Neuerscheinung: Amra und Amir

Abschiebung Menschen werden in ihre "Heimatländer" abgeschoben, die sie oft kaum kennen. Heimat lässt sich nicht verordnen!
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Nachwort zu einem Buch, das in Form eines Romans einen Einblick in die Lebensrealitäten von (jungen) Menschen gibt, die Deutschland nicht haben will und in angebliche Heimatländer abschiebt, die viele von ihnen noch nie gesehen haben:

Dies ist keine wahre Geschichte, aber sie wurde aus Bausteinen zusammengefügt, die dem wahren Leben entnommen sind.

Immer wieder werden junge Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind oder einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend hier verbracht haben, in das Herkunftsland ihrer Eltern abgeschoben. Gemeinsam mit ihrer Familie oder auch allein.

Auch Heranwachsende, die erst wenige Jahre in Deutschland leben, sich aber bereits sehr gut eingelebt, Freunde gefunden, eine Ausbildung begonnen haben, erleben die Abschiebung ins Ungewisse nicht viel anders als Amra. Der einzige Vorteil den sie haben sind Sprachkenntnisse, die ihnen den Anfang im „Herkunftsland“ etwas erleichtern. Dennoch stehen sie oft von heute auf morgen allein, ohne Kontakte, ohne Geld, ohne Wohnung und ohne Arbeit auf der Straße und wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Über die Jahre gab und gibt es immer wieder Veränderungen in der deutschen Asylgesetzgebung, die neben vielen Verschärfungen auch hin und wieder Vorteile für bestimmte Gruppen mit sich bringen.

So können seit 2011 Jugendliche und Heranwachsende zwischen 15 und 21 Jahren eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, wenn sie länger als acht Jahre in Deutschland leben und einen Schulabschluss oder eine Ausbildung aufweisen. Dies soll in einem aktuellen Gesetzentwurf noch verbessert werden.

Aber auch hier gibt es immer wieder Ausnahmen, sei es dass jemand dies nicht weiß und die Fristen versäumt oder wegen weniger Monate nicht in das Zeitfenster passt, dass irgendetwas bei den Behörden schiefgelaufen ist oder auch, dass die positive Integrationsperspektive fehlt. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Jugendliche sich, wie die Kurdin Sultan Karayigit, die sich an verschiedenen prokurdischen Demonstrationen und Veranstaltungen beteiligt hat, politisch unerwünscht engagieren, wenn sie schulische Probleme haben und keinen Ausbildungsplatz finden können oder wenn sie straffällig werden. „Jugendsünden“, falscher Umgang und schlechte Lebensbedingungen werden so schnell zu schicksalsschweren Geschehnissen, die, auch wenn die Betroffenen verursachte Schäden wieder gutgemacht, ihre Strafe verbüßt und aus dem allem gelernt haben, oder wenn sie vielleicht wie andere Jugendliche mit deutschem Pass, einfach ein wenig länger brauchen, um in Schule und Beruf ihren Weg zu finden, ihr Leben in ganz neue Bahnen lenken.

„Amra und Amir“ soll einen Eindruck vermitteln, was alles mit diesen jungen Menschen geschehen kann, wie sie versuchen zu überleben, wie sie mit ihrem Schicksal umgehen lernen müssen, wenn sie überleben wollen. Nicht alle schaffen das, immer wieder erreicht die Freunde in Deutschland die traurige Nachricht vom Selbstmord eines abgeschobenen Freundes, aber vielen gelingt es irgendwie, mit der ständigen Ungewissheit und Unsicherheit umgehen zu lernen, indem sie wie Amra, ihre ganz eigenen Strategien entwickeln.

Ganz unabhängig davon, wie erfolgreich die Betroffenen damit sind, Wege des Überlebens zu finden, stellt sich uns, die wir in gesicherten Verhältnissen aufwachsen und leben jedoch immer die grundsätzliche Frage:

Woher nehmen „wir“, woher nehmen diejenigen, die sich von uns zu unseren politischen Vertretern wählen lassen, das Recht, Menschen in ein Leben ohne Perspektive, mit der ständigen Ungewissheit, was am nächsten Tag geschieht, in dem Krank- und Altwerden eigentlich nicht vorkommen darf, zu stürzen, während sie selbst in Ruhe leben und von einer gesicherten Gesundheits- und Altersversorgung ausgehen können?

Trotz alledem

Immer wieder – wenn auch viel zu selten – erreichen uns aber auch erfreuliche und hoffnungsvolle Nachrichten: Durch das Engagement der Zurückgebliebenen, die ihre Freunde nicht vergessen und aufgeben wollen und können, wird immer wieder erreicht, dass der eine oder die andere – manchmal erst nach Jahren – wieder zurück nach Deutschland kommen und bleiben darf.

Und manchmal ändert sich sogar etwas in der Gesetzgebung, wenn der öffentliche Druck unüberhörbar wird. Engagement ist hier wie auch in anderen Bereichen, ein langer Weg mit vielen Hindernissen und vielen Enttäuschungen, aber auch mit positiven Erlebnissen und mit Grund zur Hoffnung.

Maria Braig, "Amra und Amir - Abschiebung in eine unbekannte Heimat"

Roman

Verlag 3.0

Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag. http://verlag-shop.com/epages/es280277.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/es280277/Products/9783956671371

11:55 16.08.2015
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Geschrieben von

mabra

Das Leben ist ungerecht, aber es hat seine Momente!
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mabra

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