Terroristen kann ich verstehen. Wer sich für Fairness auch diesen gegenüber einsetzt wird dadurch nicht zum Sympathisanten. Wer durch seinen ungezügelten Haß jedoch, in Akten der Vergeltung, sich der gleichen Mittel bedient wie die, die er als Täter im Visier hat, verliert seinerseits den Anspruch eines Anwalts der Opfer und kann selbst zum Täter werden. Ein Täter, der ggf. um keinen Deut besser ist als der Terrorist.

Genau auf diese Weise entstand der augenblickliche Teufelskreislauf von Terror und Krieg gegen den Terror. Letzterer ist allein deshalb schon illegitim, weil Terror eben nicht mit Krieg zu bekämpfen ist.

Dies gilt auch für Israel. Leider!!! Leider, weil man als Deutscher dem Projekt Israel zunächst einmal alles Gute wünscht. Zu sehen, mit welchen Unmenschlichkeiten die einstigen Opfer heute auch zu Tätern werden schmerzt.

Das Wahrnehmen von Schmerz fehlt mir leider viel zu oft ...

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cato_old 03.05.2011 | 18:56

Herr Ullrich Läntzsch! Das eigentlich Problem ist, dass wir hier im kuscheligen Deutschland sitzen und der großen weiten Welt erhabene Lösungsvorschläge für ihre komplexen Probleme an die Hand geben.

Stellen Sie sich mal vor, hier in Deutschland wären seit 1996 regelmäßig Züge, Flugzeuge, U-Bahnen und Häuser in die Luft geflogen mit einer Gesamtbilianz von mehreren Tausend Toten. Dann ist auch Ihnen das irgendwann egal, ob ein Bin Laden nun tot oder lebendig gefangen wird. Dann kratzt Sie das auch nicht mehr wirklich, wenn Mitglieder von Terrorzellen gewaterboarded werden oder man ihre Leichen auf auf einer anonymen Deponie verscharrt. Vielleicht würde Sie dann noch nicht einmal so was wie der Libanonkrieg oder Operation Cast Lead großartig berühren, denn dann hätte Sie andere Sorgen. Was sie dann wirklich kratzt ist jedes Mal, wenn Sie sich in einen Bus setzen, ein Flugzeug besteigen, die Bahn nehmen oder mal schnell mit der Metro in die Stadt wollen, dass dann immer wieder Gesichter darunter sind, die Sie theoretisch im nächsten Moment in Stücke sprengen! Wenn Sie etwa mal in Tel Aviv oder Moskau leben, dann haben Sie jedes mal genau das Gefühl!

Und was Israel angeht: Hätten die Deutschen nicht über 6 Millionen Juden in Europa vernichtet, dann wäre der Staat Israel vielleicht nie gegründet worden! Was sollten denn die Juden machen? In Europa bleiben, bis der nächste Hitler kommt? Mit den Mördern ihrer Leute morgen bei Kaffe und Kuchen sitzen? Also besannen sie sich auf den Mythos vom gelobten Land und vertrieben dort die ansässigen Araber und gründeten ihren eigenen Staat.

Die Welt ist sehr komplex und mit Schuldzuweisungen muss man sehr vorsichtig umgehen, denn alles hat irgendwo seine Ursache...

Ullrich Läntzsch 03.05.2011 | 20:11

@ "Die Welt ist sehr komplex und mit Schuldzuweisungen muss man sehr vorsichtig umgehen, denn alles hat irgendwo seine Ursache..."

Nicht nur hier bei stimme ich völlig überein!

Klar es ist geradezu skurril, wenn wir hier neben vollem einem Kühlschrank sitzend über Probleme schreiben, denen wir nur aufgrund unserer Fähigkeit zur Empathie annähern können.

Die bedingungslose, von keinerlei Skrupeln belastete Jagd auf Terroristen ist - wie emotional auf den ersten Blick verständlich - letztlich keine Lösung!

Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel! Und es gibt ebenso viele Gründe, warum in der moslemischen Welt, die zum größten Teil ein bitterarme Welt deshalb ist, weil von einer westliche Welt einem gnadenlosen Resourcenkolonialismus unterworfen ein Elend erfahren, dem weit mehr Opfer dargebracht werden, als alle Terroristen aller Zeiten zusammen. Es ist eben genau der Satz, der Zweck heiligt keine Mittel, den die Terroristen ebenso mißachten wie ihre Gegenspieler.

Und gerade weil es stimmt:

"Die Welt ist sehr komplex und mit Schuldzuweisungen muss man sehr vorsichtig umgehen, denn alles hat irgendwo seine Ursache..."

Gibt es an der Frage des Rechtes aller Menschen auf Menschenrechte und auch auf ihre Würde keine Alternative.

Und noch eines zur Folter:

Es ist nichts als eine Wahnvorstellung zu glauben, so an wertvolle Informationen zu gelangen. Der Wahrheitsgehalt ist ebenso fragwürdig als hätte man es ausgewürfelt.

Und noch eines zu den Terroropfern:

Es ist gerade die moslemische Welt die die nahezu gesamte Last der bestialisch ermordeten zu tragen hat.

So wie die Ärmsten der Armen die Hauptlast aller weltweiten Flüchtlinge trägt.

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cato_old 03.05.2011 | 20:31

Sehr geehrter Herr Ullrich Läntzsch,

sicher haben Sie Recht, dass die gezielte Tötung und die Misachtung der eignen Prinzipien kein Königsweg sein kann! Das steht sicher ausser Frage!

Es steht sicher auch ausser Frage, dass der Westen und vor allem die USA nicht nur an der Problemlösung beteiligt waren/sind, sondern viele Misstände, auch in der islamischen Welt, perpetuieren. Aber das entbindet die islamische Welt nicht von der Achtung anderer! Und genau das sind die Schwierigkeiten. Was sollen denn etwa die Kopten in Ägypten sagen? Als Ägypter mussten sie eine Diktatur von Amerikas Gnaden ertragen. Als Christen werden sie jetzt dafür zur Zielscheibe der Islamisten.

Auch das Täter-Opfer Schema ist ebenso komplex wie das mit den Schuldzuweisungen! Und das insbesondere die islamischen Staaten zu wenig in Bildung und Wachstum investieren ist auch bekannt!

Nehmen wir Israel als Beispiel. Die Juden haben mit eigenen Händen aus einem Stück Wüste eine Industrie- und High-Tech Nation geschaffen, die dazu noch landwirtschaftliche Erzeugnisse exportiert! Was ist in der gleichen Zeit in Syrien, Jordanien oder Pakistan passiert! Oder auch in Saudi Arabien und Algerien, die beide über reichlich Öl- und Gasdevisen verfügen? Hier muss sich die islamische Welt auch an die eigene Nase fassen! Anstatt Lebensmittel zu subventionieren, damit morgen noch mehr Kinder für die Arbeitslosigkeit geboren werden, sollte man in die Ausbildung und Qualifizierung der Kinder setzen, die erst mal da sind! Aber das will die Gesellschaft nicht! In vielen orientalischen Staaten zahlt das Amt die Auslagen für die Hochzeit, Brautgeschenke und solche Dinge! Alles Mumpitz! Anstatt dem Tagelöhner zur Ehe und zur Prokreation zu animieren, sollte man ihn erstmal ausbilden. Aber dafür ist dann kein Geld da.

Gold Star For Robot Boy 03.05.2011 | 22:21

Ich misstraue beiden "Parteien".
Fakt ist, Bin Laden wurde lange Zeit als Freiheitskämpfer hochgerüstet und das Ende
seiner CIA/US-Komplizenschaft kann nicht eindeutig benannt werden. Haufenweise zweifelhafte Videos, Audiobotschaften,Geständnisse unter Folter sind kein Ersatz für eine rechtstaatliches Verfahren,das die zweifelsfreie Täterschaft hätte feststellen können.Obama wollte Guantanamo schließen, Militärtribunale abschaffen und KSM vor ein Zivilgericht stellen.Nichts davon wurde Realität.Stattdessen erleben wir die Zunahme von targeted killings und geheimen Operationen.
JSOC: The Black Ops Force That Took Down Bin Laden

Fragen Sie doch mal in der FC, wer die offizielle Regierungsversion und die Ergebnisse der 9/11 Kommission für plausibel hält. Der Afghanistan Krieg basiert auf einem Haufen Lügen...die Jagd auf Bin Laden ist eine davon:

„Das wichtigste für uns ist, Osama Bin Laden zu finden. Es ist unsere oberste Priorität, und wir werden nicht ruhen, bis wir ihn finden.“ (George W. Bush am 13. September 2001)

„Ich weiß nicht, wo er ist. Ich habe keine Ahnung, und es kümmert mich wirklich nicht. Es ist gar nicht so wichtig. Es ist nicht unsere Priorität.“ (George W. Bush am 13. März 2002)

LG !

Alien59 04.05.2011 | 08:11

Und auch da, apatit, fasst Huber noch zu kurz: wieso überhaupt Kriegsrecht? Pakistan ist kein Kriegsteilnehmer, sondern ein souveräner, verbündeter Staat. Dessen Recht wird durch diese Kommandoaktion mit Füßen getreten, in einer Kolonialherrenmanier, die sicher nicht nur mir die Zornesröte ins Gesicht treibt. Ich stelle jedoch seit zwei Tagen mit wachsendem Entsetzen fest, dass dieser Aspekt weitgehend vernachlässigt wird - und das könnte sich eventuell auf lange Sicht böse rächen.

Ullrich Läntzsch 04.05.2011 | 14:57

Lieber Cato,

@ "Nehmen wir Israel als Beispiel. Die Juden haben mit eigenen Händen aus einem Stück Wüste eine Industrie- und High-Tech Nation geschaffen, die dazu noch landwirtschaftliche Erzeugnisse exportiert! Was ist in der gleichen Zeit in Syrien, Jordanien oder Pakistan passiert!"

Dies ist kein gerechter Vergleich, denn Israel genoß - was ich in keinster Weise beklage - größte finanzielle Unterstützung, und verfügte außerdem über eine große Zahl an gut gebildeten Technikern und Wissenschaftlern - im Gegensatz zu den Nachbarn. Der Landraub genannte Siedlungsbau, der Bau der Mauer auf fremden Terretorium, das Vergraulen von Palästinensern - leider, leider - ist die Liste der schmerzenden Fehlern des Staates Israel lang. Was im Übrigen nicht zu letzt Israelis wie Juden unendlich bedauern und kritisieren.

Ja, und da wärend dann noch die erdölreichen Länder, wie Saudi Arabien. Sie können da ausnahmslos alle durchdeklinieren. Sind es die Araber, die Völker oder ihre Potentaten, die allesamt nur deshalb an der Macht sind, weil sie vom Westen dort installiert wurden. Die größte Scheinheiligkeit sind doch westliche Sonntagsreden, wo dann über die Korruption in dieser Herren schwadroniert wird. Fein säuberlich wird unterschlagen, das all das Geld, was dort zusammen gerafft werden konnte aus dem Westen stammt. Ein kleiner Teil auch aus China und Russland. Dazu kamen zahllose Ausbilder der Folterknechte und mit ihnen das Waffenarsenal dieser Diktaturen.

Nein, der Terrorismus ist eine furchtbare Sache, die selbstverständlichbekämpft werden muß. Zu einen die aktiven Terroristgen mit polizeilichen Mitteln vor allem aber müßten die islamischen Länder vom Westen, Rußland und China fair behandelt werden.

Avatar
cato_old 04.05.2011 | 16:11

Sehr geehrter Herr Ullrich Läntzsch!

Ich schätze Ihre Art und sachliche Argumentation, die sehr positiv von manch anderen abhebt, das ist hier nicht selbstverständlich!

Dennoch möchte ich Ihnen widersprechen! Nehmen wir Algerien. Algerien hat Öl- und Gasreserven im großen Umfang. Wohin geht das Geld? Es wird kaum was in Bildung und Unternehmensgründung investiert. Aber dafür zahlt der Staat mir die Hochzeit, das Brautgeld und solche nutz- und sinnlosen Sachen, die wirtschaftlich nix bringen! Hier wird an einer alten Kultur festgeklammert, anstatt diese zu modernisieren! Algerien könnte ohne Weiteres einen Lebensstandard wie Italien oder Spanien haben. Mit eigener Industrie, mit eigenen Technologiefirmen und einem soliden Rohstoffsektor. Algerien könnte die erneuerbaren Energien nutzen und den Strom exportieren. Algerien hätte soviel Potential! Aber das Geld wird nicht nur verkorrumpiert, sondern die Gesellschaft will sich nicht bewegen. Hin zu einer Kultur der Leistung, weg vom Clanwesen, weg von überkommenen Werten und Vorstellungen. Und deswegen ist und bleibt es trotz Reichtum bettelarm. Und deswegen gärt es auch in der ganzen Region, weil die Menschen spüren, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Weder wohlwollende Diktatoren, noch der Islam kann hier helfen, sondern nur die eigener Hände Arbeit und Einfallsreichtum. Und das können die Menschen, wenn sie nur wollen auch erreichen.

Nehmen wir China. Relativ wenig Rohstoffe und bestimmt nicht undemokratischer als Algerien! Trotzdem hat sich dass chinesische Volk mit der eigenen Hände Arbeit in einem kurzen Zeitraum einen Wohlstand erarbeitet, den niemand erwartet hätte! Schon ein großer deutscher Denker, Karl Marx, sagte mal anknüpfend an Adam Smith, dass die Arbeit der wahre Kern des Wohlstandes sei! Das haben die Marxisten in Peking auch verstanden. Vielleicht dämmert es auch mal den Leuten im Orient.

Nehmen wir Israel. Ich bin kein Jude und ich bin jetzt kein bedingungsloser Pro-Israeli, aber ich muss anerkennen was dieses Volk nach dem Holocaust geleistet hat. Seine heutigen Nachbarn könnten von Israel unendlich viel lernen! Israel ist nicht nur einfach ein Staat der von den USA durchgefüttert wird. Die Gelder aus den USA und Europa gehen in die Rüstung und das braucht Israel um sich gegen alle Eventualitäten zu rüsten. Militär war immer ein teures Vergnügen und wird aufgrund der Technologie immer teurer. In Israel lassen auch viele ausländische Firmen, auch deutsche Firmen, Produkte entwickeln, Programme schreiben und Grundlagen erforschen. Das liegt daran, dass die Juden Bildung hochschätzen, und zwar nicht nur die religiöse. Die technische Hochschule von Tel Aviv ist ein weltweit geschätzter Kooperationspartner von Universitäten und Unternehmen. Welche Uni in Kairo oder Riad kann das mithalten? Die Juden haben einen Flecken Wüste in fruchtbares Land verwandelt. Der ganze Mittelmeerraum nutzt heute die Erkenntnisse der Israelis in puncto Bewirtschaftung unter mediterranen Bedingungen. Warum konnte das nicht in Damaskus oder Baghdad entwickelt werden? Warum muss Israel mit 7 Millionen Einwohnern mehr (säkulare) wissenschaftliche Literatur produzieren als fast 2 Milliarden Angehörige der Umma zusammen?

Was machen viele islamischen Länder mit ihrem Ölreichtum? Sie kaufen Waffen, sie unterdrücken die eigenen Leute, sie subventionieren einen überkommenen Lebensstil und viele finanzieren auch den internationalen Terror. Das ist leider so und so lange sich das nicht ändert wird die islamische Welt vor allem an ihrer mangelnden Flexibilität leiden. Wenn die islamsischen Gesellschaften unfair behandelt werden, dann liegt dass daran, weil sie sich selber schlecht behandeln. Dass kann nicht China, nicht Russland und auch nicht der ganze Westen ändern!

Ullrich Läntzsch 04.05.2011 | 17:15

Über den Entwicklungsbedarf der islamischen Welt kann es keinen Zweifel geben, zahllose Traditionen sind zu überwinden.
Und wie wir sehen, sieht es die Mehrheit dort nicht viel anders. Nur ist mit Sicherheit, nicht alles selbstverschuldet. Und wer tief im Elend sitzt, dem fällt die Selbsterkenntnis ganz sicher auch nicht leichter wenn – um mal wieder zurück zur Hauptüberschrift des Blogs zu kommen – eben genau das Land, das wie kein anderes ein Versprechen an die Menschheit ist, an Freiheit und an Chancengleichheit, an Menschenrechte und Demokratie – die USA – wenn eben diese USA unter einem neuen Hoffnungsträger noch dazu, einmal wieder über all diese Werte mit Füßen trampeln. Dabei weiß man im Fall Osama nur zu genau, alles was damit zusammenhängt dient von nun an allen Haßpredigern als Steilvorlage. Keine von Osama selbst erdachte Werbekampagne könnte erfolgreicher Nachwuchs rekrutieren. Und dies in einer Situation, in der Osama hinnehmen mußte, von allen denen abgelehnt zu werden, die gerade zum Hoffnungsträger in der arabischen Welt wurden. Der Zulauf zu den Terrorbanden war gestoppt, war teilweise gar am versiegen. Genau zu diesem Zeitpunkt wird gelyncht – denn anders kann man es nicht nennen. Das Wort drückt nämlich klar mit aus, es geht um einen Verbrecher, nur wird ihm der Prozeß vorenthalten. Der Prozeß, in dem auch jenen, die ihm folgen aufgezeigt werden könnte, welchem Unmenschen sie da nachlaufen.

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cato_old 04.05.2011 | 18:12

Sehr geehrter Herr Ullrich Läntzsch,

Sicherlich haben die USA mit der gezielten Tötung keinen Meilenstein im Sinne der Universalität der Menschenrechte gesetzt. Das hat Herr Bin Laden aber noch viel weniger. Und die Haßprediger gab es schon, als Bin Laden noch als Joghurt im Kühlschrank stand, nämlich schon seit langer Zeit. Die Muslimbrüder gibt es seit dem frühen 20. Jahrhundert und der "Kommittee für Einheit und Fortschritt", welches über 3 Millionen orientalische Christen in Anatolien, wenn auch mit reichsdeutscher Billigung, massakrieren lies, brauchte auch keine USA um Menschen zu vernichten. Der Islam hat viele Probleme. Einige sind importiert, die meisten sind hausgemacht. Junge Männer haben Zeit und Kraft um sich über die Karrikaturen einer dänischen Lokalzeitung wochnlang aufzuregen. Aber haben sie auch die Kraft für andere Dinge? Ich hoffe dass die jüngsten Ereignisse in Nordafrika auch eine Öffnung der Gesellschaften mit sich bringen. Bisher ist das als sehr ambivalent zu betrachten. Während die neue ägyptische Regierung die Grenze zum Gaza Streifen (der ja eigentlich früher mal zu Agypten gehörte) wieder öffnet verkommen die 12 Millionen Kopten immer mehr zur vogelfreien Zielscheibe! So gesehen muss der "Opfermythos" der islamischen Gesellschaften auf jeden Fall überdacht werden! Ich denke, dass der Ball nun bei ihnen liegt. Die islamischen Gesellschaften haben im Wesentlichen zwei Optionen: Den Turbo für eine Öffnung und Modernisierung einzuschalten, oder eine Konfrontation mit anderen Gesellschaften anzusteuern. Ich höffe, dass die Vernunft obsiegt, sicher bin ich mir allerdings nicht. Wir können sie dabei beraten, sehr begrenzt auch unterstützen, aber der Löwenteil muss aus eigener Kraft kommen.

Ullrich Läntzsch 04.05.2011 | 18:49

Lieber Cato,
zur Erinnerung,
"Die Welt ist sehr komplex und mit Schuldzuweisungen muss man sehr vorsichtig umgehen, denn alles hat irgendwo seine Ursache..."
So ist der Quatsch vom „Opfermythos“ ein alttestamentarischer, und auch das Christentum basiert auf dem Gedanken des Opfers, womit Jesus durch Selbstaufopferung die Schuld anderer auf sich genommen haben soll.
Richtig ist die islamische Welt – halte ich für eine bessere Beschreibung, als Dumma, denn eine islamische Gemeinschaft gibt es so wenig wie eine christliche. Dazu gibt es zu viele zu unterschiedliche Fraktionen, Sekten und sich oft genug bekämpfender Parteien.
So hanebüchen vieles in der islamischen Welt ist, um nicht steht dem ein GWB nach, der den Irakkrieg als Kreuzzug bezeichnete. Oder eben jetzt die Lynchjustiz durch den Friedensnobelpreisträger.
Es gibt eben leider keine Seite auf die ich mich stellen könnte, so wenig wie ein Partei. So sehe ich das eben mit der Komplexität der Welt, ihren Widersprüchen und all ihrer Perversität – aber auch der Menschlichkeit, die auch auf allen Seiten zu finden ist, so wie die Schönheit in der Natur, wie auch vom Menschen geschaffen. Und von allem gibt es auch das Gegenteil. Das Aushalten all der Widersprüche und ein Stöckchen für Klötzchen abarbeitendes Suchen nach Fortschritt das ist es doch worum es geht. Überall auf dieser Welt.
Grüße auch und gerade im Sinn:
"Ich hoffe, dass die Vernunft obsiegt, sicher bin ich mir allerdings nicht. "

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cato_old 04.05.2011 | 19:07

Es gibt eben leider keine Seite auf die ich mich stellen könnte, so wenig wie ein Partei. So sehe ich das eben mit der Komplexität der Welt, ihren Widersprüchen und all ihrer Perversität – aber auch der Menschlichkeit, die auch auf allen Seiten zu finden ist, so wie die Schönheit in der Natur, wie auch vom Menschen geschaffen. Und von allem gibt es auch das Gegenteil. Das Aushalten all der Widersprüche und ein Stöckchen für Klötzchen abarbeitendes Suchen nach Fortschritt das ist es doch worum es geht. Überall auf dieser Welt.
Grüße auch und gerade im Sinn:
"Ich hoffe, dass die Vernunft obsiegt, sicher bin ich mir allerdings nicht. "
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Lieber Herr Läntzsch,

das ist ein sehr schönes Resume auf dessen Grundlage wir sicherlich beide stehen. Es geht nicht um die Frage der Überlegenheit. Wollen wir alle gemeinsam in Frieden uns als Menschen weiterentwickeln müssen wir uns alle bewegen und in erster Linie an uns selbst arbeiten. Egal ob Muslim, Christ, Atheist oder sonstwas. Eine andere Option haben wir nicht, außer uns in Zukunft an einander in historischem Ausmaße zu verbrechen...und das kann keiner ernsthaft wollen.

Columbus 04.05.2011 | 22:07

ad goch, 03.05.2011,16:46

Ja, Goch, da wäre dann doch sehr viel zu tun und wenn man es weitet, kommen ja dann auch noch die amerikanischen Staatsterroristen in den Blick, die vor ein Tribunal gehörten. Wer fortgesetzt und erklärtermaßen folterte oder foltern ließ, der gehört vor Gericht. - Wir wissen, ein solches Tribunal wird es weder für Bush, noch für Rumsfeld, noch für Tony mit den großen Ohren je geben.

Aber mehr im Ernst, diese umgekehrte Haltung, nämlich jede Situation und jedes Faktum über den gleichen Leisten zu schlagen, um der hehren Prinzipien willen, ist sicher ebenso befragenswürdig. - Ich plädiere dafür, solche Dinge nicht zu vergessen, aber auch nicht umgekehrt aus der Welt einen Ort zu machen, an dem man, zum Zwecke des höchsten Anspruchs noch viel mehr Polizei- und Militäraktionen durchführen müsste, ob auf Kuba oder direkt vor Kapitol Hill oder bei einer Ranch in Texas.

Osama war Amerikas Feind No.1, er und seine Qaida waren der Hauptgrund für die UN-Ermächtigung der ganzen Militärwalze die über Afghanistan rollte. Die Taliban, ziemlich mies ausgebildete und sehr dogmatische Muslime, dazu stur "prinzipienfest", stürzten ihr Land für eine dubiose Gastfreundschaft und innere Übereinstimmung mit dem Saudi, der ihnen "Kämpfer" und "Geld" zugänglich machte, ins Elend. - Wer soll da wie und wie oft, Rechenschaft ablegen?

Um es ein wenig mit einem revolutionären und anschaulichen Beispiel zu beleuchten, ist das etwa der Unterschied zwischen Danton und Robespierre, auch ein wenig der, zwischen Bush und Obama.

Ich hoffe und denke, dass mit dem Tod Osamas für die jetzige US-Adminstration neue Wege in der Region und, uns näher, im Nahen Osten, möglich sind. Ich glaube, jedenfalls so lange, bis mir jemand handfeste Gegenbeweise liefert, dass Obama eine andere Richtung will, aber in Vielem durch die Struktur der USA und die politische Machtverteilung bisher gehindert ist, während Bush wollte was er tat und damit die Ziele seiner Unterstützer und Förderer umsetzte.

Mit den Taliban, paschtunisch, afghanisch, wird man anders verhandeln können, um dort als Militärmacht zu verschwinden. Pakistan wird nicht mehr unbefangen betrachtet und die Milliardenhilfen für Militär und Dienste dort werden auf den Prüfstand kommen. Usw.

LG
Christoph Leusch