Lydia Esche

Wo jetzt doch wieder Mittelalter ist, kann man dann auch wieder Leumund von Beruf werden?
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RE: Fundstück zu: (christlicher) Fundamentalismus reloaded | 28.07.2010 | 14:29

@j-ap
Also vereinnahmen lässt sich ja so mancher und manches.Man kann ja immer nur für sich selbst sprechen.Ich kann nicht sehen, dass ich irgendeine bürgerliche Verschwörung beschrieben hätte.Es will mir auch nicht einleuchten, dass Frau Herman als eine deutsche Sarah Palin einer imaginären Tea Party vorstünde.Die Welt hält die disparatesten Welt- und Moralvorstellungen ihrer Bewohner recht bekömmlich aus.Ich vermute lediglich, dass Eva Hermans Stammklientel nicht auf dem Weg in den Jemen zum Missionieren ist.Sie macht sich aber schon an so manchen Abenden vorm Einschlafen Gedanken über den Zustand der Welt.So allgemein halt.Und da findet sie schon, dass es einfach ein paar mehr feste Regeln bräuchte.Es muss doch auch wieder Konsequenzen geben.Auch eine Diät ist nur erfolgreich,wenn man sie konsequent durchzieht.
Es geht hier um diffuse Ängste und ihre Ausnutzung.
Das ist keine Agenda, sie so zu lesen macht dementsprechend einfach weniger Sinn für mich.Mich interessieren hier weniger die,die sich aufregen.Es geht mir um die, die sich ängstigen.Und mein Verdacht ist eben, dass es Frau Herman auch um die geht.

RE: Fundstück zu: (christlicher) Fundamentalismus reloaded | 28.07.2010 | 02:53

@j-ap
Also das ist gut und richtig sich hier über die Wortwahl der Dame zu streiten.Das können wir noch eine Weile machen.Unterdessen sind die Damen und Herren auf der richtigen Seite der Welt schon längst dazu übergangen zu beschreien, dass man wieder mal gesehen habe wie die Frau Herman vollkommen falsch verstanden worden sei.Es geht hier doch nicht ums Recht haben.Es geht darum, wie ein solcher Text auf wen wirkt.Wie er auf Menschen wirkt, die sie eh nie in ihr Boot ziehen kann, dient doch hier höchstens als Munition um die wieder ins Boot zu ziehen, die vielleicht gerade meinen abzusaufen.Es sollte doch darum gehen die Ängste der ins Visier genommenen zu thematisieren, anstatt sich unter Gleichgesinnten in Rage zu reden wie radikal nun genau die Gegenseite ist.

RE: Fundstück zu: (christlicher) Fundamentalismus reloaded | 28.07.2010 | 02:33

So wollte ich das nicht gemeint haben.Ich glaube nur, dass die Adressaten durchaus verschieden sein können.Hier wird sich ja nun schon sehr lange über biblische Assoziationen gestritten.Ich wette mit ihnen, dass beim Kaffeeklatsch in Backnang(um im Klischee zu bleiben) schon längst zum moralischen Absturz der Jugend übergegangen wurde und was dagegen zu tun sei.

RE: Fundstück zu: (christlicher) Fundamentalismus reloaded | 28.07.2010 | 02:15

Ich habe gestern einen Blogbeitrag dazu geschrieben, vielleicht verdeutlicht der Ihnen meine Meinung.
Ich meine aber, dass es gut und richtig ist sich über die von ihnen angeführten Zitate zu echauffieren,aber dass man dabei nicht aus dem Blick verlieren sollte, dass es sich hier in weiten Strecken um ganz klassischen konservativen Mainstream handelt, der sich zur Zeit ein bisschen heimatlos wähnt.Sicher lesen die Leute auf dem Land Eva Herman (und auch in vielen Vierteln in den Städten übrigens,man wundert sich was da hinter der ein oder anderen Fassade an Ängsten geteilt werden), aber eben nicht mit dem Augenmerk auf die Stellen, die sie anführen.Es reicht, dass das eigene Unbehagen über die liberale Welt einmal angesprochen wird.So ein Text ruft doch Ängste ab, die viele bürgerlichen Menschen in der Krise teilen.

RE: Fundstück zu: (christlicher) Fundamentalismus reloaded | 28.07.2010 | 01:30

Ich bin etwas skeptisch, ob Sie hier richtig exegieren.Die von Ihnen besonders hervorgehobenen Passagen waren doch nicht wirklich an die Fundamentalisten addressiert.Denen kann es Frau Herman doch eh nie wirklich Recht machen.Sie gelten natürlich den liberaleren Zeitgenossen und die fühlen sich natürlich auch angesprochen.Der Subtext hier gilt doch einer ganz anderen Zielgruppe.Die moralische Orientierung suchenden bürgerlichen Schichten hören doch die Signale ganz exakt heraus.Wer lässt schon seine Kinder zu solchen Veranstaltungen?Warum propagieren konservative Bürgermeister Suff und Drogenkonsum?Ist es denn ganz egal geworden wie man Geld generiert?Ich habe Angst um meine Kinder, wenn sie in diesen amoralischen Zeiten aufwachsen müssen, wir müssen unbedingt das Kind auf dieses Internat nach England schicken.
Sie ruft doch die ganz klassischen Untergangsängste des Bürgertums auf und es geht dem doch nur darum, dass die Richtung stimmt.Man hält sich doch nicht mit Bibelzitaten auf.Das ist doch lediglich die Plattform, die sie jetzt zu nutzen sich gezwungen sieht.
Das spricht doch im Grundkern ganz breite Schichten an, da geht es nicht um windschiefe Zitate, da geht es um das Grummeln in der Magengegend.Selbstverständlich war es bis vor kurzem überhaupt kein konservativer Mainstream Technoparaden als Imagegewinn für die eigene Stadt zu betrachten.

RE: Meine Freundin Eva | 27.07.2010 | 22:12

Ja, das ist möglich.Allerdings habe ich schon den Eindruck, dass sie ein Feld besetzt von dem man ja auch aus der CDU neuerdings wieder hört.Die sozial Konservativen sind doch wirklich einigermassen heimatlos geworden.Wenn der Ministerpräsident Bayerns eine Geliebte mit gemeinsamen unehelichem Kind hat, dann mag das für viele Menschen keine Rolle spielen.Ich würde allerdings einiges darauf verwetten, dass das eine nicht zu unterschätzende Stammklientel der Partei durchaus aufregt.Ich glaube nicht, dass das nur Marketing ist, wenn von einer Diskrepanz zwischen veröffentlichter und öffentlicher Meinung die Rede ist.Und so gab es ja zuletzt einiges zu Schlucken für Menschen denen "geordnetete" Verhältnisse wichtig sind.Wie bigott man das auch finden mag.Der Rücktritt Köhlers beispielsweise, um ein ein bisschen ernsteres Ärgernis anzuführen, ist gerade für Konservative ein wirklicher Schock gewesen(für mich auch, muss ich zugeben).Diese Form der Doppelmoral, bei der Sekundärtugenden beschworen werden, aber die Handlungen nicht damit korrespondieren, hat die Sehnsucht nach der guten alten Zeit genährt.Es geht hier um einen Zeitgeist, da spielen viele auch marginal wirkende Dinge eine grosse Rolle.

RE: Die Schande Afrikas | 20.06.2010 | 14:16

Ach Gott, da haben wir uns gründlich missverstanden.Ich bin ja auch sehr für Arbeitsteilung und will weiterhin Fussball und Politik getrennt serviert bekommen.Deswegen sind ja so lässig eingestreute Fakten über den sozialen Hintergrund des Spielers, im selben Atemzug mit dem aktuellen Verein und seiner Position so ärgerlich.Der Zuschauer kommt natürlich ins Denken und das Format ist nicht der Ort um solche Fragen zu beantworten.Man wirft sie aber trotzdem auf, um zu signalisieren, dass man auch über den Tellerrand hinaus schauen kann.Das hat schon ein bisschen etwas Schäbiges.
Ich habe nur protokolliert, was einem dann so durch den Kopf schiessen könnte.Ich möchte natürlich auch, dass der Kommentator derartiges für sich behält.Aber dann sollte er eben auch nicht fröhlich über die fehlende mentale Stärke des Afrikaners schwadronieren.

RE: Ideensammlung zur WM in Südafrika | 19.05.2010 | 02:31

Also nachdem ein verschämter oder ironischer Umgang mit dem Ereignis wahrscheinlich nur so ne Woche Spass machen dürfte, würde ich doch ganz dröge das Teilnehmerfeld unter Interessierten verteilen und die Blogs zu virtuellen Heimaten der jeweiligen Nationen machen.Gibt doch bestimmt genug Leute, die Erstaunliches über Uruguay wissen oder ohnehin Landsmann des ein oder anderen WM-Stars sind...
Aber gut das wäre so die frontale Variante.Aber man muss ja auch nichts über Fussball schreiben, vielleicht will der ein oder andere sich ja auch mal ne Weile mit der Musikszene der Elfenbeinküste beschäftigen.

RE: Was kann man, soll man erwarten von Satire im Februar 2010? | 04.02.2010 | 13:03

Lieber Matthias Dell,
die Trennung existiert natürlich in der Art wie Satire gemacht wird.Schon in Erdls Artikel und der darauffolgenden Diskussion war nach einer Weile immer wieder die eigentümliche Denkfigur zu erkennen,dass man doch aufhören sollte mit all dem Lauten, die Welt sei doch so schön ruhig.Die ganze Argumentation über die angebliche Tabulosigkeit unserer Zeit wird dem Charakter von Satire nicht gerecht.Ausserdem, wenn wir schon über Ideologie reden wollen, ist das die klassische Denkfigur der Restauration.
Es wird immer Machtstrukturen geben und vorherrschende Denkweisen und gute Satire wird sich damit befassen müssen.Dabei wird sie immer auch Sachverhalte überbelichten müssen.All das, was wir jetzt gemeinsam bemängeln bei der infrage stehenden Seite, kann bei einer gelungenen Satire gerade ihre Durchschlagskraft ausmachen.
Ich will ja nicht vielmehr als dass wir das Kind nicht mit dem Badewasser ausschütten.

RE: Was kann man, soll man erwarten von Satire im Februar 2010? | 03.02.2010 | 14:32

Lieber Matthias Dell,
es geht mir nicht so sehr um den Respekt vor Satirikern.Aber man kann doch einen satirischen Beitrag nicht beurteilen wie ein ideologisches Flugblatt.Es muss doch davon ausgegangen werden, dass jemand einen Witz machen wollte.Dieser Witz hat nicht funktioniert und deshalb wirkt er rassistisch.
Jetzt die Sache umzudrehen und zu sagen, dass es sich um den Witz eines Rassisten handelt finde ich unfair.