Lutz Herden
Ausgabe 1617 | 21.04.2017 | 06:00 15

Gleichgewicht des Schreckens

Nordkorea Das Kim-Regime beseelt die Überzeugung, als Atommacht mit den USA auf Augenhöhe verkehren zu können

Gleichgewicht des Schreckens

Straff und stramm. Militärparade zum 105. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung

Foto: Ed Jones/AFP/Getty Images

Es gibt kein größeres Übel, als den Feind zu unterschätzen. Die Sentenz wird dem nordkoreanischen Staatsgründer Kim Il-sung zugeschrieben. Mag es zutreffen oder nicht – jedenfalls gründet seine Chuch’e-Ideologie auf solchem Gebot, wenn sie die Triade von politischer Souveränität, wirtschaftlicher Selbstversorgung und militärischer Eigenständigkeit als unverzichtbar für die Volksrepublik in Korea beschreibt. Das Ende der 80er Jahre aufgelegte Nuklearprogramm spiegelt dieses Streben nach Autarkie und Unangreifbarkeit.

Seither beschäftigt diese Herausforderung die internationale Gemeinschaft. Die besteht allerdings nicht, wie oft behauptet, darin, dass man es mit einem unberechenbaren Regime zu tun hätte und allein auf dessen Irrationalität Verlass sei. Tatsächlich hält Pjöngjang an einem hohen Standard seiner Waffensysteme fest, um politisch zu überleben, Hilfsprogramme zu nutzen und sich benötigte Ressourcen zu verschaffen. Dies gelang etwa 1994, als in Genf nordkoreanische Emissäre mit der damaligen US-Regierung einen Rahmenvertrag aushandelten, der vorsah, dass ökonomischer Beistand auch dann gewährt bleibe, wenn das Atomprogramm definitiv eingestellt sei.

Sonnenscheinpolitik

Ein Forum, um solchen Interessenabgleich zu steuern, waren ab 1996 die Vier-Parteien-Gespräche mit den beiden koreanischen Staaten, den USA und China. Sie führten freilich nie dazu, das Junktim – atomare Abrüstung gegen ökonomische Aufrüstung – so zu verankern, dass es für alle Zeit unumstößlich war. Feindschaft und Misstrauen zwischen den USA und Nordkorea überlagerten die Verhandlungen auch dann, als sie ab 2002 durch die Teilnahme Russlands und Japans in Sechs-Parteien-Gespräche übergingen.

Inzwischen spricht einiges dafür, dass Nordkorea seinem Ziel, eine atomar bestückte Langstreckenrakete des Typs Taepodong-2 im Arsenal zu haben, die Alaska und damit US-Territorium erreicht, näher kommt. Wer nachvollziehen will, warum das Regime Kim Jong-uns so handelt, muss dessen strategische Verwundbarkeit in Betracht ziehen, die nicht zuletzt völkerrechtlich bedingt ist. Zwischen Nord- und Südkorea wurde nach dem Korea-Krieg (1950–1953) nie ein Friedensvertrag geschlossen. Nach wie vor gilt allein das Abkommen über den Waffenstillstand von 1953. Zwar haben dieses Dokument Nordkorea und die USA, aber keine südkoreanischen Politiker unterschrieben. Streng genommen ist zwischen Süden und Norden der Kriegszustand nur ausgesetzt. Ein fragiles Provisorium, da durch die vier Kilometer breite Waffenstillstandszone von Panmunjeom nicht allein eine provisorische Grenze am 38. Breitengrad verläuft. Die Demarkationslinie trennt verfeindete Staaten und Systeme.

In Pjöngjang wie Seoul war man sich der damit verbundenen Risiken stets bewusst. Beim Gipfel zwischen dem nordkoreanischen Führer Kim Jong-il und dem südkoreanischen Präsidenten Roh Moo-hyun Anfang Oktober 2007 in der demilitarisierten Zone wurde deshalb eine „Friedenserklärung“ vereinbart. Sie folgte der Intention, beide Seiten müssten den Waffenstillstands- durch einen Friedensvertrag ersetzen. Das Treffen vor knapp zehn Jahren war ein letzter Versuch, die „Sonnenscheinpolitik“ zu retten, die Ende der 90er Jahre für mehr als einen Hauch an Entspannung gesorgt hatte. Davon geprägt war die erste Begegnung zwischen Staatschefs aus Nord- und Südkorea – Kim Jong-il und Kim Dae-jung – seit Ende des Korea-Krieges. Seoul hatte vor diesem Gipfel im Jahr 2000 die „Sonnenscheinpolitik“ als Ensemble folgender Prinzipien definiert: Die Wiedervereinigung ist ein Fernziel. Sie darf nur auf friedlichem Wege erfolgen und keine Einverleibung des Nordens durch den Süden sein. Für militärische Aktionen des Nordens gibt es keine Akzeptanz. Bilaterale Koexistenz braucht wirtschaftliche Kooperation.

So gehörte es zu den Ergebnissen des 2000er Gipfels, dass man sich auf eine gemeinsam unterhaltene Sonderwirtschaftszone in Kaesong einigte. Südkorea sagte Investitionen für den Bau von Leichtwasserreaktoren im Norden zu. Pjöngjang erlaubte Besuche zwischen nord- und südkoreanischen Familien, die seit Jahrzehnten ohne Kontakt waren. Nur blieb dieses Tauwetter von militärischen Spannungen überschattet. Weder verminderten die USA ihre Truppenpräsenz im Süden, die 30.000 Mann der United States Forces Korea, noch wurde auf die alljährlichen Frühjahrsmanöver mit der südkoreanischen Armee verzichtet, noch feindselige Rhetorik gegenüber Pjöngjang vermieden. Präsident Bush setzte nach 9/11 das nordkoreanische Regime auf die Liste der „Schurkenstaaten“, die wie der Iran und der Irak Saddam Husseins eine „Achse des Bösen“ bildeten. Für Kim Jong-il, den damaligen Präsidenten Nordkoreas, Bestätigung genug, gegenüber den USA nicht auf Vertrauen, sondern auf Stärke zu setzen. Ein Verhältnis auf Augenhöhe schien nur möglich, wenn man sich auf nukleare Schlagkraft stützen konnte.

Präventivschlag

Die Obama-Administration, deren „strategische Geduld“ mit Pjöngjang eher dem Eingeständnis gleichkam, keine Strategie zu haben, setzte auf die innere Erosion des kommunistischen Systems. Es werde an den Sanktionen zerbrechen, wenn der Druck von außen hoch bleibe.

Als vor drei Monaten die neue US-Administration antrat, schien es nicht abwegig, einen veränderten Umgang zwischen Pjöngjang und Washington zu erwarten, da Donald Trump außenpolitisch reservierter erschien als sein Vorgänger. Wie er nun jedoch die Nordkorea-Frage angeht, gibt mindestens ebenso viel Anlass zur Sorge wie das Nuklearprogramm Kim Jong-uns, zumal mit der Gewaltoption in einer Weise gespielt wird, dass sich Trump mit seinem Aufmarsch – so kreuzt der Flugzeugträger USS Carl Vinson vor Nordkorea – selbst unter Druck setzt. Dennoch wird ihm Pjöngjang keinen Schritt entgegenkommen, sich stattdessen an die Maxime halten: Vor einem Angriff bietet der erklärte Wille den besten Schutz, im Ernstfall an Waffen einzusetzen, was zur Verfügung steht. Vermutlich wird die nordkoreanische Führung um so kompromissloser agieren, je länger die Krise dauert, wie der offenbar misslungene Raketentest vom 15. April zeigt. Schließlich beglaubigt das Verhalten der USA, was die Propaganda dem eigenen Volk ständig beibringt: Man lebt unter der permanenten Bedrohung durch Amerika und muss sich zur Wehr setzen. Das heißt, ist die Gefahr eines US-Präventivschlags kaum zu überschätzen, gilt Gleiches für den zu erwartenden Gegenschlag. Es ist wenig wahrscheinlich, dass die US-Armee in der Lage ist, alle unterirdischen Anlagen, Kommandostäbe, mobilen Abschussbasen und Materialien zu zerstören. Niemand sollte glauben, das Regime würde kollabieren. Solange sie handlungsfähig bleiben, haben die politische Führung und die Armee außerordentliche Trümpfe in der Hand. Dicht bevölkerte Metropolen Südkoreas wie Seoul, Busan, Incheon oder Daegu sind für nordkoreanische Raketen erreichbar.

Auch China bleibt nicht untätig und hat nach dem US-Luftschlag gegen Syrien sofort Truppen an die Grenze zu Nordkorea verlegt. Vor dem Treffen zwischen Staatschef Xi Jinping und Trump Anfang des Monats in Mar-a-Lago hatte Letzterer den Nationalen Sicherheitsrat angewiesen, Optionen zu sondieren, die man gegenüber Pjöngjang habe. Von der Tendenz her wurde ein noch härterer Sanktionskurs favorisiert und empfohlen, China auf mehr Distanz zu den Partnern in Pjöngjang einzuschwören. Auch wurde erwogen, Japans und Südkoreas Raketenabwehr aufzustocken, was Peking wegen der strategischen Balance in der Region kategorisch ablehnt.

Selbst wenn sich China dazu bewegen ließe, neutral zu bleiben, falls Nordkorea angegriffen wird, hat es (wie Südkorea) kein Interesse an einem Failed State vor der eigenen Haustür, geschweige denn an einem von außen betriebenen regime change in Pjöngjang. Der müsste durch ein Besatzungsregime abgesichert werden und wäre keine Gewähr gegen einen Bürgerkrieg, der massenhaft Flüchtlinge über die Grenzen treibt – nach China wie Südkorea. Ganz abgesehen davon, dass sich Peking US-Truppen an die eigene Grenze geholt hätte.

Womit Trump bestenfalls rechnen kann: dass sich die chinesische Führung darauf einlässt, Nordkorea vom Einfrieren seines Nuklearprogramms zu überzeugen, indem sie Garantien für das Regime und die territoriale Integrität des Landes übernimmt. Letzten Endes aber wird kein Weg daran vorbeiführen, Nordkorea mit den Sicherheiten zu versorgen, die es über seine Kernwaffen erzwingen will – Eigenständigkeit, Teilhabe am Weltmarkt, ein Nichtangriffspakt mit den USA und Südkorea. Pjöngjang könnte im Gegenzug zum offiziellen Verzicht auf einen nuklearen Erstschlag genötigt werden. Bewirken lässt sich das nur über mühsame und langwierige Verhandlungen.

Als Präsidentenbewerber hat Donald Trump zuweilen nonchalant extemporiert, er könne sich mit „Mister Kim“ zu einem Hamburger treffen. Und dann werde man schon sehen. Er hätte es versuchen sollen.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 16/17.

Kommentare (15)

g.t. 21.04.2017 | 12:53

Mir stellt sich die Frage, ob die USA hier überhaupt an einer friedlichen Lösung interessiert ist.

Von Nordkorea kam doch angeblich schon mehrfach das Angebot, auf Atomtests zu verzichten, wenn die USA ihrerseits auf Militärmanöver verzichten und bereit sind, einen Friedensvertrag abzuschließen.

Von den USA wurde das bisher immer abgelehnt. Stattdessen werden bei Militärmanövern mit Südkorea Militärinvasionen in Nordkorea geübt.

Das ist in meinen Augen keine besonders vertrauenserweckende Taktik und wird sicherlich nicht dazu führen, dass Kim freiwillig auf seine Waffen verzichtet.

http://www.n-tv.de/politik/Nordkorea-bietet-Verzicht-auf-Atomtests-an-article16783116.html

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/suedkorea-usa-militaeruebung-nordkorea-simulation-provokation

Erdlingsdings 21.04.2017 | 14:43

Die Gefahr eines Angriffs seitens der USA auf Nordkorea ist gering. Selbst wenn die USA die Möglichkeit hätte durch irgendeinen Zaubertrick NK verschwinden zu lassen würden sie den Teufel tun diesen anzuwenden. Selbst das Atomwaffenprogramm NKs dient letztlich den USA. Der Grund ist simpel, ohne ein NK, welches mit einem "unberechenbaren" Irren an der Spitze Atomboben bastelt, bestünde auch kein Grund mehr für die Präsenz von 30000 US-amerikanischen Soldaten auf der koreanischen Halbinsel und der Errichtung eines Raketenabwehrschildes. Ein wiedervereinigtes Korea würde sein Heil eventuell nicht bei den USA sondern bei China suchen. Schon jetzt sind die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und Südkorea eine Bedrohung für die geostrategische Aufstellung der USA in dieser Region. Südkorea ist drittgrößten Handelspartner Chinas und China ist größter Handelspartner Seouls. Gemeinsam mit Japan wird über eine Freihandelszone verhandelt. Die nordkoreanische Bedrohung muss also zwingend aufrecht erhalten bleiben sonst verlieren die USA immens an Bedeutung.
Pjöngjang hat den USA wiederholt den Verzicht auf weitere Atomtests angeboten wenn diese auf die gemeinsamen jährlichen Manöver mit Südkorea verzichten. Diese Angebote wurden jedoch von Obama abgelehnt.
Für mich ergibt sich hier kein Szenario eines sich unberechenbar aufschaukelndes Kriegsszenario zweier durchgeknallter Führer, sondern der Versuch den Status Quo solange wie möglich zu erhalten.

Hermann 21.04.2017 | 16:10

Wie er nun jedoch die Nordkorea-Frage angeht, gibt mindestens ebenso viel Anlass zur Sorge wie das Nuklearprogramm Kim Jong-uns, zumal mit der Gewaltoption in einer Weise gespielt wird, dass sich Trump mit seinem Aufmarsch – so kreuzt der Flugzeugträger USS Carl Vinson vor Nordkorea – selbst unter Druck setzt.

Vermutlich hat Herr Herden seinen Artikel geschrieben, als noch nicht öffentlich bekannt war, wo sich die Carl Vinson wirklich befindet. Da ich unterstelle, dass die chinesische Aufklärung die tatsächlichen Standorte der US- Trägerkampfverbände kennt, stellt sich die Frage, was war das? Hat Trump für die Öffentlichkeit nur mal gebrüllt oder spielt die zweite und dritte Reihe des US- Militärs ihr eigenes Spiel?

Querlenker 21.04.2017 | 16:31

Wie wir ja inzwischen wissen, weiß Herr Trump nicht immer, wo sich seine Flugzeugträger gerade befinden.

Kim Jong-Un wird sich sehr genau angesehen haben, was die "Garantien" Großbritanniens, der USA und Russlands für den Bestand der Ukraine wert waren, nachdem die Ukraine auf Atomwaffen verzichtet hat. Daher wird eine chinesische Garantie nicht ausreichen.

Die chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen waren noch nie so schlecht wie jetzt. Kim Jong-Un hat jüngst einem Regimechange vorgebeugt, indem er seinen Halbbruder in Malaysia ermorden ließ. Den Austausch des einen Kim durch den anderen hätte sich die Armee Nordkoreas vielleicht gefallen lassen.

Die USA hat sich im ersten Koreakrieg schon mal getäuscht, dass China nicht zugunsten Nordkoreas in den Krieg eingreifen wird. Auf einmal wurden die Amerikaner durch 1 Million chinesische "Kriegsfreiwillige" auf Positionen hinter Seoul zurück geworfen.

Ihre militärische Unbeugsamkeit beziehen die Nordkoreaner aus zwei Erfahrungen:

- sie waren die erste Militärmacht, die trotz drückender waffentechnischer Unterlegenheit ein Unenschieden gegen die USA erkämpfte.

-sie fühlen sich im Recht, militärisch die Wiedervereinigung versucht zu haben, nachdem die USA sich nicht an ihre Zusage erinnern mochte, nach dem 2.Weltkrieg Korea den Koreanern als Ganzes zurückzugeben.

Nordkorea muss gar keine eigenen Atomraketen abfeuern um den Süden in ein atomares inferno zu verwandeln. Konventionelle Raketen auf einige der 28 südkoreanischen Atomkraftwerke genügen vollkommen.

Um Vertrauen zwischen USA und Nordkorea herzustellen, braucht es mehr als Verhandlungen auf Augenhöhe. Nordkorea muss auch wieder einen nützlichen Platz in der Weltgemeinschaft finden. Z.B. könnten sich die USA stark machen für nordkoreanische UNO Truppen, die in Syrien einen Waffenstillstand gegenüber ALLEN Kriegsparteien durchsetzen. Dagegen werden die Russen und Chinesen kein Veto einlegen. Für die Ausleihe muss Nordkorea Wirtschaftshilfe erhalten, die das Land zum Umbau seiner Wirtschaft nach vietnamesischem Vorbild verwenden muss, wie es Kim Jong-Un in seiner Neujahrsansprache 2013 angeregt hat.

i

Querlenker 21.04.2017 | 16:45

Nein, ein vereintes Korea würde sein Heil nicht in einer Allianz mit China und Japan suchen, sondern würde seine Eigenständigkeit zwischen beiden Mächten betonen. Da könnten die Atomwaffen sogar nützlich sein, die Nordkorea als einzigen Aktivposten in die "Ehe" mit einbringen könnte. Gerade bemüht sich ja Südkorea, dass ihm die Atomanreicherung endlich erlaubt wird, die bisher durch einen jetzt auslaufenden Vertrag mit USA verboten war. Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass Teile des Amur-Gebietes, die jetzt in China und Russland liegen, mal koreanische Gebiete waren. Vom koreanischen Staat Balhae (ca. 700 bis 1100) n.Chr.kommt unser deutsches Sprichwort, man soll um eine Sache kein Bohai machen. Im Jahr 2002 gab es einen wüsten Streit zwischen Nordkorea und China um die Frage, ob im Grenzgebiet gefunden Königsgräber die Gebeine von chinesischen oder koreanischen Prinzen enthielten.

Wegen der von den USA in Korea aufgestellten Abfangraketen ist bereits der chinesische Tourismus in Südkorea um 90% eingebrochen. Und Chinas Wirtschaft schnürt Südkorea immer mehr die Luft zum Atmen ab. Früher galt Samsung statt Grundig, bald könnte gelten: Huawei statt Samsung.

claude doinel 22.04.2017 | 01:10

Die Pjöngjang-Falle fast, in die die Trump-Administration hineinzutapern scheint.

Dafür schickt man ungepflegte Flugzeugträger.

nunja

Andere Weltkriege wurden aus viel nichtigeren Gründen losgetreten - zb weil irgendjemandem irgendeine andere Nase nicht gefällt oder der Sender einem nicht passte

Aber mit dem Internet wird das aber auch alles viel besser, weil Information Bewußtseinsformung meint ohne sie aussprechen zu wollen.

Flusser war ja auch damals ein lustiger Geselle in Sachen Maskenwenden.

JFS 22.04.2017 | 12:15

Also ich persönlich habe seit einiger Zeit deutlich mehr Angst vor den USA and ihren Hegemonialansprüchen als vor dem kleinen Nordkorea. Wenn man nur 5 Minuten seiner Zeit für eine Liste der weltweiten Opfer durch tatsächliche direkte oder indirekte Angriffe der USA und durch Nordkorea erstellen würde, merkt man recht schnell, wie bescheuert diese ganze Kriegsrethorik gegenüber Nordkorea aktuell ist.

Auch hier stellt sich wie immer die Frage, Wem nützt diese ganze mediale Aufmerksamkeit Nordkoreas tatsächlich und warum berichten wir nicht über die tatsächlichen Schweinereinen ("Friedens- und Demokratiemissionen") in Jemen, Libyen, Afghanistan, Irak, Ukraine

Erdlingsdings 22.04.2017 | 14:53

Wem nützt diese ganze mediale Aufmerksamkeit Nordkoreas tatsächlich?

Das Bedrohungsszenario durch einen durchgeknallten, atombomben bastelnden Diktator hat viele nützliche Effekte.

Die massive US-amerikanische Präsenz in Südkorea wäre ohne dieses Szenario obsolet und somit auch deren Raketenabwehrschild. In diesem Kontext dürfen auch die anstehenden Neuwahlen in SK beim derzeitigen böhser-Kim-Hype eine Rolle spielen. Moon, dem Kandidaten der linksliberalen Demokratische Partei, dem gute Chancen eingeräumt werden, spricht sich für eine Annäherung an NK aus und will auch das Raketenabwehr Programm der USA neu überdenken. Da macht es Sinn den südkoreanischen Freunden die Gefährlichkeit des Nachbarn nochmal eindrücklich in Erinnerung zu rufen.

Es würde mich nicht wundern wenn in den nächsten Wochen Nordkorea ein südkoreanisches Schiff (oder vlt sogar ein amerikanisches?) versenken würde oder Ähnliches...

Ansonsten natürlich Ablenkung Ablenkung Ablenkung....

Herr Haller 23.04.2017 | 14:50

Besser noch, wenn man das, worüber man spricht, nicht so nebulös ausdrückt, dass kaum noch jemand damit etwas anfangen kann.

Das erfordert allerdings auch die semantisch korrekte Verwendung der Sprache: Beim Lostreten der beiden Weltkriege - nicht zu vergessen auch die Napoleonischen Kriege mit unsäglichen Toten oder auch der 30jährige Krieg, in den fast ganz Europa involviert war, und die Bevölkerung um 2/3 dezimiert wurde - ging es wohl nicht um nichtige „Gründe“, sondern eher um nichtige „Anlässe“.

Gründe für diese entsetzlichen Schlachten gab es genügend, auch historisch erwiesene, wenn auch die Beteiligten immer, wie das auch heute bei kriegerischen Auseinandersetzungen wieder der Fall ist, in höchstem Maße verantwortungslos handelten und heute dafür für den internationalen Kriegsgerichtshof in Den Haag gezehrt werden müßten. Passiert aber wie immer nicht.

Hier in dem Artikel geht es allerdings um die atomare Drohgebärde Nordkoreas, der die Welt ziemlich machtlos gegenüber steht, zumal sich Nordkorea ( in den 50ern durch Stalin gesteuert ) selbst in diese Isolation gedrängt hat und nach dem blutigen Angriffskrieg mit fast 4 Mio Toten bei lediglich 100 km Landgewinn hier überhaupt keinen Grund hat, sich in der Opferrolle einzurichten.

Ein Drump allerdings, der schon im eigenen Land keine Erfolge aufzuweisen hat, ist doch damit völlig überfordert und hat hier gar nichts zu gewinnen. Dieses Kettengerassel ist doch nur das lächerliche Getue eines mittlerweile allen bewußten Losers. Gefährlich ist es, weil niemand einschätzen kann, ob er auch wirklich im richtigen Moment gebremst wird.

Busch wurde das nicht.