Lutz Herden
Ausgabe 3214 | 11.08.2014 | 06:00 31

Griff zum roten Telefon

Ukraine Prominente europäische Sicherheitspolitiker warnen vor einem Krieg aus Versehen

Griff zum roten Telefon

Ruhe vor dem Sturm? Ein ukrainischer Panzer in der Nähe von Donezk im Osten des Landes

Foto: Andrey Kransoschekov / AFP / Getty Images

Die Szenarien haben nichts mit verstiegenen Fantasien, sondern mit realen Vorgängen zu tun. Ein russisches Militärflugzeug nähert sich Anfang Juli einem US-Kriegsschiff, das im Schwarzen Meer patrouilliert. Mehrfach wird der Kreuzer überflogen, ehe der Jet wieder abdreht. Was wäre geschehen, hätte die Crew mit Warnschüssen reagiert, die zum Absturz der Maschine führen? Von vergleichbarer Eskalationsdynamik ist auszugehen, wenn ukrainische Artilleriegeschosse, wie jüngst geschehen, auf russischem Gebiet einschlagen.

Es sind solche Zwischenfälle, die das Londoner European Leadership Network alarmieren und vor einem „Krieg aus Versehen“ warnen lassen. Der kann zwischen der Ukraine und Russland ausbrechen, ist aber genauso als Crash zwischen US-Einheiten und der russischen Armee denkbar, was die NATO gewiss nicht untätig ließe. Das Netzwerk prominenter Sicherheitspolitiker verlangt mehr Kommunikation und Transparenz, um „Beinahe-Zusammenstöße“ der gegnerischen Lager zu vermeiden. „Wir glauben, dass der Konflikt in der Ostukraine die Sicherheit von ganz Europa gefährdet“, warnen unter anderen der einstige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe, Russlands Ex-Außenminister Igor Iwanow und Ex-Geheimdienstchef Wjatscheslaw Trubnikow oder Frankreichs früherer Wehrminister Alain Richard.

Ist die Zeit reif, wieder ein „rotes Telefon“ einzurichten, wie das sowjetische und amerikanische Regierungen zu Zeiten des Ost-West-Konflikts für unverzichtbar hielten, um einem atomaren Schlagabtausch „aus Versehen“ zu entgehen? Man eröffnete die Hotline zwischen Moskau und Washington nach der Kuba-Krise von 1962, als für Tage das Inferno einer Selbstvernichtung über der Menschheit schwebte. Ein Atomkrieg zwischen beiden Supermächten war nicht mehr auszuschließen. Diese Erfahrung ließ wissen, nicht allein Konflikte dieses Kalibers können den ganz großen Knall provozieren. Solange Atomzeitalter, Nuklearrüstung und Blockdenken zusammengehören, sind auch technische Defekte, menschliches Versagen, Irrtümer und Missverständnisse dazu angetan. In Stanley Kubricks Spielfilm Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben ist es ein geistesgestörter US-General, der aus emphatischem Antikommunismus einen Atomkrieg gegen die Sowjetunion auslöst. Als man im US-Oberkommando begreift, was nun droht, folgt der Griff zum „roten Telefon“, dennoch nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Zum Schluss reitet der Pilot eines US-Bombers auf einer Rakete jubelnd dem Abwurfziel und der Apokalypse entgegen. Nuklearer Rüstungswahn ist so wahnsinnig, dass er sich allen Vorkehrungen zum Trotz hemmungslos austobt. Wer das eindämmen will, braucht mehr als ein „rotes Telefon“. Den muss der politische Wille beseelen, die Gefahr zu bannen. Bis 1989 gab es dazu keine Alternative.

Heftige Ausschläge

Und heute? Im Sommer 2014 will niemand um der Ukraine willen einen Atomkrieg führen, könnte man denken. Allerdings scheint das European Leadership Network davon nicht überzeugt zu sein, wird doch sein Beharren auf Vorwarnsystemen auch damit begründet, dass „immer noch Tausende Atomwaffen auf beiden Seiten in Alarmbereitschaft sind“, womit nicht allein die Potenziale der USA und Russlands gemeint sind, gleichermaßen französische und britische Arsenale. Folglich bedarf es erneut eines verantwortungsvollen Handelns, um einen Konflikt zu beherrschen, auf dessen Eskalationsskala heftige Ausschläge möglich sind. „Rote Telefone“ werden gebraucht wie Exit-Strategien. Bisher jedoch geben die USA wie die EU mit verschärften Sanktionen gegen Russland zu verstehen, dass die Kraftprobe mit Moskau vorangetrieben wird. Wie weit? Wohin? Bis zu Embargo-Maßnahmen, wie sie seit einem Jahrzehnt gegen den Iran gelten? Dann würde ein ökonomischer Boykott Russlands praktiziert, den es so nicht einmal in den heißen Zeiten des Kalten Krieges gab. Von den fatalen Folgen solcher Restriktionen abgesehen, wäre deren Wirkung schon deshalb zweifelhaft, weil es parallel keine UN-Sanktionen wie im Fall Irans gäbe. Russland, vermutlich auch China würden im UN-Sicherheitsrat ihr Veto einlegen. Das heißt, die Sanktionsdramaturgie erreicht irgendwann ihren toten Punkt. Ein Anreiz, rechtzeitig und gründlich über Ausstiegsszenarien nachzudenken.

Die EU wird sich entscheiden müssen, ob sie in der Ukraine Konfliktpartei bleiben oder Vermittler werden will – mit einem annähernd gleichen Abstand zu Moskau und Kiew. Man kann dies auch so formulieren: Es geht nicht um die Konfrontation mit Russland, sondern um die Erlösung vom Zwang zu solcherart Konfrontation. Michail Gorbatschow hat einst das Verhältnis der Sowjetunion zu den USA von diesem Zwang befreien wollen, um einer Welt zu dienen, die kein „rotes Telefon“ mehr braucht.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 32/14.

Kommentare (31)

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Ehemaliger Nutzer 11.08.2014 | 09:48

gorbi hier zu bedienen ist nicht euer ernst? er hat damals, im gegensatz zu einen anderen grauköpfen im zk, erkannt das die zeichen der zeit für ein anderes system besser stehen. er hat damals alles getan um das sowjet imperium zu retten. er hatte den litauern den strom, gas und lebensmittelzufuhr abgeschnitten um die abspaltung zu verhindern. anders verfuhr er auch nicht mit georgien und anderen baltischen teilstaaten. das in berlin 89 nicht mehr passiert ist haben wir wohl dem schlafenden sowjet botschafter zu verdanken und den dienern die angst hatten ihn wecken zu wollen, sonst wäre in der nacht zum 10.11 wohl nocheinmal militär ausgerückt.

die herren volksvertreter müssen endlich kapieren das krieg kein lösungsansatz ist um differenzen auszuräumen und das europa das spiel mit oder auch allein spielt um russland weiter einzuengen macht mich traurig als europäer. aber vielleicht ist auch nur die retourkutsche dafür das putin das böse spiel gegen assad ncht mitgespielt hat und nun muss halöt er als bösewicht hinhalten... ausgang ungewiss? aber bitte, nie wieder krieg

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Ehemaliger Nutzer 11.08.2014 | 10:28

Die EU wird sich entscheiden müssen, ob sie in der Ukraine Konfliktpartei bleiben oder Vermittler werden will

Europa ist Dackel der Amis, D ist neben GB der wichtigste Brückenkopf der Amerikaner. Durch und durch unterwandert und überwacht.

Eine Partei die nicht bedingungslos zur Nato steht, wird schon gerne mal als "noch nicht regierungsfähig" von den ebenfalls transatlantischen Medien eingestuft. Und während GB den europäischen Finanzmarkt kontrolliert, kontrolliert D die europäische Industrie.

Ob es in einem künstlichen Konflikt, den die USA aus Eigeninteresse herbeiphantasiert haben, was zu vermitteln gibt, sei mal dahingestellt. Dass die dumme Merkel laut nach Sanktionen schreit, ist nicht unbedingt ermutigend.

Sprechen wir es endlich aus:

1) wir haben keine Demokratie

2) wenn die oligarchischen Netzwerke und ihre Politfunktionäre Krieg wollen, dann werden sie welchen machen

3) wir werden dafür bluten und am Ende wieder die ganze Schuld aufgebürdet bekommen, so ist es doch immer

primaklima 11.08.2014 | 11:01

Noch nie, seit den Ende des Kalten Krieges war die Diplomatie so sprachlos. Es ist erschreckend wie leichtfertig man eine latente Kriegsgefahr ausblendet und sich auf einen ideologischen Fundamentalismus von Gut und Böse zurückzieht. Und hier muss man eindeutig zu vorderst den Westen benennen. Nichts als Provokationen hat der Westen zu Zeit als Antwort. Nicht etwa dass man es nicht anders könnte. Es besteht vielmehr offensichtlich der Wille zur Eskalation. Immer wieder wird Nato Kriegsgerät in die Bereiche der Russischen Grenzen herangeführt. Ebenfallt im Juli ein US Atom-U-Boot in der Barentssee die Seegrenze Russlands näherte und nach seiner Entdeckung aus dem Gebiet unter Begleitung wieder verschwand. Wer möchte in Kenntnis der Beinaheunfälle zu Zeiten des Kalten Krieges ausschließen das es zum äußersten kommt. Es ist an der Zeit die westlichen Regierungen auf den Boden der Diplomatie zurück zu holen bevor es zu spät ist. Dazu gehört zu allererst das Poroschenko klar gemacht wird das er die Kriegshandlungen im Osten der UA beendet. Die EU muss Washington klar machen das sie die Eskalation durch die USA nicht weiter mittragen. Merkel und Co. haben eine Verpflichtung gegenüber den Menschen in Europa.

gelse 11.08.2014 | 12:18

>>…aber vielleicht ist auch nur die retourkutsche dafür das putin das böse spiel gegen assad ncht mitgespielt hat.<<
Für so emotional nachtragend halte ich die die herrschenden Arschlöcher nicht. Eher haben sie ein Problem damit, dass einige Länder aus der ökonomischen Abhängigkeit von EUSA ausbrechen wollen und versuchen nun, das rohstoffreichste Land aus dem sich bildenden Bündnis herauszubrechen.

Hans Springstein 11.08.2014 | 13:12

Das ist wunderbares theoretisches Politikjournalistendenken:
Die EU wird sich entscheiden müssen, ob sie in der Ukraine Konfliktpartei bleiben oder Vermittler werden will – mit einem annähernd gleichen Abstand zu Moskau und Kiew.

Die EU hat sich längst entschieden, als sie das EU-Assoziierungsabkommen für die Ukraine vorbereitete und u.a. auf Warnungen wie diese aus der von der Bundesregierung finanzierten Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) nicht hörte: "Mit Ausnahme des geopolitisch unbedeuteten Moldova würde ein EU-Beitritt eines der ÖP [Östliche Partnerschaft]-Staaten die Tektonik des postsowjetischen Raumes gravierend verändern und massive Reaktionen Russlands zur Folge haben." (SWP: EU-Erweiterung. Vorschläge für die außenpolitische Flankierung einer Beitrittspause; März 2011)

Und sie wird sich nicht mehr umentscheiden, seit sie den Staatsstreich in Kiew im Februar 2014 mitbeförderte. Davon zeugen aktuelle Meldungen wie diese: "Die Europäische Union schickt sich an, auch personell in den Bürgerkrieg in der Ukraine einzugreifen. Wie die Bundesregierung in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion bestätigt, hat die geplante Polizeimission der EU auch einen militärisch relevanten Charakter. Ungeachtet ihrer Selbstbezeichnung als »Beratende Mission für eine Reform des zivilen Sicherheitssektors« richte sich die Tätigkeit der EU-Experten »an die Sicherheitsbehörden in der Ukraine in ihrer Gesamtheit«, so die Bundesregierung. Darin sind Armee und Nationalgarde eingeschlossen. ...
Ziel der EU-Mission sei es, die ukrainische Regierung in die Lage zu versetzen, die volle Kontrolle über alle Landesteile zurückzuerlangen. Dazu sollen sämtliche – polizeilichen wie militärischen – Sicherheitskräfte von den EU-Beratern inspiziert, beraten und auch angewiesen werden. ..." (junge Welt, 11.8.14)

Natürlich ist es schwierig, Alternativen zu finden. Zu sehen sind zumindest keine, nur eben theoretische ...

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Ehemaliger Nutzer 11.08.2014 | 13:48

Es sieht alles leider so aus, wie Sie die Lage beschreiben. Als ich zuletzt in Kiew war, wollten die damals selbst nicht glauben, dass der Westen sie ohne Kritik unterstützt. Ohne die wohlgelenkten westlichen Medien wäre das auch nicht gegangen. Herr Herden, ich frage mich immer öfter, was will der Westen? Will er sich von Obama in einen Krieg aus Versehen hinein ziehen lassen oder ist das Ziel, dass so, wie andere sogenannte Diktatoren und dazu wird man ja schnell, wenn die Journaille das entscheidet, daß der Putin an einem Strick über dem Roten Platz geschleift wird? Oder ist die Frage blöd, weil es den Westen so in dieser Form längst nicht mehr gibt?

Amerikanische Informationsmacht gegen Gutmenschennaivität und deutsches Untertanentum, geht das Spiel eher so? Dann könnte man hinterher noch sagen, dass man das nicht gewollt hat, wenn Putin tot ist. Am wechselnden Umgang mit Assad sieht jeder, der es sehen will, was los ist in der Welt . Gutes ist nicht mehr zu erwarten, jetzt geht es um die absolute Weltmachtstellung der USA und da sind nur Leute eingeladen, die das akzeptieren.

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Ehemaliger Nutzer 11.08.2014 | 14:27

Mir kommt das bereits seit der unfassbaren Hinnahme der US-Totalüberwachung der deutschen Zivilgesellschaft vor, als wäre da hinter den Kulissen ein Paradigmenwechsel geschehen, der dem Ermächtigungsgesetz von 1933 in nichts dasteht. Als damals alle Politiker- & Medienäußerungen nur das Bemühen zeigte (selbst der scheinbar kritschen), die Totalität des Zugriffs der NSA gerade auf Deutschland misszuverstehen & auch klar war, dass sich diese Dimension selbt nicht durch den Wunsch der unverschämtesten aller denkbaren Formen der Wirtschaftsspionage erklären lässt, habe ich mich damals gefragt: Zu welchem politischen Ziel wollen die eine derart totale Kontrolle? (Wir waren ja schließlich weit davon entfernt, vor einer sozialistischen Revolution zu stehen, die dem US-Kapital den Zugriff institutionell unmöglich gemacht hätte.)

Um die Zeit der Sotchi-Spiele dämmterte mir etwas, aber dem Sturz der Regierung Janukowitsch der Implementierung von Bandera-Anhängern wurde mir flau. Es geht tatsächlich darum, Deutschland - Zivilgesellschaft, Politikerelite, Medienkosmos - so in Fesseln zu halten, dass wir uns auch in einen dritten Weltkrieg gegen Russland treiben lassen. Seitdem wird mir bei jeder Nennung des Topos von "unseren amerikanischen Freunden" durch Politiker grundsätzlich speiübel. Mir fällt dann der Spruch von den dümmsten Kälbern ein ("suchen sich die Metzger selber").

Wären wir nicht alle domestizierte Dumpfbacken, die noch den Instinkt hätten, sich nicht kampflos zur Schlachtbank führen zu lassen, marschierten wir alle zu Millionen auf den Straßen.

Warum tun wir's nicht? Ich habe Kinder - & reichlich Grund hierzu. Wer sonst noch?

Selbst in ihrem Artikel, Herr Herden, sehe ich noch den verzweifelten Wunsch alles runterzuspielen. Was haben wir davon? Noch ein paar gute Tage, bevor es richtig knallt?

Ich sitze in den Startlöchern. Anscheinend immer noch recht einsam. Ich habe auch schon mehreren Friedensorganisation und den Linke geschrieben. Ob die nicht vielleicht eine Demonstrationsanmeldung vornehmen wollten? Ohne Erfolg. Fürchten die alle - jetzt? - noch um ihre Karriere??? Es steht mehr auf dem Spiel! (1933 gab's zumindest noch ein paar Hunderttausende, die Opposition & Widerstand versuchten. Und jetzt?)

Ich versteh's nicht!

knattertom 11.08.2014 | 15:22

Interessanter Beitrag, danke dafür. Mir ist dieses hier aufgefallen:

"Bisher jedoch geben die USA wie die EU mit verschärften Sanktionen gegen Russland zu verstehen, dass die Kraftprobe mit Moskau vorangetrieben wird. Wie weit? Wohin?"

Wozu diese Meldung von dpa gestern irgendiwe so überhaupt gar nicht zu passen scheint:

Putin startet Russisches-Amerikanisches Ölförderprojekt in der Arktis

Ich hatte gestern bereits einen kleinen Beitrag dazu verfasst.

In den dreissiger und vierziger Jahren, war es wohl einfach so, dass die amerikanischen Wirtschaftsmächtigen in kompletter Opposition zum Präsidenten Roosevelt gehandelt haben, und ihnen das Gesetz und eine Geldstrafe herzlich egal war.

Heutzutage kann man wohl kaum davon ausgehen, dass Exxon in Russland Verträge abschliesst, ohne das die US-Regierung darüber informiert ist. Vielleicht soll das ja einen Nebenstrang des Schauspiels anknüpfen, die Episode: pragmatische Wirtschaftsentscheidungen gegen moralisch integere und unabhängige Politik. Zur Not zahlt Exxon dann am Ende (wieder) eine kleine Geldstrafe......

miauxx 11.08.2014 | 17:01

"Die EU wird sich entscheiden müssen, ob sie in der Ukraine Konfliktpartei bleiben oder Vermittler werden will – mit einem annähernd gleichen Abstand zu Moskau und Kiew."

Es sieht doch eigentlich nur nach Konfliktpartei aus. Zumindest, wenn man dem Medienkanon folgt. Was wirklich zwischen z.B. Berlin und Kiew am heißen Draht abgeht, erfahren wir ja nicht. Das, zumindest vorübergehende, Waffenstillstandsangebot der Separatisten etwa wird allein als moskowiter Taktikmanöver gegeißelt. Dass Kiew offenbar auch wenig Interesse an der Untersuchung der Absturzstelle von MH17, mithin der Bergung verbliebener Leichen, hat, wird nicht von scharfer Kritik begleitet. Man könnte fortfahren ... Kurz: Kiew kann machen.

Sollte das tatsächlich auch Vereinbarung zwischen eben z.B. Berlin und Kiew sein, muss man allein den Eindruck haben, die EU wolle auf's Ganze gehen: Eine Klärung von Kräfteverhältnissen mit Moskau. Die Ukraine bliebe dabei nur ein Spielbrett, auf dem eben andere die Spielsteine verschieben. Nach Vermittlung sieht es jdf. überhaupt nicht aus (s.o.). Schleierhaft bleibt mir dabei nur, wie angenommen werden könnte, Moskau würde schon bald angesichts der Sanktionen einknicken - denn das ignorierte v.a. die ja doch von Europa recht verschiedene Verfasstheit im Lande. Und ich wäre mal gespannt auf die angeblich 52% der Deutschen, welche sogar den Verlust ihres Arbeitsplatzes inkaufnehmen würden, um Putin so richtig eins auszuwischen, wie uns der SPIEGEL kürzlich glauben machen wollte.

Und falls alles nichts hilft: Rasmussen hält der Ukraine ja nach wie vor die Tür in die NATO offen. Mehr "Schlafwandlerei" geht eigentlich nicht!

Scharf 11.08.2014 | 19:30

Knattertom ich denke auf die Regierung/den Präsidenten in den USA kommt es überhaupt nicht mehr an, dieser ist in jedem Fall ein Lakai des "Militärisch industriellen" Komplexes" vor dessen Machtübernahme schon Eisenhower gewarnt hat. Diese Machtübernahme hat stattgefunden, und sie ist absolut und total. Besagter Komplex hat in den USA mehr Macht als Putin in Russland je haben wird.

Und deer militärisch industrielle Komplex will seine Interssen mehrfach gewahrt wissen: Er will Russland und deutschland endgültig auseinander und gegeneinander aufbringen, er kalkuliert mit Einnahmen aus einem Stellvertreterkrieg wie er momentan versteckt schon stattfindet, noch besser wäre in seinen Augen eine Auseinandersetzung Russland -Deutschland bei der er zusehen und abermals verdienen könnte, und er will auch auf "normalem" Weg verdienen, auch hier sollen die Sanktionen wohl für alle gelten, aber nicht für die USA.

Eppendorfer 12.08.2014 | 13:35

@ALPHABETTA

Nein, Sie sind nicht allein.

Auch ich habe (erwachsene) Kinder und ebensoviel Grund zur Sorge wie Sie.

Angesichts der anlasslosen Totalüberwachung bin ich allerdings mehr als besorgt. Ich bin empört und wütend - und ich bin schockiert ob des Desinteresses seitens vieler meiner Mitmenschen hier.

Vor einigen Wochen war ich auf einer Demo zum Jahrestag der Snowden-Enthüllungen (Motto: Ein Bett für Snowden). Es war traurig zu sehen, dass in der zweitgrößten Stadt dieses Landes kaum mehr als zwei Duzend Leute teilnahmen. Davon kaum einer unter 30.

Trotzdem dürfen wir uns nicht entmutigen lassen!

Am 30. August werde ich in Berlin dabei sein (http://stopwatchingus.info). Sie auch?

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2014 | 13:50

Ich übertreibe? Wahrlich nicht! Gerade so erlebt: man kommt über den Atlantik gedüst für 5 Tage, eine fünfminütige Aufwartung pro Tag an Granma's Sterbebett, den Rest des Tages Katzenbilder kichernd auf besagtem Gerät abwischen. Man, nein frau war 25! Übrigens: selbst "auf IT" war das Mäusekino aktiv! Muß ich mehr sagen?

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2014 | 13:50

Ich übertreibe? Wahrlich nicht! Gerade so erlebt: man kommt über den Atlantik gedüst für 5 Tage, eine fünfminütige Aufwartung pro Tag an Granma's Sterbebett, den Rest des Tages Katzenbilder kichernd auf besagtem Gerät abwischen. Man, nein frau war 25! Übrigens: selbst "auf IT" war das Mäusekino aktiv! Muß ich mehr sagen?

Manfred Fröhlich 12.08.2014 | 19:20

Angela Merkel Könnte Michail Gorbatschow folgen

In die Zuspitzung des Ukraine-Konfliktes wird auf beiden Seiten mehr "investiert", als in eine friedliche Einigung. Es scheint so, dass auf beiden Seiten keiner nachgeben will. - Beide Supermächte nehmen bewusst in Kauf, dass ein Krieg tatsächlich "aus Versehen" ausbrechen kann.

Das es in diesem Jahrhundert, im westlichen Bündnis keinen Menschen gibt, der die Größe eines Michail Gorbatschow aufbringen kann, darin besteht das eigentliche Drama. - Aber wenn schon der amerikanische President Obama, für diese großartige Rolle ausgefallen ist, dann hätte ich doch erwartet, dass unsere Kanzlerin diese Aufgabe - den Frieden zu bewahren - als ihre erste Pflicht erkennen würde.

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Ehemaliger Nutzer 13.08.2014 | 12:23

Was erwarten Sie denn von der Kanzlerin allzu Großes? Auch wenn sie damals - halb so alt wie heute - in der Uckermarck ihre Zukunft plante, so hat sie vielleicht doch gelegentlich '84 als Nena von ihren Luftballons trällerte, Westsender gehört. Wie hieß es im Lied zum Schluss: Kriegsminister gibts nicht mehr und auch keine Düsenflieger. Vielleicht will sie sich nur ihren Traum aus ihrer späteren Jugend wahr machen. Lebe deinen Traum!

Verzeihen Sie mir diesen Ausflug ins Triviale, die Frage ist: geht es denn noch anders?

Scharf 13.08.2014 | 20:09

Was man bei all dem hin und her, wer hat wann warum angefangen, und bei dem von den Zeitungen konsequent übersehenen, und den Lesern mit Entsetzen bemerkten gänzlichen moralisch sittlichem Verfall der USA meiner Meinung nach viel zu wenig "würdigt" ist die absolute Gleichschaltung der deutsch österreichgischen Presse zu einer USA CIA Hofberichtserstattung, welche bereits gleichrangig neben der Tausendjähriges Reich, Goebbels und Julius Streicher/Stürmer Berichterstattung rangiert.

Dieser vollkommene Verzicvht auf Interpretaton des Geschehens, Beleuchtung aller handelnden Parteien, reduziert einzig auf eine Dämonisierung des russischen Handelns, dieser Versuch gegen jede Realität, Putin zu einem Adolf Putin um zu verleumden hat bereits wahrhaft Goebbels hafte Ausmaße angenommen.

Sie sind schlicht nichts anderes als ein gänzlicher Offenbarungseid selbst bescheidenster journalistischer Moral.

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Ehemaliger Nutzer 13.08.2014 | 20:43

Wieviel Masochismus will eigentlich Frau Merkel sich und den Deutschen noch abverlangen. Da ist abzusehen - schon in den nächsten Stunden, spätestens Tagen - wie in Kiew per Parlament der Gashahn der Gazprom nach Deutschland zugedreht wird, wie Sanktionen und Gegensanktionen und Sankt .... Umsatz- und Wachstumschancen konjunkturwirksam zusammen schmelzen lassen. Und gleichzeitig der transatlantische Freund und Mobber sich per EXXON in Sibirien einträchtig den zukünftigen Energiemarkt in die eigene Botanisiertrommel steckt. Wie weit muß denn die Einfaltspinselei noch gehen bei der guten Frau? Wann fällt auch noch dem letzten Esel auf, dass das nur noch schierer Eidbruch ist. Von wegen "Schaden von ihm wenden!"

Scharf 13.08.2014 | 23:16

Politik ist ein hartes und für den Außenstehenden oft nur schwer zu durchschauendes Geschäft.

Bei längerer Beobachtung von Frau Merkels Handeln fällt auf das sie sicher kein Einfaltspinsel ist, ganz im Gegenteil sie dürfte eher zur seltenen Sorte des wirklich intelligenten Politikers gehören.

Darum drängt sich natürlich die Frage nach der Ursache ihres Lakaien artigen Verhaltens gegen die USA auf.

In dem Titel das Deutschland 1945 ein besiegter Staat war ist sicher nicht die Ursache zu finden, die heutigen Druckmittel der USA aus der Ursach sind allenfalls homoöpathischer Natur.

Was also? Ist sie bestochen? Oder ist sie erpressbar? Woher kommt ihre Schoßhundartige Gefügigkeit gegen die USA, und die kaum verhohlene geringschätzige Verachtung Obamas für sie?

Bedenkt man das Ausmaß und den Aufwand der Spionage welche die USA bie ihren "Freunden" betreibt, so ist es keineswegs abwegig zu vermuten dass sich die USA viele europäischen Politiker durch Erpressung gefügig gemacht haben, sei es weil sie um des einen oder anderen bizarre Neigung wissen, dunkle Flecken in dessen Biographie kennen (Stasi) oder Beweise für Käuflichkeit haben, oder sie haben schlicht selber viele europäische Politiker gekauft/gefügig gemacht.

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Ehemaliger Nutzer 14.08.2014 | 00:40

Mit Ausnahme Ihrer Einstellung zur Einfaltspinselei kann ich zugeben, so habe ich auch mal gedacht und es ist nicht allzu lange her. Seit der zwangsweisen intensiven Beschäftigung mit dem derzeitigen, mehr als desolaten Zustand von Weltfrieden, in den Konfliktzonen (deren es selten so viele gab wie momentan) bin ich zwischenzeitlich der absoluten Überzeugung, daß da weit Schlimmeres dahinter steckt als ein paar irre gewordene Neoliberale, Bushkrieger, dem überbordenden oder dem in der Existenz bedrohten Militärisch-kapitalistischen Komplex in den USA, einem Zündeln mächtiger interessierter Kreise à la Bilderberger. Da muß etwas weit Bedrohlicheres dahinter stecken. Sie werden jetzt sagen: schon wieder dieser Verschwörungstheoretiker. Nein, ich rede nicht von Verschwörungen. Das ergibt keinen Sinn. Was derzeit abläuft, und sich gegenseitig so wunderbar im Zusammenspiel beschleunigt, kein Rädchen hakt mit anderen, alles flugs auf dem Weg auf den Abgrund hin, ist unbegreiflich aber existent und nicht aufzuhalten. Und alle machen mit! Wie die Lemminge!