In Harnisch und Waffen

Nahost Es hat nicht nur den Anschein, sondern wird durch Tatsachen erhärtet, dass mit der Nahost-Tour Donald Trumps mehr denn je Schlachtordnungen formiert werden
In Harnisch und Waffen
Empfang für die Trumps in Riad
Foto: Bandar al-Jaloud / AFP

Donald Trump hat bei seiner Rede in Riad einen Neuanfang beschworen, den er im Verhältnis der USA zur islamischen Welt für angebracht hält.

Tatsächlich handelt es sich um eine Fortschreibung der strategischen Partnerschaft mit Saudi-Arabien und einigen Golfalliierten, die dieser US-Präsident offenbar mit weniger Skrupeln betreibt als Vorgänger Obama. Viel Weisheit wohnt dem nicht inne, Weitsicht oder Kalkül wohl schon. Was besonders mit dem geplanten gigantischen Aufkauf amerikanischer Waffen durch die saudische Monarchie zum Ausdruck kommt. Einen Wert von 110 Milliarden Dollar soll haben, was innerhalb der nächsten Jahre zu liefern ist. Das Portfolio dieses Transfers umfasst Patrouillenboote für die Küstenwache ebenso wie das Flugabwehrsystem Thaad, Kampfhubschrauber ebenso wie Panzer und gepanzerte Fahrzeuge.

Damit wird der maßgebliche Akteur eines Weltkonfliktes nicht nur hochgerüstet, sondern zugleich in Stellung gebracht. Dieser Konflikt wird in Syrien, im Jemen, im Irak oder in Libyen längst ausgetragen, hat aber noch nicht die Ausmaße erreicht, die – angesichts der Ziele, um die es geht – denkbar erscheinen: Es geht um eine Rückkehr zur sunnitischen Hegemonie. Die wäre nur durchsetzbar, würde die schiitische Regionalmacht Iran in die Schranken gewiesen, in ihrem Aktionsradius beschnitten, in ihrem militärischen Potenzial getroffen.

Nahöstlicher Urkonflikt

Ein kurzer Blick zurück. Teheran hat davon profitiert, dass die USA im Frühjahr 2003 die Diktatur des sunnitischen Herrschers Saddam Hussein im Irak überrollten und stürzten. Schließlich hatte es zwischen Iran und Irak zwischen 1980 und 1988 einen langen, zermürbenden und extrem opferreichen Krieg um regionale Vorherrschaft gegeben, der keinen Sieger hatte.

Die US-Intervention im Irak wie die Etablierung eines schiitisch gefärbten Regimes in Bagdad verschafften dem Iran dann aber einen unerwarteten schiitischen Frühling, um den es freilich seit 2011, seit der Schlacht um Syrien, geschehen ist. Es stoßen in diesem Bürgerkrieg wie im gesamten nahöstlichen Krisenbogen bei allen Schattierungen der Kombattanten letztlich zwei Gemeinschaften aufeinander, die sich auf den theologischen Urkonflikt zwischen Sunna und Schia, Sunniten und Schiiten, berufen. Die Entfremdung zwischen beiden Lagern geht bis ins 7. Jahrhundert zurück. Sie hat sich einst an der Frage nach dem Nachfolger des Propheten Mohammed entzündet.

Hinter dem Schleier

Dass es seither immer wieder Perioden eines friedfertigen Umgang miteinander gab, zeigt allerdings, dass nicht zuvörderst Glaubensdogmen die Koexistenz zwischen Sunniten und Schiiten verhindert haben. Hinter dem religiösen Schleier wurden Kriege und Machtkämpfe ausgetragen, ging es Einflusssphären und -begehren, kulturelle Prägungen und soziale Identitäten – kurzum all jene Ansprüche, die im Streben nach Hegemonie kulminieren.

Die Intervention der Golfallianz unter saudischer Führung seit 2016 im Jemen folgt fraglos solchem Antrieb. In diesem Land soll ein Machtwechsel zugunsten der Huthi-Rebellen um nahezu jeden Preise verhindert werden. Deshalb reißen die Luftangriffe nicht ab. Die Bürgerkriegspartei der jemenitischen Huthi rekrutiert sich von der religiösen Zuordnung her mit den Zaiditen aus einer schiitischen Gruppierung, die nicht zwingend den Schluss nahelegt, fünfte Kolonne des Iran zu sein.

Aber allein, dass sich mit den Huthi-Rebellen ein potenzieller Partner Teherans durchsetzt, ist für Riad und seine Partner offenkundig Grund genug, dies unbedingt verhindern zu wollen, so dass dem Jemen schon jetzt das Schicksal eines "failed state" beschieden ist. Die USA haben dabei klar zugunsten der wahhabitischen Autokratie Partei ergriffen.

Es entspricht dem Trend zur unilateralen Egomanie, der sich die Trump-Administration teilweise verschrieben hat, in Saudi-Arabien die regionale Ordnungsmacht par excellence zu sehen. Sie zu fördern, genießt absolute Priorität. Damit lassen sich vier Effekte begünstigen: Es wird damit zunächst eine arabisch-islamische Macht protegiert, die eine Militärallianz sunnitischer Mächte über die vorhandene Golfallianz hinaus um sich scharen will – und kann. Allein durch die angestoßene Aufrüstung wird zweitens die Gegenmacht zum Iran derart gestärkt, dass die USA einen überaus potenten, demnächst wohl unschlagbaren Verbündeten an ihrer Seite haben, sollte gegenüber Teheran wieder zur Konfrontation übergegangen und möglicherweise das Nuklearabkommen geschleift werden. Bei seiner Rede im Königspalast von Riad hat Trump bereits die ideologische Trommel gerührt und die Islamische Republik zum gemeinsamen Feind erklärt,

Was allein zählt

Zum Dritten wird Israel von der Achse Riad-Washington profitieren, weil die sich gegen alle jene Kräfte auf dem nahöstlichen Subkontinent richtet, die von der Regierung Netanjahu als feindliche Mächte betrachtet und bekämpft werden: natürlich zuerst der Iran, dazu das Syrien des Präsidenten Bashar al-Assad, die schiitische Hisbollah im Libanon und die palästinensischen Organisationen, die sich der Westbank-Landnahme durch fortgesetzten Siedlungsbau nicht so willig fügen wie die Autonomiebehörde in Ramallah unter ihrem Schaufenster-Präsidenten Mahmud Abbas.

Schließlich wirkt die sich um die USA und Saudi-Arabien formierende Allianz wie eine Kompensation dafür, dass sich in Syrien das Baath-Regime auf dem Terrain eines Kern- oder Rumpfstaates behaupten sollte. Donald Trump kann bei einem möglichen Arrangement mit der russischen Schutzmacht Assads damit rechnen, dass ihm Saudi-Arabien nicht in die Quere kommt. Deren Führer verlassen sich darauf, dass der Schulterschluss gegen Teheran für alles entschädigt, was da ausgehandelt wird. Und allein das dürfte zählen.

13:37 24.05.2017
Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur Politik
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Lutz Herden

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