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Jetzt ist sie also da, die Quote in der Privatwirtschaft. Freiwillig vorgelegt von einem Unternehmen, das bis Mitte der Neunziger dem Staat gehörte: der Telekom. Das DAX-Unternehmen will künftig seine Top-Etage quotieren. "Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein. Die Regelung gilt weltweit." heißt es in der Pressemitteilung von Mitte März.

Wow! Und, wie reagiert die Bundesregierung darauf? Die Kanzlerin hält sich zurück. Vielleicht genießt sie ihren Triumph des Aussitzens: Schon vor längerer Zeit sagte sie, dass sie mehr an diversity als an Quoten glaube und die Frauenförderung in der Wirtschaft als Aufgabe der Unternehmen und nicht der Politik sehe. Bundesministerin Kristina Schröder, Quoten-Gegnerin – eine gesetzliche Quote für alle Bereiche, in denen Frauen fehlen, sagte sie kürzlich, wirke "wie Kortison: Die Symptome verschwinden, aber die Ursachen bleiben" – hat den Vorstoß der Telekom immerhin begrüßt. Muss sie ja irgendwie auch: Hatte sich doch der Vorsitzende der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (was für ein Titel!), Klaus-Peter Müller, schon im Februar als Freund der Quoten auf Führungsebene gezeigt.

Doch voll auf Quoten-Kurs ist Kristina Schröder immer noch nicht. Sie sieht sie quasi als letzte Option auf dem Weg in ein gleichberechtigtes Leben, ein Instrument, auf das man zurückgreifen kann, wenn alles andere nichts genützt hat.

Besonders auffällig war das Outing von einigen Unions-Frauen, besonders aus den Reihen der CSU, nach dem Telekom-Vorstoß. Die hatten nämlich schon eingesehen, dass alles andere nichts genützt hat. Angelika Niebler, Vorsitzende der bayerischen Frauen-Union, hat verstanden, dass die ganzen Wunderwaffen wie Mentoring, Coaching und lautes Schimpf-ing bis heute nicht wirklich etwas bewegt haben. Deshalb will sie, dass Frauen 40 Prozent aller Posten in den CSU-Parteigremien besetzen, seien es nun Vorstände oder Delegiertenversammlungen. Hört, hört!

Ja, wir brauchen die Quote. Sie ist das derzeit beste Instrument, um Frauen den Zugang für Führungs-Positionen zu ermöglichen. Durch sie werden Frauen motiviert, sich zu qualifizieren. Und Unternehmen werden motiviert, Frauen zu fördern. Ach ja, dass unfähige Mitarbeiterinnen durch Quoten Top-Jobs bekommen, für die sie nicht geeignet sind, wie leider immer wieder gesagt wird, kann nicht passieren. Durch die Quotenregelung wird eine Bewerberin nur dann bevorzugt, wenn sie für eine Position gleich gut befähigt ist wie ein Bewerber. Nicht aber, wenn das einzige Einstellungskriterium ihr Geschlecht ist.

Schließlich darf aber eines nicht vergessen werden: Die Quote allein wird unsere Gesellschaft nicht verändern. Es braucht auch die Bereitschaft, umzudenken. Etwa dass Frauen manchmal eine eigene Herangehensweise an Aufgaben haben als Männer – ob auf der Führungsebene oder anderswo. Das heißt aber nicht gleich, dass sie Aufgaben schlechter erledigen. Dass in der gesamten Arbeitswelt ein geschlechterübergreifendes freundliches Klima hinsichtlich Personalverantwortung und Ellbogenausfahr-Bereitschaft herrschen muss, das versteht sich von selbst.

Wir müssen nicht nur Kind und Karriere unter einen Hut kriegen, sondern das Leben und die Karriere.

09:59 07.04.2010
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Geschrieben von

Mädchenmannschaft

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