Stoppen Wutbürger die Energiewende?

Erneuerbare Energien Mangelnde Informationen und diffuse Ängste könnten den Ausbau der erneuerbaren Energien aufhalten - wenn die Bürger nicht von Anfang an beteiligt werden
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Der Stand mit den T-Shirts ist gut besucht, und die Ware geht weg wie heiße Semmel: Die orangefarbenen Kleidungsstücke zeigen in der Mitte einen weißen Kreis, auf dem das Schloss Sanssouci in Potsdam abgebildet ist. Doch im Hintergrund des Gebäudes sieht man bedrohlich aufragende Windkraftanlagen, die den historischen Reiz dieses schönen Schlosses zunichte machen. Die schlichte Aufschrift: "Rettet Brandenburg!"

Die Botschaft ist eindeutig: Die Bürger wollen keine Windkraftanlagen, zumindest nicht dort, wo sie wohnen. Die Ängste sind groß, allgemein verbreitet und auch verständlich: Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ("Verspargelung"), Zerstörung des Ökosystems Wald durch den massiven Ausbau von Onshore-Windanlagen und die Belästigung durch "Infraschall". Nicht nur in Brandenburg hat der organisierte Protest der Bürger einen großen Zulauf.

Dabei ist die Windkraft ein zentrales Element der von der Bundesregierung nach der Katastrophe von Fukushima beschlossenen Energiewende. Bereits 17 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms stammen aus erneuerbaren Energien, mehr als ein Drittel davon wird in Windkraftanlagen produziert - und in Deutschland ist das Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft.

Zur Energiewende gehört außerdem der Ausbau der Stromnetze. Besonders im Norden wird überdurchschnittlich viel Energie aus Wind produziert; die derzeitigen Stromleitungen haben aber kaum die Kapazität, diesen Strom dahin zu leiten, wo er verbraucht wird. Deshalb müssen auch neue Strommasten errichtet oder unterirdische Leitungen verlegt werden - und auch hier formiert sich der Widerstand bei den vor Ort Betroffenen.

Das kleine Dorf Bönebüttel nahe dem schleswig-holsteinischen Neumünster könnte wie viele andere Gemeinden, in denen das Problem konstruktiv angegangen wird, ein Beispiel sein: einerseits Einsicht in die Notwendigkeit der Aufstellung von Windkraftanlagen, andererseits aktive Beteiligung der Bürger an den Planungen und sonstigen Einzelheiten der in Betracht kommenden Maßnahmen.

Denn die Energiewende selbst ist in Deutschland fast unumstritten: 94 Prozent der Deutschen halten den forcierten Ausbau der erneuerbaren Energien für ein wichtiges Thema, für das sie sogar bereit sind, die Kosten zu tragen. Wenn die Bürger von vornherein an der Planung der notwendigen Maßnahmen beteiligt werden, können Konflikte wie beim Ausbau des Stuttgarter Bahnhofs - der den Begriff "Wutbürger" prägte - von vornherein vermieden werden.

22:28 11.07.2012
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Geschrieben von

Mabre

"Grüne" Energie ist nie zu teuer!
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