Lutz Herden
Ausgabe 1013 | 06.03.2013 | 13:03 66

Revolutionär aus Berufung

Venezuela Auch ohne Hugo Chávez wird die Bolivarische Revolution Bestand haben. Wem sie dienen wollte, das wurzelt tief im kollektiven Bewusstsein Lateinamerikas

Revolutionär aus Berufung

Er führte das Venezuela des 21. Jahrhunderts

Foto: Juan Barreto / AFP - Getty Images

Später hat Hugo Chávez bekannt, dass dieser 17. Dezember 1982 für ihn eine Zäsur gewesen sei. Er war zu diesem Zeitpunkt Hauptmann der Fallschirmjäger, nahe Samán del Guere stationiert und von seinem Regimentskommandeur spontan beauftragt worden, vor 1.000 Soldaten und Offizieren eine Rede zu halten, um den Kampfauftrag der Einheit für den Ernstfall zu begründen. Chávez sprach ohne Manuskript. Mehr noch, er nutzte die Gelegenheit zu einem Exkurs über die aus seiner Sicht unbefriedigende Situation Lateinamerikas. Seinerzeit gab es in Staaten wie Argentinien, Chile, Bolivien und Brasilien Militärdiktatoren, die nicht nur jeden Hauch von Humanität vermissen ließen und sich wie Obristen benahmen, sondern auch als verlässliche Gefolgschaft der USA galten. Chávez nannte das einen Schlag ins Gesicht von 200 Jahren Unabhängigkeit. Die Hörigkeit gegenüber den Amerikanern könne so nicht länger hingenommen werden.

Seine Zuhörer folgten ihm aufmerksam, aber ohne Reaktion. Als der Redner vom Podium kam, donnerte der Kommandeur: „Man könnte meinen, Sie sind ein Politiker!“ Ein Offizier, von dem man wusste, dass er zu Chávez' Freunden zählte, entgegnete spontan: „Sie irren sich, Herr Kommandant, Chávez ist durchaus kein Politiker. Er ist ein Hauptmann der heutigen Generation ...“ Daraufhin ließ der Kommandeur die Truppe strammstehen, um sie zu vergattern, über das Gehörte Stillschweigen zu bewahren.

El Caracazo

Zehn Jahre später versuchte Hugo Chávez zum ersten Mal, durch einen Putsch die Regierung zu stürzen. Was misslang, ihm jedoch viel Popularität eintrug, die Werte zwischen 60 und 70 Prozent erreichte. Der damalige Präsident Rafael Caldera von der christdemokratischen COPEI hatte Vertrauen eingebüßt, weil es ihm nicht gelungen war, die sozialen Missstände wenigstens einzudämmen, die zum Volksaufstand, dem El Caracazo, im Februar 1989 geführt hatten. Die Armenviertel von Caracas begehrten gegen steigende Lebensmittelpreise auf. Als es zu Plünderungen kam, ließ der sozialdemokratische Staatschef Carlos Andrés Perez den Aufruhr kurzerhand zusammenschießen. Bis heute konnte nicht endgültig ermittelt werden, wie viele Opfer es damals gab. Mindestens 1.000 Tote sollen es gewesen sein. Vielleicht viel mehr, fast 3.000, sagen manche Quellen.

Für Hugo Chávez war dieses Aufbegehren der letzte, entscheidende Anstoß, alles zu tun, um die Venezuela seit Jahrzehnten beherrschenden Oligarchien zu entmachten. Auf legalem demokratischen Wege gelang ihm das schließlich mit der Präsidentenwahl vom Dezember 1998, als er mit 56 Prozent triumphierte und keine Stichwahl brauchte – was auch für alle weiteren Voten galt, die ihn 2000, 2006 und zuletzt im Oktober 2012 im Amt bestätigten.

Die 1999 beginnende Bolivarische Revolution kam übrigens nie vom Weg der demokratischen Tugend ab. Gewalt kam von Chávez' Gegnern. Damit sind nicht nur die Putschisten vom 12. April 2002 gemeint, die ihn aus dem Weg räumen wollten und im Namen schuldbeladener Eliten handelten, denen die Privilegien abhanden kamen. Einem ökonomischen Gewaltakt kam auch eine Kapitalflucht gleich, der sofort mit der ersten Chávez-Präsidentschaft Ende 1998 begann und mit 90 Milliarden Dollar damals das Dreifache der Auslandsverschuldung Venezuelas betrug, während zwei Drittel der Venezolaner unter der Armutsgrenze lebten. Um so mehr verdienen die ersten Maßnahmen aus dem Jahr 1999 erinnert zu werden: Es gab Rentenzahlungen für alle Venezolaner über 65, einen besseren Kündigungsschutz, eine Begrenzung der Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden und eine medizinische Grundbetreuung, die fortan nichts mehr kostete. Dafür musste es sich Chávez gefallen lassen, im Namen eines abendländischen Wertekanons als „Sozialdiktator“ diffamiert und mit Muammar al-Gaddafi oder Benito Mussolini verglichen zu werden. Hoffentlich hat ihn auch das in seiner Konsequenz bestärkt.

Vorbild Bolivar

Es ist dem Visionär Chávez zu verdanken, dass sich Lateinamerika heute mit nie gekanntem Selbstbewusstsein präsentiert, den USA die Stirn bietet und ein Verständnis von Souveränität und Würde in sich trägt, das die Befreier vom spanischen Kolonialismus im 19. Jahrhundert beflügelt hat.

Deshalb berief sich Chávez von Anfang an auf Nationalhelden wie Simon Bolivar und José Marti und hielt sich an ihre Idee von der Integration der Völker. Vom Geist des patriotischen Aufbruchs inspiriert, fand er Gehör, erwarb sich Respekt und konnte Gleichgesinnte überzeugen: Evo Morales, den ersten indigenen Präsidenten Boliviens, wie den klugen Wirtschaftsreformer Rafael Correa an der Spitze Ecuadors. Mit dem Bolivarismus des 21. Jahrhunderts sympathisierten das Brasilien des einstigen Gewerkschaftsführers und späteren Präsidenten Lula da Silva, das linksperonistische Argentinien oder das von der linken Frente Amplio regierte Uruguay, aber auch Paraguay und Chile. Selbst Präsident Juan Manuel Santos hat für das mehr den USA verbundene Kolumbien nach dem Tod des Comandante gewürdigt, wie der den dekolonisierenden Wandel eines Kontinents vorangetrieben hat. Wollte man sich dafür der Worte des chilenischen Dichters Pablo Nerudas aus seinem Poem der Große Gesang bedienen, müsste man von jenem Baum sprechen, „dessen Wurzeln voller Leben“ und „von Blut genährt“ sind – „der Baum der Freien, der Erdenbaum, der Wolkenbaum, der Baum des Brots ...“ Dieses Vermächtnis des Hugo Chávez lebt fort. Das Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Gerechtigkeit wird Lateinamerika kaum jemals wieder aufgeben.

Zerreißproben möglich

Doch was wird aus Venezuela? Aus einem Chávismo ohne Chávez? Der Regierungsstil, jener unverbrauchte Caudillismo, wie ihn dieser Präsident bis zum Beginn seiner Erkrankung vor zwei Jahren gepflegt hat, erlaubte keine alternativen Führungspersönlichkeiten. Erst im Dezember, vor seinem letzten Flug zur medizinischen Behandlung nach Kuba hat ein sichtlich müder Chávez zu verstehen gegeben, dass er sich Vizepräsident Nicolas Maduro als Nachfolger wünsche.

Wie sich der Ex-Militär Chávez in 14 Regierungsjahren im Staat Venezuela durchgesetzt hat, tat er es auch in der eigenen Bewegung. Lange Zeit gleang es, die verschiedenen Strömungen des Bolivarismus nicht auseinander driften zu lassen, sondern zu moderieren. Ob das auch Maduro vermag? Die 2008 gegründete Vereinte Sozialistische Partei Venezuelas (PSUV) trat bisher eher als Wahlverein in Erscheinung und blieb die programmatische Intuition schuldig. Durch parteiinterne Voten wurde entschieden, wer für einen Gouverneursposten oder ein Bürgermeisteramt kandidiert. Die PSUV wirkt bis heute wie eine Klientel-, nicht wie eine Avantgarde-Partei, die sich ausreichend um bisherige Alliierte wie die PTT (Vaterland für alle) oder die Kommunistische Partei (PCV) bemüht, die beim Putschversuch 2002 jene Massen von Demonstranten mobilisierten, die Chávez Rückkehr an die Macht erzwangen.

Belastungen, möglicherweise Zerreißproben für das post-chavistische Lager sind absehbar, gab es doch unter Chávez keinen Strukturwandel für die venezolanische Ökonomie. Die Sozialprogramme wurde aus den nach wie vor üppigen Erdöleinnahmen finanziert, doch scheint die Praxis einer radikalen Umverteilung allein noch kein allzeit belastbares ökonomisches Prinzip für ein eigenständiges Gesellschaftsmodell, wie es der Revolutionär Hugo Chávez mit seinem "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" im Blick hatte.

 

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 10/13.

Kommentare (66)

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2013 | 14:58

Klar das fast alle Medien jetzt über Hugo Chávez herfallen. Die Hetzberichte sind teilweise übelster Art – man will halt Venezuela wieder in die Abhängigkeit von den USA zurückführen. Aber das wollen die meisten Bürger des Landes gar nicht!

Wenn die Oberschicht und Teile der Mittelschicht Venezuela verlassen wollen, zeigt mir das nur, dass man ihnen ihre Privilegien genommen hat und den Grossgrundbesitzern ihren unrechtmässig angehäuften Grundbesitz!

Hugo Chávez hat der Mehrheit des venezolanischen Volkes wieder eine Perspektive gebracht! Und er hat die Konzerne vertrieben, die das Land ausgeplündert hatten. Er hat Bauern, die vorher mehr oder weniger Leibeigene waren, Land gegeben. Er hat Schulen und Universitäten gebaut. Und seine Solidarität mit anderen unterdrückten in Latein- und Südamerika war Beispiellos.

Ich mochte ihn!

Seifert 06.03.2013 | 15:06

Lieber Lutz Herden, besten Dank für diese Würdigung von Hugo Chavez! Liest man dagegen die heutige Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung, so ist nur Spott und Häme über diese aussergewöhnliche Führungsfigur eines bolivarischen Sozialismus zu erfahren. Eine ganze Seite wird ihm dort gewidmet, doch das von Werner Marti und Nicoletta Wagner Gebotene grenzt an Desinformation. Deutlich wird der Abscheu vor einem, dem es gelang, die Marginalisierten zu mobilisieren.

Würdigung des Werkes von Hugo Chavez muss nicht bedeuten, auf Kritik zu verzichten. In Ihrem Beitrag gehen sie auf die Probleme des venezolanischen Entwicklungspfades, wie er unter Chavez beschritten wurde, ein. Trotz dieser gewaltigen Herausforderungen die Errungenschaften der letzten 15 Jahre nicht sehen zu wollen: das zeichnet den bürgerlichen Blick aus, der auf dieser NZZ-Seite wieder einmal ganz ungeniert den Ton angeben darf!

Columbus 06.03.2013 | 17:40

Jawohl, Herr Herden. Chávez hat nicht die Analphabeten ungebildet gelassen, er hat nicht den armen Kranken zugerufen, sie müssten das Geld für eine private Behandlung schon selbst aufbringen.

Den üblichen Gewinnern aus großen Öl- und Gasvorkommen, man schaue, wie das in Nigeria und Angola lief, wollte er partout kein Sitzkissen hinlegen und ihnen nicht erlauben, ihre Profite in Sicherheit zu bringen.

Der Mann hat ein gerechteres Urteil und einen wahrhaftigere Nachrufe verdient, als sie nun so allgemein verfasst werden. Sie haben dazu das Nötige geschrieben. Danke.

Weiter

Christoph Leusch

poor on ruhr 06.03.2013 | 19:55

Mich hat das Blog auch sehr angesprochen. Ich muss gestehen, dass mir die Hintergrundinformationen aus Südamerika und Venezuela nicht so vertraut sind. Das war sicher ein gewisser Rechercheaufwand. Ich würde mir mehr solcher Artikel aus diesen anderen Teilen der Welt wünschen. Die Würdigung von Chavez hat mir sehr gefallen.

Aufgrund mangelnden Wissens mochte ich vorher eher meinen Traum von einer etwas menschlicheren Regierung in Venezuela, der sich auf die wenigen Schlagzeilen , die ich aus Venezuela gehört hatte, begründete.

Dieser Traum scheint von der dort erlebten und gelebten Wirklichkeit nicht ganz so entfernt gewesen zu sein.

Respekt für das verstorbene Staatsoberhaupt Venezuelas!

rose 06.03.2013 | 20:14

Ich schliesse mich an.

"sollte weltweit die meisten Politiker zum nachdenken bringen und Einige vor Scham im Boden versinken lassen ."

genau das wird nicht geschehen, sonst wären sie nicht das, was sie sind. Respekt al Comandante, und bei dieser Gelegenheit Gedenken an Salvador Allende, ermordet im Aufrag der USA, dazu hat beigetragen der Friedensnobelpreisträger Henrz Kissinger, der, selbst Opfer des Faschismus, nicht die Kraft hat, Unrecht zu erkennen.

Martin Franz 06.03.2013 | 21:22

....man sollte sich zumindest mal die Frage stellen, warum nicht nur er, sondern auch andere südamerikanische Politiker "erkrankten", die sich offensichtlich der alles "beherschenden" Macht/Mächte nicht beugten, anbiederten....die wohl berechtigte Angst "davor" beherrscht den "Rest" der Welt....diese all-umfassende Diktatur der Angst und Einschüchterung!!!...welch lebenswertes "Leben" in welch lebenswerter Welt!!!???

Martin Franz 07.03.2013 | 12:16

....für die "wirklich" interessierten Mitmenschen ist "dies" deutlich genug, wie ich aus der Kurzantwort herauslese....alle anderen können, bzw. wollen ja nicht verstehen....und ein gewisser Raum für eigene Gedankengänge dürfte auch förderlich sein...und was den Hinweis auf Henry Kissinger angeht, so ist auch er ja nur Hampelmann und Marionette, Rädchen im Getriebe, befindet sich in einer wie auch immer gearteten und begründeten Zwangsjacke....und bei den Opfern kann man bei vielen schon sagen, gedungene, willfährige Schergen, Hirn und Gewissen ausgeschaltet...aber diese uns alle beherrschende "Diktatur der Angst und Einschüchterung" ist wohl übermächtig...und wehe dem, der sich davon nicht beeindrucken lässt...ich habe es als Polizeibeamter selbst erlebt und in einem entsprechenden Artikel hier Kund getan...und in einem weiteren Artikel "Gesellschaftliche Selbst-HINRICHTUNG!!!" ...kurz die Folgen für uns alle aufgezeigt!!!

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Ehemaliger Nutzer 07.03.2013 | 12:30

Chavez war ein guter Mensch er hat viel für die venezuelischen Bürger getan indem er den Diebstahl des Volksvermögens der immer mittels Privatisierung stattfindet wieder zum Teil dem Volk zurückgegeben hat.

Ich wünsche den Venezuelern, dass sie einen guten Nachfolger finden!!

Ich vermute mal das die Schakale die durch Lobbyismus überall sind dafür gesorgt haben, dass Chavez vergiftet wurde und an den Folgen erkrankte. Einen entsprechenden Beweis zu erbringen wird schwer sein da die Technik mittlerweile so ausgefeilt ist, das so was ohne Probleme möglich ist.

Leider ist auch die technische Entwicklung dafür verantwortlich das die Demokratien siehe Deutschland und Europa immer weiter unter Druck geraten da die negativen Feudalisten höchstwahrscheinlich der Auflassung sind, das durch die modernen Überwachungsmethoden und automatischen Mordmaschinerien wie Drohnen die Menschen nun vollständig kontrollierbar sind. Unter anderem auch durch Aneignung der Existenz Bedürfnisse durch Privatisierung wie Wasserversorgung, Energie, Lebensmittel, Krankenversorgung uvm. findet ein schleichende Auflösung der Staaten und der demokratischen Ordnung statt.

Lutz Herden 07.03.2013 | 13:51

Es ist schon kein Phänomen mehr, sondern ein ungeschriebenes Gesetz für die in Deutschland weitgehend übliche mediale Reflexion gesellschaftlichen Wandels: Wenn der wirklich soweit geht wie in Venezuela, Bolivien oder eben auch Kuba, setzt eine unglaubliche Verleumdungs- und Denunziationsmachinerie ein. Z.B. wird Chavez zum Vorwurf gemacht, er habe die venezolanische Gesellschaft gespalten. Und was war sie vorher, ein Hort der sozialen Gerechtigkeit und nationalen Eintracht?

Vaustein 07.03.2013 | 14:31

Herzlichen Dank für diesen Link.

Die Frage ist in der Tat, ob sein Nachfolger die Kraft und Fähigkeit hat, das Wollen und Wirken von Chavez im Verhältnis 1 zu 1 fortzusetzen. Vermutlich werden die USA im Hintergrund versuchen, das in ihrem Sinne in andere Bahnen zu lenken. Eigentlich sollten allen Bewohnern Venezuelas daran gelegen sein, soziale Gerechtigkeit, ein gutes Bildungswesen und gute ärztliche Versorgung im Sinne von Chavez fortzuführen.

Martin Franz 07.03.2013 | 15:56

Beide Artikel sind hier beim Freitag unter jeweils "Diktatur der Angst und Einschüchterung" und "Gesellschaftliche Selbst-HINRICHTUNG!!!" zu finden, falls die "Staats-Schützer", die mal wieder, notgedrungen, alle Hände voll zu tun haben.....Stasi und Gestapo lassen, wieder mal, grüssen, denn wir haben ja, wieder mal, aus der Geschichte gelernt....wie ich selbst schmerzlichst gerade erfahre!!!

Martin Franz 07.03.2013 | 16:13

...diese kürzliche, schmerzliche Erfahrung geht nun schon über sechs Jahre, als mir der Kragen platze als ich die Führungsriege meiner Behörde "auf frischer Tat" ertappte....zur Rede stellte, dass es "so" nicht weitergeht....man mir als Polizeibeamten vorschreiben wollte, gewisse Straftäter und Straftaten hätten mich nicht zu interessieren....da blieb mir, alleine schon aus gesetzlich zwingender Verpflichtung, keine andere Wahl..seitdem dreht sich die Spirale unentwegt, immer schneller und schlimmer werdend,.......kollektive Strafvereitelung im Amt und ebensolche Drangsalierung meiner Person, auf der einen, falschen Seite....auf der anderen, richtigen Seite, ich ganz alleine....denn keiner wagt es, sich auf "meine" zu stellen....der wirkungsvollen "Diktatur der Angst und Einschüchterung" sei Dank....alles weitere ist auch auf meiner Facebook-Seite nachzulesen, unter meinem Klarnamen, der wirklich Martin Franz ist, allerdings sinniger Weise unter dem Konterfei von Claus Schenk Graf von Stauffenberg!!!

rose 07.03.2013 | 16:21

diese Denunziationsmaschinerie agiert permanent. Darüber, dass Kuba stets mit Florida und nicht mit Haiti verglichen wird, haben wir uns aufgeregt.

"Spalten der Gesellschaft"...Man sollte es sich immer wieder klar machen: Wir befinden uns im KRIEG, die Goebbels und seine schreibenden Helfer arbeiten hart und für Geld, mit Erfolg, ob sie sich ihrer Verleumdungen und Verfälschungen und Unwahrheiten bewusst sind, ist eine andere Frage.

madi 07.03.2013 | 16:35

Venezuela nach Hugo Chávez

Der "Chavismus ohne Chávez" beginnt als ein Projekt, das von der zivilen Linken angeführt wird. Ob diese Tendenz von Dauer ist, hängt auch von ihrer Fähigkeit ab, repräsentative Funktionen im Staat auszufüllen

Der große Integrator geht

Am Dienstag, den 5. März nachmittags, verstarb in Caracas der
venezolanische Präsident Hugo Rafael Chávez Frías. Die
lateinamerikanische Linke trauert um einen Revolutionär, der Staatsmann wurde, ohne seine Radikalität einzubüßen oder seine populare Herkunft abzustreifen.

Ein Freund der Schwachen

Nachruf des ehemaligen Schweizer Botschafters Walter Suter auf
Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez Frías (1954-2013)

Ein Junge aus Sabaneta

Chávez hat Venezuela verändert, das Tor zum Aufbau des Sozialismus aufgestoßen und war von seinen Gegnern nicht zu stürzen

apatit 08.03.2013 | 07:57

Hätte Hugo Chávez die tollen Waffen z.B. aus den USA oder Deutschland gekauft, dann hätte er Arbeitsplätze mit geschaffen und wäre nicht ganz so böse und die Presse wäre wohlwollender gewesen. Aber er hat er den Großgrundbesitzern und den Anderen eine aufs Dach gegeben und den kleinen Mann den Bauch gefüllt, so was ist nicht zeitgemäß und darum gibt es auch kein Nobel- Preis! Das nennt man dann Gerechtigkeit 2013!

JR's China Blog 08.03.2013 | 10:24

Dafür musste es sich Chávez gefallen lassen, im Namen eines abendländischen Wertekanons als „Sozialdiktator“ diffamiert und mit Muammar al-Gaddafi oder Benito Mussolini verglichen zu werden. Hoffentlich hat ihn auch das in seiner Konsequenz bestärkt.

Mir ist eigentlich ziemlich egal, was Chavez bestärkt hat. Was zählt, sind die Ergebnisse. Mit meinen - ziemlich sparsamen - Lateinamerikakenntnissen versuche ich, ein bisschen in die Zukunft zu gucken.

die Realistin 08.03.2013 | 11:03

Lieber Lutz Herden, vielen Dank für diesen Artikel!!!

Ich höre schon wieder Stimmen bez. einer "Verfolgungstheorie"...Aber man vergesse bitte nicht, wie viele Anschläge auf Fidel Castro versucht worden waren!!! Die USA finden leider immer wieder Wege, unliebsame Feinde aus dem Wege zu räumen!

Ich hoffe sehr, die Venezualener sind stark und selbstbewußt genug, den Weg des Chavismo weiter zu gehen!

die Realistin 08.03.2013 | 11:13

@Daniel Meister: Ja, der Sozialismus hatte nicht gesiegt, aus vielerlei Gründen! Das heißt doch aber nicht, daß die Idee schlecht war! Ich denke, die Masse Mensch war noch nicht reif dafür. Und das der Kapitalismus sich bis zum Äußersten und mit den brutalsten Mitteln wehren wird, ist ja wohl klar.

Die Führer der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution waren in der überwiegenden Mehrzahl Bürgerliche (Russen und Juden), die das Elend des einfachen Volkes letztlich oft nur von Weitem sahen.

Vielleicht muß es wirklich so sein, das ein echter Anführer einer neuen sozialischen Revolution von "unten" kommen muß.

Ein Obama, eine Merkel oder ein Putin werden jedenfalls nicht für menschenwürdige Verhältnisse aller Bevölkerungsschichten kämpfen!

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Ehemaliger Nutzer 08.03.2013 | 17:38

@ miauxx

Wo und wann hat das denn funktioniert?

@ Rose

Ja, er funktioniert und auch Sie leben gut davon. Etwa nicht?

"Ismen" in ihrer Reinform sind schlecht, der reine Kapitalismus ist da keine Ausnahme. Der Sozialismus jedoch auch...siehe Geschichte!

@Die Realistin

Ich glaube, dass es dem "Proletariat", welches heute so nicht mehr existiert, derzeit, vor allem in Deutschland, so gut geht, wie nie zuvor. Bestreiten Sie dies. Kein Sozialismus kann einen derartigen Wohlstand schaffen. Sie Verteilung ist nie gerecht. Dies wird immer Illusion bleiben. Wohlstand erwächst aber nur aus Wettbewerb und Wettbewerb ist menschlich - bereits Kinder rennen um die Wette - wenn dieser Antrieb fehlt, führt dies zur Stagnation.

Kai Rüsen 08.03.2013 | 19:42

Der letzte Absatz Ihres Beitrags bringt das Problem auf den Punkt. Chávez hat Venezuela wirtschaftlich nicht zukunftsfähig gemacht. Sicherlich ist ihm positiv anzurechnen, dass er die sozial Schwächeren an den Milliardeneinnahmen aus den Ölgeschäften beteiligte und damit die Armut senkte. Doch am Ende hat sich Chávez damit seine Machtbasis gesichert. Nach meinen Kenntnissen kann man Chávez durchaus als autokratischen Herrscher bezeichnen. Wirklich demokratische Rechte für die Bevölkerung soll es - soweit ich weiß - lediglich auf kommunaler Ebene gegeben haben.

JR's China Blog 08.03.2013 | 19:52

Chavez war von seiner Natur her wohl ein Autokrat. Allerdings sollte man auch die Venezolaner nicht unterschätzen: sie haben sich in mindestens zwei Referenden sehr genau angeschaut, welche neuen Vollmachten sie ihrem Präsidenten geben wollten, und welche nicht. Ob Venezuela dauerhaft demokratisch geblieben wäre, ist sicherlich eine andere Frage, aber ich kann mir vorstellen, dass viele Lateinamerikaner autokratischen Versuchungen gegenüber recht widerstandsfähig sind.

Ich hoffe, zusammen mit dem, was Chavez' Erben aus dem Chavismus machen, kann man in einigen Jahren von einer Erfolgsgeschichte reden.

Die Art und Weise, in der z. B. Chavez allerdings in Deutschland von der "Linken" gefeiert wird, finde ich nicht klüger als seine Dämonisierung durch die neoliberale Presse. Um Heiligenbildchen soll sich die Kirche kümmern. Man sollte ein anderes Land nicht durch seine eigene, lokal bedingte, Brille sehen.

Der Spruch könnte jetzt von Edward Said sein, oder? ;-)

JR's China Blog 09.03.2013 | 11:06

Bei Meldungen über den Bestand an Erdölreserven ist immer wichtig, wo sie herkommen - offenbar verlässt man sich in diesem Zusammenhang auf Auskünfte der venezolanischen Regierung.

Aber davon abgesehen erfordert die Förderung des venezolanischen Öls anscheinend auch eine anspruchsvollere Technologie als z. B. das auf der arabischen Halbinsel.

Die Exporte aus Venezuela fielen offenbar von 2000 bis 2011 von drei auf 1.7 Millionen Barrel täglich - und heimische Nachfrage war zuletzt jedenfalls nicht das, was die venezolanische Regierung erklärtermaßen wollte, und die heimische Nachfrage betrug dieser Meldung zufolge mehr als 560,000 Barrel täglich, womit der Exportrückgang im oben genannten Umfang noch nicht erklärt wäre.

Mit anderen Worten: Chavez Nachfolger müssen, wenn sie einstweilen auf das Öl als Wohlstandsträger angewiesen sind, auch in die Technik investieren. Entweder ausländische Investoren wieder reinlassen, oder - sicherlich wünschenswerter - einfach die passenden Techniker anheuern und unter staatlicher Regie produzieren.

Und am besten auch gleich eine Fachhochschule eröffnen.

puzzle_magazine 11.03.2013 | 17:07

Der innig verehrte und große Comandante im Bezug auf die Präsidentsschaftswahlen 2009 in der Islamischen Republik Iran:

"Ahmadinejads Triumph war ein Triumph auf ganzer Linie. Sie versuchen, Ahmadinejads Sieg zu beflecken, und dadurch schwächen sie die Regierung und die Islamische Revolution. Ich bin gewiss, dass sie nicht gewinnen werden"

Mir ist leider absolut nicht ersichtlich, wie man einen solchen Analysten 1) ernst nehmen kann und ihm 2) dann auch noch weitsichtige und clevere Politik unterstellt.
Mit den genauen Umständen in Venezuela kenne ich mich nicht zu Genüge aus, um mir ein gerechtfertigtes Urteil zu bilden, eines scheint mir aber recht deutlich hervorzutreten:

Die Parallelen zwischen Chavez' Wahlkampftaktik der "Wahl-Almosen an die Armen" und Ahmadinedschads Konzept des Verteilens von Nahrungsmitteln an die ihm angestammten Wählerschichten in den vergessenen, rückständigen Dörfern...
Unter diesen Gesichtspunkten erhält Chavez emotionale Verbundenheit und jene Ahmadinedschads zu ihm natürlich eine interessante Kehrseite:
Zwei Demagogen mit Strategie?


Costa Esmeralda 11.03.2013 | 17:14

Lieber Lutz Herden,

auf die Gefahr hin, dass einige Kommentatoren über mich herfallen werden, da ich die comments nicht durchgehen konnte, kann ich mir trotzdem einen kurzen Kommentar nicht verkneifen. (verweise ausserdem auf einen Kommentar zu Chávez, den ich bei Thomas eingestellt hatte) Ich teile Ihre Sicht der Dinge nur in dem einen Punkt, dass Chávez erstmalig (Ausnahme Kuba) die nationale Oligarchie in einem lateinamerikanischen Land von der Macht verdrängt hat, ein Ziel, dass Bolivar mitnichten verfolgt hat. Letzterer stammte aus dem spanischen Adel und hat wie andere Libertadores die spanischen adligen Kolonialisten, die Kreolen (spanische Adlige, die in den Kolonien geboren waren) an die Macht gehievt, die es leid waren, von der spanischen Krone abhängig zu sein und Steuern an diese zu entrichten. Bolivars Verhältnis zum "Volk" (besonders indigenen Völkern) war sehr problembeladen, allerdings war das "Volk" als Kanonenfutter gut zu gebrauchen. Bolivar ist auch ideologisch und charakterlich überhaupt nicht als Vorbild geeignet (das wäre eher Miranda, der als erster die Befreiungstheorie und -Praxis erarbeitet hatte, später jedoch von Bolivar verraten wurde). Miranda hatte die erste Freimaurerloge für Lateinamerika begründet, in der auch Bolivar Mitglied war. Diese Loge war den Zielen der Aufklärung verpflichtet und der Befreiung der Völker Lateinamerikas. Chávez, und mit ihm an der Macht Beteiligte, haben den Mythos um Bolivar für ihre persönlichen Machtbestrebungen ausgenutzt, um als "sozialistische" kleinbürgerliche Bewegung an die Macht zu kommen. Selbstverständlich ist das erst einmal ein "Fortschritt" gegenüber einer US-Abhängigkeit (Lateinamerika war seit dem Panama-Kanalbau und der Unabhängigkeit Kubas von Spanien, seit Beginn des 20ten Jahrhundert, stets der Hinterhof der USA). Auch ist es ein Fortschritt, die nationale Oligarchie, die die Ausplünderung der lateinamerikanischen Rohstoffe betrieb, von der Macht zu verdrängen und Umverteilungspolitik für die "Armen" zu initiieren. (Bei letzterer Politik gehen jedoch meistens die indigenen Völker leer aus, da sie auf die Unverletzbarkeit ihrer angestammten Territorien pochen). Jedoch muss man bei aller oberflächlichen Begeisterung für Chávez festhalten, dass die nationale Oligarchie durch eine kleinbürgerliche "sozialistische", ebenfalls autoritäre, paternalistische Elite ersetzt wird, die, wenn sie weiterhin an der Macht bleiben sollte, sich zu einer waschechten, bürokratischen Nomenklatura auswachsen wird (Wagenknecht und Gysi werden ein Lied davon singen können). Die vollmundig propagierte "Bürger-Partizipation" kann man da sofort vergessen (Allerdings auch in unserer glorreichen Republik, wo die Zivilgesellschaft ebenfalls den nützlichen Zaungast für die BT-Parteien spielt). Das zur politischen Situation. Die wirtschaftliche ist noch katastrophaler. Werde hier nicht darauf eingehen. Natürlich sind wir alle froh, wenn Umverteilung von Reich zu Arm stattfindet, aber zugleich muss auf das "empowerment" der Zivilgesellschaft geachtet werden, die Herrschaftsstrukturen zu kontrollieren imstande ist und ihre beruflichen Fähigkeiten dahin verbessert, die Verarbeitung der Rohstoffe im Lande und moderne Dienstleistungen bewerkstelligen zu können. Paternaliste "Weihnachtsgeschenke gut und schön, die helfen aber auf Dauer nicht weiter. (Die wirtschaftliche Situation wird beispielsweise in Ecuador unter Correa wesentlich geschickter angegangen. Was aber analog zu Venezuela geschieht, ist die Enstehung von neuen, diesmal bürokratischen paternalistischen Eliten.) LG, CE

puzzle_magazine 11.03.2013 | 17:49

Und entscheidend sollte auch sein, dass sich mal ordentlich von den Arschlöchern dieser Welt distanziert wird, wenn ich noch einmal sehen muss wie Ahmadinedschad oder irgendein ayatollahtreuer Idiot die Mutter eines venezolanischen Präsidenten umarmt, überkommt mich das Verlangen, auch einmal alle Beteiligten gaaanz fest zu umarmen.
Die Reputation eines Staates im Ausland ist doch wesentlich davon abhängig, wie es sich in solchen Beziehungen verhält. Soll ein Land wie Venezuela eine Vorbildfunktion haben, so ist Islamistenanbiederung eher hinderlich..