Plötzlich ist Ungarn überall

Asyl Ohne gesamteuropäische Strategie wird auch die deutsche Flüchtlingspolitik bald an einem toten Punkt angelangt sein
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 42/2015
Ungarische Soldaten an der Grenze zu Kroatien
Ungarische Soldaten an der Grenze zu Kroatien

Foto: Jeff J. Mitchell/Getty Images

Schon der historische Vergleich führt in die Irre. Die Reden von Angela Merkel und François Hollande am 7. Oktober vor den EU-Parlamentariern in Straßburg seien ein symbolischer Vorgang gewesen, heißt es. Er erinnere an den gemeinsamen Auftritt von Helmut Kohl und François Mitterrand im November 1989, als beide am gleichen Ort das gleiche Gremium auf eine Epochenwende einstimmen wollten, die mit dem Mauerfall heraufdämmerte.

Man sollte nicht ganz ausblenden, dass die EU vor 26 Jahren mit zwölf Mitgliedsstaaten nicht nur kleiner, sondern auch eine rein westeuropäische Veranstaltung war. Die jahrzehntelange Blockkonfrontation hatte der Staatenunion Zusammenhalt und sozialökonomische Homogenität verordnet. Davon stand Ende 1989 nichts zur Dispo