Lydia Esche

Wo jetzt doch wieder Mittelalter ist, kann man dann auch wieder Leumund von Beruf werden?
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RE: Der verschwommene Staat | 08.01.2010 | 19:55

Ich gebe zu, dass der Betrachtungswinkel meines Beitrages etwas funktionaler war.Ich gehe schon davon aus,dass es eine grundsätzliche Übereinkunft über das Staats- und Bürgerbild auf der Linken geben sollte.Zumindest sehe ich nicht, wer sonst ein Interesse an einer solchen Debatte haben sollte.Der Konservatismus ist in einem geradezu erschreckend ideenlosen Zustand, wie ich in einem anderen Beitrag schon einmal darzulegen versucht habe.
Also werden Denkanstösse nur aus der anderen Ecke kommen können.Bei funktionalen Fragen anzusetzen erscheint mir auch deshalb für geboten,weil die Erfahrung mit der letzten grossen linken Reform eine Lehre sein sollte.Die Agenda 2010 hat neben vielen Fehler, die ja zu Genüge dargelegt wurden, einen in den Kern meiner Problematik führenden Denkfehler.Sie war der Versuch die Neuvermessung des Verhältnisses von Staat und Bürger den sozial Schwachen zu überlassen.Sie hatte auch deshalb eine so breite Unterstützung in der Bevölkerung, weil die Menschen gehofft haben dieser Kelch ginge an ihnen vorüber.Aber jeder wusste auch damals schon, dass die Verhältnisse sich verkrustet hatten und einfach keine Klarheit mehr darüber herrschte, in welcher Situation ich Hilfe erwarten kann und wann ich auf mich allein gestellt bin.
Die Finanzkrise hat diese Fragen mit grosser gesellschaftlicher Härte wieder aufs Tableau gebracht.Der Tanz ums goldene Kalb Bürger, den die Konservativen veranstalten, hat mit der Angst vor der blanken Wut von Ingenieuren, Facharbeitern und Angestellten zu tun, die im Zuge von Rettungspaket auf Rettungspaket für die oberen Zehntausend den gesellschaftlichen Konsens aufzukündigen drohen.Es ist ein reaktionäres, angstbesetztes Bild vom Bürger, das die Kanzlerin antreibt.Hier muss ein positives Gegenbild entworfen werden, dass sich wieder an alle richtet.Es muss ein vorwärtsgerichteter,optimistischer Ansatz sein, der in der Lage ist die Menschen wieder mitzunehmen und den gesellschaftlichen Wandel wieder emanzipatorisch aufzufassen und nicht als ewige Abwehrschlacht einiger weniger Auserwählter.
Ja, das wäre die euphorische Ideallösung für ein funktional daherkommendes Problem.

RE: Bekenntnisse eines Forum-Mitlesers | 07.01.2010 | 22:43

Ja, das Nahostforum leuchtet mir als Mitleser in soweit ein, als dass man keine endgültige Meinung hat, in soweit sollte auch ein bissiger Schlagabtausch helfen zu etwas mehr Klarheit zu gelangen oder Sie eben in Ihrer Zerissenheit bestätigen - was einen beruhigenden Effekt haben könnte.Ich bin nicht sicher, ob Sie auch so ein passionierter Mitleser wären bei einem Thema, welches Sie für sich entschieden haben.

RE: Bekenntnisse eines Forum-Mitlesers | 07.01.2010 | 17:55

Meine Faszination bei Foren hat eher etwas mit der Welt im Kleinen zu tun.Man erkennt recht schnell die Herrschaftsverhältnisse eines Forums, den aktuellen Zeitgeist, gute oder schlechte Umgangsformen.Auch für bis aufs Blut ausgetragene Fehden ist Platz.Das Amüsante daran ist das zeitrafferhafte Entstehen von Feind- und Freundschaften.Wenn in einem ländlichen Karnevalsverein Unstimmigkeiten auf der Jahresversammlung auftauchen, kommen die berüchtigten ollen Kamellen auf den Tisch.Man schreit sich dann an wegen Verfehlungen, die teilweise Jahrzehnte zurückliegen und die man sich nur für diesen Moment aufgespart zu haben scheint.
Das schafft man im Forum innerhalb von Stunden.
Was mir trotz allem Spass an Narration den längeren Verbleib verleidet, sind die teilweise autistisch anmutenden Mikromanöver im Bereich von Regeln, Selbstverständnis und Tradition(was teilweise ja auch auf diesen Seiten jeden Tag aufs Neue zu beobachten ist).Ich gebe zu, dass dies vor allem wirkliche Sachforen betrifft.Man findet beispielsweise in Kochforen eine Rigorosität und Schärfe über den richtigen Einsatz von Salz, bei der polilitische Meinungsdiskussionen nicht mithalten können.
Dort mitzudiskutieren, also sich beispielsweise bei Wikipedia mit irgendeinem Overlord anzulegen, der gerne die ein oder andere Akzentverschiebung beim Begriff Päderastie durchfechten möchte, halte ich fatalerweise für hoffnungslos.Diese Leute zernagen einen, Stück um Stück.
Dazu gibt es, apropos Narration, auch schon wunderbare Zusammenfassungen aus der fiktiven Welt:

RE: Der verschwommene Staat | 06.01.2010 | 15:54

Sicher sicher, aber es ist nun einmal eine verflixt verfilzte Welt und daher kommen wir nicht um Details herum.Am Ende muss man immer wieder neu klären,was ist eine Aufgabe, was eine Leistung? Wenn wir aufhören mit den Kleinigkeiten, können wir den Laden ja auch gleich zu machen.Warum das Grundsätzliche so in Verruf gekommen ist erschließt sich mir nicht so ganz.

RE: Der verschwommene Staat | 06.01.2010 | 13:49

Es käme natürlich auch Ihre Fragen an die Reihe.Was mir allerdings ausgeschlossen erscheint ist eine Veränderung der Verfasstheit eines Gemeinwesens ohne dass der Einzelne sein Verhältnis zu Staat und Gesellschaft auch hinterfragt.Ich bin dafür bei mir selbst anzufangen und dieses Fingerzeigen zu beenden.Ich glaube dieses Ausspielen von Bevölkerungsgruppen endet erst dann, wenn die Menschen aufhören sich als solche zu sehen und wieder ein Gefühl für sich als Bürger entwickeln.Ich finde nicht, dass man den Begriff Bürger der Rechten als Ausgrenzungsvokabel überlassen sollte.
Es gibt ein liberales, emanzipatorisches Gegenmodell zu diesem neobiedermeierlichen Modell, das zur Zeit fröhliche Urständ feiert.
Wenn der Staat nur aufhören würde das zu tun oder dies zu tun, wär doch alles im Lack - diese Haltung erscheint mir nicht nur zu defensiv, sie deprimiert mich geradezu.

RE: Milieustudie | 29.10.2009 | 16:35

@Bildungswirt
Danke für den Tip mit der Studie und das Lob.
Mir ging es ja jetzt vor allem um die intelektuelle Redlichkeit, man könnte so ja so ziemlich jedes Politikfeld durchgehen und stiesse dann auf die geistige Krise des Konservatismus.
Warum immer nur beim linken Lager von verratenen Ideale die Rede ist und die andere Seite friedlich vor sich hin wuschteln kann, verstehe wer will.
Grüsse zurück,
Lydia.