Gegenfrage

Kommentiert Aktuell I

Hugo Chávez handelt, wie er offenbar nicht anders kann. Er nutzt die von ihm vermittelte Freiheit für Consuelo Gonzales und Clara Rojas für einen verwegenen Vorstoß und holt die FARC-Guerilla aus der Isolation des Dschungels in die Reservate medialer Beachtung zurück. Er verhilft dem bewaffneten Widerstand radikaler Linker zu einer politischen Repatriierung, die Kolumbien eine Chance bietet, den so lange schwelenden Bürgerkrieg hinter sich zu lassen. Für Präsident Uribe mag das ein Danaer-Geschenk sein, muss es aber nicht. Er kann die FARC-Rebellen weiter als Terroristen bekämpfen. Er kann sie auch als politische Rivalen behandeln, mit denen verhandelt wird, wie das sein liberaler Vorgänger Pastrana bereits tat. Die Frage, ob einer in Lateinamerika Freiheitskämpfer oder Terrorist, Revolutionär oder Krimineller ist, provoziert die Gegenfrage: Wer ist in Kolumbien - wer war in Argentinien, Chile, Uruguay oder Paraguay als Präsident vorzugsweise Obrist und Staatsterrorist? Ob einst die Stadt-Guerilla in Montevideo oder eben die FARC - sie alle befanden sich im Recht, auf Gleichheit der Waffen zu bestehen, als sie hochmütige, reaktionäre Regimes des Staatsstreichs nicht länger ertragen wollten. Dem Massenmord in Chile nach dem 11. September ´73 war nicht mit philanthropischen Sprüchen, sondern nur mit energischem Widerstand beizukommen.

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