luzieh.fair
06.11.2014 | 15:00 37

Es reicht! Für das einfache Nein!

Vergewaltigung Es wird bleiben wie es ist, bis sich in den Köpfen etwas ändert. Ob die Herbstkonferenz der Justizminister dazu einen Beitrag leisten kann?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied luzieh.fair

Es reicht! Für das einfache Nein!

Foto: erix! / Flickr (CC)

Als ich heute Morgen die Nachrichten hörte und mir das Radio mitteilte, dass sich die JustizministerInnen der Länder darüber beraten wollen, Vergewaltigung besser strafrechtlich verfolgbar zu machen, habe ich mich gefreut.

Dann habe ich den Vormittag damit verbracht Spielzeug zu sortieren und darüber zu sinnieren, wie oft ich in meiner Arbeit als Barfrau mehr als nur nein sagen musste. Eine Situation ist mir dabei in den Kopf gekommen, die mich retrospektiv zum Schmunzeln, aber auch zum Kopfschütteln bringt. Nach einer anstrengenden Nachtschicht so gegen halb sechs am Morgen kam ein Typ mit seinem Freund rein und wollte unbedingt noch etwas trinken.

Nein, Schnaps bekommt ihr nicht mehr, aber ein Wegbier kann ich Euch anbieten.

Oh ja!

Nach fünf Minuten (ich räumte in der Zwischenzeit schon mal die Stühle hoch):

Wegbier heißt auch Geh-weg-bier!

Dann hin und her. Ich wie immer charmant par excellence. Irgendwann wollte der eine mich dann zum Kaffee einladen. Als ich einmal, zweimal, dreimal nein gesagt habe (auch zu der Frage, ob ich ihm meine Nummer gebe), erwischte ich mich dabei, wie ich mich rechtfertigte (nee, ich bin frisch verliebt, lass mal) dann versuchte ich es mit der Respektkeule (ey man, ich arbeite hier, jetzt hab mal n bisschen Respekt. Du kannst doch die Barfrau nicht so penetrant anmachen!).

Im nächsten Moment betrachtete ich Situation kurz von außen, begriff wie absurd es war, dass mein nein kein Gehör fand und sagte noch einmal deutlich: Junge, checkst Du’s nicht?! Ich habe nein gesagt! Wer hat Dich eigentlich erzogen?! Als er dann näher kam und mir erneut irgendetwas offerieren wollte, schob ich ihn beherzt zurück, was er mit einer wüsten was-bist-du-nur-für-ne-Zicke-Tirade quittierte. In dem Moment standen zwei meiner noch am Tresen befindlichen Stammkunden auf und vollendeten mein Werk. Der Typ wurde etwas unsanft vor die Tür gesetzt und sein Freund entschuldigte sich für ihn.

Das ist jetzt nicht die Situation, die diese JustizministerInnen vor Augen haben, das ist klar. Aber es war ein ignoriertes Nein, wie es täglich weltweit tausendfach ignoriert wird. Und wirklich wissen kann schließlich niemand, was so ein Wildschweinego noch alles tun würde um seine Selbstachtung zu behalten.

Nun ja, die Initiative hat sicher einen Symbolcharakter. Vielleicht hat sie auch Auswirkungen auf die Zahl der zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungen. Aber solange eine vergewaltigte Person ihr nein nicht auf Band aufnimmt, wird es wohl vor Gericht keine Beweislast haben. Schließlich sind Täter und Opfer in der Regel zu zweit.

Aussage gegen Aussage. Und die Tatsache, dass über ein einfaches Nein beraten wird steht ja vielleicht auch für einen Wechsel in der Wahrnehmung. Bisher schwingt in den Vergewaltigungsprozessen noch immer die Frage mit, ob sich das Opfer auch angemessen zur Wehr gesetzt hat. Was es an hatte, wie es sich sonst verhalten hat.

Es wäre schön, wenn die Beratungen auf der Tatsache begründet lägen, dass all diese Punkte egal sind, wenn jemand ein einfaches nein von sich gegeben hat. Es ist dann wohl eher ein moralischer Appell, dass ein Nein auch ohne ersichtliche körperliche Gegenwehr eben genau das ist, wofür es steht. Nein heißt nein!

Ich persönlich würde mir ja wünschen, dass jeder Mensch entsprechendes psychisches und physisches Rüstzeug bei sich tragen würde, um einer vergewaltigenden Person eine adäquate Antwort zu geben.

auch hier: http://dieausrufer.wordpress.com/2014/11/06/ein-nein-ist-ein-nein-ist-ein-nein-ist-ein-nein/

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (37)

GEBE 06.11.2014 | 19:04

"Nein heißt nein!"

So isses!

Ich habe nur Bedenken, daß das "Nein" nicht doch inzwischen dabei ist, eine andere Bedeutung zu erfahren. Wie oft ist z.B. zu erleben, daß einem Kind gegenüber "Nein!" gesagt wird, um im nächsten Moment dagegen zu handeln. Diese Vorgehensweise ist inzwischen weit verbreitet. Lernen Kinder heute tatsächlich noch, daß Nein Nein ist? Was wird aus dieser Generation, die mit dem relativen Nein aufwächst später? Ich glaube, die müssen dann allesamt erst mal die therapeutische Erfahrung machen, mit Karacho gegen eine Wand zu donnern. Denn: eine Wand ist eine Wand, und als solche nicht korrupt! Was heutzutage allerdings so bepädagogelt wird, wird zur Generation Willkür & Beliebigkeit werden, wie es sie noch nicht gab.

SuzieQ 06.11.2014 | 19:13

Hei luzieh,

... Vergewaltigung besser strafrechtlich verfolgbar zu machen...


- ist ja der zweite Schritt vor dem ersten. Es gilt, Vergewaltigung zu verhindern.

Wer ein Wegbier als Geh-weg-Bier verstehen möchte, weiß, warum!

... erwischte ich mich dabei, wie ich mich rechtfertigte ...

Rechtfertigung ist unnötig.

... dann versuchte ich es mit der Respektkeule...

Respekt kann niemand einfordern, den hat es oder eben nicht.

Wer hat Dich eigentlich erzogen?!

Ab einem bestimmten Zeitpunkt (spätestens mit 18 sachichmal) erzieht ein Mensch sich selbst.

Bisher bedarf es zwecks Klärung einer solchen Situation eines (männlichen) bodyguards ; )

der spricht die 'Sprache' der Kerle ...


Und ich kenne die Rechtfertigungsschiene aus frühen Jahren auch, da trug ich einen Ring, der aussah wie ein Ehering, der mir quasi Schutz gewährte, da ich sichtbar 'einem anderen (an)gehörte' ...


Bisher schwingt in den Vergewaltigungsprozessen noch immer die Frage mit, ob sich das Opfer auch angemessen zur Wehr gesetzt hat. Was es an hatte, wie es sich sonst verhalten hat.

im 'angemessen zur Wehr setzen' steckt die Absurdität.
Keine Frau muss sich wehren.
Sie muss sich nicht wehren, wenn das Neingesetzt ist.
Wenn klar ist, dass Frauen kein Freiwild sind.
Wenn ein Nein gar nicht erst ausgesprochen werden muss, weil es eh gilt. Bis ein Ja eindeutig ist.

Verdrehe ich damit die Argumentation?

Wo ist der Unterschied zwischen:

'sie hat nicht nein gesagt' und 'sie hat ja gesagt'?

Das psychische und physische Rüstzeug geben wir unseren Kindern mit.
Den Jungs und Mädchen, dass alle Menschen gleichwertig und wertzuschätzen sind.
Den Mädchen, bis diese Erkenntnis fruchtet, helfen Selbstverteidigungskurse, da das vehementeste 'Argument' eines Vergewaltigers seine körperliche Überlegenheit ist. Ein Mädchen/eine Frau mit (mehr) Eiern (als das männliche Gegenüber) braucht keine bodyguards.

auch hier im dF Thema Ende Juni 2014. Gruß

luzieh.fair 06.11.2014 | 19:38

Lieber GEBE,

Ich weiß nicht, ob das sooo neu neu ist. Ich habe als Kind (und das ist jetzt immerhin auch schon an die 30 Jahre her) auch so manches "nein" zum ja gemacht.

Und Sie müssen zugeben, dass das Durchsetzen des "neins", (unterstellen wir mal, dass das früher "besser" war) mitunter mit recht unpädagogischen, wenn nicht kriminellen Energien umgesetzt wurde.

Ich finde es nicht sooo problematische, das auch Eltern schwache Momente haben. Allerdings gebe ich ihnen recht, dass es das weitere Zusammenleben sicher nicht einfacher macht. Deshalb tendiere ich dazu sich die "neins" zu dosieren. Ich sag gerne auch mal einfach "ja", wenn es nicht um etwas Gefährliches, Ungesundes oder allzu Nerviges geht, einfach weil ichkeine Lust habe wegen nichts zu kämpfen.

Ich bin allerdings auch der Meinung, dass sich die Kinder ganz gut selber regulieren und aneinander reiben udn voneinander lernen können. Wenn es um das Lieblingsspielzeug geht setzen die ihr "nein" ihren Altersgenossen gegenüber nämlich rigeros durch. Mit Schaufeln und Raketen (in Form von geworfenem Sand).

Wünschen wir uns doch, das die lehrende Wand der heranwachsenden Generation schon recht früh, am besten im Sandkasten den Lerneffekt hat, das Grenzen auch einzuhalten sind und das man auch mal fragen kann.

luzieh.fair 06.11.2014 | 19:46

"Ab einem bestimmten Zeitpunkt (spätestens mit 18 sachichmal) erzieht ein Mensch sich selbst."

Ich weiß ja nicht, wo Du wohnst, aber hier in Göttingen gibt es diesbezüglich eine menge Häuser, die sich den vermeindlich mündigen jungen Männern annehmen...Und nach zwei Semestern Burschenschaft kommt dann ein allabendlich betrunkener Haudegen heraus.

"Wo ist der Unterschied zwischen:

'sie hat nicht nein gesagt' und 'sie hat ja gesagt'?"

In der (nicht) gestellten Frage, oder nicht? Wer nicht fragt, bekommt mit Sicherheit erstmal keine Abfuhr.

"Ein Mädchen/eine Frau mit (mehr) Eiern (als das männliche Gegenüber) braucht keine bodyguards."

Jaaaa...Ich für meinen Teil bin froh wenn ich während solcher Schichten das Rufen der Polizei umgehen kann und jemand anders diesen Job schnell und unbürokratisch erledigt.

Meyko 06.11.2014 | 19:52

Ja, üble Situation. Übler Kerl. :-(

Ich habe seinerzeit auch in der Kneipe gejobbt und mit einer, mir an sich unbekannten Frau, zufällig ein Stück weit den gleichen Nachhauseweg gehabt. Eine Aufforderung mit zu ihr raufzukommen, wurde von mir wegen Übermüdung abgelehnt. Sie schlug mich daraufhin unvermittelt und wütend aufbrausend, mehrfach heftig auf den Oberkörper...

Mit "Nein" sagen und Gewalt hatte es etwas zu tun. Vergewaltigung. Mh.

roswitha 06.11.2014 | 20:22

Man muss immer wieder darüber schreiben und sprechen. Denke ich daran, dass so ein Satz wie "a woman's NO is never NO" immer noch Kopfnicken und Bestätigung von Jung und Alt erfährt, wird mir ganz schummrig. Deswegen: weiterkämpfen bzw. weiter aufklären bzw. über das Wort NEIN nachdenken. Wäre fast noch einen Extra Blog Wert.

luzieh.fair 06.11.2014 | 20:25

Nein, überhaupt nicht.

Ich Frage mich nur ob es etwas ändert. Ob es den Betroffenen hilft. Ob sie nicht mehr in der Position sind ihr Trauma immer und immer wieder zu durchleben.

Oder besser: ich wünsche mir das es hilft.

Und nochmal: nein. Ich hoffe ja, das Gesetze entstehen, weil es gesellschaftliche Impulse und Veränderungen gibt. Wenn es eine gesetzliche Änderung gäbe, könnte es ja auch sein, dass das nein in der Wahnehmung (zumindest öfter) einfach auch als solches anerkannt wird.

SuzieQ 06.11.2014 | 20:40

Es ist ja unabhängig davon, wo der Wohnort liegt, wie sich ein Gegenüber verhält.

Die Art wie dich jemand behandelt, sagt aus, was für ein Mensch er ist und nicht, was für ein Mensch du bist.

Ich möchte weg von dem: eine Frau muss deutlich Nein sagen, weg von dem 'sich angemessen zur Wehr setzen'. Als wäre erst das Nein selbst eine mögliche Bremse/Vermeidung.

Wenn die Würde des Menschen unantastbar ist, dann ist jeder Übergriff /jede Antastung falsch = dann bedarf es keines Neins, denn das ist somit vorgegeben.

Per Gesetz geht es um Frage stellen/Antwort geben, um eine Bekundung des eigenen Willens, das geht schon weiter als mE notwendig. Wenn das Nein gesetzt ist, braucht es kein 'Schild', auf dem es steht. So werden Opfer gemacht.

Ich denke, ich muss nicht erst etwas sagen, wenn die Grenze von vornherein klar ist und somit auch die Grenzüberschreitung.

ed2murrow 06.11.2014 | 20:47

Wie sollten uns vergegenwärtigen, dass in der Praxis die meisten verhandelten Fälle ohnehin Täter betreffen, die „einvernehmlichen Sex“ behaupten. Dazu gehört auch, dass die betroffenen Opfer stets, also auch dann wenn sie als NebenklägerInnen auftreten, Zeugen des Geschehens und der Anklage sind. Es ist also keineswegs so, dass „Aussage gegen Aussage“ stünde und daher stets ein „im Zweifel für den Angeklagten“ herauskäme. Sondern es ist richterliche Aufgabe die Aussagen zu gewichten. Gerade da kommt es auf die Schlüssigkeit der Aussagen auch des Opfers an, ein Prozedere das oft als „zweite Vergewaltigung“ sogar traumatisch erlebt wird. Ich bin der Meinung (und ich glaube nicht, da alleine zu stehen), dass alleine mit der Aufwertung der einfachen Erklärung des „Nein“ sowohl bei den Opfern als auch bei den Gerichten mehr bewirkt wird, als nur die Anerkennung der Wortgeltung: Nämlich die klare Gewissheit von Selbstbestimmung und das (!) der Grund ist, warum man sich überhaupt der Tortur eines Strafverfahrens aussetzt.

Im Übrigen: Strafverfahren sind nicht der Reparaturbetrieb unserer Gesellschaft, auch wenn das mehr und mehr als Blickwinkel in Mode kommt und sich rechtspolitisch etabliert. Da bewirken zwei hilfreiche Stammkunden, mit anderen Worten: schlichte Zivilcourage mehr als jedes formalisierte Verfahren. Und Zivilcourage wie die Werte, die ihr zugrunde liegen, müssen von jedem Kind, das auf die Welt kommt, erst einmal gelernt sein: Das Thema ist mit einem Gesetzgebungsakt nicht erledigt.

roswitha 06.11.2014 | 20:47

Gut Ding braucht weile. Ich übergebe zurzeit gerne an andere, bin auch mit Arbeit zugedeckt, finde deine (gerne duzen!) Beiträge immer "saftig aus dem Leben gegriffen". Muss sogar öfters an deinen Vater denken, obwohl ich noch nicht so lange in dieser FC bin... Gruß, Ro

Solche Themen können auch reifen, wie mit dem NEIN (darf nicht militärisch gemeint sein, das hast du Gebe schon erläutert), aber da du ja gerade einen Kleinen erziehst, ist das sehr aktuell. Wünsche ruhige Minuten.

luzieh.fair 06.11.2014 | 20:53

"Es ist ja unabhängig davon, wo der Wohnort liegt, wie sich ein Gegenüber verhält.

Die Art wie dich jemand behandelt, sagt aus, was für ein Mensch er ist und nicht, was für ein Mensch du bist."

Es ging mir nur darum, dass sich Menschen mit dem Erreichen ihrer Volljährigkeit nicht zwingend selbst erziehen.

Hm, ich bin da im Übrigen auch bei Dir. Wenn ich mir das aber in "harmloseren" Situationen vorstelle, finde ich schon, dass es angemessen ist, mal zu Fragen.

Zwei treffen sich am Tresen. Trinken Bier. Kommen isn Gespräch. Scheinen sich nett zu finden. Eine Person findet die andere ziemlich nett. Und fragt: darf ich Dich küssen? Keine Antwort ist dann auch eine Antwort.

Aber ich denke darauf wolltest Du nicht hinaus.

Nur geht es vergewaltigenden Menschen ja genau darum die grenzen (der anderen und auch ihre eigenen) einzureißen.

Ich würde mir auch wünschen, dass es solche Leute nicht geben würde.

luzieh.fair 06.11.2014 | 21:01

"Strafverfahren sind nicht der Reparaturbetrieb unserer Gesellschaft, auch wenn das mehr und mehr als Blickwinkel in Mode kommt und sich rechtspolitisch etabliert(...)Das Thema ist mit einem Gesetzgebungsakt nicht erledigt." Das habe ich ja nicht behauptet. Ich meinte, dass Gesetze und deren Veränderung auch Spiegel der Veränderungen innerhalb einer Gesellschaft sind (sein können).

SuzieQ 06.11.2014 | 21:10

Es ging mir nur darum, dass sich Menschen mit dem Erreichen ihrer Volljährigkeit nicht zwingend selbst erziehen.

Das ist schon klar. Manche lernen es auch nie. Mir geht es darum, dass Erziehung eine Erklärung sein kann, mitnichten eine Entschuldigungist.

Und fragt: darf ich Dich küssen? Keine Antwort ist dann auch eine Antwort.

Und hier ist die Crux von (nicht gesetzten und nur) gedeuteten Antworten.
Kann Nein, kann Ja bedeuten. Auslegungssache?
Wäre von vornherein klar, dass keine eindeutige/eine uneindeutige Antwort/ein Schweigen als Nein zu werten ist, wären manche Fragen überflüssig bis rhetorisch.

Nur geht es vergewaltigenden Menschen ja genau darum die grenzen (der anderen und auch ihre eigenen) einzureißen.

Genau. Vergewaltigende Menschen wissen um ihre Grenzeinreißung!
Alles, was danach als Erklärung geäußert wird, was als 'sie wollte es doch auch' gedeutet wird (werden kann), gilt dem Vergewaltigenden als Ausflucht aus seinem Dilemma, und macht es zum Dilemma des Vergewaltigten.

Nochmal: ist das Nein eine Grenze, dann ist das Nein gesetzt = ist das Nein Gesetz, und so ist jede Grenz- und Gesetzüberschreitung strafbar.
Das ist bekannt, wird nur so nicht gehandhabt.
Im Prozess zählt das Wort des Einen soviel wie das des Anderen. Es stimmen aber die Voraussetzungen nicht, wenn ich ein Nein beweisen muss und nicht der Andere das vermeintliche Ja.

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Ehemaliger Nutzer 06.11.2014 | 21:12

Eine Aufforderung mit zu ihr raufzukommen, wurde von mir wegen Übermüdung abgelehnt.

Wg. Übermüdung, das kommt natürlich nicht gut an, dumme Ausrede eben. Das "Nein" eines Mannes - egal in welchem Stadium des Vorgangs, ob mit oder ohne Begründung - wird auch nicht unbedingt immer mit der Antwort "gut, dann ist die Sache für mich erledigt" gekontert. Die realen ebenso wie die verbalen Konter-Attacken reichen gelegentlich von unterhalb der Gürtellinie bis zu Ohren. Insbesondere die verbalen Repliken auf das "Nein" fallen dann auch nicht immer so aus, dass es zu einem weiteren Nein oder gar Ja - später einmal - kommen könnte. Auch ein entsprechend geäußertes "Schlappschwanz" kann über kurz oder lang auf die Couch führen.

ed2murrow 06.11.2014 | 21:41

Das "Strafverfahren [...] erledigt" war keine direkte Erwiderung, denn es ist selbstverständlich, dass in Gesetzgebungsverfahren die Anschauungen der Zeit einfließen. Ich habe vielmehr versucht auf eine Klippe hinzuweisen, dass das Strafen und seine formalisierten Verfahren sehr in Mode gekommen sind(Verfassungsrichter Hassemer sprach schon im Jahr 2000 von einer "Straflust"), statt sich der Wurzel zuzuwenden, warum Taten begangen werden. Bislang hat Heiko Mass nicht unter Beweis gestellt, dass er diese Tendenz ändern wollte.

Schachnerin 07.11.2014 | 09:19

Tatjana Hörnle widerspricht Thomas Fischer und plädiert für eine sachlichere Debatte.

Es ist auch zu betonen, dass der konsequentere Schutz von sexueller Selbstbestimmung nicht zur weiteren Erschwerung der bekanntlich nicht immer ganz einfachen Anbahnung sexueller Beziehungen führen muss. Verunsicherung wird allenfalls durch überzogene Kommentare wie demjenigen von Thomas Fischer erreicht, die suggerieren, dass es wie bei den Taliban und anderen von ihm angeführten „Langbärtigen“ um die Verhinderung von Sex und Lustfeindlichkeit gehe. Auch in Situationen, in denen sich ein potentieller Sexualpartner zögerlich und ambivalent oder anfangs sogar klar ablehnend verhält, bleiben Verführen, Überreden und Versuche des Umstimmens erlaubt – nicht nur verbal, sondern auch physisch durch das Herstellen von körperlicher Nähe (den Arm um den anderen legen, die Hand auf das Bein etc.). Dass aber ein Gesetz es verbietet, bei anhaltender, erklärter Ablehnung Geschlechtsverkehr und andere Formen des Sexualkontakts zu vollziehen, ist weder eine unverständliche Grenzziehung noch eine unzumutbare Einschränkung sexueller Selbstverwirklichung.

http://www.verfassungsblog.de/plaedoyer-fuer-eine-sachlichere-debatte-um-den-vergewaltigungstatbestand/#.VFx-C8nTFI0