Meine Freundin Eva

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Frau Herman hat es an jeglicher Pietät vermissen lassen.Das erstaunt bei einer sich so christlich gebenden Frau.Und doch auch wieder nicht, da sie sich ganz in der Tradition der amerikanischen Fernsehprediger in einem kulturellen Krieg wähnt.Auch der mittlerweile verstorbene Jerry Falwell befand es für nötig, die Anschläge vom 11.September 2001 als Gottesstrafe zu bezeichnen.Es geht solchen Menschen nicht nur um Geld, obwohl das natürlich im Vordergrund steht, sie wähnen sich einfach im Recht, was die Wahl der Mittel betrifft, da sie in einem ständigen Ausnahmezustand zu leben meinen.Sie lehnen die liberalen Grundsätze der westlichen Gesellschaften ab.Also natürlich sehr selektiv, man schränkt sich nur da ein, wo man muss und verdammt nur das, woran man nie partizipieren würde.Das wäre alles nicht weiter der Rede wert.Lässt man ein oder zwei der dann in manichäische Abgründe abgleitenden Redewendungen weg, ist es eine klassische konservative Position, die hier zu einem niederträchtigen Zeitpunkt zum Besten gegeben wird.Darüber sollte man sich echauffieren.Warum die Reaktionen, aber von so grosser Aggression zeugen, darüber sollte ein Diskurs möglich sein.

Schon beim Eva-Prinzip fiel recht schnell ein absurdes Gefälle zwischen den doch alles in allem harmlosen Gedanken über Mütter, Männer und Frauen, die man doch an zig Küchentischen in Deutschland hören konnte und kann und der intelektuellen Aggression auf, die darauf verwendet wurde, diese Meinung zu entkräften.Zum Teil erklärt sich dies durch die mediale Mode leichte Stoffe hochzujazzen, um dann blendend beim Ablesen der Noten von einfachsten Partituren auszusehen.Der andere Teil des auch gesellschaftlich spürbarem Ärger hat allerdings auch gesellschaftliche Gründe.Jeder Mensch fühlt sich angegriffen, wenn es um sehr persönliche Lebensentscheidungen geht und ein anderer es wagt ein Urteil darüber abzugeben.Das Ende des Liberalismus zu konstatieren gehört nun wirklich zum klassischen Repertoire konservativen Denkens.Sich am Ende aller Dinge zu wähnen mag zwar für den deutschen Diskurs ein neues Phänomen sein, aber das ist natürlich die Grundlage für jede moralische Argumentation aus dieser Ecke.Allein die etwas schizophrene Idee des allseits zu beobachtenden Neo-Biedermeier von der Rückkehr zu den Werten, die dann in der Patchworkfamilie im zweiten Versuch endlich verwirklicht werden, steht da der Neugeburt des christlichen Bürgertums im Weg.Kein Leben verträgt diese ideologische Überfrachtung.Es handelt sich um die Stimme der neuen Nachbarin in der Vorortsiedlung, die so tut als würde sie schon immer hier wohnen.Das erzeugt natürlich Reibereien.

Die selektive moralische Entrüstung ist nun wirklich keine spezielle Eigenheit des Konservativen.Die linke Empörung über Krieg, soziale Not und Ungerechtigkeit, steht dabei dem klassischen Bedürfnis der Rechten gegenüber den Lebenswandel der Menschen zu beweinen.Nun ist letzteres allerdings ein zunehmend kompliziertes Unterfangen, da so gut wie keiner der Repräsentanten, den eigenen kritischen Ansprüchen mehr zu genügen vermag.Diesen Phantomschmerz empfinden viele Menschen.Die Optimierung des eigenen Lebens stösst an natürliche Grenzen.Dass uns die Gelassenheit diesbezüglich abgeht hat nicht nur mit der Endlichkeit des Seins zu tun, man hysterisiert sich auch gegenseitig in der Konsumgesellschaft.Der perfekte Körper, die perfekte Partnerschaft und die perfekte Kindererziehung haben auch immer mehr den Charakter eines zu erwerbenden Produkts angenommen.Dafür können die 68er jetzt allerdings nichts.

Leichter wäre das neue Leben in Anstand allerdings, wenn endlich auch die Anderen zur Venunft kämen.Deren Kinder machen wieder die eigenen ganz verrückt, da kommt man ja zu nichts mehr.Dass moralische Fragen nur noch in sehr abgezäunten Bereichen verhandelt werden können, nützt der Gesellschaft nicht wirklich.Man kann doch über alles reden, würden die 68er sagen.

Eva Herman kann doch eine Meinung über den Lebenswandel von Anderen haben.Dass man keine sachliche Diskussion mit ihr mehr führen möchte, ist eine unfaire Regelverletzung.No child left behind, war doch sogar eine Agenda des mitfühlenden Konservatismus, also soviel Grossmut sollte doch da sein.Es könnte sonst ja noch der ein oder andere auf die Idee kommen, dass sie mit zu grosser Kelle einen vorhandenen Riss zuspachtelt.

21:50 26.07.2010
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Geschrieben von

Lydia Esche

Wo jetzt doch wieder Mittelalter ist, kann man dann auch wieder Leumund von Beruf werden?
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Kommentare 15

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