lyrith

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Krieg als vermeidbares Unglück | 29.04.2012 | 23:44

Daniele Dahn zieht Bilanz, steht vor dem Artikel. Und ich denke, nach ja nach ein paar Wochen und mit einigem Abstand, kann das interessant sein... und bin enttäuscht.

Daniela Dahn schriebt zum Beispiel:
"Der Begriff „Auslöschen“ im Zusammenhang mit dem Wort „Volk“ ist ein für alle mal besetzt und seine andersartige Verwendung ist berechtigt verletzt zurückgewiesen worden. Aber wurde in der Debatte ernsthaft die Frage gestellt, wie die Folgen eines Bombenkrieges, der dem selbst drohenden Iran droht, zutreffend zu beschreiben wären?"
Zu einer Bilanz hätte doch auch gehört eine Erklärung dafür zu suchen, wie sich ein Mann vom Format eines Grass so in der Sprache vergreifen kann, dass er die Wahrnehmung seines Anliegen selbst verstellt. Ich habe das schon damals bei Walsers unseeliger Paulskirchenrede nicht begriffen. Die Erklärung, die Frau Dahn dazu gibt, dass wir "eine Medienlandschaft [hätten], die nur noch auf Hochdosiertes von Hochprominenz reagiert", scheint mir zu dürftig.
Zur Bilanz hätte auch eine Auseinandersetzung mit den offenbar vorhandenen antijüdischen Ressentiments vieler Linker gehört, die für mich bis zu dieser Diskussion eine nicht belegte Behauptung waren. In dem hier schon zitierten 1003er Blog findet man leider genügend Belege dafür, dass er tatsäschlich exisitiert.

RE: Breiviks „Männerphantasien“ | 18.04.2012 | 16:57

"Ich verstehe diesen Artikel nicht. Breivik widerspricht sich doch in seinen Angaben. Einerseits gegen Muslime in seiner nordischen Welt, gerade weil diese Gruppe in seinen Augen einer westlichen Gesellschaft in ihrer Form diametral gegenüberstehen. (Zur westlichen Gesellschaft ist unweigerlich auch die Gleichberechtigung der Geschlechter zu subsummieren.) Dann zeigt er sich wieder von den militärischen Fähigkeiten der Al Quaida fasziniert, kämpfend für ein System, welches sich inkompatibel zu unserem verhält,..."

@ Tycho, vordergründig und nicht-historisch betrachtet erscheint Breiviks Argumentation vielleicht widersprüchlich. Aus seiner geschichtlichen Perpektive, er versteht sich ja als Ritter, wird das schon nachvollziehbarer.

Die mittelalterliche Dichtung, sofern sie sich mit den Kreuzzügen beschäftigt, ist voller Beispiele, in denen die Faszination und Anerkennung für den muslimischen Feind sichtbar werden. Er soll zwar vernichtet werden, wird aber als Kämpfer respektiert.

Und da sind die Parallelen zum Frauendbild auch nicht mehr so weit. Denn Breiviks Bild der westlichen Gesellschaft subsummiert die Gleichberechtigung der Geschlechter eher nicht, wie Sie glauben, sondern geht von mittelalterlichen gesellschaftlichen Zuständen aus.

Ich finde Magdas Artikel deshalb so wertvoll, weil sie die Perspektive in dieser Hinsicht erweitert hat.

RE: Breiviks „Männerphantasien“ | 18.04.2012 | 16:30

"Einen Menschen, der offensichtlich nicht bei klarem Verstand zu sein scheint, mit seinen Ideen und Vorstellungen als Argument in die Anti - Ismus - Debatte einzuführen..."

Es ist erst noch Gegenstand des Verfahrens, ob dieser Mensch bei klarem Verstand ist. Leider gibt es auch die Möglichkeit, dass er sehr wohl bei klarem Verstand, wenn auch eiskalt gehandelt hat. Ich denke wir haben jeden Grund uns mit seinem ideologischen Hintergrund zu beschäftigen. Denn in seiner Denkstruktur und in seinem Handeln finden sich Parallelen zu den Tätern der NSU.

RE: Der ganz reale Judenhass | 10.04.2012 | 20:16

Sieh mal einer an, man kann die ganze Angelegenheit also auch ziemlich entspannt (na gut, das Wort "entspannt" passt bei dem Thema wohl nicht so ganz) diskutieren und einen echten Erkenntnisgewinn erzielen. Und wie macht der verdienstvolle Herr Schlesinger das? Er sagt einfach, was er weiß und denkt, ohne sich für irgendwas zu entschuldigen, ohne zu behaupten, jemand hindere ihn.

RE: Günter Grass als Mephisto | 07.04.2012 | 22:54

"möglichst genau und mit eigenen Worten"?
Ich nehme mal ein paar Worte von Grass und schreibe auf wie man sie auch lesen kann:

"Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
[...]den das iranische Volk auslöschen könnte,"
Grass unterstellt Israel die Absicht einen Völkermord begehen zu wollen. Ahnungslos wie er insgesamt in der ganzen Angelegenheit erscheint, unterstelle ich mal nicht, dass ihm beim Schreiben klar war, dass die Perser in Rassetheorien des 19. Jahrhunderts zu den Arieren gezählt wurden.

"Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er mißachtet wird;
das Verdikt "Antisemitismus" ist geläufig."

Grass behauptet, man könne über Israels Atomwaffen nicht sprechen, weil man dann mit dem Verdikt Antisemit zu sein bestraft werde. Dies ist eine völlig unsinnige Behauptung. Woher weiß Grass überhaupt, dass Israel Atomwaffen besitzt, wenn es doch so ein Tabu ist darüber zu sprechen? Die Behauptung, dass die Juden Tabus (oder wer sonst immer) errichtet haben, um damit die öffentliche Meinung zu manipulieren, ist eine ganz typische antisemitische Argumentationsfigur.

"Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, [...]"
Dieser Teil hat mich am meisten aufgeregt. Man kann kritisieren, dass Deutschland die U-Boote liefert, schließlich in ein Spannungsgebiet. Grass sagt aber, dies geschehe, weil Deutschland wieder und wieder wegen seiner Verbrechen zur Rede gestellt werde und die Lieferung werde als Wiedergutmachung deklariert (von wem eigentlich?) Das heißt nicht anders als: Die Juden profitieren noch heute vom Holocaust, eine der perfidesten antisemitischen Argumentationen.

"Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden"

Grass spinnt mit diesem Satz nichts anderes als die Idee der jüdischen Weltverschwörung weiter, die alle anderen in den Untergang führt.

Auch die Reaktion von Grass auf die Kritik an ihm, erst heute wieder in einem Interview der Süddeutschen, halte ich für höchst problematisch. Er wiederholt dort den Vorwurf, die Presse sei gleichgeschaltet und vermutet irgendwelche ihm nicht genau bekannten konspirativen Kräfte. Auch das nichts als eine Verschwörungstheorie, die schon deshalb abwegig ist, weil Grass nun wirklich in jeder Zeitung und auf jedem Sender zu Wort gekommen ist.

RE: Günter Grass als Mephisto | 05.04.2012 | 20:22

Was gesagt werden muss:
Offenbar schafft Grass es nicht mehr einen tiefsitzenden Antisemitismus abzukapseln*. Nichts anderes spricht aus seinem Machwerk.
Und nun dieses Gejammer, es gäbe eine Kampagne gegen ihn. Auch das ist einer dieser Mechanismen des Antisemitismus, man dürfe angeblich keine Kritik an Israel üben.

*Grass hat seine SS-Mitgliedschaft 60 Jahre "abgekapselt", wie er es selbst in seiner Biografie geschrieben hat.

RE: Geld für Wulff: Eine Frage der Ehre? | 03.03.2012 | 10:11

Liebe Magda,
Deine Argumentation ist die beste!! Wer die Erbarmungslosigkeit im Umgang mit Menschen, die lange arbeitslos sind und von der Gesellschaft abgehängt werden, kritisiert, soll für Großmut in dieser Sache sein.
Ich freue mich, dass hier nicht alle von Neid und Geiz zerfressen sind. Der Appell an Neid und Geiz auf die angeblich auf Kosten der Gesellschaft arbeitslos in der sozialen Hängematte Herumlungernden war Haupttriebfeder für die Hartz-Gesetze. Ich finde es bemerkenswert, wie sehr sich Neid und Geiz als Grundhaltung bis weit ins linke Milieu durchgesetzt haben.
Sie bestimmen auch die Haltung gegenüber der Not der Griechen. Bei mehr Großzügigkeit ginge es denen und uns längst wieder viel besser.

RE: Experiment Gottschalk | 25.02.2012 | 21:06

Das misslungene Experiment Gottschalk ist nur ein Beispiel für die immer schneller fortschreitende Verflachung der öffentlich Rechtlichen.
Zurzeit kämpft eine Initiative gegen die weitere Verschlechterung der Radioprogramms von WDR 3, eines einstmals wichtigen Kultursenders. Die anstehdende sogenannte Programmreform wird als bessere Nutzung von Ressourcen verkauft. Angesichts der Gebührenverschwendung für Gottschalk der reine Zynismus.
Mehr unter:
die-radioretter.de

RE: Chance gehabt, Chance verpasst | 05.02.2012 | 10:52

"Besser, billiger und – vom Aufschrei der Vermögensbesitzer abgesehen – friedlich und sozial gerecht wäre die rechtzeitige Streichung von Schulden, gekoppelt an eine Vermögensabgabe oder Vermögenssteuer."

Das klingt ja sehr sympathisch, aber...
der Staat wird nur einmal kassieren können, wenn überhaupt.
Mein Vermögen besteht sagen wir mal aus Bundesschatzbriefen oder anderen Staatanleihen, also aus Schulden des Staates. Er kann seine Schulden reduzieren, indem er entweder weniger zurückzahlt als ich ihm gegeben habe (Schuldenschnitt) oder er nimmt mir das Geld mit einer Vermögenssteuer. Das Ergebnis ist jeweils dasselbe. Es ist nicht mehr Vermögen da als vorher, sondern weniger. Diese Aktion kann der Staat genau einmal durchführen, denn ich kann ihm danach kein Geld mehr leihen und ich habe auch kein Vermögen mehr, das er besteuern könnte.
Es gehört zu den Paradoxien der Situation, dass umgekehrt die Vermögen, die aus den Schulden der Staaten bestehen, nur Scheinvermögen sind, weil die Staaten offensichtlich irgendwann nicht mehr in der Lage sind, die Schulden zu begleichen.

RE: Schrei nach Freiheit | 28.01.2012 | 19:23

@ hadie
was für eine bellizistische Propaganda?