Der teutsche Mann wittert Morgenluft

Köln und was daraus folgt Die Ewiggestrigen kommen aus ihren Löchern - nehmen wir uns in Acht
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Arabisch aussehende Männer haben Frauen betatscht, sexuell belästigt und möglicherweise sogar vergewaltigt. Das ist schlimm, das ist zu verurteilen und das muss bestraft werden.

Aber – es folgt immer ein aber, das aber auch ein und sein könnte, denn dann ist es vielleicht politisch korrekter – :

1. Verständnisfrage: Was eigentlich ist „arabisch aussehend“? Zugerechnet wird hier jeder, der nicht deutsch aussieht und „deutsch aussehen“ ist für diese Leute weiß sein. Zum „deutsch aussehen“ gehört auch, kein Kopftuch zu tragen. Allerdings ist das in dieser Angelegenheit nicht ausschlaggebend, es sei denn, irgendwann taucht eine Lesbe auf, die eine Frau begrapscht. Man darf gar nicht darüber nachdenken, was dann hier los ist. Dann sind alle Flüchtlinge (Flüchtlinge sind in der öffentlichen Meinung grundsätzlich männlich) Vergewaltiger und alle „nicht deutschen“ Frauen Lesben. Hier kommt sehr vieles durcheinander

2. „Arabisch aussehende“ Männer sind in erster Linie Männer. Und es ist leider für Frauen (ob sie nun arabisch, deutsch oder wie auch immer aussehen) keine neue Erfahrung, dass sie dort, wo viele Männer zusammen sind, sich auf gefährlichem Boden bewegen. Frauen wachsen mit dieser Bedrohung auf, sie verinnerlichen sie, sie sind fast immer (häufig erfolglos) auf der Hut. Und übersehen dabei leider zu oft, dass die Gefahr auch dort droht, wo sie nicht erwartet wird: Zu Hause, im Freundes- und im Familienkreis. Aber das wird ihnen nicht erzählt, das wissen sie nicht von Geburt an – das bedarf der schmerzhaften persönlichen Erfahrung.

3. Teutsche Männer werden plötzlich zu kämpferischen Frauenbeschützern. Wie kommt das? Wollen teutsche Männer „ihre“ Frauen lieber selbst bedrängen? Das soll jetzt gar nicht unterstellt werden, jedenfalls nicht als bewusster Gedanke. Aber sie nutzen die Gefahr aus, in der Frauen sich immer und überall befinden, unabhängig davon, welches Aussehen die sie umgebenden Männer haben, um ihr nationales Süppchen zu kochen. Flüchtlinge sind sowieso nicht gerne gesehen und nun haben sie endlich eine Handhabe, die eigentlich jedem Menschen einleuchten muss: Wer Frauen angreift, hat bei uns nichts verloren! So falsch wäre dieser Satz gar nicht, wenn er wörtlich genommen werden könnte. Gemeint ist aber: Wer deutsche Frauen angreift und wer dabei zu allem Überfluss selbst nicht deutsch ist. Leider springen viel zu viele Menschen auf das Äußerliche an, aufs äußerliche Aussehen genauso wie auf diesen „äußerlichen“ Satz. Nachzudenken, was sich dahinter verbirgt, hinter Aussehen genauso wie hinter Worten, das haben viele bei uns nicht gelernt und anscheinend noch mehr ganz plötzlich vergessen.

4. „Wir Männer sind wieder wer" – denn Frauen sind wehrlos. Frauen brauchen Schutz: Frauen zurück in die zweite Reihe. Eine weitere Möglichkeit, ihre Ziele zu erreichen, die im Zusammenhang mit den Übergriffen „arabisch aussehender“ Männer nun flugs von teutschen Männern ergriffen wird. (Eigentlich müssen sie diesen ja dankbar sein.) Frauen müssen geschützt werden, denn sie können dies nicht selbst, vor allem aber sollen sie es gar nicht können. Frauen sollen möglichst nachts nicht mehr allein unterwegs sein, Frauen sollen Abstand halten (auch Frauen geben manchmal Ratschläge, die aus verinnerlichter teutscher Männlichkeit erwachsen), Frauen sollen sich beschützen lassen. So häufig wie in den letzten Tagen war schon seit langer Zeit nicht mehr von „wehrlosen Frauen“ die Rede. Und wer wehrlos ist, muss sich einem starken Beschützer anvertrauen. Einem Mann. Endlich gibt es wieder Gründe, die Frauen nicht mehr sich selbst zu überlassen, Männer müssen nicht mehr erdulden, dass sie von Frauen nicht gebraucht werden, dass sie ein selbstbestimmtes Leben zu führen in der Lage sind.

Der teutsche Mann wittert Morgenluft! In jeder Hinsicht.

16:10 10.01.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

mabra

Das Leben ist ungerecht, aber es hat seine Momente!
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mabra

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