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Die SPD ist klinisch tot. Das war sie schon öfter.Ihr Milieu existiere nicht mehr.Und ihre Politik war gegen ureigene sozialdemokratische Prinzipien gerichtet und mußte dergestalt zu ihrem Untergang führen, sagt man.Die CDU ist geschwächt.Ihre Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel.Ihre Politik habe auch gegen ureigene christdemokratische Prinzipien verstoßen.Das vielzitierte Tafelsilber sei verscherbelt worden, so heißt es.Um der Macht willen und unter dem Druck des anderen seelenlosen Riesen.

Die Ränder wurden gestärkt.In der Krise tritt naturgemäß die Spaltung der Gesellschaft deutlicher in Erscheinung.Es gibt Menschen, die etwas zu verlieren haben und Menschen, die nicht mehr wirklich ans Gewinnenkönnen glauben.Letztere haben in guten Zeiten Fürsprecher aus der heiß umkämpften, sagenumwobenen Mitte der Gesellschaft.Jetzt, da das Wasser steigt, haben die den Kopf nicht frei für anderer Leute Probleme.In solchen Zeiten wären Volksvertreter gefragt, die eine grundsätzliche Auffassung, eine Haltung gegenüber den gesellschaftlichen Realitäten haben.Diese Haltung sollte eigentlich ungetrübt von der Tagespolitik sein.Sie müsste diese leiten, wenn sie sich eine Meinung bilden über einen zu regelnden Sachverhalt.

Wenn Merkel die CDU gekapert hat, wie Dirk Kurbjuweit meint und sie angepasst hat an neue gesellschaftliche Wirklichkeiten, wie die Kanzlerin dies für sich beansprucht,welche Prinzipien leiten denn dann genau die grosse Zahl an Parlamentariern,die die siegreiche Kanzlerin wiedergewählt haben?Nur das Grummeln einiger Ewiggestriger sei zu vernehmen.Sie werden besänftigt mit Diskussionen über den verfassungsrechtlichen Rang der deutschen Sprache.Oder dem Erziehungsgeld.Mit dem Rücken zur Welt, noch näher ran ans bürgerliche Lagerfeuer gibt es dann auch noch 300 Euro Taschengeld für begabte Studenten.Offenkundig ohne Prüfung der Bedürftigkeit.Einfach um der Mitte ein wenig den Druck zu nehmen, sie hat ja so schon genug mit Abstiegsängsten zu kämpfen.Und das Wirgefühl oberhalb der Schmerzgrenze stärkt es auch noch.Wären da konservative Prinzipien vorhanden, jetzt wäre doch der Zeitpunkt so langsam gekommen, sich zu ihnen zu bekennen.In der ausgerufenen Bildungsrepublik liessen sich beliebig Exempel statuieren.

Was ist denn konservativ daran, die private Bildung in so massiver Weise zu fördern,wie dies geschieht?

War denn eine öffentliche Schule, in der der künftige Staatsbürger mit der gesamten gesellschaftlichen Realität konfrontiert und von ihr bereichert wird, nicht einmal ein konservatives Leitbild?Und hieße dies nicht, daß man sich Gedanken machen müßte, wie man der schulischen Teilung nach Geld und Herkunft der Kinder stärker entgegen wirken kann?

Da wäre man sofort bei einer Auseinandersetzung mit dem Selbstbild des vielbesungenen Bürgers.Auch das konservative Milieu nähme während einer solchen Diskussion in wundersamer Weise an Zahl und Vielfalt zu.

Alle links von der Mitte müssen die Konsequenzen ihrer Programmatik immer ganz genau ausbuchstabieren.Man zerfleischt sich dann unter grosser öffentlicher Beteiligung und mit schuldbewußter Einbeziehung moralischer Anwürfe von allen rechts der Mitte.Es sollte mal für eine Weile Waffengleichheit herrschen.Damit man mehr erführe über die Ideale und Prinzipien der Abgesandten des Volkes, die uns künftig regieren werden.Über die, die uns nicht regieren werden, ist schon genug bekannt.

20:11 28.10.2009
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Geschrieben von

Lydia Esche

Wo jetzt doch wieder Mittelalter ist, kann man dann auch wieder Leumund von Beruf werden?
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