One Billion Rising - (wie) geht es weiter?

(Selbst)Kritik (Wie) geht es weiter mit One Billion Rising? Schaffen wir es, uns neu aufzustellen und die Kritik an der Kampagne umzusetzen, um neue und noch bessere Wege zu gehen?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Nach der erfolgreichen Kampagne 2013 wurde auch am 14. Februar 2014 wieder weltweit gegen Gewalt gegen Frauen getanzt.
Die Anzeichen – jedenfalls in den deutschen Aktionsgruppen – stehen bereits auf Fortsetzung. Und eine Fortsetzung der Bewegung gegen Gewalt gegen Frauen ist dringend geboten, weltweit wie national, denn auch die Gewalt gegen Frauen nimmt ja kein Ende.
Es stellt sich nicht die Frage, müssen und sollen wir weiterhin gegen sexualisierte Gewalt, gegen häusliche Gewalt, gegen Sexismus auf die Straße gehen und unsere ganze Energie dafür einsetzen, dass es damit ein Ende nimmt.

Für mich stellt sich aber sehr wohl die Frage: Wie wollen und sollen wir das in Zukunft tun? Können wir einfach das bisherige Konzept von One Billion Rising übernehmen, ohne zuvor grundsätzlich zu diskutieren und zu überdenken, was gut daran ist, was machbar ist und was sehr wohl zu kritisieren und zu verändern wäre.

Die Zahlen der Beteiligten sind bundesweit 2014 im Unterschied zu 2013 um fast 50 % zurückgegangen, wobei es immer schwer zu fassen ist, welche Zahlen bei den Organisatorinnen ankommen und wie hoch die Dunkelziffer der Tänzer_innen bleibt.

Dennoch ist dies ein Punkt, der zu denken geben sollte, dass in kleineren Orten, dort, wo 2014 im ersten Jahr getanzt wurde, auch zahlenmäßig messbare große Euphorie herrschte, in größeren Städten und wo wiederholt getanzt wurde, die Zahlen oft stagnierten, bzw. zurückgegangen sind.

Man darf mit Sicherheit nicht die Quantität über die Qualität stellen, aber auch die Qualität des OBR-Konzeptes muss gründlich überdacht werden. Haben wir die Kraft, neben dem 8. März und dem 25.November noch einen weiteren Tag zu bedienen? Ist OBR zu sehr an V-Day angedockt und schreckt deshalb manche ab? Sind es inhaltliche Probleme, die kritiseirt werden?

Weltweit gibt und gab es Kritik am Konzept von der von Eve Ensler in die Welt entlassenen Idee einer globalen Tanzdemonstration gegen Gewalt gegen Frauen. Nicht Kritik am Thema und nicht an der Idee grundsätzlich, denn wer wollte in Frage stellen, dass eine weltweite Kampagne gegen ein weltweites Problem wichtig, richtig und gut ist.

Es gab und gibt aber berechtigte Kritik an der Umsetzung der Idee. Die Kritik kommt vor allem von Seiten indigener Frauen, schwarzer Frauen und von Transgender und Transsexuellen Frauen.

One Billion Rising wird noch zu sehr aus weißer Perspektive umgesetzt und organisiert. Es fehlt der umfassende Blick auf die Problemen indigener, schwarzer, „behinderter“, lesbischer, Transgender und transsexueller Frauen und möglicherweise habe auch ich aus meiner westlich deutschweißen Perspektive nun noch einige übersehen, die hier genannt werden müssten. Und genau hier müssen wir ansetzen:

Wir müssen lernen nicht mehr von „oben“ auf die Probleme dieser „Anderen“ zu sehen, sondern versuchen, aus ihrer Perspektive sehen zu lernen und dabei auch akzeptieren, dass wir immer einen anderen Blickwinkel haben werden. Wir müssen zumindest versuchen, unsere eigenen rassistischen, homo- und transphoben, sexistischen, behindertenfeindlichen……. Anteile zu finden, d.h. wir müssen aktiv nach ihnen suchen, um besser arbeiten zu können. Wir müssen die Augen weiter öffnen, um zu sehen, wo wir in unserer Euphorie einfach andere überrennen (so gibt es am 14.2. schon seit Jahren weltweite ähnliche Bewegungen, die einfach von OBR übersehen wurden). Wir müssen unsere Bereitschaft, Kritik anzunehmen klar und deutlich vermitteln, um gemeinsam mit denen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, One Billion Rising weiter zu entwickeln und nicht selbst andere in unserem und durch unser Engagement ebenfalls zu diskriminieren.

Das heißt Arbeit und Anstrengung, die aber notwendig sind, um die Basis für das weitere gemeinsame Agieren aller zu schaffen.

http://onebillionrisingosnabrueck.wordpress.com/kritische-stimmen/

Sammlung kritischer Beiträge: http://onebillionrisingosnabrueck.wordpress.com/kritische-stimmen/links-zu-kritischen-beitragen/

http://onebillionrisingosnabrueck.wordpress.com/kritische-stimmen/

Sammlung kritischer Beiträge: http://onebillionrisingosnabrueck.wordpress.com/kritische-stimmen/links-zu-kritischen-beitragen/

10:33 06.03.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

mabra

Das Leben ist ungerecht, aber es hat seine Momente!
Schreiber 0 Leser 1
mabra

Kommentare