Privatisierung in Russland: Geburtsstunde der Oligarchen

Zeitgeschichte Präsident Boris Jelzin will 1992 die Privatisierung um jeden Preis. Seine westlichen Mentoren applaudieren, obwohl die russische Ökonomie damit einem Schockzustand ausgesetzt ist
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 37/2022
Das Weiße Haus brennt – das in Russland: Moskau am 2. Oktober 1993
Das Weiße Haus brennt – das in Russland: Moskau am 2. Oktober 1993

Foto: Alexander Nemenov/AFP/Getty Images

Am Morgen des 4. Oktober 1993 erhalten im Zentrum Moskaus aufgefahrene Panzer den Feuerbefehl – im Visier das Weiße Haus, den Sitz des Obersten Sowjets, damals Russlands Legislative. Der im Westen als Abräumer der Sowjetunion geschätzte Präsident Boris Jelzin zieht blank. Seit Wochen rumort eine Pattsituation, Jelzin erlässt Dekrete, das Parlament hebt sie wieder auf. Auslöser der ersten schweren Staatskrise nach dem Zerfall der Sowjetunion ist der chaotische Zustand der Ökonomie. Seit Anfang 1992 ist sie radikalen Reformen ausgesetzt, um marktkonform formatiert zu sein.

Als der Kreml am 21. September den Obersten Sowjet mit dem „Dekret 1400“ für aufgelöst erklärt, greift das Oberste Gericht ein und erklärt Jelzins Ent

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