Der verhinderte Schatzkanzler

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Die Regierung hat einen neuen Sündenbock und es verwundert ein wenig wie einhellig die veröffentlichte Meinung den Stab über den fleißigen Badenser gebrochen hat.Andere Mitglieder der Bundesregierung haben aus weit geringerem Anlass von Diskriminierung gesprochen.Bei einem querschnittgelähmten Menschen von Komplikationen bei Medikamenten oder nicht verheilenden Wunden gleich auf Amtsuntauglichkeit zu schließen erscheint schon etwas grenzwertig.Was vermuten lässt, dass eine Kampagne im Gange ist und von wo die ausgeht, ist auch einigermassen klar.Jedenfalls standen am Anfang dieses Abgesangs zumindest zwei sehr grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten mit der Kanzlerin.Schäuble ist entsetzt über die taktische Haltung gegenüber der europäischen Frage und er war aus nachvollziehbaren Gründen gegen die Einbeziehung des IWF bei der Entschärfung der Griechenlandkrise.Dass nun gute europäische Grundhaltungen zumindest unterschwellig als die Fehleinschätzungen eines nicht ganz auf der Höhe sich befindenden Fachpolitikers gelten und man ihn zur "loose cannon" erklärt hat, ist nun wirklich ein klarer Fall von Diffamierung.Entsprechend gereizt ist der Mann mittlerweile bei Pressekonferenzen, indem er ja auch schon mal scherzhaft seinen Gesundheitszustand anspricht und auffallend häufig von "der Koalition" spricht, als gehöre er einem anderen Gremium an.

Sicher Wolfgang Schäuble hat sich nicht gerade viele Freunde gemacht und man konnte schon länger den Eindruck haben,dass er die Autorität der Kanzlerin nicht wirklich anerkennt und sich eigentlich auch langweilt.Besonders deutlich wurde dies in seiner Zeit als Innenminister der Grossen Koalition.Auf der Karrierestufe war er doch schon einmal und das in weit bewegteren Zeiten.Auch deshalb hat er in der Terrorbekämpfung seiner ganzen Kreativität freien Lauf gelassen.Aber jetzt in dieser epochalen Krise, da will er noch einmal zeigen, was in ihm steckt.Eine Herausforderung, wie gemacht für einen der sich für einen verhinderten Kanzler hält.Und diesmal stoppt ihn keine Tüte voll Bargeld, sondern Krankheit und Intrigen.Er wird sich wohl wieder zu etwas hinreissen lassen, ein falscher Halbsatz, zu viel CDU-Parteiprogramm, zu wenig Unterordnung.Das wäre dann der Fehler eines erfahrenen Politikers. Aber dass er fachlich nicht mit dem Rest der konservativen Herrlichkeit mithalten kann, also das ist Propaganda.Falls der ein oder andere sich immer noch fragt, wie das System Merkel funktioniert, hier kann man es arbeiten sehen, in einer unheimlichen Uniformität des Geschriebenen und Gesendeten.Oder im offiziösen Sprech: Erst wenn der CDU-Minister aus eigenen Erwägungen ihr den Rücktritt anbieten würde, will Merkel tätig werden, heißt es im Kanzleramt

17:15 13.05.2010
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Geschrieben von

Lydia Esche

Wo jetzt doch wieder Mittelalter ist, kann man dann auch wieder Leumund von Beruf werden?
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