Lutz Herden
05.06.2017 | 14:56 60

Muster Bataclan

Großbritannien Nach dem Anschlag in London wird wieder einmal suggeriert, dass westliche Lebensweise durch Terror nicht zu erschüttern sei. Ein paradoxer Trugschluss

Muster Bataclan

Trauer und bewaffnete Polizisten im Londoner Ausgehviertel Borough Market

Bild: Christopher Furlong/Getty Images

Das übliche Grauen von Kabul, Bagdad oder Mossul hat für eine Nacht die britische Hauptstadt erreicht. Wenn sich der Islamische Staat (IS) zum Anschlag auf der London Brigde und im Viertel Borough Market bekennt, muss das als Ausweitung seiner Kampfzone begriffen werden. Der asymmetrische Schlagabtausch, wie er in Afghanistan, im Irak oder Syrien stattfindet, ist seit jeher auf Entgrenzung aus, was den Einsatz militärischer Mittel wie die Unerbittlichkeit der Kriegführung betrifft. Dass solcher Extremismus zur territorialen Entgrenzung führt, ist in dieser Konfrontation seit jeher angelegt. Augenblicklich verdichtet sich allerdings der Eindruck, dass Terror und Terror-Abwehr einander derart die Waage halten, dass sie notwendiger Beherrschbarkeit entgleiten. Bei Anschlägen in europäischen Metropolen verkürzen sich die Abstände von Tat zu Tat, nicht allein bei den ausgeführten, erst recht den verhinderten, wie das Regierungen und Geheimdienste andeuten.

Wer als westliche Macht in den Anti-Terror-Krieg zieht, muss längst damit rechnen, ihn auch dort führen zu müssen, wo er unter keinen Umständen geführt werden sollte – im eigenen Land und ohne dass die eigenen Leute dagegen ausreichend geschützt wären. Will heißen: Die Parallelität so vieler Konflikte weltweit wird ergänzt durch eine sich vorarbeitende Omnipräsenz ihrer Austragung. Wo das enden kann, sei besser nicht beschrieben.

Tödliche Falle

Wie wird darauf reagiert? Es gibt die eingeübte professionelle Bestürzung, wie man eben Nachrichten von den Fronten eines sich hinziehenden Krieges quittiert. Zugleich wird die Unerschütterlichkeit einer westlichen Lebensweise beschworen, die – noch so schwer getroffen – unangreifbar sei. Das klingt inzwischen nicht nur ritualisiert, sondern nach einer Durchhalteparole. Wer sich darauf einlässt und daran glaubt, schwebt womöglich in tödlicher Gefahr. Es ist ein untrügliches Zeichen für sich ausweitende Kampfzonen, dass der öffentliche Raum westlicher Großstädte zur Falle werden kann, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Man erinnere sich an das Konzerthaus „Bataclan'“, die Restaurants „Le Carillon“, „Le Petit Cambodge“ und „La Belle Equipe“ am 13. November 2015 in Paris, an Brüssler U-Bahnhöfe am 22. März 2016, an die Uferpromenade von Nizza am 14. Juli 2016, an einen Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 – und dann in Großbritannien am 22. März 2017 die Amokfahrt des Khalid Masood auf der Westminister Brigde, bald darauf das Massaker beim Konzert in Manchester, nun die London Bridge und das Viertel Borough Market am Abend des 3. Juni. Derzeit kann schon die Annahme oder Simulation eines Anschlags reichen, um eine verheerende Massenpanik auszulösen, wie das die mehr als tausend Verletzen in Turin beim Public Viewing zum Champions League-Finale auf erschreckende Weise zeigen.

Weiter wie bisher?

Der westliche Lebensstil ist sehr wohl angreifbar. Und verwundbar in seinem oft gedankenlosen Hedonismus und seiner provokanten Unbekümmertheit erst recht. Dieses Eingeständnis ist überfällig und um einiges gebotener als die stereotype Versicherung, dass die staatlichen Überwachungs-, Sicherheits- und Strafsysteme noch einmal und noch einmal hoch gerüstet werden. Wozu? Sie werden stets den ultimativen Schutz schuldig bleiben, den niemand und nichts zu geben vermag. Wird trotzdem propagiert, wir lassen uns nicht beeindrucken, wirkt das wie eine zynische Zumutung. Als würde den Bewohnern von Bombardements heimgesuchter Städte geraten, sie sollten sich im Fall eines Angriffs auf der Straße zeigen, um den Gegner zu demoralisieren. Hauptsache, es werde dieser Effekt erreicht, wie hoch die Opferzahlen auch immer sein mögen.

Es wird höchste Zeit, die Frage nach einem adäquaten Verhalten in Zeiten der terroristischen Bedrohung zu stellen. Im „Muster Bataclan“, dem 13. November 2015, liegt der Schlüssel, um zu verstehen, was im Viertel Borough Market geschehen ist. Wieder schlugen die Attentäter an einem Wochenende zu, wieder an einem sinnfälligen Ort, denn wieder traf es überwiegend junge Menschen in einem Vergnügungsviertel, die sich amüsieren wollten und so zum Feindbild derer taugten, die ihnen genau das bestreiten und als Hochmut von Konsumentennaturen auslegen.

Eines steht spätestens seit 9/11 fest und wird seither stets von Neuem bestätigt: Der Anti-Terror-Krieg hat sich einen, zu ihm passenden Mob geschaffen, und der kommt nicht aus Kabul, Bagdad oder Mossul, sondern aus den an die Peripherie gedrängten Einwanderermilieus europäischer Metropolen. Er ist mit Hass geladen, auf Rache bedacht und offenkundig von Tötungswahn besessen. Es handelt sich um zu allem entschlossene Kombattanten, die sich selbst mit Inbrunst opfern und durch permanente Kampfansagen nicht in Schach zu halten, sondern herausgefordert sind. Und es liegt in der Natur dieser – nicht zuletzt als Kulturkrieg ausgetragenen – Konfrontation, dass es dschihadistischen Überzeugungstätern nicht schwerfällt, diese Herausforderung anzunehmen. Dass alles scheint ein bisschen viel, um allen Ernstes zu behaupten, wir machen weiter wie bisher.

Kommentare (60)

Zack 05.06.2017 | 16:26

Alle ihre Betrachtungen und Folgerungen sind das Resultat willkürlicher Prämisse. Der beschriebene Antagonismus dieses „Kulturkrieges“ (jihadistische Terroristen gegen westliche Anti-Terroristen), ist weder Grund noch ursächliche Voraussetzung all der monierten Schlachtereien, sondern das Resultat seiner gezielten und noch gar nicht vollendeten Herstellung.

Und zwar kontinuierlich und seit gut 3 Jahrzenten von denjenigen im Westen ins Werk gesetzt, welche diese Terroristen schaffen und züchten. Nicht erst seit dem 11.09.2001.

Regimekritiker_Dracula 05.06.2017 | 17:15

Der Krieg ist kein Mittel im Kampf gegen den Terrorismus. Und doch folgen nach jedem Anschlag neue Rufe unserer Machthaber nach mehr Härte und mehr Militär, wie früher einmal Durchhalteparolen aus dem Führerbunker. Terror ist nicht das BÖSE an sich, denn der Terrorismus ist ein Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen. Doch die aus dieser Erkenntnis zu erwartende Ursachenbekämpfung widerspricht den hohen Idealen unserer westlichen FinanzWertegemeinschaft. Umdenken? Konsequenzen ziehen - endlich die richtigen?

Na dann auf eine Neue Runde in der Gewaltspirale!

miauxx 05.06.2017 | 18:16

Sehr richtig! Dass “unsere Lebensart“ die Oberhand behalten werde, ist protokollarisches Gesülze, das allerdings auch insofern gefährlich ist, als es eben einen Unangreifbarkeitsdünkel suggeriert. Es fehlt mithin eine wahre Betroffenheit angesichts der barbarischen Terrorakte, die überall - und immer noch zumeist immer noch weit weg, woanders - Leben von Menschen an sich zerstören. Th. May hingegen, und das ist interessant, hat sich nun gar nicht lange am Optimismus-Gesülze aufgehalten, sondern sogleich einen War on terror ausgerufen, wie er ja die ganzen Jahre hindurch furchtbar erfolgreich war. Und das gestützt durch ein populistisches “enough is enough“ - als hätte man bisher ein paar Rabauken noch gerade so gelassen, aber nun wäre es genug; man habe noch eine Knute im Ärmel.

Klar - der Terrorismus würde nicht einfach aufhören, wenn der Westen plötzlich eine internationale Ausgleichspolitik suchen würde. Zur gesteigerten Eskalation tut er jedoch immer noch seines dazu. Milde ausgedrückt: Er trifft die falsche Wahl der Waffen. In GB wird nun zunächst einmal der Wahlkampf mit London und Manchester gefüttert. Mehr als ein Fahren auf Sicht ist nach wie vor nicht auszumachen.

gozilla 05.06.2017 | 18:53

Eins ist sicher: May´s "enough is enough" ist der Auftakt für verschärfte Sicherheitsgesetze, antimuslimischer Angstpolitik, "das übliche Grauen von Kabul, Bagdad oder Mossul " (Herden) gewälttätiger fortzusetzen und die Festung Europa mit legalen/illegalen Mitteln vor den "Barbaren" zu "verteidigen".

Leider wird diese Debatte Migration von links gedacht eher als "Gutmenschentum" belächelt werden als ernsthaft angenommen zu werden.

Richard Zietz 05.06.2017 | 19:39

Mit Verlaub: Um die Nachricht unters Volk zu bringen, dass die westlichen Gesellschaften angreifbar sind, kommt dieser gutgemeinte Mahnruf 16 Jahre zu spät. Dass es so ist, liegt spätestens seit Nine Eleven auf der Hand. Und auch der 11.9.2001 gilt nur für die westlichen Gesellschaften im engeren Sinn. Bereits in den Neunzigern wurde die israelische Gesellschaft im Wochenturnus von Terrorvorkommnissen heimgesucht. Alleine bei einem 14-tägigen Aufenthalt dort 1994 oder 1995 passierten: ein größerer Anschlag in einer Hauptgeschäftsstraße in Tel Aviv (kurz vor unserer Ankunft) mit über 20 Toten, die Entführung zweier israelischer Soldaten sowie mehrere Hisbollah-Raketenattacken von libanesischem Territorium aus.

In Israel: Alltag. Sicher kann man dagegen aufrechnen: den de-facto-Protektoratszustand der Westbank, den Counterkrieg gegen die Hamas in Gaza und in Israel selbst, den Irak-Krieg, Abu Guraib & Guantanamo, den IS, die Drohnenangriffe quer durch das Territorium dieses unerklärten Kriegs und so weiter.

Was ich meine ist, dass die Erklärung, die Gründe für Manchester & Co. seien hausgemacht (beziehungsweise allein auf rassistische und soziale Ausgrenzung zurückzuführen) ganz sicher zu kurz greift. Leider habe ich die Vermutung, dass selbst dann, wenn beide Konfliktgründe befriedet wären (die Ausgrenzung in den westlichen Ländern und die militärisch-wirtschaftlichen Interventionsfolgen in der nordafrikanisch-nahöstlichen Großregion) der Dschihadismus keine Ruhe gäbe. Außerdem wäre damit noch nichts gesagt über die Großmachtallüren einzelner Potentaten in der Region – ebenfalls ein destabilisierender Faktor.

Was tun? Es ist schwer. Einerseits – im derzeitigen linken Umfeld kann man diese Tatsache gar nicht oft genug postulieren – ist das relativ freie Leben in den westlichen Zivilgesellschaften eine emanzipatorische Errungenschaft. Andererseits sind »Peace, Freunde«-Ausrufe gegenüber den Dschihadisten ganz sicher keine angemessene Reaktion. Da der Westen (selbst, wenn er es wollte) seine Politik nicht so schnell umstellen kann, wie der Terror nachwächst, wäre ein konsequentes Ausheben der Terrornester von Mali bis in den Irak und nach Afghanistan in meinen Augen die vernünftigste Lösung. Das würde zumindest die logistische Rückzugsbasis und den ideologischen Aufrüster der europäischen Hobby-Dschihadisten demontieren.

Sicher – ein Aufschub für alles weitere. Ich fürchte allerdings, ohne diesen wird alles andere nichts.

hakufu 05.06.2017 | 20:27

Dass alles scheint ein bisschen viel, um allen Ernstes zu behaupten, wir machen weiter wie bisher.

Und wie sieht die Antwort aus ? Wir kommen dem IS entgegen, in der Hoffnubng, dass die Anschläge, dass der Krieg gegen die westlichen Werte dann eingestellt wird ?

Zietz hat recht, und ist dennoch inkonsequent. Was sind europäische Hobby-Dschihadisten ? Welche Verniedlichung der Morde von Manchester und London.

Der IS hat allen Ungläubigen den Krieg erklärt, denen, die den westlichen Werten huldigen, den Sozialisten, den Kommunisten, und den Schiiten.

Die Schiiten wollen sich nicht von den Sunniten unterdrücken lassen, und lieber selbst das Regiment ausüben, siehe Syrien, Irak, Jemen, Bahrein.

Dagegen wehren sich, wer hätte das geglaubt, nicht nur die Saudis, uns sanktionieren Katar.

Ich bin verwirrt. Was ist jetzt richtig ? Wen unterstützen ?

Im Ernst. Unsere westlichen Werte, zu denen auch die Gedanken von Karl Marx gehören, müssen verteidigt werden.

Wer braucht rechtes Gedankengut, das weit rechts von der AfD angesiedelt ist ?

Flegel 05.06.2017 | 21:06

Endlich aussprechen, was wir alle seit Langem wissen

»Augenblicklich verdichtet sich allerdings der Eindruck, dass Terror und Terror-Abwehr einander derart die Waage halten, dass sie notwendiger Beherrschbarkeit entgleiten. Bei Anschlägen in europäischen Metropolen verkürzen sich die Abstände von Tat zu Tat…,«

An dieser Stelle erscheint mir wichtig, auf einen Beitrag von Sascha Lobo hinzuweisen, der endlich auch ausspricht, was wir alle längst seit Langem wissen: Unsere Sicherheit ist eine Inszenierung:

„Seit 2014 verübten insgesamt 24 identifizierte Täter 13 islamistische Mordanschläge in der EU - und alle, ja wirklich: 100 Prozent der Attentäter waren zuvor den Behörden bekannt und gewaltaffin.“

„…von den 24 identifizierten islamistischen Attentätern:

•waren alle 24 vorher den Behörden bekannt,
•konnten alle 24 als gewaltaffin betrachtet werden, weil sie entweder in islamistische Kriegsgebiete fuhren oder behördlich bekannte Gewalttätigkeiten verübt hatten,
•hatten 22 bekannte Kontakte mit anderen Islamisten oder islamistischen Netzwerken. In einem Fall waren diese Kontakte vorhanden, aber nicht bekannt,
•waren 21 auf verschiedenen Terror- oder Warnlisten, einer wurde überprüft und als "keine Gefahr" eingestuft, vor einem wurden die Behörden mehrmals aus dem Umfeld des späteren Attentäters gewarnt, nur auf einen trifft nichts davon zu,
•hatten 17 Vorstrafen und einer eine Meldeverpflichtung,
•unternahmen 13 Reisen in von islamistischer Gewalt geprägte Gebiete wie Syrien oder Irak, fünf weitere haben entweder erfolglos versucht, dorthin zu gelangen, Reisen dorthin vermittelt oder sich zweitweise in anderen Ländern mit starken islamistischen/dschihadistischen Szenen aufgehalten,
•wurden zwölf entweder polizeilich gesucht oder bereits überwacht.

Die traurige Serie setzt sich damit nahtlos fort: Die große, reale Bedrohung des islamistischen Terrorismus geht von bekannten und meist einschlägig bekannten Personen aus. Man kann daraus den Schluss ziehen, dass der Fall Anis Amri eher das Symbol für eine wiederkehrende Schwäche als eine unerhörte Ausnahme war.“

Erinnert sei an Anis Amri. Ihm gelang aus Sicht der Terrorstrategen ein Meisterstück. Er führte den deutschen Staat und dessen Sicherheitsarchitektur vor, indem er sich über die Flüchtlingsroute einschmuggelte und selbst als den Behörden bekannter islamistischer Gefährder noch durch die Maschen des Sicherheitsapparates schlüpfte. Er deckte, ganz im Gegenteil, vielmehr die Inkompetenz deutscher und europäischer Polizeien und Sicherheitsbehörden auf: Ein polizeibekannter Islamist und Straftäter, eingestuft als terroristischer Gefährder, der sich der Szene als Suizidattentäter anbot, kann einfach mal so abtauchen.

Und ja wir unterhalten uns hier über jenen Teil, den wir Homegrown Terrorism nennen:

»Der Anti-Terror-Krieg hat sich einen, zu ihm passenden Mob geschaffen, und der kommt nicht aus Kabul, Bagdad oder Mossul, sondern aus den an die Peripherie gedrängten Einwanderermilieus europäischer Metropolen. Er ist mit Hass geladen, auf Rache bedacht und offenkundig von Tötungswahn besessen.«

Doch es gibt auch noch jenen Teil von Terrorismus, den wir selbst ausübten und noch ausüben, wir die „westliche Wertegemeinschaft“ mit ihrer „Internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat“, bestehend nahezu 70 westlichen Nationen.

Es ist noch kein ganzes Jahr her, da habe ich mit einem Schreiben an den damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck um eine Erklärung gebeten: Als Bürger der Bundesrepublik Deutschland möchte ich Sie fragen, worin sich eigentlich die Gewalt- und Tötungshandlungen des IS von denen der „westlichen Wertegemeinschaft“, wie Sie gemeinhin zu sagen pflegen, unterscheiden? Doch allenfalls in ihren Dimensionen – jedenfalls nicht in ihrer Brutalität. Menschen verbrannten und verbrennen auch nach Bombenattacken des Westens bei lebendigem Leibe.

Jawohl: »Das übliche Grauen von Kabul, Bagdad oder Mossul hat für eine Nacht die britische Hauptstadt erreicht.« Und nicht nur das von „Kabul, Bagdad oder Mossul“, sondern auch das von Kosovo und das von Kunduz.

Es kann jede europäische Metropole, es kann jeden von uns treffen.

hakufu 05.06.2017 | 21:30

Es kann jede europäische Metropole, es kann jeden von uns treffen.

Wenn Sie glauben, dass das die Lösung des Problems ist, mögen Sie sich gerne dem IS andienen. Aber ich glaube nicht, dass Ihre devote Haltung, die Situation de-eskalieren wird.

Mit Leuten, wie Erika Steinbach, kann man keine Kompromisse schließen.

Der IS will den islamischen Staat, nicht nur dort, sondern auch hier.

Und die Mullahs wollen die softcore ? Variante.

Sie hassen unsere Werte und wollen sie vernichten.

Wollen Sie das ? Ich nicht.

Ich träume eher davon, dass der Film "deep throat" und die Arbeiten von Rosa von Praunheim auch in muslemischen Ländern ohne Probleme gezeigt werden können.

Kann mich noch gut daran erinnern, dass der Polizist vor unserem Dorfkino stand, und verhindern wollte, dass Minderjährige sich "das Schweigen" ansahen.

Will sagen, alle die gerne andere Kulturen verteidigen, wie die, die, die das Steinigen in ihrem Repertoire haben, können dies gerne tun.

Spätestens seit Alexis Zorbas hat sich meine Meinung zu Ideologien / Religionen gefestigt, die die Menschenrechte verachten.

miauxx 05.06.2017 | 21:31

"Mit Verlaub: Um die Nachricht unters Volk zu bringen, dass die westlichen Gesellschaften angreifbar sind, kommt dieser gutgemeinte Mahnruf 16 Jahre zu spät."

Ich meine doch, dass man das Herrn Herden nicht antragen kann. Er trägt keine Nachricht unters Volk, sondern zeigt doch die Unmöglichkeit der Parole, "unser westlicher Lebensstil werde siegen".

"Leider habe ich die Vermutung, dass selbst dann, wenn beide Konfliktgründe befriedet wären [...] der Dschihadismus keine Ruhe gäbe."

Die Vermutung teile ich allerdings. Es lässt sich zwar leicht und nachvollziehbar argumentieren, dass die Interventionen des Westens den Terror verursachten. Aber, und dieser Ansicht bin ich schon seit langem, so stimmt es halt auch wieder nicht; ist es nur ein Teil der Wahrheit. Was dem Westen immer wieder vortrefflich gelingt, ist, den Terror zu beflügeln; ja geradezu dafür zu sorgen, dass der Sumpf nicht austrocknet.

Aber: Dschihadismus im Sinne eines 'heißen Weges des Kriegers' lebt in aller erster Linie von den sozialen Schieflagen. Zu allererst wirtschaftlich sowie freilich auch politisch (s. die Volksgruppenpolitik im Irak post Saddam). Der Islam an sich ist es nicht. Wenn die Leute genug zu fressen und halbwegs Entwicklungsperspektiven haben, wirbt sie so schnell kein Rattenfänger mit Koran ab.

Zack 05.06.2017 | 21:38

Wer der eigenen Obrigkeit (mitsamt ihren verschissenen Werteramsch) partout nicht störend in die Quere kommen will und sich ganz im Gegenteil, brav in die sorgsam hergestellte Kriegsfront verklappen lässt wie die meisten Kommentatoren hier, der wird sich mit Sicherheit nicht nur an die kommenden und nicht mehr ausschließlich auswärtigen Blutbäder gewöhnen, sondern sich an ihnen auch Wertemäßig laben können.

Mission accomplished.

gozilla 05.06.2017 | 21:40

Ja, da hat der Lobo mal scharfsinnig nachgedacht und aufgeschrieben...Lobo im letzten Absstz:

"Ich möchte mich nicht gewöhnen an terroristische Morde in der EU, also dem Gebiet, das ich als wählender Bürger politisch mitbeeinflussen kann. Und ich bin gern bereit, mich mit neuen Argumenten zur inneren Sicherheit, der Überwachung, der Verhinderung von Anschlägen auseinanderzusetzen.

Aber mein Vertrauen ist gering. Nicht trotz der Realität, sondern wegen: 100 Prozent der Attentäter waren gewaltaffin und behördenbekannt, und ich komme darüber kaum hinweg."

DANKE!

gozilla 05.06.2017 | 22:04

Lobo auf englisch:

"Besonders einer der Attentäter aber beschäftigt die britische Öffentlichkeit: "Abs" alias Khuram Butt soll nicht nur den Sicherheitsbehörden als potenzieller Gefährder bekannt gewesen sein. Er war auch schon in einer am 19. Januar 2016 erstmals ausgestrahlten Channel-4-Dokumentation "The Jihadis Next Door" (Webseite zurzeit offenbar gesperrt) zu sehen: Der TV-Dokumentarfilm zeigt ihn beim Entrollen einer IS-Flagge im Londoner Hyde-Park.

Die Polizei: Zwei konkrete Hinweise ignoriert?

Nicht nur der "Independent" fragt nun, wie solche Leute durch das Netz der Fahnder schlüpfen konnten - zumal Khuram Butt von einem Gemeindemitglied in Barking bei der Polizei gemeldet worden sein soll, nachdem er einen moderaten Imam wüst beschimpfte.

Und das war angeblich nicht das einzige Mal, dass jemand versuchte, die Sicherheitsbehörden auf "Abs" aufmerksam zu machen. Ein mit Butt persönlich bekannter Mann will der Anti-Terror-Hotline der Polizei gemeldet haben, dass sich dieser durch IS-Videos im Internet radikalisiert habe. Die Zeitung zitiert ihn mit der Aussage: "Ich hatte meinen Teil getan. Die (Sicherheitsbehörden) taten nichts...

http://m.spiegel.de/politik/ausland/a-1150738.html

Flegel 05.06.2017 | 22:14

Guter Mann, sie sind ziemlich vorlaut

„Wenn Sie glauben, dass das die Lösung des Problems ist, mögen Sie sich gerne dem IS andienen. Aber ich glaube nicht, dass Ihre devote Haltung, die Situation de-eskalieren wird.“

Devote Haltung? De-eskalieren?

Haben Sie sich schon mal mit dem Dreck am eigenen Stecken beschäftigt? Ich jedenfalls hab es getan.

Es ist die westliche Politik spätestens seit dem Kosovokrieg, die uns den Islamistischen Terror an den Hals geholt hat. Glauben Sie wirklich, das supranationale Angriffsbündnis der „westlichen Wertegemeinschaft“ könne 25 Jahre größtenteils völkerrechtswidrige Angriffskriege gegen muslimische Staaten führen, ohne dass das für sie selbst Konsequenzen hat.

Kosovo, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien mit einer Bilanz all dieser Kriege von mittlerweile 1,5 Millionen Menschenleben sind nun wahrhaftig keine Empfehlung, den Mund so voll zu nehmen, wie Sie das tun.

Alter Linker 05.06.2017 | 23:17

"Aber mein Vertrauen ist gering. Nicht trotz der Realität, sondern wegen: 100 Prozent der Attentäter waren gewaltaffin und behördenbekannt, und ich komme darüber kaum hinweg."

DANKE!"

Warum danke?

Gewaltaffin zu sein and behördenbekannt zu sein ist beides keine Straftat. Was der Lobo da erzählt ist wieder pseudo-liberales Gesäusel ohne über Konsequenzen nachgedacht zu haben. Was sollen "die Behörden" denn machen wenn die jemanden als radikalisiert und gewaltaffin "kennen"?

Vorsorglich erschiessen? Vorsorglich abschieben? Vorsorglich auf Lebenszeit einsperren?

In einem Rechtstaat darf das nicht passieren. Natürlich kann es sein, dass Behördenversagen vorliegt, ich kann das nicht beurteilen weil mir dazu die Kenntnisse fehlen - aber mir geht die Hutschnur hoch wenn da jemand von den Behörden wieder fordert "was" zu tun wenn die jemanden als gewaltaffin "kennen". Die Behörden kennen nämlich auch ein paar Zehntausende andere Menschen als "gewaltaffin": Fussball-Hooligans, Autonome und Antifas vom Schwarzen Block, Rechtsradikale und was sich da sonst noch alles so tummelt.

Wollen Sie die auch alle vorsorglich einsperren? Oder gilt das nur für gewaltaffine Leute mit Migrationshintergrund? Oder nur für gewaltaffine Moslems?

Soloto 06.06.2017 | 01:04

Sehr starker und vor allem sehr wichtiger Artikel, da er benennt, woher die Dschihadisten in Europa ihren Nachwuchs rekrutieren, nämlich aus den abgehängten Einwanderermilieus (wobei, das sei ergänzt, auch eine Universitätsbildung nicht vor Fanatismus schützt). Damit stellt sich dann die Frage, ob es für die Gesellschaft als Ganzer besser oder schlechter ist, wenn diese Milieus größer oder kleiner werden. Nun, die Antwort darauf liegt natürlich auf der Hand, die tatsächliche Entwicklung ist jedoch eine gegenteilige und es ist nicht absehbar, dass die westlichen Gesellschaften a) die nötigen Ressourcen hätten, um fundamentalistische Parallelgesellschaften durch Bildung und Arbeit zu integrieren noch, dass b) es psychologisch überhaupt möglich ist, die Sozialisation eines Menschen so weit umzupolen, dass der Gegensatz zu einheimisch Sozialisierten aufgehoben wird.

Insofern ist davon auszugehen, dass die Sicherheitslage in Europa noch eine ganze Weile nicht hinnehmbar sein wird. Die Konservativen werden das zur Stärkung des Überwachungsstaates auszunutzen wissen, während die Linken dem Problem des Terrors wohl weiterhin vor allem mit Phrasen begegnen werden und ansonsten eine Politik vertreten, die dessen Ursachen verschärft (forcierte Einwanderung aus muslimischen Ländern) und sie in den Augen vieler einheimischer Wahlberechtigter unwählbar macht.

Was ist also zu tun? Zunächst sollte man so ehrlich sein und sagen: Ja, Multikulturalität und Weltoffenheit sind schöne Sachen, aber wir haben den Begriff "bunt" viel zu lange oberflächlich auf die Hautfarbe und die Herkunft bezogen verwendet und nicht auf die innere Verfasstheit der Individuen. Da bedeutet "bunt" eben nicht-traditionalistisch, mithin hippieesk. Wir aber haben unter dem Label "bunt" sehr viele Menschen mit teils ultra-traditionalistischen Ansichten ins Land gelassen, was bis zu einem gewissen Maß auch tolerierbar ist, doch jetzt kippt´s eben und wir können gespannt sein, wie sich unter diesen Bedingungen die Bleiberechtsdebatte nach der BTW entwickeln wird. Wir gehen leider - Nürnberg und Rock am Ring legen beredtes Zeugnis davon ab - sehr heißen Zeiten entgegen.

denkzone8 06.06.2017 | 01:07

den teil denk-verweigerung

(möchte ich nicht als ignoranz-terror bezeichnen),

der in Ihrer gleich-setzung von is-terror und

staatlich-militärischen gewalt-exzessen

(einer westlichen werte-gemeinschaft angelastet)

erscheint,

möchte ich Ihnen nicht durchgehen lassen.

bekannte, ostentative abscheu

-durch einförmige wiederholung nicht stärkend-

bei brutalitäten gegen menschliche leben

verlieren ihren sinn,

wenn verschiedene täter in verschiedenen fällen

mit opfern verschiedener gewalt-taten

in einen topf gerührt werden,

um ein dürftiges süppchen von gewalt-ferne

als rezeptur zu kochen.

wer die erde als ein einziges jammer-tal be-urteilt,

be-wirkt nur eines: jammern.

durch ein:

es kann jeden von uns treffen

wird auch noch( göttliche?) strafe herauf-beschworen

für sündiges beharren auf abstufung von verantwortlichkeiten.

denkzone8 06.06.2017 | 01:35

zum beitrag:

daß dem kriegerischen handeln die ent-grenzung innewohnt, hat clausewitz deutlich gemacht.

eine begrenzung auf kämpfende truppen war gestrig.

die totalisierung in bezug auf zivilisten und deren territorien

geschieht in dem maße, in dem militärische aktionen

durch die gesamt-gesellschaft produziert werden.

inwiefern der inner-gesellschaftlich-generierte terrorismus

züge eines bürger-kriegs hat,

ist zu untersuchen.

das durch-halten in kämpfen

ist nicht mit durch-halte-parolen gleichzusetzen.

den kampf gegen kriminalität, gesundheits-gefährdungen,

denkt auch keiner aufzugeben:

schier un-überschaubare mittel werden auch im kampf

gegen die absolute und relative unwissenheit aufgewendet.

auch widerstand gegen das überhand-nehmen des drogen-

mißbrauchs

wird als gesamt-gesellschaftlicher kultur-kampf betrieben.

gozilla 06.06.2017 | 07:54

Die sog. Sicherheitsbehörden sollen ihren Job konsequent machen, wenn Sie Hinweise auf eine Gefährdungslage haben. Die vielen Pannen bzw. das Staatsversagen der Vergangenheit ist beunruhigend. Auch hier: "Nach dem Bundesinnenmisterium konnten Haftbefehle gegen 462 Rechtsextreme nicht vollstreckt werden, die teils schon länger gesucht werden"

https://www.heise.de/tp/features/Mehr-abgetauchte-rechte-Straftaeter-3734025.html

Flegel 06.06.2017 | 09:21

Maßlose Überforderung der Polizei

Ich muss Ihnen ehrlich gestehen, dass ich Ihren Text, mit dem sie Sascha Lobos Argumentation ad absurdum zu führen versuchen, als skandalös empfinde.

Da waren die Bürgerinnen und Bürger von NRW aber konsequenter. Die haben den unfähigen NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) soeben wg. Unfähigkeit weggejagt.

Er war bekanntlich mitverantwortlich für das Behördenversagen im Falle Anis Amri und er war hauptverantwortlich für die Silvesternachtereignisse von Köln, wo eine Horde von Männern mit nordafrikanischem bzw. arabischem Aussehen Menschen, vornehmlich Frauen, belästigte, auch sexuell. – „Eine Gruppe von etwa tausend Menschen, aus der heraus Straftaten begangen wurden", so Polizeipräsident Albers Anfang 2016.

Damals bereits wurde die maßlose Überforderung der Polizei deutlich, die offensichtlich nicht in der Lage war, mit derlei „Schwarmverhalten“ umzugehen und die Bürgerinnen und Bürger vor solchen Überfällen zu schützen. Dieser Massenüberfall setzt eine Planung voraus, die die Polizei hätte erkennen müssen. Sammelt und speichert der Staat doch fleißig jede Menge Daten seiner Bevölkerung.

Der Gipfel von Frechheit: Bis heute sind die skandalösen Ereignisse von Köln noch immer nicht restlos aufgeklärt. Und sie werden nicht aufgeklärt werden, da alle Akteure nur daran interessiert sind, ihre eigene Beteiligung an der Katastrophe zu kaschieren.

Wenn Ordnungshüter nicht in der Lage sind, einen derartigen Massenüberfall zu verhindern, sind sie selbstverständlich auch nicht in der Lage, Attentate wie am 13. November 2015 in Paris und in Brüssel am 22. März 2016 zu vereiteln! – Das Attentat am 19. Dezember 2016 in Berlin ist die makabre Bestätigung dessen.

Also – genau hinschauen ist angesagt. Die Argumentation von Sascha Lobo ist schlüssig und kein „pseudo-liberales Gesäusel ohne über Konsequenzen nachgedacht zu haben.“

Ihre Argumentation lässt einfach nur alles durchgehen.

na64 06.06.2017 | 09:42

Es hat sich in mir etwas verändert. Das Bewusstsein.

Die Gewohnheiten einer Kultur brechen weg und es verändert sich der Sinn dieser Kultur. Doch diese geistige Tragweite hat sich in unserem tagtäglichen Alltag noch nicht breit gemacht, da wir an den bisherigen Gewohnheiten festhalten wollen. Auch verursachen wir durch das bewahren an alten gewohnten Orientierungen unser Leben wie wir es kennen gestalterisch zur besten Möglichkeit einer Lebensweise gegenüber anderer Ansichten zu echauffieren. Also ignorieren wir zu gewissen Teilen Veränderungen die auf unsere Form von gestalteter Bequemlichkeit zugreifen wollen.
Kultur besteht aus dem zelebrieren von gewohnten Ritualen (Rock am Ring) für eine Orientierung, die wir dann als wohl geformte gemeinschaftliche Werte bezeichnen. Wenn wir intrinsisch diesen Werten Veränderungen angedeihen, dann ist alles erlaubt. Will aber jemand von außen darauf hinweisen, dass diese Eure Werte, uns die anderen in unserer Entfaltung von unseren kulturellen Werten in unseren Heimatnationen behindern, dann empfinden wir das als unpassend, weltfremd, geistig Dumm und Zeitfremd an Glaube und Bewusstsein einer Gesellschaft. Doch eine KI oder die elektronische Neue Welt darf alles mit uns machen. Das ist dann kulturell weit gedacht, Hipp und Zukunft und geht auch genau dahin, was wir den anderen fremden Kulturen als Dummheit unterstellen und fügen es uns selbst freiwillig, über diese elektronischen Welthelfer zu. Tschüss freie Entfaltung.
Und im Blick auf die Presse, die so tagtäglich in jedem Laden aus liegt, da beschleicht mich von allen Seiten ein neues Bewusstsein, dass man Gewalt und Krieg gegen bestimmte Gruppierungen als Lösung für das eigene geistige Vakuum ansieht. Wir sind in unserem Bewusstsein nicht weiter entwickelt, wie die, die wir als unpassend ansehen wollen, damit unsere Kultur als Orientierung weiter Ihren Sinn behält.
Es hat sich was verändert. Als Schutz vor uns selbst, mit unserem zelebrieren von Kultur wie Rock am Ring, oder beim Fußball kommen wir scheinbar nicht zurecht und fühlen uns beleidigt, wenn dieser unsrigen gelebten Arroganz für kurze Zeit Einhalt geboten wird.
Die Besinnung für ein anderen Hirnmodus dauert max. drei Sekunden, danach ist dies sofort verpufft und schon läuft alles wieder im gewohnten Dreh.

Flegel 06.06.2017 | 10:24

Ich bin auf Ihr überwältigendes Gegenkonzept gespannt

Ihnen als Inhaber der Deutungshoheit möchte ich gerne ins Gästebuch schreiben, dass Ihr Vorwurf hinsichtlich meiner Perseverationen, die Sie „einförmige Wiederholungen“ nennen, an Oberflächlichkeit nicht zu übertreffen ist.

Ich möchte Sie bitten, meine Ausführungen sinnstiftend zu lesen und sich mit den Inhalten argumentativ auseinanderzusetzen, statt mir „einförmige Wiederholungen“ vorzuwerfen, „um ein dürftiges süppchen von gewalt-ferne als rezeptur zu kochen“. – Und im Übrigen selbst keine Gegenargumente zur Verfügung zu haben.

Ich bin auf Ihr überwältigendes Konzept zur Gefahrenabwehr gespannt.

Eine kleine Denksportaufgabe: Ich behaupte einen signifikanten Zusammenhang zwischen den Terroranschlägen der „westlichen Wertegemeinschaft“ mit dem Namen völkerrechtswidrige Angriffskriege in den bekannten muslimischen Ländern mit 1,5 Millionen Kriegstoten und zig-Millionen Kriegsflüchtlingen und bitte Sie, mir, bzw. uns darzulegen, weswegen ich falsch liege.

„durch ein: es kann jeden von uns treffenwird auch noch( göttliche?) strafe herauf-beschworen“

Dieser dümmlichen Fantasie möchte ich folgendes entgegenhalten: Ich hätte besser wohl besser schreiben sollen „Der Terrorismus kann jede europäische Metropole, und er kann jeden von uns treffen, jederzeit.

Das ist vor dem Hintergrund der zutreffenden Analyse von Lutz Herden zu verstehen:

»Der Anti-Terror-Krieg hat sich einen, zu ihm passenden Mob geschaffen, und der kommt nicht aus Kabul, Bagdad oder Mossul, sondern aus den an die Peripherie gedrängten Einwanderermilieus europäischer Metropolen. Er ist mit Hass geladen, auf Rache bedacht und offenkundig von Tötungswahn besessen.«

Die „an die Peripherie gedrängten Einwanderermilieus“ ist das Stichwort. Diese „an die Peripherie gedrängten Einwanderermilieus“ gibt es z. B. hier im Ruhrgebiet mit seinen fünf Millionen Einwohnern zu Hauff. Es ist noch nicht lange her, als wir in dieser dFC über den Dortmunder Norden mit seinem „an die Peripherie gedrängten Einwanderermilieu“ ausführlich diskutiert haben – ich zudem mit hoher persönlicher Betroffenheit.

Und nahezu jede „Metropole“ des Ruhrgebietes hat ein „an die Peripherie gedrängtes Einwanderermilieu“. Und hieraus entsteht die Gefahr, dass der Terrorismus jeden von uns treffen kann, und zwar zu jeder Zeit.

Gerade erst haben wir das BVB-Attentat in Dortmund erleben müssen.

Hier in Castrop-Rauxel, also 10 km vom Dortmunder Norden entfernt, sind 30 Prozent der Bevölkerung arm oder von Armut bedroht.

Also bitte nicht solchen oberflächlichen Quatsch.

erftstadtboy 06.06.2017 | 10:57

zwei attentate kurz vor der uk-wahl, i.d. die "sozialisten" unerwartet nah an die konservativen oligarchen rangerobbt sind > "enough is enough", wem dieser spruch wohl alles gilt...

dazu dieser artikel von dem altgedienten john pilger:

http://johnpilger.com/articles/terror-in-britain-what-did-the-prime-minister-know

irgendwie erinnert mich t.may noch mehr an madame mim (aus der disney-schnulze "bernhard und bianca") als h.clinton...;)

Flegel 06.06.2017 | 11:09

Schuld sind immer die Anderen

Und da ist noch etwas:

Premierministerin Theresa May will den radikalen Islamismus aus der britischen Gesellschaft „ausrotten“. „Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.“ „Wir werden den Terroristen nicht erlauben, dass sie uns besiegen. Wir werden sie besiegen.“

Wie heroisch! Hat sie die Kriegsbeteiligungen ihres Staates vergessen, die diesen islamistischen Terror in Großbritannien und Europa überhaupt erst möglich machen?

Hat sie ihren Vorgänger Tony Blair vergessen, der mit seinem völkerrechtswidrigen Überfall des Irak 2003 einen erheblichen Eigenbeitrag zur Entstehung des IS leistete? Er gehört vor das Den Haager Kriegsgericht gestellt.

Hat Frau May das etwa vor? Die Dame zieht eine pflichtgemäße Show ab – und weiß es nicht einmal.

erftstadtboy 06.06.2017 | 11:16

und zu dem thema islamfanatiker vs. westliche wertegemeinschaft: ich verstehe zwar die angst auf westlicher seite, halte sie aber rational für wenig begründet.

die angst, dass islamisten den ("unseren") global dominanten lebensstil ins wanken bringen könnten, halte ich ebenso für rational nicht begründbar. dafür fehlen die ressourcen, sowie macht und einfluss, und, ganz wichtig, eine positive, mitreißende utopie. mit einer erzählung zwang und autorität kann man doch auf dauer keinen hund hinterm ofen vorlocken (das muss man schon kaschieren...tun die islamisten aber nicht). zudem darf man nicht vergessen, dass islamisten ein stück weit auch die macht unserer herrschenden eliten in frage stellen, allein schon deshalb wird nichts tiefgreifendes passieren.

die realen chance an irgendetwas anderem zu sterben als an einem islamisten-attentat, sind enorm viel höher. da sollte man besser mal nicht mehr nicht mehr aus wohnung gehen.

die angst vor den paar 10.000/100.000 muslimen in d-land, die evtl. gewaltbereit sind, teile ich daher nicht. das ist beherrschbar, ebenso wie paar 10.000/100.000 gewaltbereiten rechten und die paar 1000 gewaltbereiten linken. mehr angst sollte man vor den paar 10.000/100.000 gewaltbereiten elitenmenschen haben. denn diese gewaltbereitschaft stützt sich auf das gesetz (aka geronnene macht, wie es luhmann mal formulierte) und auf diskursherrschaft, sowie extrem große ressourcen. wenn diese menschen sich wirklich bedroht fühlen (was schon lange nicht mehr der fall war), dann ist mit veränderung der lebensumstände und gewalt in einem großen maße zu rechnen.

des weiteren halte ich den klimawandel für einen möglichen großen treiber von veränderung, der "unseren" lebensstil beeinflussen wird, über kurz, wahrscheinlich eher lang.

zusammengefasst: ich sehe eine menge projektionen in den reaktionen auf die attentate, was psychologisch verständlich ist, zur einordnung aber wenig beiträgt.

Guen98 06.06.2017 | 11:44

Anknüpfend an ihren Beitrag würde ich gerne mal die frage in Bezug auf das Attentat in London: ob es unbedingt erforderlich ist das die Namen der Täter überhaupt genannt werden müssen?(sollen? - wird von Tv-Moderatoren meistens zuerst nachgefragt) .

Wäre es nicht besser wenn diese Identitäten gar nicht im Öffentlichen Raum bekannt gemacht werden um Nachahmer effekte zu verhindern?

gelse 06.06.2017 | 13:26

>>Wäre es nicht besser wenn diese Identitäten gar nicht im Öffentlichen Raum bekannt gemacht werden um Nachahmer effekte zu verhindern?<<
Das würde wohl nicht viel ändern.
Die Ansage: „Niemand muss sich länger von Terroristen rekrutieren lassen, weil Alle eine bessere Lebensperspektive haben werden“ könnte eventuell etwas ändern.
Allerdings müsste diese Ansage auch glaubhaft begründet werden, mit konkreten, ökonomisch plausiblen Plänen. Und das würde von Kapitallobbyisten und Massenmedien mit Liebesentzug bestraft.

Flegel 06.06.2017 | 15:05

Sie sind einer der Wenigen in dieser dFC, die sich für systemische Zusammenhänge und das Bedingungsgefüge dieses Terrors interessieren. Ganz viele hier wollen nur Ihre schlauen Sprüche loswerden.

Wenn Frau May situationsangemessen reagieren wollte, müsste sie Herrn Blair nach Den Haag ausliefern. Alles andere ist reine Geschäftigkeit. Das trifft ebenso auf George W. Bush und Gerhard Schröder wg. dessen Kosovoumtriebigkeit zu.

Alter Linker 06.06.2017 | 15:28

"Ich muss Ihnen ehrlich gestehen, dass ich Ihren Text, mit dem sie Sascha Lobos Argumentation ad absurdum zu führen versuchen, als skandalös empfinde. ... Ihre Argumentation lässt einfach nur alles durchgehen."

Während Sie leider überhaupt nicht argumentieren sondern in weiten Kreisen um den heißen Brei herumreden. Darum hier also ganz konkret:

Polizei behauptet, jemanden als gewaltaffin und radikalisiert einzuschätzen. Was sollte die Polizei Ihrer Meinung nach mit diesem Menschen tun?

luddisback 06.06.2017 | 15:30

es geht doch nicht ums weitermachen wie bisher. das wird fürs volk dahingeredet. die terroranschläge liefern steten anlaß, gesetze zu verschärfen. ein weitermachen wäre, was norwegen nach breivik getan hat. aber das gilt ja nicht für den rest europas. frankreich ist seit monaten im ausnahmezustand. die usa mit dem patriotact seit vielen jahren. und hierzulande werden auch im monatstakt bürgerrechte geschliffen für ein herbeifabuliertes supergrundrecht sicherheit. jeder anschlag schiebt die polizeistaatsfreunde wieder einen meter vorwärts. und diese symbiotisch scheinende partnerschaft ist das eigentlich paradoxe.

vor allem, wenn man mal über so was nachdenkt:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/161724/umfrage/verkehrstote-in-deutschland-monatszahlen/

Alter Linker 06.06.2017 | 15:59

Und, lieber Gozilla, an Sie auch die Frage:

Was soll Ihrer Meinung nach die Polizei konkret tun wenn sie einen Menschen als radikalisiert und gewaltaffin einschätzt?

Hab ehrlich gesagt keine Ahnung warum Sie hier den Heise-Artikel über abgetauchte Rechte reinlinken. Ist ganz normal, dass Menschen abtauchen wenn sie gesucht werden. Ende April 2016 gab es in Deutschland 148.727 nicht vollstreckte Haftbefehle, natürlich sind da auch ein paar Rechte drunter.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-05/polizei-offene-haftbefehle-politisch-motivierte-taten

Gottseidank ist Deutschland noch kein Polizeitstaat wo die Autoritäten bei jedem Menschen immer wissen wo er gerade ist and was er macht.

denkzone8 06.06.2017 | 16:08

es gibt ...jenen teil von terrorismus,den wir selbst ausübten und auch noch ausüben... und dann erklären Sie, wen Sie unter wir fassen.

dann rekurrieren Sie (einen brief zitierend)auf

gleichheit von tötungs-verläufen.

Sie glauben sich bestätigt: das übliche grauen in kabul etc....

hat für eine nacht die britische hauptstadt erreicht.

Ihnen persönlich werfe ich vor, daß sie terroristische aktionsformen der is gleichwerten den staatlich-gelenkten

militär-einsätzen wo auch immer,

und anti-terror-maßnahmen, wo auch immer.

sie plädieren dafür, ergebnis-losigkeit der anstrengungen fest-zu-stellen, der menschen-opfer genug sein zu lassen.

warum das morden andauert, ob position zu beziehen ist,

ist für Sie keine lohnende frage.

auch das bvb-attentat aus purer habgier rühren Sie unter

in einen cocktail der bedrohlichkeiten.

die politischen, religiösen, sozialen, moralischen dimensionen,

die motive der akteure, die gründe der absichten,

die zu be-urteilungen und vernünftigen stellung-nahmen erst tauglich machen würden, kommen so nicht in den blick.

alles bleibt nur ein hauen und stechen,

daß uns aus bedrohlich-nahen quartieren auf den pelz rückt.

daß marginalisierte ihre zukunft in attentaten sehen:

darauf ist in der brd anders zu reagieren als auf auf-gerüstete taliban in afghanistan.

daß lern-und ausbildungs-bereite mädchen ihre chance haben sollen gegen aggressive, gewalt-bereite reaktionäre:

ist mir ein anliegen.

daß arroganz der technisch-überlegenen

gesellschaftliches ringen vergiften kann

und absichten durch verderbliche mittel

zunichte werden, ist wohl allen jenseits der fanatiker klar.

Flegel 06.06.2017 | 16:27

„Gewaltaffin und radikalisiert“

Die Diskussion auf diese beiden Begriffe zu reduzieren, reicht nicht. Es geht um das Versagen von Staatsorganen schlechthin. Es geht auch um Fehleischätzungen, wie im Falle Amris. Es geht um alle Lobo-Kriterien. Ich habe zwei Beispiele von Staatsversagen genannt und auch eine Lösung aufgezeigt (der Innenminister wurde weggejagt). Es geht darum, dass vmtl. zumindest das eine oder andere Attentat hätte verhindert werden können.

Wissen Sie, es ist doch bezeichnend: 17 sündhaft teure und mit allen Kompetenzen ausgestattete US-Geheimdienste waren nicht in der Lage, Nine/Eleven zu verhindern. Aber 30 Minuten später erklärte man uns, man wisse bereits, dass Al-Kaida hierfür die Verantwortung trage und zettelte einen Krieg mit Afghanistan an.

Gelse 06.06.2017 | 13:26 hat die richtige Antwort gegeben:

»Die Ansage: „Niemand muss sich länger von Terroristen rekrutieren lassen, weil Alle eine bessere Lebensperspektive haben werden“ könnte eventuell etwas ändern.
Allerdings müsste diese Ansage auch glaubhaft begründet werden, mit konkreten, ökonomisch plausiblen Plänen. Und das würde von Kapitallobbyisten und Massenmedien mit Liebesentzug bestraft.«

Die komplexe Thematik auf zwei Begriffe reduzieren zu wollen, ist nicht seriös.

Zack 06.06.2017 | 16:30

Was soll Ihrer Meinung nach die Polizei konkret tun wenn sie einen Menschen als radikalisiert und gewaltaffin einschätzt?

Ja echt blöd nicht, was macht man nur mit denen?

Das das Bundeskanzleramt und ihre Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) die politischen und militärischen Vorstände dieser gewaltaffinen Leute erneut nach Berlin einladen wird, wie es mehrmals zwischen 2011 und 2013 geschehen ist, um ihnen ihr Projekt Elitenwandel und neue soziale Mobilisierung in der arabischen Welt schmackhaft zu machen, damit ist auf jeden Fall nicht zu rechnen.

Flegel 06.06.2017 | 16:43

„Ihnen persönlich werfe ich vor, daß sie terroristische aktionsformen der is gleichwerten den staatlich-gelenkten militär-einsätzen wo auch immer, und anti-terror-maßnahmen, wo auch immer.“

Ihre Replik wimmelt nur so von unsachlichen Unterstellungen. Auch Ihnen kann ich nur antworten, was ich bereits Hakufu mit Post vom 05.06.2017 | 22:14 geantwortet habe:

Kosovo, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien mit einer Bilanz all dieser Kriege von mittlerweile 1,5 Millionen Menschenleben und zig-Millionen Kriegsflüchtlingen sind nun wahrhaftig keine Empfehlung, den Mund so voll zu nehmen, wie Sie das tun.

gozilla 06.06.2017 | 17:22

Mir reicht es - und wiederhole mich- , wenn die Sicherheitsbehörden mit rechtsstaatlichen Mitteln rechtskräftig verurteile Gewalttäter bzw. potenzielle Gefährder konsequenter behandeln. Es kann nicht sein, dass wie im Fall Amri bzw. jetzt in London die Sicherheitskräfte fast alles über die mutmaßlichen Täter wußten, aber sie machen konnten, was sie wollten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt....Polizeistaat - nö. Aber ordentlich ihren Job machen (ohne vertuschen oder wegschauen), dass halte ich für normal!

Und was haben Sie für Vorstellungen- außer sich bedeckt zu halten?

hakufu 06.06.2017 | 21:48

Jetzt mal rein hypothetisch :

wenn es nicht die Versuche geben würde, die Afghanen, die Syrer, die Muslime im allgemeinen "säkular" zu machen, sie umzuformen zu demokratischen Sozialisten, sondern sie selber machen ließe, damit sie als Sunniten oder Schiiten fromm ihrem Glauben dienen können, gäbe es all diese Kriege nicht.

Und auch nicht die Millionen von Toten, die der Umerziehung zum Opfer gefallen sind.

Kriege und Bürgerkriege sind i.d.R. immer begründet, den Feind zu bekehren, oder zu eliminieren.

Meine Demut und Selbstbeschuldigung reicht jedenfalls nicht so weit, dass ich Terroristen zubillige, ihre Wut auf das Schweinesystem an Unschuldigen auszulassen.

Oder billigen Sie Breivik zu, dass er in seinem Sinne konsequent gehandelt hat ?

AndyC 06.06.2017 | 22:06

Wo bleibt ein Gesprächsangebot?

Das Morden im Kosovo, in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien mit einer Bilanz all dieser Kriege von mittlerweile 1,5 Millionen Menschenleben und zig-Millionen Kriegsflüchtlingen gehen auf das Konto der westlichen "Wertegemeinschaft", wie Flegel völlig richtig anmerkt.

Die arabische Welt wird seit jahrhunderten von gleicher "Gemeinschaft" unterdrückt. Der aufgestaute Hass ist verständlich.

Was mir bei der ganzen Diskussion zu kurz kommt, ist ein Gesprächsangebot. Unter welchen Vorraussetzungen wären diese Menschen bereit, sich auf eine friedliche Zusammenarbeit einzulassen? Dieses Gesprächsangebot könnte aus der alternativen Szene kommen und bedarf nicht die Zustimmung unserer Oligarchen.

Alter Linker 06.06.2017 | 23:40

"wenn die Sicherheitsbehörden mit rechtsstaatlichen Mitteln rechtskräftig verurteile Gewalttäter bzw. potenzielle Gefährder konsequenter behandeln."

Und genau wie der Kommentator Flegel sagen auch Sie nicht was das bedeutet. Die Behörden sollen also "potenzielle Gefährder konsequenter behandeln". Und wie sieht Ihrer Meinung nach eine solche "konsequente Behandlung" aus? Mal so ganz praktisch bitte.

Potenzielle Gefährder können nicht mit rechsstaatlichen Mitteln behandelt werden, schliesslich haben potenzielle Gefährder noch überhaupt nichts getan was strafbar wäre, dann wären sie nämlich Straftäter - und nicht potenzielle Gefährder.

"Und was haben Sie für Vorstellungen- außer sich bedeckt zu halten?"

Ich habe bereits gesagt was ich in diesem Falle tun würde, praktisch nichts. Es gibt nämlich keinen rechtsstaatlichen Weg, "potenzielle" Straftäter (das sind wir übrigens alle) konsequent zu behandeln. Im Rechtsstaat werden Straftäter verfolgt - und nicht Leute, von denen irgendein Geheimdienst denkt, dass es sich dabei potenziell um einen Gefährder handeln könnte.

Das denken die übrigens von einer ganzen Menge Leute ...

denkzone8 07.06.2017 | 00:37

eine griffige these:

terrorismus= gewaltsamer widerstand der welt-armen

hi-tech-krieg= gewaltsame unterdrückung der welt-reichen.

bisher hab ich zu den armen die gezählt,

die sich und ihre kinder nur notdürftig oder garnicht entwickeln können.

das bild will nicht übereinstimmen mit is-kämpfern,

die mit waffen aus-ge-rüstet sind, deren anschaffungs-kosten

das budget dortiger familien erheblich übersteigen.

es scheint finanziers des terrorismus zu geben,

die an unbewaffneter entwicklung nicht primär

interessiert sind. oder?

denkzone8 07.06.2017 | 00:48

und der blöde bush(gar nicht so weit entfernt von trump),

ist mit seiner kreuz-zugs-(wahn)-idee auf der gleichen ebene eingestiegen.

um was es auch immer noch gegangen ist:

es wurde ein blutiges kräfte-messen von kontrahenten,

die eine friedliche ko-existenz mit separaten entwicklungen

vom schirm verbannten.

das neue lebens-elexier war: bewaffnete konfrontation.

dem gegner soviel weh tun wie möglich.

denkzone8 07.06.2017 | 01:14

sie haben ein sehr poröses geschichts-bild.

die arabische welt wird seit jahrhunderten ...vom westen unterdrückt?

ist die osmanische herrschaft über araber eine westliche gewesen?

sind arabische versklavungen in afrika und anderswo

vom westen initiiert?

waren die sklaven-nehmer der -->barbareskenstaaten(wiki)

vom westen angestiftet?

die bis in die 1840er jahre florierende piraterie an der nord-afrikanischen küste : ein widerstands-akt gegen den westen?

die gescheiterten modernisierungs-versuche nach dem ersten weltkrieg in afghanistan, persien, ägypten: vom westen hinter-trieben?

wo sich hass aufgestaut hat(nicht überall im islamischen raum),

liegen disparitäten zugrunde, die nicht einer westlichen feindlichkeit anzulasten sind.

eine pauschalisierte selbst-anklage/schuld-zuweisung

geht in die irre.

AndyC 08.06.2017 | 09:03

Dieser "Krieg gegen den Terror" wird militärisch nicht zu gewinnen sein

AC
Die arabische Welt wird seit jahrhunderten von gleicher "Gemeinschaft" unterdrückt. Der aufgestaute Hass ist verständlich.

denkzone 8
Ist die Osmanische Herrschaft über Araber eine westliche gewesen?

AC
Das Osmanische Reich beanspruchte bereits ab dem 15. Jahrhundert eine europäische Großmachtrolle neben dem Heiligen Römischen Reich, Frankreich und England. Durch die ununterbrochen intensiven politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen ist die Geschichte des Osmanischen Reichs mit derjenigen Westeuropas eng verbunden.

Im Nahen Osten beherrschten die Osmanen mit Syrien, dem Gebiet des heutigen Irak und dem Hedschas (mit den heiligen Städten Mekka und Medina) die historischen Kernlande des Islam. Diese Länder waren dem osmanischen System Tributpflichtig.

Der syrische Gelehrte ʿAbd ar-Rahmān al-Kawākibī (1854–1902) veröffentlichte zwei Bücher, in denen er das Osmanische Reich für den Niedergang der islamischen Welt verantwortlich machte.

Den Arabern wird es egal gewesen sein, ob die "wirtschaftliche Nutzung" der arabischen Länder der Arabischen Halbinsel vom Osmanischen Reich, den Franzosen oder Engländern organisiert wurde, die dort nichts verloren haben.

Die kriegerische Auseinandersetzung die wir erleben, ist militärisch von keiner Seite zu gewinnen. Um Frieden auf der arabischen Halbinsel vorzubereiten, sollten Gesprächsangebote gemacht werden: Unter welchen Vorraussetzungen wären diese Menschen bereit, sich auf eine friedliche Zusammenarbeit einzulassen? Warum kann "Die Wertegemeinschaft" die Araber nicht machen lassen was sie wollen, wie hakufu 06.06.2017 | 21:48 zu Recht fragt. Es stimmt: Ohne Bevormundungsversuche gäbe es all diese Kriege nicht.


Verehrter denkzone 8,

Ihre Beschreibungen des Sklavenhandels, der florierenden Priaterie und gescheiterte Modernisierungs-Versuche sowie "zugrundeliegende Disparitäten" mögen durchaus eine Rolle spielen.

Was Ihre Ausführungen in keiner Weise verständlicher gemacht hat, ist die persönliche Herabsetzung gleich zu Anfang Ihres Beitrags, indem sie mir rotzfrech "ein sehr poröses Geschichtsbild" unterstellen. Ohne solche persönlichen Anfeindungen ist es angenehmer sich hier aufzuhalten, meinen sie nicht auch?

Freundliche Grüße
ANDYC

denkzone8 08.06.2017 | 10:39

hallo,

daß geschichts- bzw. lage-bilder ausbesserungs-bedürftig sind,

ist keine überraschende, singuläre erscheinung.

ich bin auch immer betroffen, wenn ich große weisse löcher

in meiner landkarte feststelle, von denen ich bis dato keine ahnung hatte.

nicht zuletzt um ergänzungen, manchmal sogar sichten

kennen-zu-lernen, les ich hier.

im gegensatz dazu sind mir (ab-)geschlossene, un-ergänzbare,

hermetische wissens-bestände ein ärgernis.

insofern können sie das rotz-frech relativieren...

eine feind-stellung gegen un-wissenheit hab ich nicht,

eher eine sportliche einstellung. sonst müßt ich mich oft selbst hassen...

zum konkreten:

a) ob es eine westliche werte-gemeinschaft seit jahrhunderten gibt, kann man wohl ausschließen.

es sei denn, man betrachtet die konkurrierenden europäischen versuche gegen die islamisch-arabischen markt-beherrschung in ihrem gebiet als irgendwie wert-orientiert.

venedig, genua, die portugiesen,holländer, engländer haben

versucht, ihren handel zu stärken durch die schwächung des wirtschafts-kreises der islamisch-beherrschten gebiete.

b)spanische, österreichische,russische feind-stellungen aus der nachbarschaft mal beiseite..

c)das osmanische reich als fremd-körper im islamischen

zu betrachten, hat seinen reiz. aber als handlanger westlicher werte kommt es nicht in betracht.

d) gut-nachbarliche einstellungen sind auch nicht zu erwarten.

macht-und markt-politische leer-räume herzustellen,

gar widerstandsfähige nach-kapitalistische

ökonomien/gesellschaften, ist mit dem ende des realsozialismus,

dem mickern der islamischen republik des iran, bisher

aussichts-los.

e) von wem wäre macht-politische enthaltsamkeit,

gesprächs-gestütztes paritätisches handeln zu erwarten,

daß über das diplomatische hinaus-ginge?

f)mit überfällen der schreckens-erregenden art(terrorismus)

werden wir uns abfinden müssen, wie wir uns mit allen

rechts-brechenden(kriminellen) aktivitäten, bei aller gegenwehr,

zu arrangieren haben.

g) mit vor-schnellen zuweisungen von verantwortlichkeiten und schuld ist daher m.e. nichts besserndes getan.

vor allem: wer ist das wir, das zu änderungen imstande wäre,

das friedlichere gedeihen der menschen zu fördern?

die gegen-öffentlichkeit, in der miss-stände der globalen art

diskutiert werden, ist schwach und auch noch un-gleich-verteilt.

die rationale anerkennung der bedürfnisse anderer

sollte durch irrationale selbst-bezichtigungen nicht unterminiert werden. oder?

freundlichst: denk-und lernzone8.