Lutz Herden
05.01.2016 | 12:39 28

Kartenhaus Syrien-Diplomatie

Saudi-Arabien/Iran Riad und Teheran haben sich derart ineinander verhakt, dass es höchst fraglich erscheint, ob man sich demnächst wieder bei Wiener Verhandlungen begegnen will

Kartenhaus Syrien-Diplomatie

König Salman muss Erfolge vorweisen

Foto: Saul Loeb / AFP-Getty Images

Um dem Vorwurf des Zweckpessimismus zu entgehen, hat es sich seit Wochen eingebürgert, eine wiederbelebte Syrien-Diplomatie mit Zuversicht zu bedenken. Dafür gab es einen Hoffnung vermittelnden Anlass. Immerhin schienen sich die USA und Russland in einer Zweckallianz der Vernunft arrangiert zu haben. Beide Großmächte standen zwar im Syrien-Konflikt noch längst nicht auf einer Seite, hatten sich aber offenbar auf eine gemeinsamen Feind verständigt, den es zu beherrschen, wenn nicht zu schlagen galt: Den Islamischen Staat (IS) und die von ihm ausgehende Kalifatisierung großer Teile Syriens.

Parallel dazu gab es vermehrt Anzeichen dafür – vor allem im Irak durch den Verlust von Sindjar im Norden und großer Teile der Stadt Ramadi unweit von Bagdad –, dass die militärischen Träume der Dschihadisten nicht länger in den Himmel wuchsen, sondern in Maßen gestutzt worden.

Niederlage für Riad

Man muss davon ausgehen, ohne vorherigen Verschnitt der IS-Landnahme bleibt jede Syrien-Vermittlung oder -Friedenssuche ein Muster ohne Wert, findet sie doch ohne IS-Präsenz statt und kann daher nur auf IS-Widerstand stoßen. Wie soll unter diesen Umständen eine Waffenruhe implementiert werden, ohne das militärische Störpotenzial des IS derart dezimiert zu haben, dass es ihm verwehrt ist, eine Feuerpause mit seiner Feuerkraft ad absurdum zu führen?

Soll heißen: Jede noch so bescheidene Entspannung für Syrien ist auf eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses in Syrien angewiesen. Es müssen dort die Kräfte vorhanden und handlungsfähig sein, die einen belastbaren Waffenstillstand nicht nur absichern können, sondern dazu bereit sind, weil sie davon profitieren. Solange es keine ausländischen Bodentruppen bzw. Militärmissionen gibt (die nur sinnvoll, weil friedensstiftend operieren können, sofern dafür ein UN-Mandat existiert), rekrutieren sich besagte Kräfte nicht allein, aber vorwiegend aus der Assad-Armee und dem syrische Staat sowie deren Alliierten in Gestalt der Hisbollah-Miliz und des Iran.

Was den syrischen Part angeht, sind das Kräfte, von denen bei Ausbruch dieses Bürger- und Regionalkrieges nicht unbedingt zu vermuten war, dass sie fast fünf Jahre der unerbittlichen Konfrontation überstehen. Geht man vom syrischen Konflikttableau und den externen Paten dort auftauchender Kriegsparteien aus, läuft das den Zielen Saudi-Arabiens und seiner Alliierten – bis hin zum sunnitischen Schwergewicht Ägypten – völlig zuwider.

Eine Befriedung Syriens ohne vorherige Kapitulation des Baath-Regimes ist eine Niederlage für Riad. Dessen Ambition, Syrien mit seiner mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung ins Lager der sunnitischen Mächte „heimzuführen“ und damit saudischer Hegemonie zu dienen, wäre verwässert, wenn nicht gescheitert.

Nach der internationalen Rehabilitierung des Iran durch das Atomabkommen wäre dies die zweite Schmach für König Salman, der erst vor knapp einem Jahr den Thron bestiegen hat und Wert darauf legt, als Regierungschef auch die operative Seite der saudischen Politik zu verantworten.

Was kann daher für den absolutistischen Herrscher einer sunnitischen Regionalmacht näher liegen, als in solcher Lage aus der Phalanx vermeintlicher Syrien-Vermittler auszuscheren und den Kernkonflikt mit dem Erzrivalen, der schiitischen Großmacht Iran, derart anzuheizen, dass die neue Syrien-Diplomatie plötzlich wie ein Kartenhaus wirkt? Das kann jäh in sich zusammenfallen, weil es für Stürme dieser Art nie gedacht, geschweige denn gebaut war.

Als das Drama begann

Das theologische Schisma, das der Konfrontation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran zugrunde liegt, geht auf einen konfessionellen Streit innerhalb der islamischen Gemeinde des 7. Jahrhunderts zurück und bezieht sich auf die Nachfolge des Propheten Mohammed. Sunna und Schia vertreten dazu divergierende Auffassungen von konstitutiver, identitärer Qualität.

Mit anderen Worten, das Drama begann weit vor dem Dreißigjährigen Krieg in Europa. Es ist entschieden älter als die Vereinigten Staaten. Diesen Konflikt mit Waffen auszutragen und für den machtpolitischen Zweck zu instrumentalisieren, hat arabische wie nordafrikanische Geschichte mehr als die osmanische Ära oder die Kolonialzeit geprägt.

Im 20. Jahrhundert gab es durchaus erfolgverheißende Versuche, durch eine Säkularisierung von Gesellschaft und Staaten die Sprengkraft des religiösen Haders zu entschärfen. Man denke an weltliche Regime in Ägypten, Syrien und im Irak – erinnere sich des Nasserismus oder des Baathismus. Sie sind an inneren Widersprüchen, totalitärer Hybris (Saddam Hussein) und begrenzten materiellen Ressourcen gescheitert, aber auch daran, dass der Gottesstaat als Organisationsform arabischer Staatlichkeit mächtige Mäzene kannte. Sie residierten schon immer in Riad und haben sich seit der Islamischen Revolution von 1979 auch in Teheran etabliert.

Mit diesen beiden Mächten war dem Religionskonflikt eine erneute Zuspitzung beschieden, die maßgeblich dazu beitrug, dass aus der Schlacht um Syrien ein regionaler Stellvertreter-Krieg wurde.  Die Syrien-Vermittler USA und Russland stehen dieser Urgewalt mehr oder weniger ohnmächtig gegenüber. 

Kommentare (28)

schna´sel 05.01.2016 | 13:38

"Die Syrien-Vermittler USA und Russland stehen dieser Urgewalt mehr oder weniger ohnmächtig gegenüber."

Sicher sind die USA und Russland die Großmächte, hinter denen sich die Konfliktparteien versammeln. Aber für die Ohnmacht, die Sie bei denen konstatieren verhalten die sich politisch erstaunlich aktiv. Die Russen, sowohl wie die USA, die seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges das logitisch und auch finanziell unterstützen, was sie als "gemäßigte Islamisten" bezeichnen. Das Mantra der Unverzichtbarkeit der Saudi Arabischen Partner ist doch verantwortlich für die Einschätzung Riads, sich solche "Kapriolen" nicht nur leisten zu können, sondern diese im Sinne ihrer eigenen Politik den Friedensbemühungen der Syrien-Vermittler wie eine Verhöhnung vor die Füße zu spucken. Ganz ähnlich wie die Türkei das mit dem Abschuss des russischen Kampfjets vorexerziert hat, just in dem Moment in dem sich die internationale Gemeinschaft in Wien getroffen und den runden Tisch für eine Syrien Konfliktlösung etabliert hatte. Irgendwie scheint das doch Methode zu haben: In dem Moment, in dem es Fortschritte gibt in der Syrien Frage, werden diese durch die "unverzichtbaren Partner" der westlichen Werte-Gemeinschaft torpediert. Die Ohnmacht von der Sie schreiben ist nicht zuletzt ein Interessenkonflikt, der auch von unserer Seite genau die Kräfte unterstützt die gar kein Interesse daran haben, dass es zu einer "Befriedung Syriens ohne vorherige Kapitulation des Baath-Regimes" kommt. Und da liegt das eigentliche Problem: Wir müssen endlich unsere eigenen Interessen, das Interesse, dass da nicht noch mehr und mehr Flüchtlinge, noch mehr IS Terror durch diesen Konflikt erzeugt und nach Europa bzw. in die gesamte westliche welt exportiert werden wirklich von den Interessen unserer "unverzichtbaren Partner" abgrenzen. Und das kann nur jenseits der politischen Rhetorik geschehen, die nach wie vor unseren Alltag als Blockdenken bestimmt.

denkzone8 05.01.2016 | 14:39

über das wahabitentum als staatsgründende ideologie,die härte gegen abweichung und opposition(trotz heuchelei und korruption,beamteter willkür-herrschaft)sollte man funktional denken: durch diese staats-religion legitimiert sich die saud-herrschaft.sie setzt auf monolitische oppositions-losigkeit. alles was im in-und ausland konkurriert,stellt sie infrage.die unterdrückung schiitischer mullah-strukturen im in-und ausland ist zwangsweise geboten, wird eskaliert zur einschüchterung. die legitimation war bisher zusätzlich gestützt durch geld-flüsse, die aktuell schmaler werden. fehlende korruptions-mittel werden durch drohungen funktional ersetzt. ausländischen einwänden zu folgen, hieße für das regime: notwendige optionen aufzugeben, unsicherheiten platz einzuräumen. das system steht innenpolit.an der wand, die existenz-bedrohung abzuwehren. außen-polit.ist es von koalitionen und dem verhalten des regionalen haupt-gegners abhängig. israel, usa,nato sind komplizen in innen-und außen-politik. oder?

derglaubeandassystem 05.01.2016 | 16:58

Lieber Herr Herden, meiner Meinung sind Sie der Versuchung erlegen, den Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien fast vollständig nur durch die unterschiedlichen Konfessionen (bzw. Ausrichtungen derseben Konfession) zu erklären, was so nicht zielführend ist. So ächzt Saudi-Arabien massiv unetr einem niedrigen Ölpreis und neue Konflikte in der Region dürften - so die Hoffnung - zu einem deutlichen Anstieg des Preises führen. Wie in vielen Artikeln der letzten Zeit wiedergegeben wurde, sind die Schatzkammern der schlimmsten Despotie des Planeten am schwinden, denn die vielen Großprojekte, Luxusimporte und Steuerfreiheit für alle Einwohner finanzieren sich nicht von selbst. Ich bin der festen Überzeugung, dass die politischen Führer Saudi-Arabiens ihre Religion nicht halb so ernst nehme, wie sie es von ihrer Bevölkerung erwarten. Religion ist für Herrschende in erster Linie ein Werkzeug zur Kontrolle der Massen (Siehe auch: USA), und wenn sich Herrschende dazu entscheidne, wegen Religion Krieg zu führen, dann spielen immer auch andere Faktoren eine (wichtigere) Rolle (Vgl.: 30-jähriger Krieg).

Aussie42 06.01.2016 | 07:46

Der Saudi-Iran Konflikt ist eine Folge der bisher funktionierenden Vereinbarung am Rande der Verhandlungen des UNSC+G mit dem Iran Anfang letzten Jahres.

Bislang ist alles nach Plan gelaufen. Die Russen sind wie vereinbart praesent. Assad ist wieder Teil der Loesung und nicht mehr Teil des Problems, die umkaempften Zonen sind "bereinigt" d.h. westl Milizen sind abgezogen. usw. Die militaerischen Fronten sind geklaert: Alle gegen IS.

Die beiden "Verlierer" der Vereinbarung, Tuerkei und Saudi-Arabien versuchen von Anfang an zu stoeren.

Die Erdogan ist inzwischen ruhiggestellt, nur die Saudis machen noch Zeck: Jemen-Krieg, jetzt die Provokation des Iran. (Die Sunni-Schia-Rivalitaet wird als "Rahmenhandlung" genutzt.)

Der Iran versucht sich bereits aus der neuen Konfrontation mit den Saudis zurueckzuziehen. Die anderen Aristokraten in Arabien unterstuetzen die Saudis halbherzig. Innenpolitisch setzt der junge, starke Saudi (Verteidigungsminister) alles auf eine Karte und dreht ein grosses Rad. Das kann das Land nicht mehr lange durchhalten, weil keine Erfolge sichtbar sind, weder im Jemen noch im Kampf gegen den Iran. Die USA koennten zudem jederzeit die Luftaufklaerung fuer die Saudis stoppen, dann ist deren teure Luftwaffe wertlos.

All in all: die Saudis werden sich demnaechst beruhigen, weil sie keine Optionen mehr haben.

Die Syrien-Vereinbarung wird derweilen weiter implementiert. UNSC+Ger+Iran brauchen diesen Erfolg, um im naechsten Schritt Irak befrieden zu koennen.

Achja, die Deutschen haben auch ein besonderes Interesse am Frieden in Syrien, denn dann koennen die Fluechtlinge zurueck geschickt werden. Syrien ist dann eine sicheres Herkunftsland....

Achja, die Ukraine Regelung gehoert auch noch ins Vereinbarungs-Paket. Dort ist Kiew der Verlierer. Poroschenko&Co. sind aber finanziell in der Zange und muessen still halten.

Ayhan B. Eren 06.01.2016 | 10:23

Ich stimme Ihrer Analyse -ausnahmsweise;-)- größtenteils zu, Herr Herden. Und auch der Aspekt, den DERGLAUBEANDASSYSTEM beschrieben hat, spielt sicherlich eine grosse Rolle. Was fehlt, istdie alle größte Sorge des saudischen Königshauses. Und das ist der Verlust der Macht in Saudi-Arabien. Religiöse Gefühle und Geld spielen überhaupt keine Rolle mehr, wenn es um die Existenz geht. Deswegen haben die Saudis überhaupt keine Berührungsängste, mit Israel zusammenzuatbeiten, wenn es um gemeinsame Interessen geht. Das war und ist z. B. in Ägypten der Fall. Die Muslim-Brüder waren sowohl für das Königshaus, als auch für Israel eine existentille Bedrohung. Weil sie früher oder später mit Hamas eng kooperiet hätten, waren sie eine große Gefahr für Israel. Und weil die Muslim-Brüder einen "moderaten" politischen Islam vertreten und sich für demokratische Methoden mit islamischen Termini aussprechen, sind sie für saudische Herrscher höchst gefährlich.

Die Lage um Syrien ist tatsächlich sehr explosiv, weil Mullah`s in Iran mit dem Atomabkommen, das merkwürdigerweise auch Erdogan unterstützt hat, einen kräftigen Rückenwind bekommen haben und ihre verlorengegangene Macht in der Region zurückerobern wollen. Die Gefahr, dass die Schiiten in Saudi-Arabien nicht mehr unter Kontrolle gehalten werden können und im Zuge dieser Unruhen auch sunnitische Gegner des Königshauses aktiv werden, ist einfach so groß, dass die Saudis sich entschieden haben, Iran indirekt stopp zu sagen.

Der "Kampf" um dieses relativ kleinen Landes, Syrien, bringt die Welt an den Rand einer Katastrophe jeden Tag näher, weil ein kleiner Diktator, Asad, die Anfänge der Proteste im Land völlig unterschätzt hat und die Großmächte versagt haben und weiterhin versagen.

Verwendungszweck 06.01.2016 | 12:56

In meinem Weltverständnis hat die USA um 2006 grünes Licht für die Eskalation in Syrien gegeben. Damals wurde klar, dass Assad weiterhin die Treue eher zu Russland halten wird. Durch die Depeschen-Leaks wurde bekannt, dass die USA ab 2006 die Exilopposition mit Millionen Dollars unterstütze, um zum Umsturz hinzuarbeiten.

Hier ein Interview eines echten moderaten Oppositionellen aus Syrien. ag-friedensforschung-Syrien-Louay Hussein

Der will allerdings gar nichts von Gewalt hören!
Der sagt, dass selbst die deutschen Hilfsorganisationen, die von der türkischen Grenze aus arbeiteten, den bewaffneten Konflikt anheizten: Hilfe für die, die mit der Waffe um ihre Freiheit kämpfen.

Seiner Meinung nach ist im multiethnischen Syrien mit Waffen nur Chaos zu erreichen. Seit Irak 2003 bin ich überzeugt, dass die USA das Chaos als eine Art Rosskur-Heilmittel im Nahen und Mittleren Osten ansehen.

Saudi Arabien, Katar, die Türkei sehen nur Chancen auf taktische und eingebildete geopolitische Gewinne. Die Fäden ziehen andere.

Ayhan B. Eren 06.01.2016 | 17:36

Hier ein Interview eines echten moderaten Oppositionellen aus Syrien

Dieser moderate Oppositioneller war der Präsident einer Bewegung, die von Assad geduldet, wenn nicht gefördert wurde, während die Anderen brutal niedergeschlagen wurden. Insofern ist es verständlich, dass die Syrier L- Hussein nicht so recht trauen, auch wenn er jetzt zu den Verfolgten des Regimes zählt.

Allein seine Distanz zum syrischen Oppositionsbündnis Nationalrat, der überwiegend von Sunniten besteht (Hussein ist Alewit), zeigt, wie kompliziert es ist, in Syrien einen nationalen Zusammenschluß aller moderaten Kräfte gegen Assad zu bündeln.

Gegen Ihre Theorie, dass die USA grünes Licht für ein Chaos in Syrien gegeben haben sollen, sprechen die vielen Interview´s von Hussein, in denen er die friedlichen Prosteste am Anfang immer wieder bestätigt.

Verwendungszweck 06.01.2016 | 19:01

"Dieser moderate Oppositioneller war der Präsident einer Bewegung, die von Assad geduldet, wenn nicht gefördert wurde"

Ja und? Moderat heißt in meiner Begriffswelt vor allem, dass nicht geschossen wird.

"Hussein ist Alewit"

Alewit und Alawit ist nicht das Gleiche.

"zeigt, wie kompliziert es ist, in Syrien einen nationalen Zusammenschluß aller moderaten Kräfte gegen Assad zu bündeln."

Eine der ersten Reaktionen Assads auf die Proteste im März 2011 war, den Mindestlohn zu erhöhen. Dann wurde der Alleinherrschaftsanspruch der Baath-Datei entsorgt und noch einiges mehr an Reformen.

Die tatsächlichen moderaten Kräfte hätten ausgereicht, Syrien zu verändern.

Die Vorhölle haben die Nicht-Moderaten in Syrien entfacht.

"Gegen Ihre Theorie, dass die USA grünes Licht für ein Chaos in Syrien gegeben haben sollen, sprechen die vielen Interview´s von Hussein, in denen er die friedlichen Prosteste am Anfang immer wieder bestätigt."

Ich verstehe die Art dieses Arguments nicht. In der Ukraine waren die Proteste lange friedlich. Nur in Syrien gab es bereits bei Demos im März 2011 Tode unter den Demonstranten und dann auch Tote Polizisten (ebenso wie kurz vor dem Showdown in Kiew).

Der Polizeichef, der die ersten Toten in Daraa zu verantworten hatte, wurde von Assad sofort entlassen. Sofort begann der Demonstrationstourismus, wie wir ihn von unseren Rechten auch kennen. Und es gab eben auch die Nachrichten von toten Polizisten, Waffenfunden etc. Wenn man den Youtube-Bildern der Rebellen glauben will, sollte man auch das nicht vom Tisch wischen. Das alles innerhalb weniger Tage Ende März 2011, als der Konflikt von den Clans religiös aufgeladen wurde

http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Syrien/geduld.html

Zuvor interessierten sich die Syrer nicht für die "Tage des Zorn", die von der Exilopposition im Februar 2011 ausgerufen wurden.
Tage des Zorns im Februar 2011:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Syrien/protest.html

Verschwörung, Reformen, Mio $ für syr. Oppositionssender in London:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Syrien/wandel2.html

In der Wikipedia steht/stand(?) auch, dass bei den Demos im März Büros und Läden brannten. Friedlich?

Dass der kooperative und reformwillige Assad in unseren Leitmedien nahezu inexistent war, bestätigte mir, dass unsere Transatlantiker ganz genau wussten, wo die Reise hinzugehen hatte.

schna´sel 06.01.2016 | 19:02

"Dieser moderate Oppositioneller war der Präsident einer Bewegung, die von Assad geduldet, wenn nicht gefördert wurde, während die Anderen brutal niedergeschlagen wurden. Insofern ist es verständlich, dass die Syrier L- Hussein nicht so recht trauen, auch wenn er jetzt zu den Verfolgten des Regimes zählt."

Sicher, wenn man die Meinung promoten will, dass Assad weg muss, dann muss man natürlich jeden diskreditieren, den Assad "geduldet hat". Diese "Duldung" ist als Argument dann auch völlig ausreichend um die betreffend Person unglaubwürdig zu machen. Praktisch, weil man es sich so vollkommen sparen kann, auf die Inhalte einzugehen für die diese Person steht, um gleich zum Kern seiner Aussage zu kommen: Dass es nämlich angeblich gibt keinen Beweis gibt, für die von Ihren eigenen Interessen gesteuerte Beeinflussung des Bürgerkriegs in Syrien durch die USA. Damit hat man alle Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Man hat wieder mal sein Mantra platziert und gleichzeitig, ohne irgendeinen Beweis als Argument angeführen zu müssen einen dieser angeblich "moderaten Oppositionellen" aus Syrien als das entlarvt, was er ja nur sein kann, wenn der Teufel persönlich ihn geduldet hat: Ein Günstling Assads und somit ein natürlicher Gegner aller Freunde der Pax Americana. Seine vielen Interviews, in denen er sich zum friedlichen Verlauf der Proteste am Anfang bekennt, sprechen natürlich eher gegen ihn und können kein Argument dafür sein, dass der Alewit Assad zu anderen, die sich weniger friedlich aufgestellt und von angeblichen Interessen der wahren Verbündeten haben bewaffnen und beeinflussen lassen ein anderes Verhältnis hatte, als zu einem Angehörigen seiner eigenen Glaubensgemeinschaft. Solche Beziehungen sind immer nur dann unverdächtig, wenn es um die Rechtfertigung der moderaten Sunniten innerhalb und außerhalb Syriens geht. Das hatten wir ja schon einmal ganz ähnlich, im Zusammenhang mit Ihrem entfesselten Sultan, der im Gegensatz zu moderaten, aber leider aus verständlichen Gründen unglaubwürdigen syrischen Oppositionellen, ganz zwangsläufig ein natürlicher Freund unserer einzig denkbaren Verbündeten sein muss...

Ayhan B. Eren 06.01.2016 | 21:42

Ich verstehe die Art dieses Arguments nicht

Schauen Sie, Sie zitieren Hussein oder führen ihn als Beispiel ein, dass die Proteste in Syrien von Anfang an von den Amerikanern initiert wurde. Nur, Hussein sagt etwas völlig anders. Also, entweder wissen Sie nicht, welche Position Hussein vertritt oder Sie versuchen ihm Ihre eigene Interpretation in den Mund zu legen. Haben Sie jetzt die Art des Arguments verstanden?

Ayhan B. Eren 06.01.2016 | 22:05

Sie sollten Ihre ideologischen Scheuklappen ablegen und versuchen, Argumente zu verstehen. Damit auch Sie verstehen können, unten die Auflösung.

Hussein ist ein syrischer Politiker, der für Demokratie, Säkularität und Gewaltlosigkeit eintritt und Assad so schnell wie möglich loswerden will. Haben Sie das verstanden? Gut. Jetzt ist die Frage, warum so ein Oppotioneller nicht unterstützt wird? Die Antwort lautet: "Dieser moderate Oppositioneller war der Präsident einer Bewegung, die von Assad geduldet, wenn nicht gefördert wurde, während die Anderen brutal niedergeschlagen wurden. Insofern ist es verständlich, dass die Syrier L- Hussein nicht so recht trauen, auch wenn er jetzt zu den Verfolgten des Regimes zählt". Kapische?

Niemand behauptet, dass der heutige Bürgerkrieg in Syrien eine rein syrische Angelegenheit, ohne Einmischung von Aussen ist. Die entscheidende Frage ist, ob die anfänglichen friedlichen Proteste auch von aussen initiert wurden oder ob sie ein berechtigter Schrei unterdrückter Menschen war? Hussein, den Sie anscheinend so mögen, vertritt die Auffassung, dass die anfänglichen Proteste von der Tiefe der syrischen Gesellschaft kam. Also, hören Sie auf irgendwelche Märchen zu erzählen und versuchen Sie einfach, sich an den Fakten zu halten.

schna´sel 06.01.2016 | 23:20

"Damit auch Sie verstehen können, unten die Auflösung. [...]

Also, hören Sie auf irgendwelche Märchen zu erzählen"

Ich hatte Ihnen bereits mitgeteilt, dass ich mich nicht auf Ihren herablassenden Tonfall einlassen werde?

Ich antworte einfach mal der Reihe nach, beginnend mit Ihrem Kommentar Ayhan B. Eren 06.01.2016 | 21:42

"Schauen Sie, Sie zitieren Hussein oder führen ihn als Beispiel ein, dass die Proteste in Syrien von Anfang an von den Amerikanern initiert wurde. Nur, Hussein sagt etwas völlig anders. Also, entweder wissen Sie nicht, welche Position Hussein vertritt oder Sie versuchen ihm Ihre eigene Interpretation in den Mund zu legen."

Dazu sagt Louay Hussein:

"Der Westen hat den Konflikt geschürt"

Nachdem sich einige Länder in den Bürgerkrieg eingemischt und oppositionelle Gruppierungen geschaffen haben, ist die Legitimität der politischen Arbeit im Land selbst beschädigt worden. Hinzu kommt, daß die meisten dieser Länder entschieden dazu beigetragen haben, den bewaffneten Konflikt zu schüren, der zu scharfen gesellschaftlichen Spaltungen geführt hat.

(Aus dem Gespräch der AG Friedensforschung)

Das heißt auch mit der Aussage "Hussein sagt etwas völlig anders" befinden Sie sich auf dem Holzweg. Und in dem Zusammenhang der anderen Holzwege, auf denen Sie sich befinden ging und geht mir nicht darum Ihre Behauptung zu verstehen, dass dieser moderate Oppositionelle, wie Sie schreiben "nicht unterstützt wird". Weil das erstens eine Polemik ist, die nur Ihrer eigenen Ansicht und mehr noch Ihrer Aussageabsicht entspricht. Und weil das zweitens nichts ist, als eine in den leeren Raum gestellte Behauptung, die in keinem wirklichen Zusammenhang zu der ursprünglichen Aussage steht:

"Verwendungszweck 06.01.2016 | 12:56

In meinem Weltverständnis hat die USA um 2006 grünes Licht für die Eskalation in Syrien gegeben. Damals wurde klar, dass Assad weiterhin die Treue eher zu Russland halten wird. Durch die Depeschen-Leaks wurde bekannt, dass die USA ab 2006 die Exilopposition mit Millionen Dollars unterstütze, um zum Umsturz hinzuarbeiten."

Und wenn sich mir jetzt eine Frage stellt, dann die, warum dieser Unmensch Assad den moderaten Oppositionellen Louay Hussein geduldet hat, obwohl er, wie Sie selbst sagen, schon am Anfang für Demokratie, Säkularität und Gewaltlosigkeit eingetreten ist und Assad so schnell wie möglich loswerden wollte. Obwohl er sich selber also zu den unterdrückten Menschen zählte, die ihren berechtigten Schrei geäußert haben und politisch aktiv geworden ist, sich also vor Ort zu der "entscheidenden Frage" entscheidend geäußert hat. Die Auffassung, dass dieser Schrei aus der Tiefe der syrischen Gesellschaft kam, der er ja selbesr angehörte, hat ihn aber nicht davon abgehalten, die Zusammenhänge, die für Sie anscheindend keine oder eine wesentlich andere Bedeutung haben, ganz klar zu sehen und das auch klar auszudrücken:

"Eine Reihe von bewaffneten Gruppierungen sind direkt oder indirekt unter der Schirmherrschaft westlicher Staaten aktiv. Viele haben erst zu den Waffen gegriffen, als dies seitens der westlichen Staaten legitimiert wurde. Der bewaffnete Akt wurde geradezu als prophetische Mission betrachtet, als ein Zeichen von Heiligkeit und vollkommener Moral."

(Aus dem Gespräch der AG Friedensforschung)

Der Zusammenhang, den Sie zwischen der entscheidenden Frage, die auch Louay Hussein aus der Tiefe der syrischen Gesellschaft heraus beantwortet hat und der Einmischung von Aussen in der Form einer Wertung oder Priorität herstellen ist ein kontruiertes Ablenkungsmanöver. Weil er auch für Louay Hussein als der Widerspruch den Sie für Ihre Rhetorik benötigen nicht existiert hat.

Reinhold Schramm 07.01.2016 | 04:17

Bemerkungen zum Primat der Ökonomie der (feudal-religiösen) Klassengesellschaften.

Religion als ideologisches Binde- und Transportmittel zur Durchsetzung der (jeweiligen) imperialistischen geopolitischen Interessen. [Was zugleich die jeweilige geo-, rohstoff-, geheimdienstliche und militärpolitische Instrumentalisierung durch die (beteiligten) imperialistischen Staaten und Staatenbündnisse (wie Vereinigte Staaten, Großbritannien, Frankreich, RF, China, BRD, Japan, Südkorea etc.) einschließt.]

Das Primat der Ökonomie prägt stärker als die Religion den Konflikt zwischen Riad und Teheran. Es geht um die ökonomische und geopolitische Vormachtstellung in der Region. Dabei dient die Religion und ihre historische Spaltung als ideologisches Transportmittel zur Einbindung und Zustimmung der seit Jahrhunderten geistig-religiös manipulierten Volksmassen durch die ökonomisch, ideologisch und politisch herrschende Klasse. Mit dem zunehmenden Verlust ihrer ökonomischen [Rohstoff- und Export-] Basis, auch zum Alimentieren von breiten [differenzierten] sozialen Schichten der Bevölkerung, würden die jeweiligen historischen Klassen- und Herrschaftsregime implodieren.

Die weitere Verfügungsmacht über den (noch) vorhandenen materiellen Reichtum der Region ist der eigentliche Kern der [heute noch] jeweils nahezu analogen Klassengesellschaften, der herrschenden Klassen und Schichten Saudi-Arabiens und des Irans.

[-- unvollständig.]

Ayhan B. Eren 07.01.2016 | 07:50

Ihr schon fast krankhafter Drang, mir unbedingt widersprechen zu müssen, macht Sie anscheinend so blind, dass Sie nicht mehr imstande sind, zu lesen und/oder das Gelesene zu verstehen.

Ich schrieb, Niemand behauptet, dass der heutige Bürgerkrieg in Syrien eine rein syrische Angelegenheit, ohne Einmischung von Aussen ist. Die entscheidende Frage ist, ob die anfänglichen friedlichen Proteste auch von aussen initiert wurden oder ob sie ein berechtigter Schrei unterdrückter Menschen war? Hussein, den Sie anscheinend so mögen, vertritt die Auffassung, dass die anfänglichen Proteste von der Tiefe der syrischen Gesellschaft kam.

Auch Sie werden verstehen müssen, dass es ein großer Unterschied ist, ob die ausländischen Mächte Protestbewegungen in einem souveränen Staat mit dem Ziel initiieren, die demokratisch legitimierte Regierung dieses Landes zu stürzen oder ob sie, die ausländischen Mächte, die berechtigte Protestbewegung eines unterdrückten Volkes gegen seine Peiniger zum Anlaß nehmen und auf den schon fahrenden Zug springen, um Einfluß auf seine Richtung nehmen zu können.

Dazu sagt Hussein,

- Der Griff zu den Waffen kann nicht mit Verweis auf die exzessive Unterdrückung seitens des syrischen Regimes gerechtfertigt werden

- Eine Reihe von bewaffneten Gruppierungen sind direkt oder indirekt unter der Schirmherrschaft westlicher Staaten aktiv. Viele haben erst zu den Waffen gegriffen, als dies seitens der westlichen Staaten legitimiert wurde

- Vor über einem Jahr (Das Interview fand 2013 statt) wurden die friedlichen Oppositionsbewegungen in den Medien und den Ländern, die sich in die syrische Krise einmischen, marginalisiert. Auch das syrische Regime hat das getan.

- Die EU als Ganzes und einige Staaten insbesondere, haben zur Eskalation hier beigetragen. Sie haben das, was hier geschieht, auf eine Ebene jenseits der politischen Auseinandersetzung gehoben, so wurde das Geschehen militarisiert und gewalttätig.

Aus alldemgeht hervor, dass es ein Märchen ist, zu behaupten, dass der Westen die bis dahin glücklich und zufrieden lebende Syrier auf den von Ihnen so geschätzten, friedliebenden, Menschenrechte achtenden Herrn Assad und seine Clique gehetzt haben, um Chaos zu erzeugen. Der Verantwortlicher für diese Katastrophe ist und bleibt Herr Assad, weil er die anfänglichen friedlichen Proteste brutal nidergeschlagen hat. Unbestritten ist aber auch, dass wir heute eine andere Lage in Syrien hätten, wenn der Westen sich nicht eingemischt und bestimmte Gruppierungen unterstützt hätte. Das hätte allerdings bedeutet, dass Assad seine eigene Landsleute weiterhin mordet, unterdrückt und in den Kerker wirft.

Es geht hier um die Frage, ob der Westen die nach Freiheit, nach Einhaltung der Menschenrechte und nach mehr Demokratie strebende friedliche Protestbewegungen ignorieren oder gar mit bekämpfen soll, um Chaos und Bürgerkrieg zu verhindern?

Hätte der von Ihnen und von vielen anderen hier verehrte Putin, Assad schon 2011 zu Gesprächen mit den noch friedlichen Oppositionellen verdonnert, statt ihn militärisch zu unterstützen, hätte der Westen gar keine Möglichkeit gehabt, die Protestierenden zu bewaffnen. Statt auf diesen Aspekt hinzuweisen, versucht man wieder, den Schwarzen Peter dem Westen zuzuschieben, um die lupenreinen Demokraten Putin und Assad zu entlasten.

Verwendungszweck 07.01.2016 | 11:22

"Schauen Sie, Sie zitieren Hussein oder führen ihn als Beispiel ein, dass die Proteste in Syrien von Anfang an von den Amerikanern initiert wurde."

Das ist eine vollkommen unzulässige Zusammenlötung aus Fragmenten verschiedener meiner Argumente.

Bestenfalls ist das, was Sie mit Ihrer Art zu argumentieren betreiben, eristische Dialektik. Ich empfinde Ihre dreisten Vebiegungen, Auslassungen und Unterstellungen als intellektuelle Unverschämtheit eines vergiftenden Geistes.

Ich nehme Ihre unredliche Art zu argumentieren als Beleg, dass Sie keine gültigen Argumente vorrätig haben.

schna´sel 07.01.2016 | 11:25

"Ihr schon fast krankhafter Drang, mir unbedingt widersprechen zu müssen, macht Sie anscheinend so blind, dass Sie nicht mehr imstande sind, zu lesen und/oder das Gelesene zu verstehen."

Alles klar! Ganz ruhig! Alles ist gut, niemand widerspricht Ihnen mehr oder Ihrem Sultan... Berechtigte Protestbewegungen werde ich in Zukunft eindeutig von unberechtigten Protestbewegungen unterscheiden, ebenso wie radikale und gemäßigte Terroristen. Und es gibt fürderhin auch keine andere Instanz, als den freien Westen unter der Führung der glorreichen Amerikaner und Ihnen natülich, die ich unwidersprochen als rechten Maßstab für die notwendige Unterscheidung dieser Kategorien akzeptieren werde. Ich verspreche, dass ich Sie genau so verstehen werde, wie Sie sich das wünschen. Die Lämmer werden schweigen und Sie können endlich wieder in den unwidersprochenen Schlaf des Gerechten sinken.

Verwendungszweck 07.01.2016 | 12:21

Das noch als Anhang. Sie hängen sich weiter unten wieder und wieder an dem Wort 'initiieren' auf. Das Wort nutzen bisher nur Sie im Zusammenhang mit den Demonstrationen in Syrien 2011 in so bestimmender Weise.

Sie halten Ihre Gegenposition einzig mit diesem Wort aufrecht.

Ich habe mir ein bisschen Mühe gemacht und nun noch bei WELT.DE einen Syrer gefunden, der damals tatsächlich sagte, dass die Demonstrationen (2011) maßgeblich von außen angeschoben sind.
http://www.welt.de/politik/ausland/article12449794/Tag-des-Zorns-scheitert-in-Syrien-am-Regime.html
Zitat: Bis Freitagmittag hatte die [Facebook-]Gruppe 15.000 Mitglieder erreicht. Die meisten von ihnen dürften jedoch selbst nicht in Syrien leben. "Diese Leute haben keine Ahnung von der Realität in unserem Land", sagt der syrische Dissident und politische Autor Jassin Hadsch Saleh. "Sie wollten die Proteste in Ägypten und Tunesien imitieren, doch sie wissen nicht, womit wir es hier zu tun haben."

Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie da Mitglied waren und Sie nun das schlechte Gewissen drückt. Das wäre ein für mich nachvollziehbarer Grund, dermaßen toxisch auf Diskussionen einzuwirken, die sich gegen Gewalt positionieren.

Ayhan B. Eren 07.01.2016 | 13:20

Verwendungszweck, falls Sie nicht mehr der Meinung sind oder falls ich Sie von Anfang an falsch verstanden haben sollte und Sie nie behauptet haben, dass die Amerikaner auch die ersten Proteste initiiert haben, dann ist ja alles gut.

Das Problem mit Ihnen und auch mit einigen anderen hier zu sein, dass Sie eine Diskussion nicht als Austausch von Meinungen ansehen, sondern als der Kampf zwischen zwei Personen. Also, wir kämpfen nicht, wir diskutieren bloß, deswegen brauchen Sie auch nicht gleich persönlich zu werden.

Ayhan B. Eren 07.01.2016 | 13:38

Verwendungszweck, Sie vergallopieren sich mächtig.

Al-Haj Saleh beschreibt in diesem Interview höchstens die Brutalität des Assad-Regimes. Ich schätze Sie viel jünger als ich ein, deswegen müssten Sie wissen, wie es bei Facebook-Gruppen so ist. Saleh hat wahrscheinlich recht, dass viele dieser Facebook-Unterstützer nicht in Syrien lebten, aber das nun als Beweis nehmen zu wollen, dass hinter den anfänglichen Protesten die Amerikaner steckten, ist wirklich lächerlich. Außerdem, haben Sie mir oben nicht mitgeteilt, dass Sie nie behauptet hätten, dass die Amis das alles organisiert haben? Sie sollten sich so langsam entscheiden, was Sie vertreten.

Lutz Herden 07.01.2016 | 14:04

Es war im "Freitag" weitgehend unstrittig, dass die Proteste in Syrien vom März 2011 u.a. auf die prekäre ökonomische Lage vieler Flüchtlinge aus dem ländlichen Raum zurückgingen, die angesichts einer lang anhaltenden Dürre in den Jahren zuvor versucht hatten, in einigen Großstädten Fuß zu fassen. Das misslang größtenteils, doch zeigte sich auch das Regime außerstande oder nicht willens, diesen Menschen zu helfen.

Und es kam die Sogwirkung der "Arabellion" in Tunesien und Ägypten hinzu, die sich in Syrien bemerkbar machte.

schna´sel 07.01.2016 | 15:47

Gut, kein Widerspruch. Aber in dieser Situation war es eben auch entscheidend, ob die desaströsen Verhältnisse von außerhalb für die eigenen politischen Absichten missbraucht werden, oder ob es von außen gesehen Priorität hat, diese Verhältnisse zu stabilisieren. Die Maßnahmen, die an diesem entscheidenden Punkt von der EU und den Amerikanern ausgegangen sind waren alles Andere als systemstabilisierend. Zu Lasten der Bevölkerung, die sich dann natürlich radikalisiert hat. Was wiederum von den Amerikanern gezielt ausgenutzt worden ist, um den Konflikt in ihren Interessen entsprechend zu eskalieren. Und "Ihre Interessen" bedeutet eben nicht "das syrische Volk", oder Syrien, als funktionierender Staat, der er ja prinzipiell zumindest rein technisch bis zu dem Punkt gewesen ist. Das primäre Interesse der Amerikaner bedeutet damals wie heute: Assad muss weg! Koste es was es wolle. Und von der EU wurden Sanktionen verhängt, die die bis dahin relativ stabile Wirtschaft weiter geschwächt haben, anstatt sie zu stabilisieren. Wieder zu Lasten der Bevölkerung. Und ohne in irgendeine Form von Verschwörungstheorie verfallen zu wollen, erinnert mich das Alles einfach ganz fatal an das, was wir in der Ukraine auch erlebt haben: Ein, wie auch immer gearteter, zunächst recht friedlicher Aufstand der Bevölkerung wurde gezielt ausgenutzt um eigene geostrategische Projekte voranzutreiben. Das Alles ist lang und breit und immer wieder kontrovers diskutiert worden und man wird sich auf keine "objektiv gültige Deutung" einigen können, die dem entspricht, "was sich wirklich ereignet hat". Aber an dem Punkt, zu dem es sich entwickelt hat und an dem wir aktuell angekommen sind, wird das Vertrauen in die "objektiv guten" und von humanistischer Ethik getragenen Absichten des Westens und seiner Partner vor Ort doch nicht unbedingt größer, wenn man sich anschaut wie diesen "unverzichtbaren Partner", erst die Türkei und jetzt die Saudis sich in dem Friedensprozess verhalten. Meiner Auffassung nach ist deren beobachtbares Verhalten das Muster, das die zugrunde liegenden Konflikte von vorne herein entscheidend in die Richtung beeinflusst hat, in die diese, nur an einem bestimmten Ausgang interessierten Partner, ihren Einfluss schon am Anfang geltend gemacht haben. Und das nicht nur mit Billigung, sondern auch mit der Unterstützung der Amerikaner und der EU.

Verwendungszweck 08.01.2016 | 12:24

"Es war im "Freitag" weitgehend unstrittig, dass die Proteste in Syrien vom März 2011 u.a. auf die prekäre ökonomische Lage vieler Flüchtlinge aus dem ländlichen Raum zurückgingen…"

Die ersten Aufrufe zum "Tag des Zorn" in Syrien waren Anfang Februar. Der Artikel der WELT ist vom 4. Februar 2011.
http://www.welt.de/politik/ausland/article12449794/Tag-des-Zorns-scheitert-in-Syrien-am-Regime.html

Da fehlte der Bevölkerung aber noch die richtige Lust zum Demonstrieren. Der Wunsch nach mehr Demokratie war den meisten dann doch eher fremd.

Assad hatte schon zuvor in Interview notwendige Reformen angesprochen. Im März begann er damit. In Marokko haben Reformen dem Herrscherhaus geholfen. Betreffs Syrien halte ich es nicht für unmöglich, dass diese Nachgiebigkeit die Regierungsgegner im In- und Ausland ermutigt haben.

Schwung kam erst in die Demonstrationen, als sie durch die Verhaftung und Verhörung einiger der Jugendlichen wegen Graffitis in Daraa, die sie, wie einer später in einem Interview sagte, aus Langeweile aus den Nachrichten aus anderen arabischen Ländern kopiert hatten.

Bereits am 9. Mai 2011 verhängte die EU-Kommission gegen Assad seine Frau und andere ein Embargo.
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:02011R0442-20110624&from=EN

VERORDNUNG (EU) Nr. 442/2011 DES RATES vom 9. Mai 2011 über restriktive Maßnahmen angesichts der Lage in Syrien

Solche Entschlüsse gibt es nicht für Saudi Arabien, Bachrain oder die Türkei.

Bezeichnend ist auch, dass die Stiftung Wissenschaft und Politik bereits Mitte 2011 den Auftrag von der Bundesregierung erhielt, einen Plan für Syriens Zukunft auszuarbeiten, der explizit ohne B. Assad auskommen sollte. Dieser Aspekt war so wichtig, dass er für das Projekt "The Day After" namensgebend war. Gemeint war der Tag nach Assads Abgang.
http://www.imi-online.de/2013/10/31/die-swp-im-krieg/

http://www.zeit.de/2012/31/Syrien-Bundesregierung

Zitat: "Das unweigerliche Ende des Regimes wird schlicht vorausgesetzt, als eine Art Arbeitshypothese. Darin zeigt sich, dass die Bundesregierung schon viel länger mit dem Sturz des syrischen Regimes kalkuliert, als Berliner Diplomaten zugeben können. Und: Deutschland ist sehr viel stärker in die Vorbereitungen der syrischen Opposition einbezogen, als man bisher öffentlich erklärte."

Das Postulat "Keine Verhandlungen mit Assad" existierte in allen TV-Diskussionsrunde zu Syrien von Beginn an unwidersprochen.

Wo sind die moralischen Hyper-Postulate für andere Herrscher in Polizeistaaten? As Sisi genießt die exakt gleichen Geld- und Waffengeschenke aus den USA wie zuvor jahrzehntelang Mubarak.

Der Krieg in Syrien (wie auch der IS) existiert durch die Revanche der Moslembrüder, die Unzufriedenheit der Verarmten und dem Geld, den Waffen und geopolitischen und religiösen Wünschen des Auslands.