Die pornographische Republik

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Seit dem Wahlabend sucht man nach einer inhaltlichen Überschrift für das neue alte Bündnis, das an die Macht gekommen ist und tut sich schwer. Beim Betrachten der Livebilder von der Siegesfeier der FDP jedoch hatte man schon gleich so ein deja vu. Wie Birgit Homburger versuchte in die erste Reihe vorzudrängeln und Philipp Rösler keine Handbreit nachgab. Wie sie einen neuen Anlauf nahm, am immer noch verniedlichten Hans Dietrich Genscher schräg vorbei. Und auch der zunächst keine Anstalten machte Platz zu machen. Bis sie dann endlich durch einen flappsigen Ausspruch ihre Grösse betreffend, dessen Aufmerksamkeit ergatterte. Um schliesslich neben der auch nicht ministrablen Cornelia Pieper, links vom Chef, zum Stehen zu kommen.

Irgendwie natürlich menschliche Anteilnahme und Mitleid erfüllte einen, bei dieser Prozedur, die eine Ewigkeit zu dauern schien.Aber sie ist auch nicht seit gestern erst in der Politik, sie wird gecoacht, sie erfährt immer wieder was Bilder bedeuten und wie peinlichst genau derartiges registriert wird.Also keine Treueherzen verschenken und rein ins Getümmel.

Die Oberfläche kann nicht mehr verkratzt werden in diesen Tagen. Der Aussenminister in spe, auf dessen Besuche in Israel man gespannt sein darf - es dürfte sich sehr wahrscheinlich herausstellen, dass Jugendsünde andernorts kein politischer Begriff ist.Die Bundeskanzlerin, die sich im TV-Duell für das Vertrauen bedankt, was die Bürger ihr in den vergangenen Jahren geschenkt haben. Welches gerade in schwierigen Situationen sehr geholfen hat.Man weiss nicht, ob das nicht auch die Wortwahl eines TV-Stars sein könnte, der sich für die vielen Zuschriften bedankt, die er während einer Erkrankung erhalten hat.Die Grenzen sind fliessend geworden über die Jahre. Journalisten die lieber tratschen wollen, wie Matthias Dell schreibt, wären ja das eine. Aber wenn man den Zirkus einmal ins Dorf gelassen hat, dann gibt der auch Vorstellungen - wo man das Zelt schon mal aufgestellt hat.

In der Unterhaltungsindustrie gibt es einen Imagewechsel. Wann genau auch in der Politik virtuelles und echtes Leben austauschbar wurden, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit rekonstruieren.Klar ist, dass wir alle einen hohen Preis dafür bezahlen.

Also Birgit, einfach ruhig mal schubsen. Die Silvana ist ja ungewöhnlich gross.

17:23 22.10.2009
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Geschrieben von

Lydia Esche

Wo jetzt doch wieder Mittelalter ist, kann man dann auch wieder Leumund von Beruf werden?
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