Schock und Horror

Pakistan Der Terror-Angriff von Peschawar lässt auch für die Zukunft im benachbarten Afghanistan nichts Gutes ahnen. Für die Taliban war die Grenze noch nie ein Hindernis
Schock und Horror
Straßenszene In Peschawar

Foto: A. Majeed/AFP/Getty Images

Wer eine Gesellschaft bis ins Mark treffen will, hält sich an die Schutzlosen, die Schwachen – der tötet ihre Kinder. Es ist den Kombattanten der Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) augenscheinlich völlig egal, was sie bei ihrem Überfall auf eine Schule in Peschawar anrichten. Wie Amokläufer verfallen sie zügellosem Mordrausch. „Wir wollten, dass sie unseren Schmerz fühlen“, soll ein TTP-Führer gesagt haben. Ein solches Blutbad gab es zuletzt Anfang September 2004 im nordossetischen Beslan, als kaukasische Dschihadisten Erstklässler mit ihren Eltern als Geiseln nahmen. Über 300 Menschen überlebten das nicht. Man hoffte damals, solches Grauen müsse doch jeden innehalten lassen, der auch nur mit dem Gedanken daran spielt.

Offenbar wurde die Lehranstalt in Peschawar angegriffen, weil sie der Armee gehört und Kadetten ausbildet. Die Streitkräfte sind seit jeher das Rückgrat des pakistanischen Staates. Wer das verletzen will, verschreibt sich solchem Ansinnen nicht irgendwann, sondern am 16. Dezember. An diesem Tag vor 43 Jahren mussten pakistanische Generäle vor indischer Übermacht kapitulieren und zusehen, wie sich das damalige Ostpakistan als Volksrepublik Bangladesch für unabhängig erklärte – es blieb bis heute eine traumatische Niederlage.

Wieder einmal wird deutlich, dass Fanatiker keine Gnade kennen, wenn sie glauben, einer Mission dienen zu müssen. Für das Nachbarland Afghanistan und die nach dem ISAF-Ausstieg Ende 2014 verbleibenden NATO-Restkontingente verheißt das nichts Gutes. Als die Sowjets vor 1989 noch mit Truppen am Hindukusch standen, sickerten die Taliban vorwiegend aus Pakistan ein. Dort lagen ihre Rekrutierungsbasen, dort wurden sie von den Amerikanern finanziell großgezogen und hochgerüstet, um gegen die Sowjets den „Heiligen Krieg“ zu führen. Sie haben danach den Pfad des Verderbens nie mehr verlassen. Die Drohnen-Schläge der USA mit dem Ziel, möglichst viele Kommandeure als high value targets auszuschalten, haben daran so wenig geändert wie die wiederholten Offensiven pakistanischer Militärs in den Taliban-Domänen Waziristans. Im Gegenteil, das gezielte Töten in großem Stil hat nun in Peschawar eine weitere Steigerung ins Barbarische erfahren. Unter den 141 Toten sind 132 Kinder und Jugendliche.

12:53 17.12.2014
Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur Politik
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Lutz Herden

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