Lydia Esche

Wo jetzt doch wieder Mittelalter ist, kann man dann auch wieder Leumund von Beruf werden?
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RE: Was kann man, soll man erwarten von Satire im Februar 2010? | 01.02.2010 | 18:58

@ Axel Henrici

Ja, der Versuch es möglichst unverfänglich auszudrücken treibt dann solche Sprachblüten.:-)
Der Satire Worte vorzuhalten ist sicherlich auch legitim.Nur die Argumentation verändert sich halt bei einem satirischen Text.
Schon gleich vorneweg Worte vorzuenthalten, also den Gebrauch eigentlich zu untersagen, da kommen wir allerdings gleich in schwierige Gefilde...

RE: Was kann man, soll man erwarten von Satire im Februar 2010? | 01.02.2010 | 17:41

Lieber Michael Angele,
es fällt mir ein bisschen schwer einem Satiriker Worte vorzuenthalten, aber gelacht habe ich auch nicht wirklich über diese Seite.Wenn jemand unbedingt ein solches Wort benutzen muss, dann gibt es denke ich schon die Pflicht zur Verhältnismässigkeit.Schreit einen eine solche Überschrift an und dann folgen so leidig lustige Pointen wie, dass man nach Einschätzung des BND Roberto Blanco sofort das Maul stopfen soll.Ja, dann wirds schwierig mit der Rechtfertigung, weils unausgewogen wird.Aber ein schlechter und ein guter Witz entstammen demselben Ort wie man sagt und so wünsche ich mir halt für den Humoristen, dass er weiter die Möglichkeit hat alles auszuprobieren.

RE: Es ist ein iPad! | 28.01.2010 | 18:54

Die viel drängendere Frage ist ja wohl, wann apple endlich seine Steuerbefreiung wegen Kultuszweck bekommt.

RE: Dürfen? Sollen? Können! | 23.01.2010 | 17:52

@ Michael Angele

Na das wäre mal einen Versuch wert, allein aus Gründen der sportlichen Fairness.
Grüsse, Lydia.

RE: Dürfen? Sollen? Können! | 22.01.2010 | 21:59

@Matthias Dell

Na man merkt es jedenfalls nicht wirklich in der Kritik, dass er dies tut.Also zu schreiben etwa, dass mit Stefan Gärtner, der letzte politische Autor die Zeitschrift verlässt, das wirft schon Fragen auf wie es sich mit dem Verständnis von Politik und Satire beim Autor verhält.
Ich meinte mit dem Satz, vom Humor über den sich nicht streiten lässt auch vielmehr etwas anderes.
Ich meine es ist eben im Bereich der Realsatire, wenn man jetzt sich gegenseitig erklärt, warum ein Witz funktioniert oder nicht.Ich habe in einem Kommentar weiter oben meine Sicht auf die Enke-Sache erläutert und ich finde auch, dass man nochmal genauer den Westerwelle-Titel besprechen kann.Also zunächst ist doch lustig die Zonen-Gabi mit dem Bonner Bundes-Guido zu assoziieren, der jetzt auch raus darf in die grosse weite Welt.
Das darf er als erster offen bekennend schwul lebender Aussenminister.Das ist doch auch schon ein Anhaltspunkt dafür, dass ein Schwulenwitz 2009 nicht mehr dasselbe ist wie 1989.
Ab wann ist es nun erlaubt Witze über Sexualpraktiken zu machen, die immer noch Anlass für Diskriminierung sind, aber auch in breiten Bevölkerungsschichten als eben eine von vielen Sexualpraktiken gelten?Ich weiss es nicht, ich würde annehmen in der Regel probiert die Satire das aus.

RE: Dürfen? Sollen? Können! | 22.01.2010 | 21:40

@Michael Angele

Ich fand die Enke-Sache deshalb lustig, weil sie den Mechanismus in der Berichterstattung über Enke an sein logisches Ende führt.Die ständige Inszenierung des toten Torwarts, mit Bilderschwenk auf ein leerstehendes Tor mit darauffolgenden Diskussionen darüber warum uns der Tod eines bisher nicht übermäßig bekannten Sportlers so nahe geht, machen es doch gerade legitim diese Verquickung zwischen dem Selbstmord der Person und der öffentlichen Figur zu thematisieren.
Ich finde es doch ausreichend zu sagen,dass man darüber nicht lachen konnte.Die Benutzung von einigen Schlaglichtern der letzten Zeit wie diesem, um dann ganz allgemein ohne jeden weiteren Beleg zu schreiben, dass die ganze neue Generation unbegabt ist und der Chefredakteur im Besonderen, das finde ich schon sonderbar.

RE: Dürfen? Sollen? Können! | 21.01.2010 | 19:33

Ja, also Satire verteidigen ist ja an sich schon lächerlich.Allerdings scheint mir Ihre etwas sonderbare Kritik ein bisschen allgemein geraten.
Von der Tatsache, dass die Titanic auch Werbung für sich macht indem sie aktuelle Ereignisse und ihre mediale Aufbereitung verwurstet gleich überzuleiten zu der angeblichen Unbegabtheit der Autoren und gesellschaftlichen Belanglosigkeit der ganzen Unternehmung...Ja, man weiss nicht wo man anfangen soll.Lesen Sie doch einfach mal regelmässig eine ganze Titanic, dann würde Ihnen auffallen, wie politisch beispielsweise die Stilimitationen von aktuellen Bestsellern sein können.Oder wie gut viele Cartoons oder Comicstrips sind.Über Humor allerdings lässt sich natürlich nicht streiten.
Nur das mit dem fehlenden Talent und der politischen Brisanz ist eigentlich nicht wirklich verhandelbar.
Also vielleicht einfach mal mehr als den Titel lesen, dann hebt sich das gefühlte Niveau der Satire in Deutschland von ganz alleine.

RE: Der verschwommene Staat | 10.01.2010 | 14:52

Ja, das ist ja alles sehr interessant und ich verstehe ja Ihre Frustration, aber wir können uns beide auf den Kopf stellen und schreien, es wird doch nichts daran ändern, dass die Agenda unter Rot-Grün beschlossen wurde.Von einem Kanzler,der aus seiner eigenen Lebenserfahrung mit dem Ausgeschlossen sein zu dem Ergebnis kam,dass man so viele Ausgeschlossene nicht einfach hinnehmen kann.Das war und bleibt eine linke Argumentation und deshalb wird die Reform auch mit der Linken verbunden bleiben.Darum sind doch die Menschen so enttäuscht gewesen.Weil der hehre Wunsch des sozialdemokratischen Kanzlers in einem so krassen Widerspruch stand zu dem wie sie die Agenda erlebten.Natürlich kann man sagen, dass es ungerecht ist, da die andere Seite doch nur die Interessen der Wirtschaft im Sinn hatte.Und ein christdemokratischer Kanzler hätte, wenn es ihm oder ihr überhaupt gelungen wäre ein solches Projekt durchzusetzen, nur von der Notwendigkeit gesprochen.Das ist eben die Krux mit Idealisten.

RE: Der verschwommene Staat | 09.01.2010 | 16:35

@misterL
Gut,ich sehe ein, dass das schwierig ist mit der Definition von linken Projekten.Trotz Ihrer etwas unhistorischen Einordnung:die Agenda wurde mit breiter Mehrheit von SPD und Grünen beschlossen.Sie bleibt an der SPD als gescheiterte Reform kleben.Und selbstverständlich hat sie den Begriff Reform für die Linke auf Jahre hinaus unmöglich gemacht.
Ausserdem, weil mir das etwas zu geschichtsklitternd und verschwörungstheoretisch erscheint: die Agenda war nicht ein böser Trick des Genossen der Bosse, um arme Menschen zu quälen.Sie war der ernsthafte Versuch des Proletarierkindes Schröder, eine grosse Menge von ausgeschlossenen Menschen wieder herein zu holen in den gesellschaftlichen Zusammenhang.Es war die Idee vom identitätstiftenden Wert von Arbeit, im Gegensatz zum erniedrigenden Abstellgleis.Das ist klassische sozialdemokratische Denkweise und damit für mich eine linke Vorstellung.
Über die Umsetzung in Fragen der Leiharbeit usw. müssen wir uns natürlich nicht streiten, aber zu sagen, dass sei alles orchestriert und genau so geplant gewesen, geht mir etwas zu weit.
Die Finanzkrise hat doch auch offenbart, dass breite Teile der deutschen Wirtschaft auf einem Geschäftsmodell basieren, welches ohne staatliche Hilfe unrentabel wäre.Auch diese selbsthaftenden Unternehmer waren doch wohl ein Mythos.Es existierten doch keine Rücklagen und Reiinvestitionen erfolgten aus Investmentgewinnen, aber doch nicht weil der Unternehmer die Schatulle aufmacht.Die Gleichung, dass jemand der Arbeit schafft auf die Hilfestellung des Staates hoffen kann, kann doch nur solange gelten, wie er nicht erpresserisch agiert.Es geht um die Zugeständnisse aus Steuermitteln landauf, landab in Gemeinderäten,weil ein einzelner Unternehmer mit Abwanderung droht.
Wir müssen, darum ging es mir, doch diese Dinge in Zusammenhang setzen mit dem Sparzwang der auf Kommunen lastet,wegen angeblich vergeudeter Sozialausgaben für Resozialisierung usw.
Da ist für mich der Zusammenhang von Finanzkrise und Hartz 4: sie hat offenbart wie willkürlich Hilfe geleistet wird und wo es angeblich systemisch ist und wo sie sowieso nutzlos ist.

RE: Der verschwommene Staat | 08.01.2010 | 20:18

Hallo Felicitas,
ich bin auch nicht glücklich darüber, dass das Konkrete und Ideelle in einen scheinbar unüberbrückbaren Gegensatz geraten sind.Es ist eigentlich nichts Verschwommenes daran vom Einzelnen und seinen Wünschen und Anforderungen auszugehen, um dann ein Gemeinwesen zu gestalten,welches sich bemüht auch im Grossen diesem Menschenbild zu folgen.
Sicher gibt es genügend Projekte, die sich diesen Zielen im Wesentlichen verschrieben haben, aber sie müssen auch konkrete Folgen haben.Die Menschen wären doch interessiert an grundsätzlichen, ergebnisoffenen Diskussionen, bei denen am Ende auch mal ein konkretes Ergebnis herauskommt.
Die Repräsentanzdemokratie, die wir uns immer mehr leisten, wird sonst in einen zunehmenden Erklärungsnotstand geraten,gegenüber den mächtiger werdenden Modellen der Autokratien andernorts.
Auch darum dreht es sich für mich letzendlich.
Lange Antwort auf einen unterstützenden Kommentar :),
danke fürs Interesse,
Gruss, Lydia.