Hehler

DRESDNER BANK Goldgruben von Auschwitz bis Treblinka

Hinter dem ersten Tank, da kommt der Doktor Rasche von der Dresdner Bank« hieß es ab 1939 im von den Nazis okkupierten Europa. Gemeint war der damalige Direktor des honorigen Bankhauses, der im Sog von Guderians schnellen Panzerspitzen oder Sepp Dietrichs SS-Elitekorps Pfründe sicherte, wenn in den unterworfenen Ländern Beute zu machen war. So pflegte man, was schon bei der sogenannten »Entjudung« der deutschen Wirtschaft ab 1933 bestens gedieh: das blinde Verstehen zwischen Dresdner Bank AG und Nazistaat. Eine soeben vorgelegte Studie des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts belegt nun - wenig überraschend -, wie das auch beim Mord an Millionen Juden funktionierte. Die Dresdner Bank zählte zum erwählten Kreis deutscher Geschäftsbanken, die während des Zweiten Weltkrieges ihre Goldverkäufe bis in die Türkei ausdehnten. Veräußert wurde nicht zuletzt das aus SS-Beständen bezogene Melmer-Gold, bei dem es sich um Schmuck oder Zahngold vergaster Juden handeln konnte.

Anläßlich ihres 125-jährigen Geschäftsjubiläum von 1997 durfte man erfahren, wie sich die Dresdner Bank selbst zu feiern versteht, ihren guten Name preist, umgeben vom grünen Band der Sympathie, das man gelegentlich als Augenbinde trägt, um gegenüber eigener Geschichte blind zu sein. Denn zwölf Jahre dieser Geschichte, die in das braune Band der Sympathie für Adolf Hitler und Heinrich Himmler gehüllt waren, bleiben in der Regel ausgeblendet. Auch damit empfiehlt sich dieses Bankhaus als eherne Säule des Staates Bundesrepublik Deutschland, der offenbar damit leben kann, wenn seine Wurzeln bis in die Totenfelder von Auschwitz und Treblinka zurückreichen. Das berührt den Gründungsmythos dieser Republik, an dem natürlich nicht zu rütteln ist, nur weil in Berlin ein Mahnmal für die ermordeten Juden Europas auf der Tagesordnung steht. Doch ihren Tod widerspiegeln auch die »schwarzen Zahlen«, deren sich die Dresdner Bank bis 1945 in ihren Bilanzen sicher sein konnte. So sicher, daß davon auch das Grußwort eines ehemaligen Bundeskanzlers zu besagtem Firmenjubiläum nicht in Frage zu stellen war. Eine günstige Gelegenheit übrigens, um zu erleben, wie den Eliten dieses Staates die Heuchelei zur ehrlichen (zweiten) Haut geworden ist.

Wen wundert es? Carl Goetz, Aufsichtsratsvorsitzender der Dresdner Bank ab 1936, ließ Konten für die Gewinne von SS-Firmen einrichten, wodurch sich an Himmlers »Vernichtung durch Arbeit« mitverdienen ließ. Nach 1945 blieb Goetz nicht unbehelligt, erst stellten ihn die Alliierten vor Gericht, dann dekorierte ihn die Regierung Adenauer mit dem Bundesverdienstkreuz. Schließlich schlugen seine Wünschelruten wieder heftig aus, neue Goldadern waren aufgetan, zum Wohle der Bank. »Ohne jeden Hochmut sind wir stolz auf die Geschichte unseres Hauses und stellen uns dabei durchaus den Lehren der Vergangenheit« hatte Jürgen Sarrazin, ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Dresdner Bank, zur 125-Jahr-Feier erklärt. Ein gnädiges Urteil mochte ihm diesen Stolz als Lüge ankreiden. Ein weniger freundliches als unbedingte Ehrlichkeit durchgehen lassen. Als das Bankhaus 1872 gegründet wurde, zeichnete auch der jüdische Bankier Eugen Guttmann für das erste Stammkapital. 1933 wurde er enteignet und mußte nach England emigrieren. Offenbar weil es die »Lehren der Vergangenheit« so fordern, findet sich davon kein Wort in der Festschrift zum 125-jährigen Firmen-Jubiläum.

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Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur „Politik“, zuständig für „Ausland“ und „Zeitgeschichte“

Lutz Herden studierte nach einem Volontariat beim Studio Halle bis Ende der 1970er Jahre Journalistik in Leipzig, war dann Redakteur und Auslandskorrespondent des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in Berlin, moderierte das Nachrichtenjournal „AK zwo“ und wurde 1990/91 zum Hauptabteilungsleiter Nachrichten/Journale berufen. Nach Anstellungen beim damaligen ORB in Babelsberg und dem Sender Vox in Köln kam er Mitte 1994 als Auslandsredakteur zum Freitag. Dort arbeitete es von 1996 bis 2008 als Redaktionsleiter Politik, war dann bis 2010 Ressortleiter und danach als Redakteur für den Auslandsteil und die Zeitgeschichte verantwortlich.

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